Die Königliche Saline in Arc-et-Senans im französischen Département Doubs ist eine vom Architekten Claude-Nicolas Ledoux (1736–1806) im Auftrag von Ludwig XV. geplante und 1779 fertiggestellte Manufaktur zur Salzgewinnung. Am 15. April 1775 erfolgte die Grundsteinlegung; die Arbeiten dauerten drei Jahre. Sie ist eines der bedeutendsten realisierten Bauprojekte der Revolutionsarchitektur. In späteren Gedankenspielen erweiterte Ledoux die Saline zu einer Idealstadt namens Chaux, doch wurde diese Idee nie realisiert.

1982 wurde die Anlage von der UNESCO in das Verzeichnis ihres Weltkulturerbes aufgenommen; 2009 wurde der Eintrag um die Große Saline von Salins-les-Bains erweitert.

Lage Arc-et-Senans liegt in der Region Bourgogne-Franche-Comté, 35 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Besançon. Dort findet man eine Hügellandschaft vor, die nach Südosten in den teilweise schroff ansteigenden Jura übergeht. Nach Nordwesten dagegen breitet sich das ebene Tal des Doubs mit seinen Nebenflüssen aus. Das Tal ist Bestandteil des Rhein-Rhône-Grabens, der sich von Frankfurt am Main bis fast nach Marseille erstreckt und damit seit jeher ein wichtiger Fernverkehrsweg ist. In mäßiger Entfernung finden sich um Arc-et-Senans wichtige Handelsstädte wie Basel, Dijon, Lyon, Lausanne und Genf.

In der Franche-Comté leben die Menschen von kleinen Industriebetrieben, der Wein-, Obst- und Käseherstellung und dem Tourismus. Grundlage der zahlreichen Kurbäder sind salzhaltige Wasserquellen, die früher ebenso zahlreiche Salinenbetriebe ermöglichten.

Saline Geschichte In der Franche-Comté gab es zahlreiche Salinen zur Salzgewinnung aus salzhaltigen Quellen. Schon seit der Römerzeit wurde zum Beispiel in Lons-le-Saunier und Salins-les-Bains Salz gewonnen. Diese Anlagen wurden ständig erweitert und umgebaut. So entstand eine große bauliche Enge, da Salinen stets von einer Mauer umgeben waren, um den Salzdiebstahl einzudämmen. Folge waren mangelhafte hygienische und lüftungstechnische Bedingungen, die Brandgefahr war immens und die Arbeitsabläufe erschwert.

Claude-Nicolas Ledoux wurde 1771 Bevollmächtigter für die Salzbergwerke in der Franche-Comté und Lothringen.

In dieser Funktion unternahm er 1771 eine Inspektionsreise. Ihm blieben die immensen Probleme der Salinen nicht verborgen, auch die Fabrikarchitektur, , befriedigte ihn nicht. Die Unproduktivität war zu einem nicht unwesentlichen Teil auf die komplizierte Holzversorgung zurückzuführen. Rund um die Saline von Salins waren sämtliche Wälder abgeholzt, der Rohstoff musste über mehrere Kilometer herangeschafft werden. Ledoux schlug daher den Bau einer neuen Saline in 17 Kilometer Entfernung von der Solequelle, am Rand des Waldes von Chaux, vor. Das Salzwasser sollte durch Leitungen dorthin geleitet werden, denn

König Ludwig XV. verordnete das Projekt als Besitzer sämtlicher Salinen im April 1773, ein Jahr später legte Ledoux seinen ersten Entwurf vor.

Erster Entwurf Dieser folgte einem einfachen Grundmuster: Ein geräumiger, quadratischer Hof, der zum Holzstapeln dient, wird von einem geschlossenen Gebäudekomplex umgeben. An den Ecken und in den Seitenmitten der ansonsten eingeschossigen Flügel liegen zweigeschossige Bauten für besondere Funktionen: In der Mitte der Eingangsseite liegt das Portal mit der Verwaltung. In den Ecken links und rechts liegen Kapelle und Bäckerei in gleichförmiger Weise, was später kritisiert wird. Die Seitenflügel beherbergen Werkstätten und Schmieden, gegenüber dem Portal liegt schließlich die eigentliche Fabrik mit den Solsiedereien. Diagonale, offene Galerien verbinden die Flügelmitten, um kurze, wetterunabhängige Wegeverbindungen zu schaffen. In den Zwischenbauten liegen Arbeiterwohnungen in Form einzelner Zimmer, die einem Gemeinschaftsraum mit zentraler Herdstelle zugeordnet sind. Außerhalb des Hofgevierts liegen den Arbeitern zugewiesene Nutzgärten, um ihr geringes Gehalt zu kompensieren.

Neuartig am Entwurfskonzept war die Aufwertung des Bautyps der Fabrik, der, als eher minderwertiger Bautypus empfunden, üblicherweise mit einfachen Mitteln umgesetzt wurde. Ledoux verwendete dagegen überschwänglich das Element der Säule (140 Stück), das eigentlich nur Sakral- und Feudalbauten vorbehalten war, wenn auch in betont einfacher, rustikaler Form im dorischen Stil. Aber auch in dieser Form verletzte dieser „Überfluss an Schönheit“ die anerkannten Regeln von Luxus und Angemessenheit, die convenance, so dass der König den vorliegenden Entwurf ablehnte.

Zweiter Entwurf mini|Modell der erbauten Saline (Blick von Westen)

1774 zeichnete Ledoux seinen zweiten Entwurf. Erst jetzt stand der genaue Bauplatz fest und er beschäftigte sich nochmals eingehend mit den Arbeitsabläufen einer Saline. Großen Einfluss scheint auch die Diskussion um den Wiederaufbau des 1772 abgebrannten Pariser Krankenhauses, des Hôtel-Dieu gehabt zu haben. Man forderte eine Bauform, die aufgelockert sein sollte, um die Brandgefahr zu mindern und die Belüftung zu verbessern. Der Arzt Antoine Petit veröffentlichte 1774 ein grundlegendes Schema für Hospitalbau. Er entwarf eine kreisförmige Anlage, mit Bauten, die wie Radspeichen um einen zentralen Pavillon mit Küche und Kapelle angeordnet waren, Petit war gegen eine quadratische Form, die nicht nur mangelhaft zu belüften sei, sondern auch die Versorgung erschwerte.

Beschreibung der Anlage Der endgültige Gesamtgrundriss der neuen Saline von Chaux, der 1775 bis 1779 genau zwischen den Dörfern Arc und Senans realisiert wurde, zeigt einen halbkreisförmigen Hof mit einem Durchmesser von 225 Metern. Zehn einzelne, nicht mehr zu einer geschlossenen Front vereinte Pavillons umstehen ihn, hinzu kommen Stallungen und Gärten. Die gesamte Anlage ist ummauert. Das einzige Portalgebäude und vier weitere, ähnlich strukturierte Bauten folgen der Kreislinie im Süden, im Norden begrenzen die Fabrikationsgebäude und Verwaltungsbauten den Hof. Sie flankieren das Haus des Direktors, das den Mittelpunkt der ganzen Anlage bildet. Im Wesentlichen zeigt Ledoux eine Fabrikstadt, die in ihre Bestandteile zerlegt ist, die wiederum in klarer geometrischer Form angeordnet werden.

mini|Das Portalgebäude zur Saline Portalbau: Das Torhaus im Süden bildet den einzigen Zugang zur Anlage. Hier mündet eine schnurgerade Straße von der Loue, dem naheliegenden Fluss, kommend. Jeglicher Verkehr kann hier kontrolliert werden, der Salzdiebstahl wird auch dadurch minimiert, dass die Arbeiter die Saline nicht verlassen dürfen. Neben den Wachposten beherbergt der Bau auch einen Richterraum, das Gefängnis und das Frischwasserreservoir. Der außen vorgelagerte Portikus besteht aus sechs dorischen Säulen, die einen schweren Architrav tragen. Er erinnert durch Proportion und mittleres verbreitertes Interkolumnium an die zeitgenössischen Darstellungen der Propyläen auf der Athener Akropolis, die Ledoux sicherlich kannte. Hinter dem Portikus ist die Durchfahrt durch das Gebäude als imitierte Steingrotte gestaltet, der Mitteltrakt des Baus ist zweigeschossig und mit einem geknickten Pyramidendach gedeckt, die Seitenflügel sind eingeschossig und mit Walmdach versehen.

Haus des Direktors: Folgt man der von der Loue kommenden Straße durch das Portal weiter nach Norden, so führt der Weg genau auf das Portal des Hauses des Direktors zu. Es ist das geometrische Zentrum der Anlage und flankiert von den eigentlichen Fabrikationsbauten. Dem kubischen Hauptkörper mit Pyramidendach und Laterne ist ein Portikus mit schweren Rustika-Säulen vorgestellt, deren Säulentrommeln durch kubische Einschübe gegliedert sind, sodass sich ein berühmtes Licht- und Schattenspiel ergibt. Ein Okulusfenster im Tympanon, das den Brennpunkt des Halbkreises der Saline markiert, symbolisiert das Auge des Direktors, der als direkter Vertreter des Königs sämtliches Geschehen im Hof überwacht. Die Idee des Panopticons, des Überwachungsturmes, ist ein altbekanntes Element, das einige Jahre später Jeremy Bentham einem Gefängnisentwurf zugrunde legt. Hinter dem Portikus und dem Eingang folgt eine aufsteigende Treppenfolge, die in die Kapelle mit ihrem am höchsten Punkt installierten Altar mündet. Die Besucher des Gottesdienstes müssen den Gottesdienst auf den Stufen stehend nach oben blickend feiern, der Direktor folgt dem Geschehen hinter ihnen auf einer Empore. Seitlich dieses Bereiches liegen Wohn- und Verwaltungsräume.

mini|Wohnhaus, Verwaltung und westliche Salzwerkstatt Die Salzsteuergebäude liegen westlich und östlich des Hauses des Direktors, am Schnittpunkt der Geraden und des Halbkreises. Hier waren Verwaltungsräume und Wohnungen der Vorarbeiter und der Baumeister untergebracht. Die Eingangsfassaden zeigen zum Zentrum der Anlage hin, die Bauten sind wie alle Gebäude in teilweise rustiziertem Mauerwerk errichtet. Das Eingangsmotiv ähnelt dem des Stalles des Direktors: Ein Halbbogen ruht auf zwei Säulen, der vertiefte Durchgang unter dem somit akzentuierten Gesims in Kapitellhöhe ist breiter als die Bogenbreite.

Salzwerkstätten: Die beiden Salzwerkstätten links und rechts des Direktorenhauses sind einfache, rechteckige Bauten auf einem gewaltigen Grundriss von 81 × 28 Metern, hohe Walmdächer mit kleinen Gauben überspannen die Feuerstellen mit ihren Salzsiedepfannen, Lagern und Trockenräumen. Die Eingänge sind wieder durch Giebelportiken gekennzeichnet. Allerdings weisen sie keinerlei Säulen auf, drei größere bogenbekrönte Öffnungen und zwei mannshohe Türen bilden die Durchgänge.

Wohnungen und Werkstätten: Zwei der vier übrigen Bauten des Runds sind den Werkstätten vorbehalten, zwei weitere nehmen in ihren eingeschossigen Seitenflügeln jeweils zwölf Wohnungen à vier Personen auf, die je aus einem einzigen Zimmer bestehen, die über einen Mittelflur erschlossen werden. Als eigentlichen Lebensraum der Arbeiterschaft plante Ledoux die sich über zwei Geschosse mit Galerie erstreckende Gemeinschaftsküche, die auch das ganze Haus beheizen soll. Hier verwirklichte er sein Idealbild des Lebens in Gemeinschaft nach den Gesetzen der Natur. Der Haupteingang des Hauses liegt im höheren, hier mit Dreiecksgiebel akzentuierten Mitteltrakt, er weist zum Haus des Direktors und besteht nur aus einem Rundbogenportal.

Architektonische Bewertung mini|Original-Plan der erbauten Saline

Ledoux errichtete in Chaux nicht nur eine einfache Fabrikanlage. Der Anspruch liegt höher. Neben der rationalen Aufgliederung in einzelne Funktionen in einer aufgelockerten Geometrie, der Aufwertung der zuvor als minderwertig empfundenen Bauaufgabe und der neuartigen Architektur mit ihren rustikalen Motiven im Detail und der durch einfache Körper geprägten Großform liegen der Saline auch gesellschaftliche und politische Vorstellungen zugrunde. Die Staatsform, der Absolutismus ist in der Anlage ablesbar, das Haus des Direktors im Zentrum stellt auch das uneingeschränkte Machtzentrum dar. In totalitärer Weise werden von hier sämtliche Abläufe koordiniert und überwacht, die Arbeiter als Untertanen unterliegen dem Direktor als Herrscher nicht nur physisch, dürfen sie doch die Anlage nicht verlassen, sondern auch auf geistiger Ebene: Der Gottesdienst, eigentlich Feier und Stunde der Zuversicht, findet unter Aufsicht des Direktors, in seinem Haus und unter räumlich erniedrigenden Bedingungen statt. Nicht die Erkenntnis, Salz der Erde zu sein steht im Vordergrund, sondern Diener des Salzes.

Die abnehmend aufwendige Gestaltung der Portale legt eine Hierarchie der Teile der Saline dar: Direktor – Wache – Verwaltung – Produktion – Arbeiter.