mini|Vittorio De Sica 1962 Vittorio De Sica (* 7. Juli 1901 in Sora, Italien; † 13. November 1974 in Neuilly-sur-Seine bei Paris) war ein italienischer Schauspieler und Filmregisseur; ab 1968 war er auch französischer Staatsbürger. Er war zunächst ein prominenter Schauspieler, erreichte aber seine größte internationale Bekanntheit als einer der führenden Regisseure des Italienischen Neorealismus in den 1940er- und 1950er-Jahren. Sein Film Fahrraddiebe aus dem Jahr 1948 gilt unter Filmkritikern als einer der besten Filme aller Zeiten.Stephan Eicke und Falko Fröhner: Fahrraddiebe. Rezensionen auf Film-Rezension.de, 24. Februar 2011

Leben De Sica wuchs in Neapel auf. Nach einer auf Wunsch seines Vaters, eines Bankbeamten, absolvierten Ausbildung zum Buchhalter debütierte er 1918 mit 16 Jahren als Filmschauspieler. 1924 schloss er sich der Theatergruppe von Tatiana Pavlova an, 1925 der Truppe Almirante Manzini und 1927 Almirante-Risone Tofano. Sein Durchbruch gelang 1927, als er in Spiel im Schloß von Ferenc Molnár für den erkrankten Hauptdarsteller einsprang. Nach Tätigkeiten bei weiteren Theatergruppen gründete er 1933 mit seiner ersten Ehefrau, Giuditta Rissone, und S. Tofano eine eigene Gruppe. Dort erarbeitete er sich das Image, mit dem er später im Schauspielfach berühmt werden sollte: das des jugendlichen Frauenlieblings. Mit seiner Rolle in Mario Camerinis Film Gli uomini, che mascalzoni! (1932) begann sein Aufstieg, er wurde einer der gefeiertesten Schauspieler Italiens in den 1930er Jahren.

In Rose scarlatte führte De Sica 1940 neben Giuseppe Amato erstmals Regie. Für die Vatikanproduktion La porta del cielo führte er von 1943 bis zur Befreiung Italiens am Ende des Zweiten Weltkriegs 300 Juden und politisch Verfolgte als Komparsen zum Schutz vor deren Verfolgung an.Arno Lustiger: Rettungswiderstand. Wallstein, ISBN 978-3-8353-0990-6, S. 287. Von 1943 an arbeitete er mit dem Drehbuchautor Cesare Zavattini zusammen, der auch seine als Meisterwerke des italienischen Neorealismus geltenden Filme, Schuhputzer (1946) und Fahrraddiebe (1948), schrieb. Fahrraddiebe wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Ab 1946 arbeite De Sica mit dem Dramaturgen Gottfried Müller zusammen. Mit den Filmen Das Wunder von Mailand (1951) und Umberto D. (1952) festigte er seinen Ruf als bedeutender Regisseur. Er arbeitete häufig mit Arthur Cohn, der ihn als seinen „Lehrer“ bezeichnete. 1957 wirkte De Sica in Holywood in dem Kriegsdrama In einem anderen Land von Charles Vidor mit. Für seine Darstellung in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ernest Hemingway wurde er 1958 als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert.

In den 1960er Jahren drehte De Sica mehrere kommerziell erfolgreiche Filme, darunter Boccaccio 70 (1962) gemeinsam mit Federico Fellini und der mit einem Oscar prämierte Film Gestern, heute und morgen (1963) mit Sophia Loren in der Hauptrolle. Daneben arbeitete er im In- und Ausland weiterhin als Schauspieler. Auch sein 1970 entstandener Film Der Garten der Finzi Contini wurde mit einem Oscar ausgezeichnet, außerdem mit einem Goldenen Bären auf der Berlinale 1971.

De Sica war Darsteller in rund 160 Filmen und 125 Theaterproduktionen und führte in mehr als 35 Filmen Regie. Er verstand sich als Kommunist.

De Sica war seit 1937 in erster Ehe verheiratet mit der Schauspielerin Giuditta Rissone, mit der er eine gemeinsame Tochter hatte. Die Ehe wurde 1954 geschieden. Mit seiner zweiten Ehefrau, der spanischen Schauspielerin María Mercader, die er 1942 kennengelernt hatte und seit 1959 verheiratet war, hatte er zwei Söhne, Manuel und Christian De Sica.

Filmografie (Auswahl) Darsteller

Regie

Auszeichnungen (Auswahl) 1946: Nastro d’Argento des Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani, Beste Regie für Schuhputzer 1948: Nastro d’Argento des Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani, Bester Hauptdarsteller für Cuore 1949: Nastro d’Argento des Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani, Bestes Drehbuch für Fahrraddiebe 1949: Internationales Filmfestival von Locarno, Spezialpreis der Jury für Fahrraddiebe 1951: Bodil, Bester europäischer Film für Fahrraddiebe 1955: Bodil, Bester europäischer Film für Umberto D. 1951: Nominierung für die Goldene Palme, Internationale Filmfestspiele von Cannes 1951, für Das Dach 1951: Großer Preis des Festivals, Internationale Filmfestspiele von Cannes 1951, für Das Wunder von Mailand 1955: Nominierung für die Goldene Palme, Internationale Filmfestspiele von Cannes 1955, für Das Gold von Neapel 1956: David di Donatello, Bester Schauspieler für Liebe, Brot und Eifersucht 1957: Jussi, Bester ausländischer Regisseur für Umberto D. 1958: Oscar-Nominierung, Bester Nebendarsteller für In einem anderen Land 1961: Nominierung für die Goldene Palme, Internationale Filmfestspiele von Cannes 1961 für Und dennoch leben sie 1961: Nominierung für den Goldenen Löwen, Internationale Filmfestspiele von Venedig 1961 für Das Jüngste Gericht findet nicht statt 1962: Blue Ribbon Award, Bester ausländischer Film für Und dennoch leben sie 1963: David di Donatello, Bester Regisseur für Die Eingeschlossenen von Altona 1965: David di Donatello, Bester Regisseur für Hochzeit auf italienisch 1971: Goldener Bär, Berlinale 1971, für Der Garten der Finzi Contini 1971: Interfilm-Preis der Berlinale für Der Garten der Finzi Contini

Literatur Marisa Buovolo: Vittorio De Sica. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 181–186.

Weblinks

"Neujahrsgrüße nach Berlin von Vittorio de Sica" – Beitrag aus der Aktuelle Kamera vom 3. Januar 1963 im ARD-Retro-Angebot online.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (DDR) Kategorie:Judenretter Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1901 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann