Tscherms ([]; italienisch Cermes) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Südtirol in der Nähe von Meran. Die einzige Siedlung der Gemeinde ist das gleichnamige Dorf.

Geografie mini|Blick auf Tscherms und das Etschtal Die Gemeinde Tscherms liegt im Burggrafenamt auf der orographisch rechten Seite des Etschtals am südwestlichen Rand des Meraner Talkessels. Das Dorfzentrum befindet sich auf Höhe am Hangfuß östlich unter dem Bergrücken des Vigiljochs, der im Zufrittkamm den nordöstlichsten Ausläufer der Ortler-Alpen bildet. Am Vigiljoch, genauer am Larchbichl auf , findet das Gemeindegebiet seinen höchsten Punkt. Im Osten erstreckt es sich über den Talboden bis hin zur Etsch.

Geschichte Auf dem Lebenberg fand man Mauerstrukturen, die mindestens auf die römische Kaiserzeit zurückgehen.

Der indogermanisch anmutende Ortsname kommt womöglich vom Patronym *Ceranum (‚Landgut des Cerus‘) oder vom Flurnamen *Cembrona (‚Ort mit Zirbelkiefern‘) bzw. *Cerasonia (‚Ort mit Kirschbäumen‘). Tscherms ist in den ältesten Dokumenten als Cerones (857), Schirmis (1153), Sermis (1182) und 1380 erstmals wie heute verschriftlicht.Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Band 1. Bozen: Athesia 1995. ISBN 88-7014-634-0, S. 481 ff.Nomi d'Italia. Novara, Istituto Geografico De Agostini 2004.

Die Herren von Marling haben im 13. Jh. Schloss Lebenberg errichtet. Sie nannten sich ab ca. 1286 von Lebenberg. Die Kapelle des dreistöckigen Baus ist von ihnen im 14. Jh. errichtet worden. 1426 kam das Schloss in den Besitz der Herren Fuchs von Fuchsberg. Sie residierten dort bis zum Erlöschen ihrer männlichen Stammlinie 1832, als die Anlage an einen Meraner Advokaten verkauft wurde.

Politik Bürgermeister Bürgermeister seit 1952: Alois Golser: 1952–1963 Karl Innerhofer: 1963–1990 Karl Huber: 1990–2010 Roland Pernthaler: 2010–2020 Astrid Kuprian: seit 2020

Wappen Das Wappen erinnert an die 400-jährige Feudalherrschaft der Herren Fuchs von Fuchsberg.

Gemeindefreundschaft Mit der bayerischen Marktgemeinde Altomünster besteht eine Gemeindefreundschaft. In Tscherms hatte das Kloster Altomünster früher Weinberge und Besitzungen und bezog von dort Mess- und Trinkwein bis ins frühe 17. Jahrhundert.

Bevölkerung Tscherms ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 95,46 % 96,24 % 95,54 % 94,92 % 93,88 % Italienisch 4,44 % 3,66 % 4,37 % 4,86 % 5,97 % Ladinisch 0,10 % 0,09 % 0,09 % 0,23 % 0,15 %

Bildung In der Gemeinde gibt es Bildungseinrichtungen für die deutsche Sprachgruppe. Diese umfassen einen Kindergarten und eine Grundschule.

Sehenswürdigkeiten

mini|Schloss Lebenberg mini|St. Anna in Basling Schloss Lebenberg wurde im 13. Jahrhundert von den Herren von Marling erbaut und kam 1426 an die Herren von Fuchs. Die dreigeschossige Schlosskapelle stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert.

Bedeutsam ist auch der renaissancezeitliche Ansitz Kränzl (auch: Kränzlhof), der sich im Besitz der Grafen von Pfeil befindet. Das Hausarchiv enthält u. a. Weinrechnungen, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen und alte Handelsbeziehungen in den schwäbischen Raum dokumentieren.

mini|Tschermser Kriegerdenkmal Das Kriegerdenkmal 1939–1945 am Tschermser Friedhof wurde 1960 von Arch. Pramauer aus Wien geschaffen.Südtiroler Kamerad. Mitteilungsblatt des Südtiroler Kriegsopfer- und Frontkämpferverbandes, 3. Jg., November 1960, S. 7.

Verkehr Für den Kraftverkehr ist Tscherms in erster Linie durch die der Länge nach den Ort durchquerende SS 238 erschlossen.

Tscherms lag an der Straßenbahn Lana–Meran und war über diese bis 1950 mit Lana und Meran verbunden.

Persönlichkeiten Josef Garber (1883–1933), Kunsthistoriker, Staatskonservator Karl Golser (1943–2016), Bischof von Bozen-Brixen Lotte Nogler (* 1947), italienische Skirennläuferin Cristina Kury (* 1949), Politikerin Oswald Egger (* 1963), deutschsprachiger Schriftsteller Karin Fischer Ausserer (* 1963), Archäologin Veronika Margesin (* 1963), Schriftstellerin Anne Marie Pircher (* 1964), Schriftstellerin Harald Stauder (* 1967), Politiker

Literatur Gemeinde Tscherms (Hrsg.): Tscherms: Dorfbuch mit Beiträgen zur Orts- und Heimatkunde. Tappeiner, Lana 1997, ISBN 88-7073-234-7 (online)

Weblinks

Gemeinde Tscherms

Einzelnachweise

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