mini|Blick über die Cham-Further Senke bei Chamerau zum Oberpfälzer Wald mini|Blick über die Regentalaue bei Cham zum Falkensteiner Vorwald
Der Landkreis Cham [] ist der östlichste Landkreis des Regierungsbezirks Oberpfalz in Ostbayern.
Geografie Das Kreisgebiet gehört fast völlig den Großlandschaften des Oberpfälzer und des Bayerischen Waldes an, die hier durch die Cham-Further Senke voneinander getrennt werden. Der Fluss Regen durchzieht den Kreis von Südosten nach Westen. Eine geologische Besonderheit ist der so genannte Pfahl, eine kristalline Verwerfung längs durch den gesamten Bayerischen Wald. Das Kreisgebiet liegt in seiner Gesamtheit im Naturpark Oberer Bayerischer Wald, welcher zudem noch einen Teil des Landkreises Schwandorf umfasst.
Mit einer Fläche von 1511,87 km² nimmt der Landkreis Cham unter den 71 Landkreisen Bayerns die fünfte Stelle, unter den sieben Landkreisen der Oberpfalz die erste Stelle ein. Die durchschnittliche Fläche der bayerischen Landkreise beträgt 985 km².
Raumordnung Der Landkreis ist der Planungsregion 11 (Regensburg) zugeordnet. Er ist Fördergebiet nach den bayerischen regionalen Förderprogrammen, der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ und Ziel 3-Fördergebiet der Europäischen Union. Auf einer Länge von 71,6 Kilometern grenzt der Landkreis Cham im Osten an den tschechischen Bezirk Pilsen (Plzeňský kraj) an. Die Region ist deshalb Fördergebiet nach den europäischen INTERREG und PHARE-Programmen.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt gegen Uhrzeigersinn (im Norden beginnend) an die Landkreise Schwandorf, Regensburg, Straubing-Bogen und Regen. Im Nordosten und Osten grenzt er an Tschechien.
Brücke zum Osten Mit ca. 70 km Grenze zu Tschechien kommt dem Landkreis Cham eine Brückenfunktion zum Osten zu. Eine Rolle spielt dabei die Begegnung der Menschen, die sich in Partnerschaften und Einrichtungen wie dem grenzüberschreitenden Wallfahrts-, Begegnungs- und Umweltbildungszentrum „Haus zur Aussaat“ Neukirchen b.Hl.Blut oder der Jugendbildungsstätte Waldmünchen äußert. Um die Herausforderungen der Osterweiterung der Europäischen Union zu bewältigen, werden gemeinsame Projekte wie in den kommunalen Aktionsbündnissen „Künisches Gebirge“ und „Cerchov“ durchgeführt.
Geschichte Bis 1800 Die belegbare Geschichte im Gebiet des heutigen Landkreises Cham beginnt im Jahr 748. Das Regensburger Kloster St. Emmeram gründete die „Cella“, die Urpfarrei in Chammünster. Sitz der weltlichen Herrschaft der Mark Cham waren zunächst die Königshofbezirke Cham und Roding. Die im Jahr 976 als „civitas chamma“ erwähnte Reichsburg Cham mit den umliegenden Burgen Runding, Haidstein, Chamerau und Wetterfeld war militärischer Mittelpunkt der Mark an der Grenze zu Böhmen.
In das elfte Jahrhundert fielen zahlreiche Ortsgründungen; im zwölften Jahrhundert wurden im Regental die bedeutenden Klöster Reichenbach und Walderbach gegründet, die bis zur Reformation die Besiedlung der Umgebung vorantrieben. Nach 1667 wurden sie zu Wegbereitern der Rekatholisierung der Oberpfalz.
In den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert war das Grenzland besonders betroffen, der Further Drachenstich greift dieses Thema in einem Festspiel auf. Thema eines Freilichtspiels (Trenck der Pandur vor Waldmünchen) ist auch der Österreichische Erbfolgekrieg von 1741 bis 1745.
Landgerichte Mit der Verwaltungsreform 1803 entstanden im heutigen Kreisgebiet Cham die Landgerichtsbezirke Cham, (mit dem weiteren Landgerichtsbezirk Furth im Wald), Kötzting, Roding und Waldmünchen, die alle bis 1817 zum Regenkreis gehörten. Dann kamen Cham und Furth sowie Kötzting zum Unterdonaukreis, während Waldmünchen und Roding beim Regenkreis (der späteren Oberpfalz) verblieben. 1838 wurden auch die Landgerichte Cham und Furth dem nunmehrigen Kreis Oberpfalz und Regensburg zugeteilt, während das Landgericht Kötzting allein beim nunmehrigen Kreis Niederbayern verblieb. Gleichzeitig entstand 1838 aus einigen Gemeinden des Landgerichtsbezirks Roding das neue Landgericht Nittenau und 1852 noch ein weiteres Landgericht Falkenstein, das jedoch 1879/80 wieder aufgelöst wurde.
Bezirksämter Das Bezirksamt Cham wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Cham und Furth i.Wald gebildet. Ebenso wurden die Landgerichte Kötzting und Neukirchen b.Hl.Blut zum Bezirksamt Kötzting sowie die Landgerichte Falkenstein, Nittenau und Roding zum Bezirksamt Roding zusammengefasst, während das Bezirksamt Waldmünchen dem Landgericht Waldmünchen folgte.
Am 1. Juli 1904 wurde die Gemeinde Sengenbühl des Bezirksamtes Kötzting ins Bezirksamt Cham umgegliedert.
Landkreise Am 1. Januar 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Cham, Kötzting, Roding und Waldmünchen.
Im Jahr 1946 erhielt der Landkreis Waldmünchen die Gemeinde Ried bei Gleißenberg vom Landkreis Cham. Sie wurde nach Gleißenberg eingemeindet.
Landkreis Cham Im Zuge der Gebietsreform wurde am 1. Juli 1972 ein neuer, deutlich größerer Landkreis Cham aus den folgenden Bestandteilen gebildet:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 der gesamte alte Landkreis Cham; der aufgelöste Landkreis Kötzting mit Ausnahme der Gemeinde Lohberg; diese wurde zunächst dem Landkreis Regen zugeordnet, kam aber im Mai 1978 ebenfalls zum Landkreis Cham; der aufgelöste Landkreis Roding mit Ausnahme der Gemeinden Bleich, Bruck in der Oberpfalz, Fischbach, Kaspeltshub und Nittenau, die zum neuen Landkreis Schwandorf kamen; der aufgelöste Landkreis Waldmünchen; die Gemeinden Großenzenried, Hillstett und Pillmersried des aufgelösten Landkreises Neunburg vorm Wald; die Gemeinden Altenschneeberg, Hannesried, Heinrichskirchen, Irlach und Schönau des aufgelösten Landkreises Oberviechtach; die Gemeinde Rettenbach des Landkreises Regensburg.
Am 1. Mai 1978 wechselte die Gemeinde Niederndorf aus dem Landkreis Cham in den Landkreis Regen und wurde nach Arnbruck eingemeindet. Im Gegenzug wechselte die Gemeinde Wettzell aus dem Landkreis Regen in den Landkreis Cham und wurde in die Stadt Kötzting eingemeindet.
Der Landkreis Cham erreichte damit wieder annähernd den historischen Gebietsumfang der alten Markgrafschaft Cham. Das Gebiet des Landkreises Kötzting wechselte damit von Niederbayern in die Oberpfalz. Heute ist der Landkreis Cham der flächengrößte Landkreis in der Oberpfalz und fünftgrößter in ganz Bayern.
Mit dem Beitritt des Nachbarlandes Tschechien zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 wurde die jahrzehntelange Abschottung nach Osten endgültig überwunden.
Am 25. Mai 2009 erhielt der Landkreis den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung des Landkreises Cham von 1840 bis 2017 rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Cham (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Cham, Alter und Geschlecht.)
Von 1988 bis 2008 wuchs der Landkreis Cham um über 7000 Einwohner bzw. um rund sechs Prozent. Seit 2003 war die Tendenz nach einem Höchststand von rund 131.600 Einwohnern rückläufig. 2014 und 2015 konnte jedoch erstmals wieder ein Bevölkerungszuwachs verzeichnet werden. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 121.981 auf 127.882 um 5.901 Einwohner bzw. um 4,8 %.
Der westliche Landkreis profitiert deutlich mit Einwohnerzuwächsen teils zwischen 20 und 44 % im Zeitraum 1988 bis 2018, während der östliche Landkreis, insbesondere am Grenzsaum, teils Verluste bis 16 % in diesem Zeitraum verzeichnete.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987:
Jahr Einwohner 1840 79.712 1900 89.874 1939 95.686 1950 125.669 1961 109.998 1970 116.239 1987 121.401 1991 126.815 Jahr Einwohner 1995 129.469 2000 131.035 2005 130.871 2010 128.322 2013 125.553 2014 125.844 2015 126.359 2017 127.339
Der Landkreis Cham liegt unter allen 294 Landkreisen Deutschlands auf Platz 56 hinsichtlich der Fläche und Platz 198 bezogen auf die Einwohnerzahl (Stand: 31. Dezember 2019).
Politik Der Landkreis Cham ist neben den politischen Parteien traditionell stark geprägt durch zahlreiche regionale Wählergemeinschaften.
Kreistag Der Kreistag des Landkreises Cham besteht aus 60 Mitgliedern sowie dem Landrat. Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kreistagswahl 2020 im Landkreis Cham, abgerufen am 19. September 2020
Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern25,91529,61834,32135,92340,12636,423 AfD AfD Bayern13,985,63–––––––– FWCL Freie Wähler Chamer Land9,66–––––––––– FWRL Freie Wähler Rodinger Land8,35–––––––––– FWKL Freie Wähler Kötztinger Land8,25–––––––––– GLLW Gemeinsame Liste des ehemaligen Landkreises Waldmünchen8,158,9510,0611,07–––– HBL Hohenbogenliste6,547,248,458,458,557,44 GF Grenzfahne5,135,036,145,635,837,04 SPD SPD Bayern4,736,148,159,7610,8614,59 Grüne Grüne Bayern4,125,234,224,623,224,52 JU Junge Union3,023,82–––––––– Linke Die Linke Bayern1,611,11–––––––– FDP FDP Bayern1,011,61–––––––– FW Freie Wähler Bayern––11,178,45–––––– FWSL Freie Wähler von Stadt und Land––6,449,8611,178,158,75 FCWG Freie Christliche Wählergemeinschaft – Sammlung der Mitte––6,147,957,957,347,55 ÖDP Ökologisch–Demokratische Partei––2,412,311,712,11–– REP Die Republikaner––––––3,112,011,61 GL Gemeinsame Liste – Grenzlandunion und Parteilose Wählergruppe––––––––11,2710,66 BP Bayernpartei––––––––––1,81 gesamt 100,0 60 100,1 60 99,5 60 99,0 60 99,1 60 100,0 60 Wahlbeteiligung 70,8 % 67,1 % 65,6 % 68,2 % 73,7 % 76,8 %
CSU, GLLW, HBL, Grenzfahne und Junge Liste bildeten nach der Wahl 2020 eine Fraktionsgemeinschaft und verfügen mit 32 Sitzen über die absolute Mehrheit im Kreisrat. Ferner bildeten FWSL, FCWG und FW eine Fraktionsgemeinschaft. FDP und Die Linke schlossen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen.Website Landkreis Cham – Kreisrat, abgerufen am 19. September 2020
Bezirksamtmänner/-oberamtmänner und Landräte Seit dem 20. Juli 2010 ist Franz Löffler (CSU) Landrat des Landkreises Cham. Bei der Stichwahl zur Landratswahl am 18. Juli 2010 wurde er mit einem Stimmenanteil von 50,3 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 38,6 Prozent erstmals direkt in dieses Amt gewählt. Löffler ist der dritte Landrat des Landkreises Cham seit der Gebietsreform von 1972. Erster Landrat des damals neu geordneten Landkreises wurde der Landrat des ehemaligen Landkreises Roding, Ernst Girmindl.Landkreis Cham: Alle Landräte wurden bis 2026 von der CSU gestellt. Mit der Wahl von Christian Schindler stellen die Freien Wähler erstmals den Chamer Landrat.Cham: Christian Schindler (FW) gewinnt die Stichwahl und ist in Zukunft Chamer Landrat, auf tvaktuell.com Namevonbis Wilhelm Salb 1904 1928 Pankraz Habruner19291933 Joseph Scholz 1933 1942 Gregor Hartl 1942 1945Josef Winkler19481959Max Fischer (CSU)19591972 Ernst Girmindl (CSU) 1972 1996 Theo Zellner (CSU) 1996 2010 Franz Löffler (CSU) 2010 2026Christian Schindler (FW)2026heute
Wappen
Landkreispartnerschaften Bautzen, Deutschland; seit 1992 Seit 1983 besteht eine Partnerschaft mit dem Lichtenrader Volkspark in Berlin-Lichtenrade.
Wirtschaft Der Landkreis verfügt über eine breit gefächerte mittelständische Wirtschaftsstruktur in Handwerk, Handel, Industrie und Dienstleistung. Die Palette reicht vom traditionellen holzverarbeitenden Betrieb bis zum High-Tech-Unternehmen in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Kunststofftechnologie und Mechatronik. Insgesamt haben rund 9000 Unternehmen ihren Standort im Landkreis Cham, darunter einige mit über 1000 Mitarbeitern.
Netzwerke wie der Aktionskreis „Lebens- und Wirtschaftsraum Landkreis Cham e. V.“ oder regionale Cluster in den Bereichen Mechatronik und Holz/Forsten prägen die Zusammenarbeit.