Gablitz ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich.
Geografie Die Gemeinde Gablitz liegt zirka fünf Kilometer westlich der Wiener Stadtgrenze im Wienerwald in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst km². Davon sind 71,9 % bewaldet.
Zu Gablitz gehören die Siedlungen Allhang, Buchgraben, Fischergraben, Hauersteig, Hochbuch, Höbersbach, Laabach und Rabenstein.
Der tiefste Punkt des Gemeindegebietes befindet sich am Übertritt des Gablitzbaches nach Purkersdorf mit etwa , der höchste Punkt ist der Troppberg mit
Nachbargemeinden
Geschichte In der Antike gehörte die Region zur römischen Provinz Pannonia. Im Jahr 1975 wurde eine Grabstele aus dem 2. Jahrhundert nach Christus gefunden. Unspezifische Tonscherben aus der Umgebung der Stele lassen die Vermutung zu, dass sich an dieser Stelle möglicherweise ein in späterer Zeit durch Bodenbearbeitung zerstörtes Brandgrab befunden hat.
Über die Gründung von Gablitz existieren keine genauen Angaben. Der Ortsname weist, wie andere Siedlungsnamen mit der Endung -itz, -ice, auf einen slawischen Ursprung, vermutlich 7./8. Jahrhundert, hin und bedeutet vermutlich „Apfelbach“ oder „kleine Kapelle“.
Am 16. Mai 1060Erstnennung von Loupach/Laabach vom 16. Mai 1060: Urkunde Nr. 78 in Joseph von Zahn (Hrsg.): Codex diplomaticus Austriaco-Frisingensis I. Fontes rerum Austriacarum II/31, Wien 1870, S. 80 (online auf archive.org); wurde der heute zu Gablitz gehörige Ortsteil Laabach als „Loupach“, damals zu Ollern („Alarun“) gehörend, erstmals erwähnt (Ollern und Umgebung waren seit 1033 im Besitz des Erzbistums FreisingUrkunde Nr. 195 in: ).
Im Klosterneuburger Traditionsbuch wird mit „Hainricus de Gabliz“ ein Zensuale (Zinsbauer) des „Ulricus de Vrindorf“ (Ulrich von Freundorf) erwähnt.Maximilian Fischer (Hrsg.): Codex traditionum ecclesiæ collegiatæ Claustoneoburgensis. Fontes rerum Austriacarum II/4, Wien 1851, S. 94 (online auf archive.org). Als Zeuge scheint auch „Hartrudus des Sahßingan“ (vermutlich Hartrud von Sachsengang) auf. Die Sachsenganger waren Lehensträger von Freising. Diese Eintragung – ohne Jahreszahl – ist vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts einzuordnen.
1311 erhielt der Wiener Bürger Greif (Griffo)Joseph von Zahn (Hrsg.): Codex diplomaticus Austriaco-Frisingensis III. Fontes rerum Austriacarum II/36, Wien 1871, S. 68 (online auf archive.org). die Ansiedlung in Gablitz samt einen Wald beim Rozwärtingergraben von Emicho Bischof von Freising als Lehen:
1337 verkauften „Jans der Greyffe, Bürger zu Wien und seine Frau Anna“ mit Einwilligung des Freisinger Bischofs den Hof in Gablitz samt Mühle, Wald, Obstgarten und behausten Holden an Herzog Otto den Fröhlichen.
1380 belehnte Albrecht III. den Wiener Bürger Paul Ernst mit dem Hof in Gablitz. 1398 schien der Wiener Ratsbürger Michael Menschen auf, der den Hof in Gablitz, Felder, Dorf und Mühle an Leutold von Chreusbach verkaufte. 1410 verkaufte er den Hof, zwei Hofstätten und die Mühle zu Gablitz an Ulrich und Cecilia Missinger, die mit dem Gut von Herzog Leopold belehnt wurden. Schon ein Jahr später übergaben die Missinger das Gut der Kartause Mauerbach. Damit waren das Dorf, der Hof und die Mühle bis auf Weiteres als herzogliches Lehen bei der Kartause.
1529 wurden zahlreiche Häuser und die Kapelle von den Türken zerstört. Unter Hans Wolfstriegel wurde die stark beschädigte Kapelle repariert. 1575 scheinen in Gablitz 11 Urlehen (15 Familien) und einige Waldarbeiter auf, 1619 sind es 25, 1657 waren 27 Lehen registriert.
1621 erhielt Sophie Strauß „Straussin von Hadersdorf“ das Dorf Gablitz mit 16 Untertanen als herzogliches Lehen, sie ließ vermutlich den Thurnhof erbauen. Ihre Nachkommen verpfändeten den Ort an den Wiener Ratsbürger Hans Wolfstrigl. Dieser ließ 1642 das Dach der Kirche decken, worauf es zum Konflikt mit dem Prior der Kartause Mauerbach kam. 1648 verkaufte Wolfstrigl die 18 Häuser (Untertanen) an die Kartause, wo sie bis 1782 verblieben. An und in der Gablitzer Kirche ist das Mauerbacher Wappen mit Jahreszahl 1642 zu sehen. Auf dem ehemaligen Wirtschaftshof/Klostergasthof (Kirchengasse) ist ebenfalls ein Mauerbacher Wappen sichtbar.
Während der zweiten Türkenbelagerung Wiens wurde das Dorf Gablitz verwüstet.
Im Jahr 1786 werden erstmals Hausnummern in Gablitz verzeichnet, es werden 43 Häuser genannt. Die größten Grundbesitzer waren Graf Meraviglia im Haus Nr. 22 und Johann Georg Mayrhofer im Haus Nr. 21.
Im 17. und 18. Jahrhundert scheinen im Grundbuch des Waldamtes Purkersdorf erstmals adelige Grundbesitzer auf, etwa der Geheimrat und Hofkammerpräsident Christoph Ignaz Freiherr von und zu Lilienberg, Erbherr auf Hacking und Schloß Winterspach in Laab (* 1628 Wien; † 1685) Graf und Gräfin Salla Graf Albrechtsberg Johann Heinrich von Schmid aus Böhmen Reichsgraf Meraviglia u. a. m. Die Gablitzer Bevölkerung setzte sich damals aus bäuerlichen Untertanen und Waldarbeitern (Hüttlern) zusammen.
Im 19. und 20. Jahrhundert war Gablitz ein beliebter Sommerfrischeort. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Ort von Familien und Künstlern aus Wien und aus anderen Teilen des Habsburgerreiches als Sommerfrische entdeckt, Villen wurden erbaut und der Ort wurde durch vielfältige Initiativen belebt. Zahlreiche Vereine wie der Verschönerungsverein (1874), Kirchenbauverein, Gablitzer Männerchor (1892), Athletenclub, Arbeiterbibliothek entstanden.
Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Gablitz ein Arzt, ein Taxiunternehmer, zwei Bäcker, eine Bierniederlage, ein Branntweinhändler, ein Dachdecker, vier Fleischer, drei Friseure, sieben Fuhrwerker, zwei Gärtner, acht Gastwirte, neun Gemischtwarenhändler, ein Glaser, eine Handarbeiterin, eine Hebamme, neun Holzhändler, vier Maler, zwei Maurermeister, zwei Mechaniker, eine Milchhandlung, ein Rauchfangkehrer, ein Immobilienbüro, ein Sattler, zwei Schlosser, ein Schmied, zwei Schneider und zwei Schneiderinnen, drei Schuster, ein Spengler, fünf Tischler, zwei Viktualienhändler, ein Wagner, fünf Zimmermeister und einige Landwirte ansässig. Außerdem gab es eine Badeanstalt, ein Hotel und ein Kinotheater.Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938, S. 246 (PDF auf findbuch.at).
Ab 1868 war Gablitz Teil des Bezirks Sechshaus, 1890 wurde es Teil des Bezirks Hietzing-Umgebung. Nach dem Anschluss wurde der Ort dem Landratsamt St. Pölten (entspricht der heutigen Bezirkshauptmannschaft St. Pölten) zugeteilt (anders als Purkersdorf, das Groß-Wien angeschlossen wurde). Von 1956 bis zu dessen Auflösung mit 31. Dezember 2016 war Gablitz Teil des Bezirks Wien-Umgebung, seit 2017 gehört der Ort zum Bezirk St. Pölten (St. Pölten Land). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte rege Bautätigkeit in Gablitz ein.
Die Erhebung von Gablitz zur Marktgemeinde erfolgte durch den Niederösterreichischen Landtag in seiner Sitzung vom 16. Juni 1977.
Einwohnerentwicklung 1694 zählte man 260 Einwohner, 1783 bereits 406 Einwohner (inkl. Ortsteile Laabach, Hauersteig, Hochbuch und Buchgraben). 2001 waren 4.408 Personen gemeldet, die Volkszählung 2001 ermittelte 4393 Einwohner.Alle Angaben aus Volkszählungen oder aus:
Aufgrund der Nähe zu Wien gibt es in Gablitz zahlreiche Nebenwohnsitze. 2011 waren 1263 Personen mit einem weiteren Wohnsitz gemeldet.Statistik Austria: Registerzählung vom 31. Oktober 2011 – Endgültige Wohnbevölkerung und Bürgerzahl.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche Gablitz Nepomuk-Statue, 1726 von Braumeister und Ortsrichter Christoph Zäch gestiftet, stand ursprünglich in der Brauhausgasse, nach 1945 in der Kirchengasse/Bachgasse beim Stiegenaufgang Nepomuk-Denkmal um 1750 gestiftet von Heinrich von Schmid, dem damaligen Besitzer des Turnhofs. Eine Kaiserbüste von Johannes Denk wurde 1911 vom Verschönerungsverein unter Heinrich Lefnär jun. errichtet, nach 1918 zerstört. 1986 (!) wurde ein Neuguss einer ähnlichen Kaiserbüste eines namentlich nicht bekannten Bildhauers in der Hauptstraße (neben Nr. 17) errichtet (Gipsmodell im Heimatmuseum). „Römerstein“: römischer Grabstein ca. 180 n. Chr. (Fundort Rabenstein), aufgestellt in Gablitz, Linzer Straße 62 „Eignerhaus“, Bachgasse 5, unter Denkmalschutz. Der rechte untere Teil war ursprünglich der Erdkeller des Wirtshauses Hauptstraße 19. Das dazu gehörige „neue Wirtshaus“ (erbaut 1648-1678 von der Kartause Mauerbach), mit einem Klostergewölbe und dem Mauerbacher Wappen wurde nicht unter Denkmalschutz gestellt. Marienkapelle am Hauersteig – kann dzt. nicht besichtigt werden, Verfahren um Denkmalschutz
Wirtschaft und Infrastruktur Im Jahr 2001 gab es 246 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten, 1999 gab es acht land- und forstwirtschaftliche Betriebe. 2001 betrug die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort 1945. Die Erwerbsquote lag bei 46,05 % (2001).
Als Hauptwohnort wird Gablitz von den Bewohnern wegen seiner Landschaft, Infrastruktur und Kinderfreundlichkeit (Kindergärten, Volksschule, Hort, Theater) geschätzt.
Bildung In Gablitz befinden sich zwei Kindergärten und eine Volksschule.
Politik
Gemeinderat Im Gemeinderat gibt es seit der Wahlwiederholung am 18. Mai 2025 bei 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung: Liste ÖVP 15 Liste Grüne 10 Liste SPÖ 3 FPÖ 1
Bürgermeister Bürgermeister seit 1849 waren:
Wappen rechts|200px Von der Niederösterreichischen Landesregierung wurde der Marktgemeinde ein Marktwappen verliehen: Blasonierung (Wappenbeschreibung): „Ein von blau auf gold durch eine aus dem Schildesfuß aufragende geschweifte Spitze geteilter Schild, vorne über einen grünen Grund eine naturfarbene Baumgruppe mit Wegkreuz, hinten auf grünem Grund der Hl. Laurentius im roten Ornat, mit Rost und Märtyrerpalme, im Schildesfuß auf schwarzem Grund ein goldenes -G-.“ Die Farben der Marktfahne sind: Blau – Gold – Schwarz.
Entworfen wurde das Wappen vom niederösterreichischen Maler Otto Zeiller. Verliehen wurde es im Jahr 1976. Zeiller erhielt im Gegenzug den Ehrenring der Gemeinde.
Persönlichkeiten Töchter und Söhne der Gemeinde Arnulf Neuwirth (1912–2012) Maler, Grafiker und Kunstkritiker; lebte von seiner Geburt bis 1918 in Gablitz. Rudolf Gruber (1933–2024), Manager und Jurist; verbrachte hier nach der Geburt einen Teil seiner Kindheit. Stefan Maierhofer (* 1982), Fußballspieler, -trainer und American-Football-Spieler; wuchs hier auf und begann beim SV Gablitz mit dem Fußballspielen.
Ehrenbürger Anton Hagl (1905–1976), Zimmermeister; war von 1948 bis 1976 Bürgermeister (ÖVP) von Gablitz. Walter Neumayer (1934–2011); war von 1970 bis 2007 Vizebürgermeister (SPÖ) von Gablitz. Berthold Weiss (1922–2009), Gendarmeriebeamter; gründete das Gablitzer Heimat- und Feuerwehrmuseum. Otto Zeiller (1913–1988), Maler und Briefmarkenkünstler; entwarf das Gablitzer Gemeindewappen und lebte von 1969 bis 1974 in Gablitz. Gerhard Jonas (* 1939), technischer Angestellter; war von 1990 bis 2007 Bürgermeister (ÖVP) von Gablitz. Laurent Lupenzu-Ndombi, römisch-katholischer Geistlicher und Pfarrer von Gablitz; wurde 2025 zum Ehrenbürger ernannt.
Personen mit Bezug zur Gemeinde Josef Wenzel Sühs (auch: Süss, Süsz, Süß; 1864–1937), Landschafts- und Genremaler; lebte ab 1925 in Gablitz. Heinrich Rieger (1868–1942), Zahnarzt und Kunstsammler; besaß von 1900 bis zu seiner Deportation gemeinsam mit seiner Frau Bertha (1870–1944) die Sommervilla in der Linzerstraße 99. Heinrich Lefnär (1875–1939), Komponist, Metallwarenfabrikant, Spenglermeister; die Familie Lefnär (Lefnaer) war hier von 1878 bis 1919 ansässig. Anton Suchomel (1879–1962), Postkartenmaler; hatte seinen Sommersitz in Gablitz. Fritz Grünbaum (1880–1941), Kabarettist, Schauspieler und Autor; lebte bis 1914 in Gablitz und war Ehrenmitglied des Gablitzer Rettungscorps.