GuadeloupeGwadloup 125px|Flagge von FrankreichGuadeloupe als Teil Frankreichs führt offiziell keine eigene Flagge 80px|Wappeninoffizielles Wappen Guadeloupes Basisdaten Amtssprache Französisch Hauptort Basse-Terre Fläche 1.635,66 km² Einwohnerzahl 395.752 (2022)Liste von Staaten und Territorien nach Einwohnerzahl Bevölkerungsdichte Einwohner / km² Arrondissements 2 Kantone 21 Gemeindeverbände 6 Gemeinden 32 Präfekt Xavier LefortLes services de l’État en Guadeloupe: Le préfet Xavier LEFORT. Auf: guadeloupe.gouv.fr; zuletzt abgerufen am 18. Dezember 2024. Präsident des Regionalrates Ary Chalus Präsidentin des Départementrats Guy LosbarDépartement de la Guadeloupe: Les Conseillers départementaux.Auf: cg971.fr; zuletzt abgerufen am 18. Dezember 2024. Währung Euro (EUR) Zeitzone UTC−4 ISO 3166-2:FR FR-971 Internet-TLD .fr und .gp Vorwahl +590 Karte 330px|Reliefkarte von Guadeloupe
mini|Terre-de-Haut-Insel
Guadeloupe [] (Guadeloupe-Kreolisch: Gwadloup, von den Einheimischen auch Gwada genannt) ist ein Archipel in der östlichen Karibik, das ein französisches Übersee-Département und zugleich eine französische Überseeregion bildet.
Zusammen mit Martinique, Saint-Barthélemy und Saint-Martin bildet es die Französischen Antillen.
Guadeloupe ist Teil der Europäischen Union, gehört jedoch nicht zum Schengen-Raum.
Landesname Die Arawak nannten den Archipel Karukera bzw. Kalaoucera, die Insel der schönen Wasser. Die seit etwa 1400 hier einfallenden Kariben übernahmen diese Bezeichnung.
Als die spanische Expedition unter Christoph Kolumbus 1493 den Archipel erreichte, nannte Kolumbus es Santa María de Guadalupe nach dem gleichnamigen Marienschrein im Kloster Real Monasterio de Nuestra Señora de Guadalupe in der spanischen Stadt Guadalupe in der Extremadura.
Als der Archipel eine französische Kolonie wurde, wurde der spanische Name beibehalten, jedoch an die französische Rechtschreibung und Phonetik angepasst. Die Einwohner verwenden auch die Kurzform .
Geographie Territorium Guadeloupe liegt bei 16° 15′ N, 61° 35′ W in der östlichen Karibik (früher auch Westindien genannt) und ist Teil der Inselkette der kleinen Antillen, darin der Untergruppe Inseln über dem Winde, darin der nördlichen Untergruppe der Leeward Islands. Nördlich schließen Montserrat und Antigua an, südlich Dominica. Jenseits von Dominica liegt Martinique. Die Entfernung zur südamerikanischen Küste beträgt etwa 600 km, zur US-amerikanischen Küste bei Florida ca. 2200 km und zum „Mutterland“ Frankreich etwa 6800 km. Ungefähr 250 km westlich liegt die unbewohnte venezolanische Insel Aves.
Guadeloupe hat eine Fläche von 1.702 km² und besteht aus mehreren Inselgruppen aus insgesamt über 50 Inseln.
Sechs der Inseln sind bewohnt: die wie Schmetterlingsflügel angeordneten Hauptinseln Basse-Terre im Westen (848 km²) und Grande-Terre im Osten (590 km²), getrennt durch den 50 m schmalen Kanal der Meerenge Rivière Salée; die Îles des Saintes (Terre-de-Haut und Terre-de-Bas) im Süden (14 km²) Marie-Galante im Südosten (158 km²) La Désirade im Osten (22 km²)
Der höchste Punkt des Archipels ist der Gipfel des Vulkans Soufrière mit 1.467 m, der auch der höchste Berg der kleinen Antillen ist (nicht zu verwechseln mit mehreren gleichnamigen Vulkanen z. B. auf Montserrat oder St. Vincent). Guadeloupe hat eine Küstenlänge von 581 km. Seine inneren Gewässer haben eine Fläche von 2.881 km², die Territorialgewässer 6.653 km² und ihre maritime Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ, 200-Meilen-Zone) umfasst 90.570 km²; sie ist Teil der französischen AWZ.
Liste der Inseln mini|Guadeloupe von der ISS fotografiert
Bewohnte Inseln sind mit einem Stern (*) markiert. Die Liste ist nicht vollständig.
Geologie und Geomorphologie mini|Der erste und der zweite Wasserfall des Carbet auf Basse-Terre, Guadeloupe
Guadeloupe liegt mit der Inselkette bzw. Inselbogen der kleinen Antillen am östlichen Rand der Karibischen Platte, in der Subduktionszone, in der die Südamerikanische Platte durch die Plattentektonik unter die Karibische Platte geschoben wird. Die Subduktion führt seit Millionen von Jahren zu vulkanischer Aktivität und Erdbeben, die bis heute vorkommen (s. Erdbeben in den kleinen Antillen 1974).
Basse-Terre und die Ile des Saintes liegen genau auf dieser jüngeren vulkanischen Kette der kleinen Antillen (die innere, Karibische Reihe bzw. Vulkan-Antillen), sind also durch Vulkane entstanden und von ihnen bis heute geprägt. Wie die anderen Inseln sind sie die Gipfel von Unterwasserbergen, die durch Anhäufung von Magma entstanden. Basse-Terre weist im Landesinneren eine von Nord nach Süd verlaufende Bergkette auf, die im Süden im höchsten Berg kulminiert, dem Vulkan La Soufrière (). Seine letzten Ausbrüche fanden 1797, 1837 und 1976–77 statt.
Die Kalium-Argon-Datierung weist darauf hin, dass die drei nördlichen Massive auf Basse-Terre 2,79 Millionen Jahre alt sind. Teile der Vulkane stürzten ein und erodierten in den letzten 650.000 Jahren, wonach der Vulkan Sans Toucher im Einsturzgebiet wuchs. Vulkane im Norden von Basse-Terre produzierten hauptsächlich Andesit und Basaltandesit. Es gibt mehrere Strände mit dunklem oder „schwarzem“ Sand.
Grande-Terre, Marie-Galante und La Desirade liegen auf dem vorgelagerten älteren, ebenfalls vulkanisch entstandenen, aber inzwischen durch Korallen überformten Inselbogen (die äußere, Atlantische Reihe bzw. Kalk-Antillen). Alle drei gehören zum Inseltyp der gehobenen Atolle. Im Verlauf der Jahrmillionen schwankte der Meeresspiegel, wodurch teils erhebliche Kalk-Ablagerungen entstanden. Grande-Terre ist relativ flach (nur wenige Erhebungen überschreiten 150 m) und besteht hauptsächlich aus Kalkstein.
Klima Guadeloupe weist ein tropisches Klima auf, das von maritimen Einflüssen gemildert wird. Es ist von tropischen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und Regen gekennzeichnet. Während der atlantischen Hurrikansaison besteht die Gefahr von tropischen Stürmen. Es werden eine Trockenzeit von Januar bis Juni und eine Regenzeit von Juli bis Dezember unterschieden.
Temperatur
Die mittlere Temperatur beträgt 27 °C, es gibt keine großen Unterschiede zwischen den heißesten (von 25 °C bis 32 °C) und den kühlsten (von 23 °C bis 29 °C) Monaten. Die mittlere Temperatur auf Meereshöhe beträgt 28 °C.
Niederschlag
mini|Niederschlagsverteilung auf Guadeloupe
Die unterschiedlichen Oberflächenformen des Archipels, insbesondere der Kontrast zwischen Basse-Terre und Grande-Terre, führen zu einem spezifischen Klima auf jeder dieser Inseln.
Die Niederschlagswerte unterscheiden sich deutlich, Basse-Terre erhält wesentlich mehr Regen, da seine steilen Berge viele der Passat-Winde abfangen, Grande-Terre dagegen weist ein trockeneres Klima auf, seine Kalk-Ebenen erleben regelmäßig spürbare Dürren (s. Grafik).
Spitzenwerte weist der Gipfel des Soufriere auf mit Temperaturen lediglich zwischen 15 und 22 °C sowie nebligem, teils windigem Wetter und starken Niederschlägen von bis zu 12.000 Millimetern im Jahr.
Flora Das bergige Basse-Terre ist stark bewaldet, verbreitet sind Farne, daneben auch Mahagonigewächse. Für den Regenwald auf Basse-Terre sind Asplundia-Arten, Baumfarne oder Philodendren (v. a. Philodendron giganteum) im Unterwuchs oder große Bäume wie Sloanea spp., Dacryodes excelsa und Amanoa caribaea typisch. An den Ufern der Salee-Meerenge findet sich sumpfiger Mangroven-Wald. Auf Grande-Terre wurde der Wald fast vollständig gerodet.
Fauna Auf Guadeloupe finden sich zahlreiche Arten von Schmetterlingen, Gespenstschrecken, Käfer (z. B. Herkuleskäfer), dazu eine endemische Spinnenart, die Holothele sulfurensis.
Es finden sich Reptilien wie die Köhlerschildkröte, Nattern wie die Alsophis antillensis (Antillen-Schlanknatter) oder Alsophis sanctonum, eine Spezies der Blindschlangen (Typhlops guadeloupensis), Leguane wie den Kleinen Antillen-Leguan und den Grünen Leguan, einen Gecko (Hemidactylus mabouia) und einige Kleineidechsen (Anolis). Zwei Batracian-Arten sind in Basse-Terre endemisch, u. a. Eleutherodactylus pinchoni.
Es gibt viele Vogelarten, u. a. Antillenhaubenkolibri, Guadeloupespecht (endemisch und vom Aussterben bedroht), Turmfalke, Braunpelikan und Prachtfregattvogel. Schätzungen gehen von 13 Fledertier-Arten aus, u. a. Myotis dominicensis, Noctilio leporinus, grande chauve-souris brune guadeloupéenne. Symbolisch wichtige Säugetiere sind der Guadeloupe-Waschbär (Procyon lotor minor) und das Goldaguti (vom Aussterben bedroht, geschützt).
Bevölkerung Am hatte Guadeloupe Einwohner.
Demographie 300px|right|Diagramm, das die Altersverteilung der guadeloupianischen Bevölkerung zeigt
Das Durchschnittsalter beträgt 35,6 Jahre (2008).
+ Aufteilung nach AltersgruppenAlle Zahlen basieren auf Angaben des offiziellen Statistik-Instituts INSEE (Institut national de la statistique et des études économiques) Altersspanne Anteil 0–19 Jahre 30,3 % 20–39 Jahre 23,6 % 40–59 Jahre 27,9 % 60–74 Jahre 11,9 % >75 Jahre 6,3 %
Der Frauenanteil beträgt 52 %, der Ausländeranteil betrug 2007 5,8 %, derjenige der Immigranten 8,3 %.
Das durchschnittliche Bevölkerungswachstum beträgt 0,85 % pro Jahr, die Geburtenrate 14,25 Geburten auf 1000 Einwohner und die Sterberate 6,89 Todesfälle auf 1000 Einwohner. Alle Zahlen basieren auf Angaben des offiziellen Statistik-Instituts INSEE (Institut national de la statistique et des études économiques) von Ende Dezember 2009.
Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 9,77 Totgeburten auf 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung beträgt im Durchschnitt 77,0 Jahre, für Frauen 80,3 Jahre und für Männer 73,8 Jahre. Die Fruchtbarkeitsrate liegt bei 1,93 geborenen Kinder pro Frau. Die Zahlen sind jeweils Schätzungen für das Jahr 2002.
+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohnerzahl1950210.0031960275.1611970319.3341980330.1771990385.8782000424.6462010430.7182017409.5682022395.752
Ethnien Rund 90 % der Guadeloupianer sind afrikanischer oder gemischter Abstammung. Ungefähr 5 % der Bevölkerung sind Weiße, Inder, Libanesen oder Chinesen.
Innerhalb der Gruppe der Weißen können mehrere Gruppen unterschieden werden. Die Nachkommen der kolonialen Oberschicht werden Grands-Blancs genannt. Daneben existieren aber auch einige Gruppen verarmter weißer Siedler (Petits-Blancs): die Blancs-Matignons in den Grands-Fonds auf Grande-Terre, die Saintois auf dem Archipel Les Saintes und die Désiradiens auf der Insel La Désirade.
Religionen Die Mehrheit der Einwohner gehören der Katholischen Kirche an. Es gibt Minderheiten von Hindus, Religionen afrikanischen Ursprungs und Protestanten.
Bildung Guadeloupe ist Sitz der Université des Antilles, die über drei Standorte verfügt: Campus de Fouillole in Pointe-à-Pitre, Campus du Camp Jacob in Saint-Claude und Campus de l'INSPE de l'académie de Guadeloupe in Les Abymes.Université des Antilles univ-ag.fr, abgerufen am 17. Februar 2025 (französisch) 16 % der erwachsenen Bevölkerung von Guadeloupe haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.Illettrisme : 16 % des adultes guadeloupéens rencontrent des difficultés face à l’écrit la1ere.francetvinfo.fr, 8. November 2024, abgerufen am 17. Februar 2025 (französisch)
Geschichte Arawak und Kariben Die ältesten archäologischen Zeugnisse menschlichen Lebens stammen aus der Zeit von 3500 bis 3000 v. Chr. Ab 500 v. Chr. besiedelten die Saladoiden die Antillen. Ihnen folgten ab 600 n. Chr. die Arawak und ab dem 9. Jahrhundert schließlich die Kariben.Prehistory of the Caribbean Culture Area. Southeast Archaeological Center, National Park Service, abgerufen am 25. Dezember 2014. Diese Ethnien kamen aus Südamerika und hatten ähnliche Lebensweisen. Aus der Beute, die sie durch Jagd und Fischfang erlegten, bereiteten sie einen sehr scharfen Pfeffertopf zu und servierten ihn mit Fladenbrot aus Maniokmehl. Daneben aßen sie Papayas, Guaven, Ananas und Avocados und die Männer rauchten Zigarren. Zu ihren Haushaltsgeräten gehörten Tongefäße, Behälter aus Pflanzenmaterial und Hängematten aus Baumwolle.