Sollenau ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterreich.
Geografie Die Marktgemeinde Sollenau liegt im Industrieviertel in Niederösterreich, rund zehn Kilometer nördlich von Wiener Neustadt, und wird von der Piesting sowie vom Wiener Neustädter Kanal durchflossen. Nördlich der Piesting liegen um das Ortszentrum die Ortsteile Kirchenfeld, Sonnenhain, Waldparkanlage, Brunnenfeld und Rosenried, südlich das Petrifeld, Benzol-Siedlung und die Böhler. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 10,64 Quadratkilometer, vier Prozent der Fläche sind bewaldet.
Gemeindegliederung Die Marktgemeinde Sollenau ist deckungsgleich mit der gleichnamigen Katastralgemeinde, in der, neben Sollenau, als Ortschaften (jeweils Dorf) Böhler sowie Petrifeld amtlich geführt werden.Niederösterreich / Schwarzau am Steinfeld – Spitz / 444. Sollenau. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH (Verlag Österreich), Wien 2002–, .
In Form von zwei Angestelltenwohnhäusern und einem Portiershäuschen an der Weingartenstraße ragt auch der Ort Blumau (Gemeinde Blumau-Neurißhof) nach Sollenau hinein.
Nachbargemeinden
Geschichte Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg, welche Hauptort für das gesamte Nord-Ost-Norikum war.
Später unter den Römern lag das heutige Sollenau dann in der Provinz Pannonia.
Der Name Sollenau wird 1166 in einer in Hartberg ausgestellten Schenkungsurkunde erstmals erwähnt. Er zählt sicherlich zu den älteren Ansiedlungen auf dem Steinfeld. Der Name Sollenau wurde in den vielen Jahren verändert, der Ursprungsname lautete Salenau, von den vielen Sal-Weiden. Zur 850-Jahr-Feier wird auf die Website der Pfarre Sollenau verwiesen.
Industriegeschichtlich war der Ort bestimmt von der Nutzung der Wasserkraft der Piesting (unzutreffend auch Kalter Gang genannt). Am Flusslauf entstanden eine Säbelklingenfabrik (1754–1764), aus dieser ein Kupferhammer (1775 bis nach 1841), danach die von Peter von Braun (1758–1819) gegründete Baumwollspinnerei (1811–1928).Manfred Hösch: Lagetypologie der Industriebetriebe im Viertel unter dem Wienerwald bis 1850. Dissertation. Technische Universität Wien, Wien 1984, S. 86, 258, 498. – Volltext (Textband) online, (PDF; 16,5 MB).
1890 entstand im Ortsteil Petrifeld eine Seifensiederei, die nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert wurde.Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs. Geschichte – Technik – Architektur. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2006, ISBN 3-205-77460-4, S. 746.
1956 wurde die Konservenfabrik Rikki gegründet.Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs. Geschichte – Technik – Architektur. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2006, ISBN 3-205-77460-4, S. 744.
Wenn auch der Anteil des Gemeindegebiets an der sich östlich erstreckenden Trockenen Ebene gering ist, sind die militärischen Einrichtungen des Steinfeldes für den Ort bis heute von wirtschaftlicher Bedeutung. Waren es ursprünglich von Mannschaften zu bewachende Schießanlagen,Nur etwa 100 m von der Sollenauer Gemeindegrenze entfernt befinden sich die Überreste der (ca. ab 1890 über die von Felixdorf kommende Schleppbahn versorgte) Anlage Küstengeschütz (), mit der seit Ende der 1860er Jahre die schwersten Artilleriegeschütze (Richtung Nordwest-Pottendorf) probegeschossen wurden.Um 1873 musste wegen der sich verdichtenden Besiedlung Wiens der zweite Artillerieschießplatz auf der Simmeringer Haide aufgegeben werden, was (im Zuge einer Vergrößerung des militär-ärarischen Areals) eine bedeutende Zunahme der Schießversuche auf dem Steinfeld nach sich zog und für die Sollenauer Bevölkerung eine weitere Beeinträchtigung durch akustische wie druckerzeugende Ereignisse bedeutete. – Siehe: Pulver- wie Munitionsdepots, durch die Sollenau gegenüber Explosionen besonders exponiert war, so kam mit dem Ersten Weltkrieg eine sich unweit der Gemeinde ausbreitende Kriegsindustrie. Heute sind der Schießplatz Felixdorf (), die Jansa-Kaserne () auf dem ehemaligen Großen Mittel sowie andere Einrichtungen der österreichischen Heeresverwaltung mittelbare (gelegen in: KG Haschendorf, Stadtgemeinde Ebenfurth) lokale Wirtschaftsfaktoren.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Religion Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 60,5 % der Einwohner römisch-katholisch und 4,2 % evangelisch, 9,5 % sind Muslime, 2,2 % gehören orthodoxen Kirchen an. 21,6 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche Sollenau hl. Laurentius: Bei der Kirche wurde nach dem Abschluss der Renovierungsarbeiten im Jahr 2007 ein Pfarrmuseum eingerichtet.
Wirtschaft und Infrastruktur Sollenau liegt verkehrsgünstig sowohl an Süd- und Aspangbahn als auch an der Wiener Neustädter Straße (B17), sodass sowohl Wien als auch die Bezirkshauptstadt Wiener Neustadt gut erreichbar sind. Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 191, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 27. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2055. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 46 Prozent.
Der einst durch Landwirtschaft geprägte Ort entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer modernen Industriegemeinde mit gut ausgebauter Infrastruktur. Wichtige ansässige Betriebe sind: Das 1997 gegründete Sägerwerk Sollenau ist seit dem Aufkauf Teil der Stora Enso Timber AG (Einstellung des Sägebetriebes mit Ende des 1. Quartales 2014, der Hobelwaren- und Leimholzproduktion mit Ende des 2. Quartales 2015). Die Fleischerei Doris Steiner-Bernscherer sowie die Konditorei Trahbüchler erreichten für ihre Produkte regionale und überregionale Preise. Die KBO Kunststoffpulverbeschichtung Erich Ostermann GmbH. & Co.KG betreibt einen Standort in Sollenau. Bau und Möbeltischlerei Reisner, gegründet 1968. mini|hochkant|Sollenau (links unten) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Durch das Gemeindegebiet Sollenau führt von der Südbahn-Station Felixdorf eine am 11. Jänner 1889 als Schleppbahn zu den Artilleriemagazinen auf dem Steinfeld in Betrieb genommene eingleisige normalspurige Linie, die 1890–1893 als militär-ärarische Schleppbahn von Felixdorf nach Blumau für den Lokomotivbetrieb erneuert bzw. erweitert, 1915 von ihrer Endstelle Blumau bis Tattendorf an der Aspangbahn verlängert und am 15. Mai 1928 (als 10,9 km lange) Lokalbahn Felixdorf–Tattendorf für den öffentlichen Verkehr freigegeben wurde.Johann Witz: 1. „Felixdorf–Steinfeld“, „Felixdorf–Blumau-Neurißhof–Tattendorf“, (…). In: Alfred Horn (Red.): Eisenbahn. Fachbeilage „Die Modelleisenbahn“. Heft 12/1974 (XXVII. Jahrgang). Minirex, Luzern 1974, , , S. 182. Nach Einstellung des Personenverkehrs Tattendorf–Blumau 1932Hellmuth Fröhlich: Vergessene Schienen. (…) 6. Blumau-Neurißhof–Tattendorf. In: Alfred Horn (Red.): Eisenbahn. Mitteilungsblatt des Verbandes der Eisenbahnfreunde. Fachbeilage „Die Modelleisenbahn“. Heft 5/1968 (XXI. Jahrgang). Minirex, Luzern 1968, , , S. 70. und der späteren Abtragung dieses Streckenteils wurde im Laufe der Zeit aus dem Linienrest Blumau-Neurißhof–Felixdorf eine für gelegentliche Gütertransporte bis heute bestehende Schleppbahn.In Zusammenhang mit dieser Bahn kam es Ende Oktober 2013 zu medienwirksamen Protesten aufseiten anwohnender Sollenauer Bürger, als der Plan des Unternehmens Wopfinger Transportbeton GmbH bekannt wurde, an einem von der Schleppbahn abzuzweigenden Stockgleis entlang der Großmittelstraße einen 400 Meter langen (auf dem Gemeindegebiet von Eggendorf gelegenen) Verladebahnhof () für 1,6 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial aus dem Semmering-Basistunnel zu errichten. – Siehe: „Supergau in Sachen Lärm“. In: kurier.at, 31. Oktober 2013, abgerufen am 1. November 2013; Schotterbahnhof: Schnecken verhindern Lösung. In: noe.orf.at, 2. November 2013, abgerufen am 7. November 2013. Ende November 2013 nahm das Österreichische Bundesheer, das die Liegenschaft dem Unternehmen für eine Umladedeponie zur Verfügung gestellt hätte, mit Rücksicht auf die Einwände der vom Vorhaben Betroffenen Abstand von seinem Angebot; das Unternehmen jedoch betonte, auch weiterhin von einer Deponie auf dem Gemeindegebiet von Sollenau (bzw. in dessen Nahbereich) auszugehen. – Siehe: Bundesheer gegen Entladebahnhof Sollenau. In: noe.orf.at, 21. November 2013, abgerufen am 21. März 2014;Wopfinger Verladebahnhof geht in die dritte Runde. In: meinbezirk.at, 8. März 2014, abgerufen am 21. März 2014.2014 wurde das Vorhaben Verladestation in den Norden von Sollenau auf das Gemeindegebiet von Schönau an der Triesting (Bezirkshauptmannschaft Baden) verlegt (), wo von den von der Aspangbahn abzuzweigenden Ladegleisen (täglich 270) Lkw-Transporte zu den vier Kilometer entfernt, in der Gemeinde Eggendorf gelegenen Schottergruben abgehen sollen. – Siehe: Politstreit um Verladebahnhof. In: kurier.at, 15. Oktober 2014, abgerufen am 1. Juni 2015; Schildbürgerstreich März: Staubwolke von 270 LKW/Tag wegen Semmeringbasistunnel in Sollenau. In: niederoesterreich.gruene.at, 30. März 2015, abgerufen am 1. Juni 2015.Trotz Ablehnung des Vorhabens in einer im Mai 2015 abgehaltenen Bürgerbefragung sprach sich der Schönauer Gemeinderat am 23. Juni 2015 mehrheitlich für die Verpachtung der ins Auge gefassten Parzelle an die Wopfinger Transportbeton Ges.m.b.H aus und öffnete damit grundsätzlich den Weg zur Errichtung eines Verladebahnhofs. – Siehe: Bianca Werfring: Ja zu Verladebahnhof bei Sollenau. In: meinbezirk.at, 24. Juni 2015, abgerufen am 4. Mai 2019.Im Jänner 2016, nach dem Ergehen eines rechtskräftigen Baubescheides, stand der Verladebahnhof vor dem Bau. – Siehe: Verladebahnhof vor Bau. In: www.noen.at/baden, 27. Januar 2016, abgerufen am 4. Mai 2019. Einwände der anrainenden Sollenauer Bürgerschaft fanden in dem von der BH Baden geführten Verfahren kein Gehör.
Öffentliche Einrichtungen Bildung und Soziales In Sollenau befindet sich eine Volksschule mit einer eigenen Kompetenzschule für sonderpädagogischem Förderbedarf und einer Musikschule, zwei Kindergärten sowie ein Sozialzentrum mit insgesamt 26 betreuten Senioren-Appartements.
Kultur und Freizeit In der Kulturhalle "Leopold Grünzweig Zentrum" bietet das Kunst- und Kulturreferat der Marktgemeinde Sollenau ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm an.
Für Jugendliche von 12 bis 23 Jahre wurde 2011 das Jugendcafé „SPOTLIGHT.sollenau“ in der Nähe der Feuerwehr eingerichtet – bestehend aus sieben Wohncontainern, in denen unter anderem Billard angeboten wird. Auch ein Areal für Graffiti-Werke und ein Grillplatz ist vorhanden.
2013 wurde der Generationenspielplatz „Funpark Sollenau“ direkt neben dem Rodelberg errichtet.
Sport Das im Jahr 1980 errichtete Fußballstadion des 1. SC Sollenau befindet sich auf der westlichen Seite der Südbahn und hat eine Kapazität von 300 Sitz- und 700 Stehplätzen. Von April bis Oktober findet bei Schönwetter jeden Samstag Vormittag direkt vor dem Fußballfeld am Sportplatz ein großer und beliebter Flohmarkt statt.
Sonstiges Nachdem die Postfiliale im alten Rathaus Ende April 2022 geschlossen worden war, übernahm die Gemeinde eine Postpartnerschaft. Zu diesem Zweck wurde eine moderne Poststelle mit eigenem Vordereingang im Gemeindeamt eingerichtet. Laut Schätzungen verursacht die Postpartnerschaft Kosten von 30.000 Euro pro Jahr.
Politik Gemeinderatswahlen Der Gemeinderat hat seit 2025 29, davor 25 Mitglieder. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich hatte/hat der Gemeinderat folgende Verteilungen: 1990: 18 SPÖ, 4 ÖVP, 2 Bürgerforum Sollenau, und 1 FPÖ. 1995: 17 SPÖ, 3 ÖVP, 3 FPÖ, und 2 Bürgerforum Sollenau. 2000: 17 SPÖ, 4 ÖVP, 3 FPÖ, und 1 Bürgerforum Sollenau. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005: 18 SPÖ, 5 ÖVP, 1 FPÖ, und 1 Bürgerforum Sollenau. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010: 14 SPÖ, 7 ÖVP, 3 FPÖ, und 1 Bürgerforum Sollenau.