Boulder Dash 300px|Boulder Dash Level 1 Entwickler Peter Liepa, Christopher Gray Herausgeber First Star Software Erstveröffentlichung Atari-Heimcomputer, März 1984 Datenträger Kompaktkassette, Diskette, Steckmodul Steuerung Tastatur, Joystick Genre Arcade: Labyrinth, Geschicklichkeit, Puzzle Portierungen (Auswahl) Apple II, CBS Colecovision, Coleco AdamJames Delson: Games. In: Family Computing, November 1984, S. 112., Commodore 64, Fujitsu Micro 7Comptiq: Boulder Dash. In: I/O. Ausgabe 12, 1984, S. 147., Nintendo Game Boy, IBM PCjr, MSX-ComputerMSXPress. In: MSX Computing. August / September 1985, S. 43., Nintendo Entertainment System, NEC PC-8801, Schneider CPCHeinrich Stiller: Boulder Dash. In: Schneider CPC International. Vom März 1986, S. 24., Sinclair ZX SpectrumRockford’s Riot. In: Crash. vom Oktober 1985, S. 24.

Boulder Dash ist ein Computerspiel von Peter Liepa und Christopher Gray. Das Spiel wurde im März 1984 für Ataris Heimcomputer von dem US-amerikanischen Herausgeber First Star Software veröffentlicht und weltweit vertrieben. Nur wenig später setzte das US-amerikanische Unternehmen Exidy das Spiel in einem seiner Spielautomaten ein – zu dieser Zeit ein ungewöhnlicher Vorgang, denn zeitgenössische Heimcomputerspiele hatten sonst eher beliebte Arcadeautomaten zum Vorbild. Danach folgten hauptsächlich durch Lizenznehmer erstellte Portierungen für fast alle gängigen Heimcomputersysteme. Ab 1990 erschien eine Vielzahl an lizenzierten Anpassungen für modernere Computersysteme und Spielkonsolen, auch in deutlich besserer audiovisueller Qualität.

Das Spielgeschehen ist in einer labyrinthartigen Höhle angesiedelt, in der sich vor allem Sand und Felsbrocken befinden. Diese müssen mithilfe der Spielfigur Rockford durchgraben beziehungsweise verschoben werden, um in der Höhle verstreute Diamanten erreichen und einsammeln zu können. Im Spiel simulierte Gravitation kann dabei zu vielerlei Bewegungen wie Felsbrockenlawinen führen. Insbesondere das vergleichsweise wirklichkeitsnahe Verhalten der Spielumgebung hebt Boulder Dash von anderen Labyrinth- und Grabespielen seiner Zeit ab. Neben gutem Reaktionsvermögen verlangt das Spiel logisches Vorgehen, um die 16 verschiedenen Höhlen absolvieren zu können. Boulder Dash wird deshalb – neben seiner allgemeinen Klassifizierung als Arcade-Spiel – den Genres Labyrinth, Geschicklichkeit und Puzzle zugeordnet.

Boulder Dash entwickelte sich binnen kurzer Zeit zu einem großen und langanhaltenden Verkaufserfolg – allein bis Ende 2003 sollen etwa zwei Millionen Exemplare verkauft worden sein. Das Spiel gilt als Klassiker der Videospielgeschichte. Neben den von First Star Software autorisierten Portierungen und Nachfolgern existiert bereits seit Mitte der 1980er Jahre eine Vielzahl an Nachahmungen (Klone) und Weiterentwicklungen.

Entwicklung Anfang der 1980er-Jahre beauftragte der im kanadischen Toronto ansässige Spielehersteller In-Home Software den 28-jährigen Peter Liepa, ein in BASIC programmiertes Spiel des 14-jährigen Christopher Gray zu verbessern. Liepa erweiterte das nach seiner Meinung zu vorhersehbare Spiel um weitere Mechanismen wie Gravitation, die zu vielschichtigeren Wirkungen führten als Grays Arcade-Vorbild The Pit von AWL Electronics. Innerhalb von sechs Monaten entstand so ein von Grays Entwurf weitestgehend unabhängiges Spiel. Grafiken und Toneffekte wurden ebenfalls von Liepa erstellt, so dass der schöpferische Anteil Liepas am Spiel deutlich überwog. Liepas Aussagen zufolge beschränkte sich Grays Beitrag lediglich auf Kleinigkeiten wie etwa das Aussehen des Startbildschirms.Randy Kindig, Kevin Savetz, Brad Arnold: Transcript of an audio interview with Peter Liepa. Abgerufen am 2. September 2025.

Kurz vor Fertigstellung des Spiels entschied sich Liepa, einen anderen als den ursprünglich vorgesehenen Herausgeber In-Home Software für den Vertrieb zu gewinnen. Nach sechsmonatiger SucheHeinrich Lenhardt: Lenhardts Spielejahr 1984: 50 Computer- und Videospiel-Klassiker – Boulder Dash. E-Book, 2015. fiel seine Wahl auf den US-amerikanischen Publisher First Star Software, an dem der Branchenriese Warner Communications fünfzig Prozent der Anteile hielt.Star-Studded Affiliations. In: Home Computer Digest. Band 1, Nummer 1, 1984, S. 11. Auf Drängen des neuen Herausgebers fügte Liepa in das zu etwa 90 Prozent fertiggestellte Spiel Bonusmaterial ein und besserte verschiedene, hauptsächlich grafische Details nach. Danach überführte er das bis dahin nur in Forth vorliegende Programm vollständig in Maschinensprache für Ataris 8-Bit-Heimcomputer. Der wohl auch in dieser Zeit für das Spiel gefundene Name geht laut Liepa auf ein Wortspiel der englischen Begriffe boulder und dash (deutsch „Felsbrocken“ und „flitzen“ oder „sprinten“) und balderdash (deutsch „Unsinn, Mumpitz, Quatsch“) zurück.Arno Weber: Interview: Peter Liepa. Auf: Boulder-dash.nl, abgerufen am 2. September 2025. Am 28. Oktober 1983 schließlich kaufte First Star Software Liepa sämtliche Rechte am Spiel ab.Craig Grannell: Retro Gamer - The Commodore 64 Book. Revised Edition, Imagine Publishing Ltd, 2015 Schon Anfang Oktober hatte das Unternehmen die Bezeichnung Boulder Dash als Warenzeichen (englisch registered trademark) eintragen lassen.Boulder Dash – Trademark Details. Auf: Justia.com, abgerufen am 5. September 2025.

Vermarktung Das Spiel erschien im März 1984 allerdings nur für die untereinander kompatiblen Heimcomputer Atari 400, Atari 800, Atari 1200XL, Atari 600XL und Atari 800XL.Year in review. In: Computer Entertainer. Dezember 1984, S. 1. Die Versionen auf Diskette und Kompaktkassette kosteten jeweils 29,95 US-Dollar (entspricht heute rund Euro) und erforderten einen Atari-Heimcomputer mit 32 KB Arbeitsspeicher. Der Preis für die Steckmodulversion von Boulder Dash, die auch mit dem werkseitig eingebauten 16-KB-Arbeitsspeicher des Atari 400 und 600XL funktionierte, lag bei 39,95 US-Dollar (entspricht heute rund Euro). Um einen größeren Käuferkreis zu erreichen, bediente sich First Star Software hauptsächlich großformatiger Anzeigen in einschlägigen Zeitschriften. Der Herausgeber pries darin Boulder Dash als die „ultimative Untergrundreise“ der Spielfigur „Rockford“ durch „16 mystische Höhlen“ an. Nichts weniger als „Perfektion“ werde auf dieser Reise vom Spieler verlangt, so First Star Software weiter. Mit den vier per Bildlauf verschiebbaren Teilen einer jeden Höhle und den fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden würden den Käufer insgesamt „320 scrollende Bildschirme“ erwarten. Hinzu kämen „spielbare Zwischenakte“.First Star Software: Boulder Dash. In: Electronic Games. vom Mai 1984, S. 20. mini|Verpackungen für verschiedene Heimcomputerversionen von diversen Herausgebern Vermutlich schon vor dem offiziellen Verkaufsbeginn für Ataris Heimcomputer hatte das US-amerikanische Unternehmen Exidy eine Lizenz für die Portierung des Spiels erworben. Bereits auf der im März stattfindenden Branchenmesse AOE ’84 wurde dem interessierten Publikum von Exidy eine Vorabversion seines neuen Automatensystems Max-A-Flex mitsamt dem darauf spielbaren Boulder Dash vorgestellt.AOE ’84 Equipment Wrap-Up. In: Play Meter, 1. Mai 1984, S. 38, 41.Exidy: Exidy’s Max-A-Flex. In: Canadian Coin Box, März 1984, S. 35. Damit war das Spiel eines der wenigen, das zunächst nur für Heimcomputer entwickelt worden war, dann aber auch in einem Spielhallenautomaten Verwendung fandThe Definitive Boulder Dash. In: Retro Gamer. Ausgabe 53, 2008 – ein zu dieser Zeit ungewöhnlicher Vorgang, denn zeitgenössische Heimcomputerspiele hatten sonst üblicherweise beliebte Arcadeautomaten zum Vorbild.Tom Crossland (Hrsg.): 100 Retro Videogames You Must Play Before You Die. Tom Crossland, USA, ISBN 979-8-22768330-4, 15. Juni 2024. Wohl spätestens im Juli 1984 erschien das Heimcomputerspiel in der Bundesrepublik Deutschland. Der Preis für die Diskettenversion lag dort bei rund 100 DM.Boulder Dash. In: Computer Praxis. Juli 1984, S. 27 f. Im August gelangte Boulder Dash für den Commodore 64 in den Handel, im Oktober für den Apple II.Year in review. In: Computer Entertainer. vom Dezember 1984, S. 143. Vermutlich Ende des Jahres 1984 kam die damals einzige Version für eine westliche Spielkonsole, das Colecovision von CBS, heraus.Availability Update. In: Computer Entertainer. vom November 1984, S. 128. Das US-amerikanische Unternehmen Micro Lab mit seinem Softwarelabel Micro Fun hatte im Mai entsprechende Plattformrechte für 1,3 Millionen US-Dollar (entspricht heute etwa  Millionen Euro) erworben.First Star’s $1.3-Million Licensing Agreement. In: Publishers Weekly. vom 18. Mai 1984, S. 119. 1985 war Boulder Dash schließlich für die meisten Heimcomputersysteme erhältlich,John B. Purcaru: Games vs. Hardware. The History of PC Gaming. The 80’s. E-Book, Purcaru Ion Bogdan, 2014, S. 226, 242–248. darunter ausschließlich für den japanischen Markt produzierte Geräte von NEC und Fujitsu.

1985 stellte das japanische Unternehmen Data East ein audiovisuell verbessertes Boulder Dash für sein DECO-Cassette-System, einen Spielautomaten, vor. Im Gegensatz zu Exidys System war darin ein hochkant stehender Monitor eingebaut, was zu einigen Einschränkungen bezüglich der grafischen Präsentation des Spiels führte. 1990 erschien eine weitere von First Star Software lizenzierte, abermals aufgewertete Spielautomatenversion von Data East.Michael Suck: Teuflisch gute Spiele in der Spielhalle ASM. In: Aktueller Software Markt. Mai 1990, S. 154. Im selben Jahr veröffentlichte auch Nintendo Anpassungen für den Game Boy und sein Entertainment System, die audiovisuell nahe am Original von 1984 blieben. Später folgten aufgewertete Versionen für verschiedene andere Spielkonsolen und Personal Computer. Im August 1994 gab Gray an, dass bis zu diesem Zeitpunkt etwa eine halbe Million Kopien von Boulder Dash verkauft worden seien.Video game industry set to out-glitz Hollywood. In: Edmonton Journal. 25. August 1994, S. 56. Laut Business Wire sollen von First Star Software und sämtlichen Lizenznehmern zusammen bis Ende 2003 etwa zwei Millionen Exemplare des Spiels abgesetzt worden sein.Boulder Dash, One of the Most Enduring Electronic Game Franchises in History. In: Business Wire. 3. Dezember 2003. S. 1.

Spielbeschreibung mini|Die ersten Sekunden des Spielgeschehens von Boulder Dash auf Atari-Heimcomputern, 1984

Das Spielgeschehen findet in einer mit Sand, Felsbrocken und Diamanten gefüllten Höhle statt. Diese wird – stark abstrahiert und auch nur ausschnittweise – in Seitenansicht auf dem Bildschirm dargestellt. Ziel ist es, darin eine vorgegebene Anzahl von Diamanten einzusammeln und anschließend den Höhlenausgang zu finden. Dazu muss sich die vom Spieler gesteuerte insektenartige Figur Rockford durch den Sand graben, um die Diamanten zu erreichen. Nähert sich die Spielfigur der Grenze des gezeigten Ausschnitts, kommt es zu dessen durch Bildrollen herbeigeführten Verschiebung, bis sich die Spielfigur erneut der Grenze annähert, und zwar immer wieder, bis hin zu den äußeren Grenzen der Höhle.

Erschwert wird das Graben durch undurchdringliche Felsbrocken, die wie Diamanten auch in unmittelbar darunter angrenzende Grabengänge fallen und die Spielfigur erschlagen können. Beim Herabfallen sind Lawinenbildungen möglich, wenn die Unterhöhlungen groß genug sind und sich viele aneinanderliegende Felsbrocken und Diamanten darüber befinden. Ein fallender Felsbrocken beziehungsweise ein lawinenartiger Steinschlag kann zum Versperren eines vorher passierbaren Weges führen. Das Einsammeln verbleibender Diamanten oder das Erreichen des Ausgangs ist dann unter Umständen nicht mehr möglich und das Spiel beendet. Das gezielte Untergraben eines Felsbrockens und dadurch verursachte Steinschläge können aber auch zur Freilegung blockierter Wege oder von Steinen umschlossener Diamanten genutzt werden.