Kirchstetten ist eine Marktgemeinde im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Kirchstetten liegt im Mostviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst 17,76 Quadratkilometer, 22,28 % der Fläche ist bewaldet. Kirchstetten liegt auf einer Höhe von 270 bis Mehrere Höhenzüge erheben sich in der Gemeinde, wie der Aschberg, der Hausberg, der Haspelwald, der Eichberg oder die Gugl.
Mehrere kleine Bäche durchfließen das Gemeindegebiet, wobei sich die zwei stärksten, der Wolfs- und der Sichelbach, in Sichelbach vereinigen und der Sichelbach in Böheimkirchen in den Michelbach mündet. Vor allem der Sichelbach sorgt mit seinen Zuflüssen aus Aschberg-, Waasen- und Kreppenbach immer wieder für Hochwasser in Kirchstetten und Sichelbach.
Die A1 Westautobahn führt direkt durch Kirchstetten, und die (alte) Westbahn der ÖBB schlängelt sich zwischen Totzenbach und Kirchstetten durch.
Genauso gibt es viele Wander- und Radwege, die sich auch in bezirksübergreifende Wege einbinden.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst 13 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus acht Katastralgemeinden Doppel, Kirchstetten, Oberwolfsbach, Paltram, Senning, Sichelbach, Totzenbach und Waasen.
Kirchstetten ist Mitglied der Wienerwald Initiativ Region sowie der Leaderregion Elsbeere Wienerwald.
Nachbargemeinden
Geschichte Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum. Um 450 entstand der Hunnenhügel, ein Erdwall, auf dem sich wahrscheinlich eine Wehranlage befand. Neuere Funde belegen Besiedelungen und Handel in der Keltenzeit und der Zeit der Römer. 1130 wird „Chirichstetten“ als selbstständige Pfarre erstmals urkundlich erwähnt. 1374 kam es zur Abspaltung der Pfarre Totzenbach von Kirchstetten. 1512 wurde in Totzenbach die protestantische „Priesterbruderschaft Aller Heiligen ob dem Wienerwald“ gegründet. 1529 erfolgte Zerstörung des Schlosses Kirchstetten durch die Türken. 1622 kam Kirchstetten zur Pfarre Ollersbach. 1634 wurde Totzenbach wieder katholisch und die Pfarre von Kaiser Joseph II. wieder errichtet. 1848 wurde die Grundherrenschaft aufgehoben und die Bauern wurden Grundeigentümer.
Um 1850 entstanden die Gemeinden Kirchstetten und Totzenbach, die 1971 zur Gemeinde Kirchstetten vereinigt wurden. 1999 erhielt Kirchstetten das Marktrecht zurück, das es schon seit dem 14. Jahrhundert bis zum ersten Türkenkrieg gehabt hatte.
1857 wurde der Bahnhof erbaut und 1862 das Postamt eingerichtet. 1876 errichtete man in Kirchstetten am ehemaligen Schloßberg ein Schulgebäude, das später zur Joseph Weinheber Volksschule wurde. 1898 wurde in Totzenbach ein Schulgebäude erbaut, die Kaiser Franz Joseph Jubiläums Volksschule. 1939 wurde mit dem Bau der Westautobahn begonnen.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Kirchstetten für einige Zeit Frontgebiet, in dem Wehrmachtssoldaten gegen Sowjettruppen kämpften. Vor allem in Aschberg, im Kirchenwald, in Hinterholz beim Warthof zur Wolfsähn wurde schwer und unter großen Opfern gekämpft. Noch heute sind Spuren davon zu finden. Es wurde auch immer wieder die Westbahn bombardiert, vor allem beim Bombardement von St. Pölten gingen Bomben auf Kirchstetten nieder. Auch die Kirche musste einen Treffer einstecken, wobei die Bombe aber nicht explodierte.
1988 überfiel Johann Kastenberger, alias Pumpgun Ronnie, die damalige Volksbankfiliale. Im selben Jahr, nach seiner spektakulären Flucht, versteckte er sich in Kirchstetten, stahl in Waasen dem damaligen Vizebürgermeister das Auto. In diesem Auto wurde er auch, nachdem Durchbrechen einer Straßensperre auf der A1, angeschossen und er richtete sich danach, ebenso im PKW, selbst. Zu dieser Zeit war Kirchstetten von Spezialeinheiten von Gendarmerie und Polizei besetzt und in der Bevölkerung herrschte starke Verunsicherung.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Totzenbach mini|Pfarrkirche Totzenbach mini|Das Auden-Haus mini|Das Weinheber-Haus
Schloss Totzenbach Katholische Pfarrkirche Totzenbach Allerheiligen Katholische Filialkirche Kirchstetten hl. Veit Pflegeheim Clementinum Kirchstetten, die Kapelle steht unter Denkmalschutz Audenhaus: Das Audenhaus auf Hinterholz 6 hat einen Dokumentationsraum und zeigt das originale Arbeitszimmer des amerikanischen Lyrikers britischer Herkunft W. H. Auden.Gemeindeseite über das Audenhaus eingesehen, 6. Sept. 2016 Weinheber-Museum in der Josef-Weinheber-Straße mit Grabstätte Die Alte Dorfschmiede in Totzenbach Die Rosalienquelle (mit der Sage vom Steinernen Brot) Der Dorfplatz in Kirchstetten (mit dem Rosalienquellen-Brunnen)
Kirchstetten in Film und Fernsehen Der Orgelbauer von St. Marien mit Paul Hörbiger und Sieghardt Rupp, wurde unter anderem in Kirchstetten, mit großer Beteiligung der Ortsbevölkerung, gedreht. Eine Folge des Tatorts spielte in Kirchstetten und im Schloss Totzenbach. Eine Dokumentation über Hans Peter Heinzl zeigte sein Leben in Kirchstetten. Hermann Maier drehte für seinen Hauptsponsor, gemeinsam mit der Feuerwehr, Trachtenmusik und der Ortsbevölkerung Werbespots, in der ihn unter anderem mehrere tausend Luftballons in Richtung Himmel hoben. Eine zweite Werbung für die größte heimische Bank wurde in Kirchstetten gedreht. Hinterholz 8 aus der Feder von Roland Düringer: Charaktere, Handlung sowie Personen und Namen sind sehr eng mit Kirchstetten verbunden, jedoch wurde nicht in Kirchstetten gedreht. Der Überfall zeigt in einigen Szenen Kirchstetten.
Feste und Veranstaltungen
Vereine und Organisationen
Wirtschaft und Infrastruktur Im Jahr 2001 gab es 62 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten sowie 52 land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug 827 nach der Volkszählung 2001. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47 Prozent. mini|Bahnhof Kirchstetten mini|Rastplatz Kirchstetten auf der A1.
Verkehr Eisenbahn: Vom Bahnhof Kirchstetten an der Westbahn gibt es halbstündliche Verbindungen nach Wien und St. Pölten (Stand 2021). Straße: Durch das Gemeindegebiet verläuft die West Autobahn A1.
Öffentliche Einrichtungen In Kirchstetten befinden sich zwei Kindergärten.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat seit 2015 21 Sitze. Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich hatte/hat der Gemeinderat folgende Verteilungen: 2000: 13 ÖVP, 4 SPÖ, und 2 FPÖ. (19 Sitze) 2005: 13 ÖVP, und 6 SPÖ. (19 Sitze) 2010: 12 ÖVP, 6 SPÖ, und 1 FPÖ. (19 Sitze) 2015: 12 ÖVP, 5 SPÖ, 2 FPÖ, und 2 GRÜNE. 2020: 12 ÖVP, 6 SPÖ, 2 Grüne und 1 FPÖ. 2025: 11 ÖVP und 10 SPÖ.
Bürgermeister
1995–2010 Johann Dill (ÖVP) 2010–2020 Paul Horsak (ÖVP) 2020–2025 Josef Friedl (ÖVP) seit 2025 Johannes Hölzl (ÖVP)
Wappen Der Gemeinde wurde 1971 folgendes Wappen verliehen: Ein gespaltener Schild, vorne in einem achtmal von Rot auf Silber schräggeteilten Feld ein aus der Schildesmitte ragender halber goldener Adler, hinten im blauen Felde über einem grünen halben Dreiberg eine silberne rotbedachte Kirche mit ebensolchen Turm und Apsis.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Franz Ehrenreich von Trauttmannsdorff (1662–1719), Diplomat Heidemaria Onodi (* 1957 in Doppel), Landeshauptmann-Stellvertreterin in Niederösterreich von 2001 bis 2008
Personen mit Bezug zur Gemeinde
Wystan Hugh Auden (1907 in York (GB) – 1973 in Wien), englischer, seit 1946 amerikanischer Schriftsteller und Lyriker, ab 1957 bis zu seinem Tod verbrachte Auden den Sommer in Kirchstetten, wo er auch begraben ist. Lothar Bürger (1866–1943), Maler der hier lebte und wirkte. Nach ihm ist im Ort eine Straße benannt.Lothar Bürger-Steig in 3062 Kirchstetten In: or.at, abgerufen am 14. Februar 2018. Roland Düringer (* 1963), österreichischer Kabarettist und Schauspieler, wohnte in Kirchstetten (in Hinterholz). Sein erstes Solo-Kabarettprogramm nannte er Hinterholzacht, 20 Jahre Abrechnung. Die Kinofassung Hinterholz 8 war 1998 der meistbesuchte einheimische Film in Österreich. Bertha Ehnn (1845–1932), Opernsängerin, hatte ein Anwesen in Aschberg, wo sie am 2. März 1932 verstarb. Hans Peter Heinzl (1942–1996), Schauspieler und Kabarettist, der viele Sommer auf einem Anwesen in Aschberg verbrachte. Für einen Film über Heinzl wurde auch in Kirchstetten an verschiedensten Orten gedreht. Johann Kastenberger (1958–1988), alias „Pumpgun Ronnie“, überfiel in Kirchstetten 1988 eine Bankfiliale. Im selben Jahr versteckte er sich auf seiner Flucht in Kirchstetten, stahl das Auto des Vizebürgermeisters, in dem er angeschossen wurde und sich danach das Leben nahm. Kurt Mündl (1959–2019), Biologe, Publizist, Kameramann und Autor Rudolf Supperer (1918–2006), war ein Veterinär und Rektor der Tierärztlichen Hochschule Wien (heute Veterinärmedizinische Universität Wien). Josef Weinheber (1892–1945), österreichischer Dichter und Lyriker, erwarb 1936 in Kirchstetten ein Haus, in dem sich heute das Weinhebermuseum befindet. Im Garten des Hauses befindet sich seine Grabstätte.
Literatur
Stella Mussulin: Auden in Kirchstetten, in: Katherine Bucknell, Nicholas Jenkins (Hrsg.): W. H. Auden. „In Solitude, For Company“: W. H. Auden after 1940: unpublished prose and recent criticism. Oxford: Oxford University Press, 1995, ISBN 0-19-818294-5, S. 207–233.
Weblinks
Homepage der Marktgemeinde Kirchstetten
Einzelnachweise
Kategorie:Ersterwähnung 1130