Winzendorf-Muthmannsdorf ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterreich.
Geografie Winzendorf-Muthmannsdorf liegt im Industrieviertel in Niederösterreich am Rande des Steinfeldes. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 16,16 Quadratkilometer. 53,93 Prozent der Fläche sind bewaldet. Durch das Gemeindegebiet verlaufen die Fischauer Vorberge mit einer Höhe von bis zu 600 m. Charakteristisch für diese Hügel sind die Föhrenwälder mit Schwarzkiefern.
Winzendorf auf ist der südliche Teil der Gemeinde auf der Wiener Neustadt zugewandten Seite der Fischauer Berge. Muthmannsdorf auf , der nördliche Teil der Gemeinde, liegt in der „Neue Welt“ am Fuße der Hohen Wand. Die Neue Welt ist ein ca. neun Kilometer langes und bis zu vier Kilometer breites nach allen Seiten abgeschlossenes Tal, das durch die Prosseth-Schlucht (auch Emmerberger-Klause) entwässert, in der sich der mittlere Teil der Gemeinde, die Ortschaft Emmerberg befindet. Winzendorf und Muthmannsdorf sind durch die hier durchführende Landesstraße L87 bzw. die VOR-Linie 336 verbunden.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst drei Ortschaften und gleichnamige Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand , Fläche: Stand 31. Dezember 2023Regionalinformation, bev.gv.at (1099 KB); abgerufen am 10. Jänner 2024.):
Emmerberg (; 216,70 ha) Muthmannsdorf (; 970,47 ha) Winzendorf (; 428,97 ha)
Nachbargemeinden An Winzendorf-Muthmannsdorf grenzen im Norden Markt Piesting, im Osten Bad Fischau-Brunn und Weikersdorf am Steinfelde, im Süden St. Egyden am Steinfeld und im Westen Hohe Wand.
Geschichte Frühgeschichte mini|links|Mithrasaltar aus Winzendorf im Museum St. Peter an der Sperr mini|Winzendorf mini|Muthmannsdorf mini|Winzendorf, Emmerberg und Muthmannsdorf um 1873 (links, Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) mini|links|Die Goldscheiben von Stollhof Die Gegend um Winzendorf-Muthmannsdorf ist – archäologisch belegt – seit mindestens 6000 Jahren besiedelt. 1975 wurden auf einem Acker Silices gefunden, aus der frühen Bronzezeit stammt ein Bronzeflachbeil und Hallstattscherben wurden auf dem Weg zur Ruine Dachenstein gefunden.Gustav Melzer, Erwin Reidinger: Überblick über die archäologisch-bauhistorischen Untersuchungen. In: Die mittelalterliche Kirche Maria Himmelfahrt in Winzendorf. Archaelogia Austriaca 74, Wien 1990, S. 133 ff. Die Funde im westlichen und nördlichen Teil der Neuen Welt reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Die vielen Höhlen im Kalkstock der Hohen Wand sowie in den Fischauer Vorbergen boten den Menschen einen sicheren natürlichen Zufluchtsort. Zu den bekanntesten Fundplätzen gehört die Schwarzgrabenhöhle bei Maiersdorf (Gemeinde Hohe Wand). In den 1920er Jahren wurden dort vom Franz Mühlhofer Knochenwerkzeuge sowie die Knochen der Beutetiere der steinzeitlichen Jäger wie Höhlenbär, Höhlenlöwe, Höhlenhyäne, Mammut, Riesenhirsch, Wollnashorn, Rentier, Eisfuchs oder Schneehase gefunden. In einer weiteren Höhle am Fuße der Hohen Wand, in der „Rauchlukn“ fand man eine neolithische Schicht mit Tonscherben und einem Bruchstück eines Tonlöffels. Reste einer sehr alten Behausung (Wohnringe) gibt es unweit der Kirche in Maiersdorf. Außergewöhnlich ist der Depotfund von Stollhof aus dem Jahre 1864. Die zwei Goldscheiben (aus Südosteuropa) sind der zweitältesten Goldfund der Welt und namensgebend für ähnlichen Schmuck (Typ Stollhof). Kupferschmuck und Goldscheiben beeindrucken nicht nur als Schmuckstücke, sondern zeigen die frühe Nutzung von Bodenschätzen der Gegend. Im Bereich der Malleiten, ca. sieben Kilometer nordöstlich in den Fischauer Vorbergen bei Dreistetten reichen die ältesten Funde bis ins 5. Jahrtausend vor Christus zurück. Später in der Urnenfelderkultur und Hallstattzeit (ca. 1300–450 v. Chr.) gab es dort eine Höhensiedlung. Das bekannteste Fundstück ist ein Feuerbock (Mondidol) von ca. 800 v. Chr. Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. In der Römerzeit lagen die heutigen Orte Winzendorf und Muthmannsdorf in der Provinz Pannonia. Auf Basis von Funden aus der Römerzeit konnte im Raum Wiener Neustadt ein Netz von Straßen und lokalen Verkehrswegen rekonstruiert werden, das auch die Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf einschloss. Noch heute erinnert der „Römerweg“, der von Brunn nach Willendorf führte, daran. Für Winzendorf kann man aufgrund der vielen Funde von einer Siedlung (vicus) ausgehen. In Muthmannsdorf gibt es weniger Funde, die auf eine römische Siedlung hindeuten. Es ist aber wahrscheinlich, dass durch die „Neue Welt“ eine Römerstraße von Vösendorf / Sollenau kommend über Dreistetten, Muthmannsdorf, Würflach weiter nach Neunkirchen ging. Ein Stiertötungs-Relief aus der Mitte des 3. Jahrhunderts, das um 1886 in Winzendorf gefunden wurde, zeugt vom römischen Mithraskult in der Gegend.Ubi Erat Lupa / Bilddatenbank zu antiken Steindenkmälern: Relief-Fund Winzendorf 1889. Mit der Durchsetzung des Christentums im Römischen Reich verschwand diese nur von Männern an meist abgelegenen Orten wie Höhlen praktizierte Religion innerhalb weniger Generationen. Neben den ReliefplattenAusgestellt im Museum St. Peter/Sperr in Wiener Neustadt, dem früheren Stadtmuseum. wurde in einem Weingarten auch eine Votivara aus Kalkstein gefunden, die dem Mithras von einem Stallmeister der 10. Legion geweiht war.
Bis zum 12. Jahrhundert liegen bisher keine schriftlichen Aufzeichnungen vor. Orts-, Gewässer- und Siedlungsnamen zeigen, dass sich im Gebiet der Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf Slawen und vorbayerisch-germanische Stämme niedergelassen hatten.
Muthmannsdorf wurde zwischen 1107 und 1122 erstmals urkundlich erwähnt. In der Gründungsurkunde für die ca. neun Kilometer entfernte Pfarre Waldegg scheint 1136 ein gewisser „Hiltegrunn de Mutinesdorf“ als Zeuge auf. Sein Amtssitz könnte der so genannte „Burgstall“ östlich im Wald oberhalb von Muthmannsdorf gewesen sein. Die erstmalige urkundliche Erwähnung von Winzendorf fällt in den Zeitraum von 1157 bis 1163. Sie findet sich in einer Urkunde, mit der der Bischof Konrad von Passau anlässlich eines Rechtsstreits den Besitz der Weingärten geregelt hatte.
Bereits im 13. Jahrhundert waren die Bewohner von Muthmannsdorf Untertanen der Herrschaft Starhemberg. Im ältesten „Urabar“ wird 1438 das „amt ze Mutmanntarff“ mit 19 behausten Untertanen verzeichnet. 1422 wird in einem Lehensbrief für Heinrich Wolfsohler eine Anzahl von Bewohnern des Dorfes Winzendorf als Untertanen des „Stubenbergischen Lehens“ namentlich angeführt. Für das 15. Jahrhundert ist für Winzendorf ein Bestand von 13 Häusern nachzuweisen. In diesem Jahrhundert ging der Besitz der Stubenberger an das ritterliche Geschlecht der Teufel über, die bereits 1377 die Stiftung einer Wochenmesse für die „capella beatae virginis Mariae in Winssendarff“ tätigten. Die Familie der Teufel hatte spätestens im 14. Jahrhundert Eigentumsrechte über Untertanen in Winzendorf und sich nach dem Ort benannt.Gustav Melzer, Erwin Reidinger: Überblick über die archäologisch-bauhistorischen Untersuchungen. In: Die mittelalterliche Kirche Maria Himmelfahrt in Winzendorf. Archaelogia Austriaca 74, Wien 1990, S. 132. Das Bereitungsbuch des Jahres 1580–1891 führt für Muthmannsdorf 30 Häuser der Herrschaft Starhemberg neben 18 Häusern anderer Herrschaften an.
Nachdem bis ins 18. Jahrhundert das Schulwesen vor allem als Aufgabe der Kirche gegolten hatte, maß man zur Zeit Maria Theresias und Kaiser Josephs II. dem Schulwesen im ländlichen Raum große Bedeutung bei. Die bestehenden Pfarrschulen wurden in Trivialschulen umgewandelt. Während in Muthmannsdorf eine Pfarrschule bestand, mussten die Kinder aus Winzendorf die Volksschule in St. Egyden besuchen, was jedoch auf Grund der schlechten Wegverhältnisse oft nur selten oder gar nicht möglich war.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Muthmannsdorf 52 Häuser, während in Winzendorf lediglich 19 Häuser verzeichnet waren. Für die weitere räumliche Entwicklung der beiden Ortschaften hatte sich jedoch die Verteilung des Gemeindegrundes als sehr wesentlich erwiesen. Während dieser in Winzendorf sehr günstig entlang der heutigen Hauptstraße und der Weikersdorfer Straße lag, gab es im geschlossenen Muthmannsdorfer Ortsgebiet keinen Gemeindegrund. Daraus resultierend kam es in den nächsten Jahrzehnten in Winzendorf zu einer beachtlichen Ortserweiterung. Das war sicher mit ein Grund, dass Winzendorf noch vor Erbauung der Schneebergbahn bis 1890, was die Häuserzahl anbelangte, mit Muthmannsdorf gleichziehen konnte und in der Einwohnerzahl Muthmannsdorf sogar übertraf.
19. Jahrhundert Im Jahr 1840 verzeichnete ein pfarrliches Verzeichnis 60 Häuser in Muthmannsdorf.Stiftsarchiv Heiligenkreuz, 71–St–3. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die Industrialisierung Einzug, als neben dem Frauenbach in Winzendorf das erste Fabriksgebäude errichtet wurde. 1842 baute es Carl Fruhmann als Furnierschneidemühle aus.
Im Jahre 1854 wurden Winzendorf, Muthmannsdorf und Emmerberg als jeweils selbständige Ortsgemeinden eingerichtet. Emmerberg erwies sich als jedoch nicht lebensfähig und wurde bereits 1865 mit der Ortsgemeinde Muthmannsdorf vereinigt. 1880 schied Emmerberg jedoch aus der Ortsgemeinde Muthmannsdorf wieder aus und schloss sich Winzendorf an.
1881 wurde vom Schulleiter Josef Herzog die Freiwillige Feuerwehr Winzendorf gegründet. Nur zwei Jahre später wurde von Alfred Simic (Reichsritter von Hohenblum) und Bergverwalter Pawlowitsch die Feuerwehr Muthmannsdorf gegründet. mini|Bahnhof Winzendorf an der Schneebergbahn
Durch die Eröffnung der Schneebergbahn am 14. April 1897 entwickelte sich Winzendorf auch zur Fremdenverkehrsgemeinde.
20. Jahrhundert Im Jahre 1914 wurden 300 Sommergäste gezählt. Die Verkehrsanbindung mit der Eisenbahn und die Nähe zu den Wöllersdorfer Werken und den Pulverfabriken am Steinfeld führten auch dazu, dass der Wiener Zündmaschinenfabrikant Schaffler 1920 in Winzendorf ein Zweigwerk für die Produktion elektrischer Minenzünder errichtete. Mit der Firma Schaffler & Co. hatte Winzendorf einen wichtigen Arbeitgeber für die Region. Die Fabrik wurde 2008 an die Firma Hirtenberger verkauft.
Ebenfalls zu einem wichtigen Arbeitgeber der Region wurde das Genesungsheim Felbring, das in den Jahren ab 1910 als „Erholungsheim der registrierten Hilfskasse 'Einigkeit', Wien I, Johannesgasse 4“ entstand. Das später auch als Heilstätte für Kriegsinvalide geführte Sanatorium war eine kleinere der Lungenheilanstalten im östlichen Alpenvorland, zu denen auch weltbekannte Sanatorien wie das Sanatorium Wienerwald oder das feudale Privatsanatorium am Hochegg zählten. Ursprünglich aus mehreren kleinen Pavillons bestehend, erlebte das von der Bevölkerung „die Felbring“ genannte Genesungsheim eine Blütezeit als „Genesungsheim Felbring der Allgemeinen Invaliden Versicherungsanstalt“ (später „Genesungsheim Felbring der Versicherungskasse für Industrie Angestellte“), in den späten Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, die 1926 im Bau eines architektonisch interessanten Haupthauses gipfelte, das auch die Pavillons in ein einheitliches Erscheinungsbild integrierte. In den späten Jahren des Zweiten Weltkrieges diente die Lungenheilanstalt als Fliegerlazarett und wurde 1971, nach der Eröffnung des Herz-Kreislauf-Zentrums 1968, bis auf ein heute noch erhaltenes Fragment abgebrochen und neu gebaut. Ebenfalls noch existent ist die Einfriedungsmauer mit dem imposanten Einfahrtstor, das bis dato eine kleine Ahnung von der architektonischen Qualität der ehemaligen Lungenheilanstalt vermittelt.