Zillingdorf ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterreich.
Geographie Zillingdorf liegt am Ostrand des südlichen Wiener Beckens, einerseits in der von Südwest nach Nordost streichenden Leithamulde, einer Einsenkung zwischen dem Steinfeld und den östlichsten Ausläufern der Zentralalpen, andererseits inmitten der östlich parallel dazu anschließenden Wiener Neustädter Pforte, einer nach Südosten hin offenen Senke zwischen Rosalien- und Leithagebirge, die die Räume von Wiener Becken und Eisenstädter Bucht verbindet. Umgeben ist der Ort auf niederösterreichischem Gebiet von Lichtenwörth (Süden, Südwesten), Eggendorf (Westen, Nordwesten) und Ebenfurth (Norden), an der Grenze zum Burgenland von Neufeld (Norden), Steinbrunn (Osten), Zillingtal (Südosten) und Pöttsching (Süden).
Der Zillingdorfer Wald ist von der Ortsgemarkung räumlich abgetrennt, liegt auf dem Hotter Lichtenwörths und wird von Lichtenwörth, Pöttsching sowie Neudörfl umschlossen. An seiner Südspitze wird er von Bad Sauerbrunn fast noch berührt.
Die Seehöhe Zillingdorfs wird im amtlichen Kartenwerk Österreichs offiziell mit 241 m angegeben. Das Bett der Leitha weist beim Eintritt nach Zillingdorf im Süden 245 m, beim Austritt gegen Ebenfurth und Neufeld 232 m Höhe auf. In Zillingdorf-Bergwerk liegen die Siedlung auf etwa 246 m, der höchste Punkt im Bereich der Abraumhalden des ehemaligen Lignitbergwerkes auf 278 m.
Geologie In morphologischer Hinsicht liegt Zillingdorf in einem Flach- bzw. wenig gewellten Hügelland, das im östlichen Grenzgebiet aus einer leicht erhöhten voreiszeitlichen Sedimentplatte, der Zillingdorfer Platte, besteht, die die Wasserscheide zwischen Leitha und Wulka bildet. Westlich schließt ein jungeiszeitlicher Schotterkörper (Oeynhausener Terrassenschotter) an, während die Leithamulde von Alluvionen bedeckt ist.
Geologisch ist das Gebiet sehr jung. Die Zillingdorfer (oder Neufelder) Schichten der Zillingdorfer Platte, die aus Ton, Sand und Flözen mit Lignit, einer minderwertigen Weichbraunkohle, bestehen, sind mit einem Alter von sechs bis acht Millionen Jahren am ältesten. Sie nehmen den Ostteil des Ortes ein und werden vom bis zu 30 m mächtigen jüngeren Zillingdorfer (oder Steinbrunner) Terrassenschotter aus der frühesten Eiszeit (mehr als eine Million Jahre alt) überlagert. Die Lagerstätte der Zillingdorfer bzw. Neufelder Schichten bildet das größte Lignitvorkommen im Wiener Becken. Im Osten des Reviers streichen die Flöze an der Oberfläche aus, gegen Westen hin reichen sie über die Leitha hinaus, sind allerdings durch Brüche gestört und bis zu 240 m Tiefe abgesunken. Die Vorräte schätzt man insgesamt auf etwa 100 Mio. Tonnen. Durch Verunreinigungen sowie hohen Wasser- und Schwefelgehalt ist die Qualität der Kohle gering und auf Grund unregelmäßigen Flözverlaufs kaum förderbar. Doch in früherer Zeit ist die Lagerstätte bergmännisch genutzt worden (siehe unten).
Die Grobeinteilung der Böden in Zillingdorf ist relativ einfach: Es dominieren kalkhaltige Schwarzerden (Feuchtschwarzerden und Tschernoseme), die sich auf den jungen Flussablagerungen (Schotter, Sande, Aulehme) des Oeynhausener Terrassenschotters und der Zillingdorfer Schichten gebildet haben. Entlang der Leitha im Westen finden sich hingegen junge Auböden (Gleye). Klimatisch liegt Zillingdorf im mitteleuropäischen Übergangsgebiet in seiner pannonisch-kontinentalen Ausprägung.
Kulturgeographisch liegt Zillingdorf im niederösterreichischen Industrieviertel. Die Fläche der Marktgemeinde, die mit Zillingdorf und Zillingdorf-Bergwerk zwei Katastralgemeinden umfasst, misst 15,34 km², 4,27 Prozent hiervon sind bewaldet.
Leitha Die Leitha hat sich nacheiszeitlich einige Meter in die darunter liegenden Schichten eingegraben und dabei die Leithamulde geschaffen, die später mit eigenen oder umgelagerten älteren Schottern und Sanden weitgehend wieder aufgefüllt wurde. Sie bildet gemeinsam mit der Schwarza das Hauptentwässerungsgerinne des Wiener Beckens. Die tektonische Aktivität ist beträchtlich, immer wieder kommt es zu Erdbeben. Die Ursache dafür liegt in der in mehreren Phasen erfolgten Einsenkung des Wiener Beckens. Zillingdorf liegt im Bereich der östlichen Bruchzone am Ostrand des Wiener Beckens, mehrere kleine Bruchlinien durchziehen von Südwest nach Nordost den Ort.
Die Leitha führt in Zillingdorf seit 18 Monaten kein Wasser mehr. Bürgermeister Harald Hahn kritisiert, dass zu viel Wasser aus dem Fluss abgeleitet wird. Der Grundwasserspiegel ging drastisch zurück, das Naturschutzgebiet Leitha-Au leidet enorm unter der Trockenheit. Ursache ist einerseits weniger Wasser aus dem Gebiet des Schneeberges und der Rax, andererseits ist das Hauptproblem die Wasserentnahme durch Ausleitungen, bei Katzelsdorf für den Mühlbach oder für den Kehrbach, die so hoch sind wie vor 30 Jahren. So bleibt für die Leitha zu wenig und in Zillingsdorf kommt nichts mehr an. Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserrecht des Landes Niederösterreich, erinnert, dass die Leitha um 1984 276 Tage ohne Wasser war und 2001 353 Tage ohne Wasser war, und warnt davor an den Schrauben der Ausleitungen zu drehen, weil das vielfältige Folgewirkungen für die Region hätte. eine Berechnung habe ergeben, dass eine Einleitung von mehr Wasser in Katzelsdorf in die Leitha nur eine kurzfristige Hilfe wäre und langfristig nichts an der Problematik ändert.Mathias Schranz: Wassermangel. Zillingdorf. Kampf um das Leitha-Wasser. NÖN, 5. April 2023.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Zillingdorf () Zillingdorf-Bergwerk ()
Die Gemeinde besteht aus einer einzigen gleichnamigen Katastralgemeinde.
Nachbargemeinden Drei der sieben Nachbargemeinden liegen im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (EU), eine im Bezirk Mattersburg (MA).
Geschichte Geschichte Zillingdorfs bis zum Ende des Mittelalters Die ältesten Spuren einer Besiedlung führen ins 2. vorchristliche Jahrtausend. Im Ortsteil Zillingdorf-Bergwerk wurden Hockergräber aus der Wieselburger Kultur (1800–1500 v. Chr.) gefunden. Ebenfalls in Zillingdorf-Bergwerk fand man Flachgräber mit Skeletten aus der Jüngeren Hallstattzeit (600–450 v. Chr.). Danach war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg, welche Hauptort für das gesamte Nord-Ost-Norikum war.
Später unter den Römern lag das heutige Zillingdorf dann in der Provinz Pannonia. Im Gebiet des heutigen Ortskernes dürfte sich eine kleinere römische Siedlung befunden haben. Funde aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. bezeugen dies. Etwas später (5./6. Jahrhundert) ist ein römischer Gutshof am Nordrand des Ortskernes (Richtung Zillingdorf-Bergwerk hin) nachzuweisen. Einige Funde gibt es auch aus dem Frühmittelalter (Bronzefunde aus awarischer Zeit, 6.–8. Jh.), dann verdunkelt sich die Geschichte. Während des Hochmittelalters dürfte Zillingdorf kaum, bestenfalls sporadisch, besiedelt gewesen sein. Es war Ödland (Gyepűelve) zwischen Österreich, Ungarn und der Steiermark.
Ende des 12. Jahrhunderts erlangten die Babenberger, die in Österreich seit 976 regierten, durch Erbschaft die Steiermark. Dies führte zu einer verstärkten Siedlungstätigkeit im Südosten Niederösterreichs. So wurde Wiener Neustadt in dieser Zeit gegründet. Die Ungarn intensivierten ebenfalls die Siedlungstätigkeit an ihrer Westgrenze. Vermutlich ist damals auch Zillingdorf östlich des Grenzflusses Leitha gegründet worden. Zillingdorf war seit diesem Anfängen stets von Deutsch sprechender Bevölkerung besiedelt, gehörte aber politisch zur Herrschaft der Mattersdorf-Forchtensteiner Grafen und damit zu Ungarn.
Um 1300 dürfte eine erste Kirche im Ort in Stil provinzieller Dorfgotik errichtet worden sein, die heutige Apsis stammt noch von diesem Bau. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 13. Oktober 1342. In einem Vertrag wird der Verkauf eines Lehens in „Cyligendorf“ durch die Brüder Wulfing und Mathes von Paumgarten an Paul von Mattersdorf und seine Schwägerin Margarete besiegelt.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu politischen und finanziellen Krisen bei den Mattersdorf-Forchtensteiner Grafen, die zur Verpfändung Zillingdorfs und anderer Besitzungen um 1400 führten. 1404 gelangte das Pfandrecht an die im Südosten Niederösterreichs reich begüterten Grafen von Puchheim, einem aus Oberösterreich stammenden Geschlecht. Zwischen 1411 und 1415 lösten Albrecht und Georg von Puchheim die Pfandrechte ein und wurden nun die Besitzer Zillingdorfs.
Zillingdorf lag zwar weiterhin in Ungarn, durch die Herrschaft der Puchheimer wurde das Dorf aber immer stärker an das österreichische Rechtssystem angepasst. Im Zuge von Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich III. und den Ungarn ergriffen die Puchheimer bedingungslos die Partei des Kaisers, ihr Engagement wurde aber nicht honoriert. Die Puchheimer erlitten große materielle Verluste, die ihnen vom Kaiser nicht ersetzt wurden. 1453 schloss sich Georg von Puchheim daher der Opposition gegen den Kaiser an, außenpolitisch setzte er auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Ungarn und deren König Ladislaus Postumus, der wie Kaiser Friedrich III. ebenfalls aus dem Haus Habsburg stammte. Dieser Zusammenarbeit verdankte Zillingdorf ein Privileg König Ladislaus’, in dem der Ort im Jahr 1455 vom Kammerzins und allen außerordentlichen Abgaben an den König befreit wurde. Dieses Steuerprivileg führte zur Markterhebung Zillingdorfs durch den Grundherrn Georg II. von Puchheim. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde auch das wichtigste alte Rechtsdokument Zillingdorfs, das Banntaiding (eine Art „Dorfverfassung“), von der Grundherrschaft erlassen.
Als 1459 Friedrich III. zum ungarischen Gegenkönig ausgerufen wurde, begannen erneut Auseinandersetzungen mit den Ungarn und ihrem König Matthias Hunyadi (Corvinus). Nach deren Beendigung (durch den Tod Corvinus’ 1490) entzog der Kaiser 1491 Zillingdorf den Puchheimern endgültig wegen Treulosigkeit und übernahm den Ort vorerst in den eigenen Besitz. Mit dem neuen ungarischen König Vladislav II. wurde in Pressburg Friede geschlossen. 1493 schenkte Kaiser Friedrich III. in einer der letzten Urkunden vor seinem Tod Zillingdorf und das benachbarte Lichtenwörth den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, die auch das Domkapitel am Wiener Neustädter Dom stellten. Daraus ergab sich für die folgenden drei Jahrhunderte ein bemerkenswerter kirchenpolitischer Dualismus für den Ort: Die Domherren von Wiener Neustadt wurden nur die weltlichen Herren Zillingdorfs, die Pfarre hingegen verblieb der ungarischen Diözese Raab (Győr).
Damit endet in politischer Hinsicht die ungarische Zeit in Zillingdorf. Der Ort, der durch die Puchheimische Herrschaft allmählich immer stärker an das österreichische Polit- und Rechtssystem herangeführt wurde, kam nun endgültig zu Österreich.
Geschichte Zillingdorfs seit Beginn der Neuzeit Um 1500 wurde die in den Corvinuskriegen zerstörte Pfarrkirche restauriert, auch ein Pfarrhof erbaut. Durch eine Sedisvakanz im Bistum Wiener Neustadt übte zwischen 1508 und 1522 der St. Georgs-Ritterorden die Dorfherrschaft aus, ehe Zillingdorf wieder an das Bistum zurückkam.
Die Türkenkriege brachten große Not über den Ort, 1529 und wahrscheinlich auch 1532 zogen Einfälle aus dem Osten Zillingdorf stark in Mitleidenschaft. Im Zuge eines ungarischen Adelsaufstands steckte eine protestantische ungarische Rebellenschar 1605 das Dorf in Brand und zerstörte die Pfarrkirche. Der Wiederaufbau von Pfarre und Kirche im Jahr 1614 wurde durch Bischof Melchior Klesl finanziert. Auch die Zweite Türkenbelagerung Wiens 1683 führte zu schweren Schäden: Kirche, Pfarrhof und die Pfarrhof-Seite des Marktes brannten ab, zahlreiche Leute wurden verschleppt. Wenige Jahrzehnte danach überfielen erneut rebellische ungarische Streifscharen in den so genannten Kuruzzenkriegen (1704–1709) Zillingdorf.