mini|hochkant|Stadtbild von Annweiler am Trifels Annweiler am Trifels () – bis 1949 Annweiler – ist eine Stadt und gemessen an der Einwohnerzahl die drittgrößte Ortsgemeinde im rheinland-pfälzischen Landkreis Südliche Weinstraße. Sie ist zugleich Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Annweiler ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
Der Ort, der mutmaßlich bereits während des frühen Mittelalters entstand, wurde erstmals 1176 urkundlich erwähnt und bekam 1219 die Stadtrechte verliehen. Bedeutung erlangte Annweiler als Reichsstadt sowie als Standort der Reichsburg Trifels, die seit 1949 aus Marketinggründen Bestandteil des Stadtnamens ist und der sie ihre überregionale Bekanntheit verdankt. In der Gegenwart ist der Tourismus ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.
Geographie Lage Annweiler liegt im südlichen Pfälzerwald, dem deutschen Teil des Wasgaus, in dessen Teilbereich Dahn-Annweiler Felsenland, nahe dessen Ostrand im Nordwesten des Landkreises Südliche Weinstraße inmitten des Queichtals. Der größte Teil der Gemarkung befindet sich innerhalb des Annweiler Felsenlands, das sich im Süden der Gemarkung erstreckt. Der Osten gehört zum Annweiler-Albersweiler-Ausraum, der alternativ als Trifelsland bezeichnet wird. Die Stadtgemarkung umfasst darüber hinaus eine 14,71 km² große Waldexklave in der Frankenweide nordwestlich der restlichen Stadtgemarkung, zu der unter anderem das obere Wellbachtal gehört; durch die Exklave ist sie die am weitesten westlich liegende Ortsgemeinde innerhalb des Landkreises Südliche Weinstraße.
Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn – einschließlich Exklaven – Eußerthal, Albersweiler, Birkweiler, Ranschbach, Leinsweiler, Ilbesheim bei Landau in der Pfalz, Waldrohrbach, Wernersberg und Rinnthal. Die Waldexklave grenzt im Uhrzeigersinn an Landau in der Pfalz, Albersweiler, Siebeldingen, Birkweiler, Rinnthal, Wilgartswiesen, Merzalben und Wilgartswiesen.
Stadtgliederung Zu Annweiler gehören die Ortsbezirke Bindersbach im Süden, Sarnstall im Westen, Gräfenhausen im Nordosten und Queichhambach im Osten. Zur Kernstadt gehören die Einzelsiedlungen Forsthaus Annweiler, Burghotel auf den Schloßäckern, Haus Vieregg, Papierfabrik Pörringer, Steinbruch und Turnerheim. Teil des Ortsbezirks Gräfenhausen sind die Wohnplätze Rothenhof, Am Adelberg, In der Lehmgrube, Mettenbacherhof, Waldeck und Am Rothenhof. Zu Queichhambach gehören die Siedlungen Am Bahnhof Albersweiler, Gut Hohenberg, Haus Hoecker und Neumühle.
Erhebungen mini|Großer Adelsberg mit Annweiler im Vordergrund
Südlich der Stadt liegt der hohe Sonnenberg. Unmittelbar nördlich der Kernstadt erheben sich der Große () sowie der Kleine Adelsberg und nordwestlich von Gräfenhausen die Ostflanke des hohen Kehrenkopfes. Die Nordflanke des Rehbergs ist Teil des Stadtgebiets, auf der sich der Stadtteil Bindersbach erstreckt.
Zum südwestlichen Stadtgebiet gehören die Nordostflanke des hohen Ebersbergs und die Ostseite des hohen Rothenbergs. Im Osten der Gemarkung befindet sich der hohe Hohenberg. In der Waldexklave in der Frankenweide liegen der Almersberg (), der Eiterberg, der Große Fischberg, der Zwieselkopf () und die Ostflanke des Weißenbergs ().
Gewässer mini|Die Queich, innerhalb der Annweilerer Kernstadt.
Die Stadt wird von West nach Ost von der Queich durchflossen, einem linken Nebenfluss des Rheins, in den im Stadtgebiet mehrere Nebenbäche münden, darunter der Rimbach, der Ebersbach, der Klingelbach, der Bindersbach und der Trifelsbach, alle von rechts. Komplett auf Gemarkung der Stadt befinden sich der Hahnenbach und der anderthalb Kilometer lange Eisbach, der durch Zusammenfluss von Dernbach und Eußerbach entsteht, beides sind linke Zuflüsse. Der Hahnenbach nimmt vor seiner Mündung von rechts nacheinander den Ortsgraben, den Oberen sowie den Unteren Hasenbach auf.
Durch die Gemarkung der Waldexklave verläuft in Nord-Süd-Richtung der Wellbach mit mehreren Nebenbächen wie dem Eiderbach, dem Kleinen Fischbach und dem Kaltenbach.
Geologie Geologisch dominieren die Annweilerer- und die Rehberg-Schichten, die jeweils aus feinkörnigen Sandsteinen bestehen.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 910 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Mittelalter
mini|Repliken der Reichskleinodien auf der Burg Trifels
Die erste gesicherte Nennung Annweilers geht auf das Jahr 1176 zurück. Eine angebliche frühere Nennung aus dem Jahre 1086 stellte sich als Fälschung des in Hinterweidenthal ansässigen Oberförsters des Speyerer Hochstifts Johann Wilhelm Hannitz, aus dem 18. Jahrhundert heraus. Die Gründung erfolgte, wie bei anderen Siedlungen mit der Endung -weiler, wohl im 7. oder im 8. Jahrhundert. Benannt wurde Annweiler vermutlich nach einem Franken namens Anno oder Arno.Erich Keyser (Hrsg.): Städtebuch Rheinland-Pfalz und Saarland. Stuttgart 1964, S. 56.
In den Jahren 1125 bis 1298 wurden die Reichskleinodien, darunter die Reichskrone, auf der Reichsburg Trifels aufbewahrt. 1193, möglicherweise bis 1194, war der englische König Richard Löwenherz Gefangener auf dem Trifels.
Am 14. September 1219 verlieh König Friedrich II. Annweiler die Stadtrechte.
Neuzeit Im 18. Jahrhundert war Annweiler die kleinste aller Reichsstädte. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte die Stadt zu Pfalz-Zweibrücken. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Annweiler Sitz des gleichnamigen Kantons, dem 30 weitere Gemeinden angehörten, sowie der gleichnamigen Mairie, die zusätzlich Bindersbach, Gräfenhausen, Queichhambach und Wernersberg umfasste. Während des 17. Jahrhunderts gab es in der Stadt eine französische Kirche. 1815 hatte die Stadt 1758 Einwohner. Im selben Jahr wurde der Ort Österreich zugeschlagen und wechselte 1816 in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 war die Stadt Bestandteil des Landkommissariats Bergzabern, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.
1939 wurde die Stadt in den Landkreis Bergzabern eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Am 3. März 1949 erhielt Annweiler die Zusatzbezeichnung „am Trifels“.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 6. Mai 1949, Nr. 23. Bekanntmachung Nr. 210, S. 120. Am 1. Oktober 1956 wurde Bindersbach als Ortsteil eingemeindet. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Annweiler am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Landau-Bad Bergzabern, der 1978 in Landkreis Südliche Weinstraße umbenannt wurde. Der Nachbarort Queichhambach wurde am 22. April 1972 eingemeindet. Im selben Jahr wurde die Stadt Sitz der neu geschaffenen gleichnamigen Verbandsgemeinde. Am 10. Juni 1979 folgte die Eingemeindung Gräfenhausens, womit das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung erreichte.
2017 vergab die Landesregierung von Rheinland-Pfalz den 35. Rheinland-Pfalz-Tag vom 28. bis zum 30. Juni 2019 an die Stadt Annweiler, die im selben Jahr 800 Jahre Stadtrechte feierte.35. Rheinland-Pfalz-Tag: 28. bis 30. Juni 2019 in Annweiler am Trifels, abgerufen am 29. Mai 2024.
Am 16. und 23. März 2024 fanden in Annweiler Demonstrationen gegen Rechtsextremismus statt; die Teilnehmerzahl betrug beide Male rund 500.
Einwohnerentwicklung
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 42,0 % evangelisch, 37,5 % römisch-katholisch, und 20,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Annweiler Stichtag: 30. Juni 2005 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Juli 2026 hatten 27,7 % der Einwohner die katholische Konfession und 26,0 % die evangelische. 46,3 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Annweiler
Religion
Christentum Auf der Burg Trifels existierte einst die sogenannte Königskapelle.
Evangelische Kirche
mini|150px|Die Stadtkirche im Jahre 2012 In den Jahren 1151 bis 1153 errichtete man eine romanische Kirche mit Vierungsturm. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde das Bauwerk um einen Chor und einen markanten Ostturm erweitert. Aufgrund von Baufälligkeit wurde die alte Kirche durch eine spätgotische Halle ersetzt. 1785 musste die Kirche ebenfalls wegen Baufälligkeit geschlossen werden. 1789 wurde die barocke Stadtkirche des Architekten Friedrich Gerhard Wahl fertiggestellt. Nach Zerstörung bei einem britischen Luftangriff im Dezember 1944 wurde die Kirche 1950 bis 1952 in modernem Stil wiederaufgebaut.
Die protestantische Kirchengemeinde in Annweiler gehört zu der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche). An der Stadtkirche wirkte von 1932 bis 1945 der Pfarrer und Historiker Georg Biundo (1892–1988).
Römisch-katholische Kirche
mini|150px|Die Kirche St. Joseph im Jahr 2006 Ursprünglich war die römisch-katholische Gemeinde in der Stadtkirche beheimatet. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Kirche bis zum Neubau der St.-Joseph-Kirche als Simultankirche genutzt. Der Bau der neuen Kirche in den Jahren 1866 bis 1868 wurde vom Architekten Joseph Köhler aus Pirmasens geplant.
Die jetzige Pfarrei der Hl. Elisabeth in Annweiler gehört zum Bistum Speyer.
Judentum mini|links|200px|Der jüdische Friedhof im Jahr 2018 In Annweiler lebten im Mittelalter Juden, zu Beginn des 14. Jahrhunderts mussten sie jedes Jahr eine Reichssteuer von 4 Pfund bezahlen. Im 14. und 15. Jahrhundert werden einzelne Juden genannt. In den folgenden Jahrhunderten gab es keine jüdische Gemeinde in Annweiler. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen aus dem benachbarten Albersweiler einige jüdische Familien zu. Im Jahr 1928 lebten 16 jüdische Personen in Annweiler, die zur jüdischen Gemeinde Albersweiler gehörten und die dortige Synagoge besuchten.https://www.alemannia-judaica.de/annweiler_friedhof.htm
Seit dem 16. Jahrhundert hat Annweiler einen jüdischen Friedhof. Er hat eine Grundfläche von 2380 m² mit 527 Grabsteinen und steht unter Denkmalschutz. 1937 fand hier die letzte Beisetzung statt. Seit 2015 liegen in der Stadt Stolpersteine, die an ihre jüdischen Einwohner erinnern, die Opfer des Holocaust wurden.
Politik Stadtrat mini|Rathaus
Der Stadtrat in Annweiler besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Stadtbürgermeisterin als Vorsitzender.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne AfD FDP FWG Gesamt 2024 4 6 3 3 2 4 22 Sitze 2019 5 4 4 1 3 5 22 Sitze 2014 7 6 3 – 2 4 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 9 7 2 – 2 2 22 Sitze 2004 9 7 2 – 2 2 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe der Stadt Annweiler e. V.
Bürgermeister Carmen Winter (CDU) wurde am 2. Juli 2024 Stadtbürgermeisterin von Annweiler. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war die bisherige dritte Beigeordnete der Stadt als einzige Kandidatin mit einem Stimmenanteil von 58,9 % gewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,2 %.
Winters Vorgänger Benjamin Seyfried (* 1983, parteilos) hatte das Amt am 14. August 2019 übernommen und trat aus gesundheitlichen Gründen 2024 nicht erneut an. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 55,04 % für fünf Jahre gewählt worden. Sein Vorgänger war Thomas Wollenweber von der SPD, der 15 Jahre lang das Amt bekleidet und nicht mehr kandidiert hatte.
Wappen
Städtepartnerschaften Seit 1983 besteht eine Partnerschaft zwischen dem Stadtteil Queichhambach und Hartzviller im Département Moselle (Region Grand Est).