Wattendorf ist die kleinste Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg, Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Steinfeld und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Seit den 2004 gestarteten Grabungskampagnen im Wattendorfer Steinbruch gilt der Wattendorfer Plattenkalk als bedeutende Fossillagerstätte.

Geografie Das Pfarrdorf liegt am Rande der Fränkischen Schweiz am Juraaufstieg im östlichen Teil des Landkreises Bamberg.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Weismain (Landkreis Lichtenfels), Stadelhofen, Scheßlitz, Bad Staffelstein und Lichtenfels (beide Landkreis Lichtenfels).

Gemeindegliederung Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahl mit Stand 1. Januar 2022 angegeben): Bojendorf (Kirchdorf, 132) Gräfenhäusling (Kirchdorf, 201) Mährenhüll (Dorf, 76) Schneeberg (Dorf, 56) Wattendorf (Pfarrdorf, 178)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bojendorf, Gräfenhäusling und Wattendorf. Die Gemarkung Wattendorf hat eine Fläche von 10,925 km². Sie ist in 1299 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8410,48 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Schneeberg.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Wattendorf ist ein altes Siedlungsgebiet, das schon seit der Zeit der Linienbandkeramik, im ausgehenden 6. bzw. frühen 5. Jahrtausend v. Chr., besiedelt wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1180 zurück; damals war der Ort im Besitz der Grafen von Andechs. Von 1260 bis 1274 war Wattendorf im Besitz des Grafen von Truhendingen. Dieser schenkte das Gut Wattendorf im Jahr 1274 dem Zisterzienserkloster Langheim, dem es bis zur Säkularisation 1803 gehörte. Die Stellung des Klosters gegenüber dem Hochstift Bamberg wurde mit der Zeit immer schwächer, so dass man am Ende des Alten Reiches fast von einem Mediat des Hochstiftes sprechen kann. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehören der Ort wie weite Teile Frankens zu Bayern (Siehe auch Geschichte Frankens). (PDF-Datei; 179 kB) Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Bojendorf (mit Mährenhüll) und Gräfenhäusling eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 716 auf 646 um 70 bzw. um 9,8 %, das ist der deutlichste Einwohnerrückgang im Landkreis im genannten Zeitraum. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1994 mit 727 Einwohnern erreicht. Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020Einwohner 814 753 723 719 721 722 707 680 662 642

Religion Laut Zensus am 9. Mai 2011 sind 97,0 % (674) der Einwohner römisch-katholisch und 2,2 % (15) evangelisch-lutherisch. 0,8 % (6) haben eine andere Religion oder sind konfessionslos.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2014 Thomas Betz (CSU/Bojendorfer Wählergemeinschaft), der bei einem Gegenkandidaten 71,57 % der Stimmen erhielt und 2020 ohne Gegenkandidaten mit 86,86 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Sein Vorgänger war seit 1978 Rudolf Krapp von der CSU, der 2008 mit 86,96 % der Stimmen zum fünften Mal wiedergewählt worden war.

Gemeinderat Wahlvorschlag Wahl 2002 Wahl 2008 Wahl 2014 Wahl 2020 Wählergemeinschaft Gräfenhäusling 25,6 % (2 Sitze) 28,3 % (2 Sitze) 27,4 % (2 Sitze) 32,0 % (3 Sitze) Bojendorfer Wählergemeinschaft 27,6 % (2 Sitze) 22,9 % (2 Sitze) 22,3 % (2 Sitze) 24,8 % (2 Sitze) Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 30,9 % (3 Sitze) 30,2 % (3 Sitze) 29,4 % (2 Sitze) 23,9 % (2 Sitze) Freie Wähler Mährenhüll 10,7 % (1 Sitz) 9,5 % (1 Sitz) 11,6 % (1 Sitz) 14,1 % (1 Sitz) Freie Wähler Schneeberg 5,2 % (0 Sitze) 9,1 % (0 Sitze) 9,3 % (1 Sitz) 5,2 % (0 Sitze)

Wappen

Bau- und Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Brauereien In Wattendorf gibt es noch zwei kleine Familienbrauereien, die Brauerei Hübner und die Brauerei Dremel. In beiden werden fränkische Bierspezialitäten gebraut und ausgeschenkt.

Freiwillige Feuerwehren In Bojendorf, Gräfenhäusling und Wattendorf gibt es Freiwillige Feuerwehren. Die Feuerwehr Gräfenhäusling verfügt über ein TSF (mit Gruppenbesatzung auf Basis eines ehemaligen Löschgruppenfahrzeugs); die Feuerwehr Wattendorf kann auf ein HLF 10 und ein MZF zurückgreifen.

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 305. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun Betriebe, im Bauhauptgewerbe keine Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 79 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1220 Hektar, davon waren 1078 Hektar Ackerfläche und 140 Hektar Dauergrünfläche.

Wattendorfer Plattenkalk mini|Der 2012 im Wattendorfer Plattenkalk gefundene Flugsaurier in der Ausstellung des Naturkunde-Museums Bamberg In einem Steinbruch bei Wattendorf wird hochreiner Kalkstein (Wattendorfer Kalk) und Dolomit (dolomitisierter Riffkalk) aus der Zeit des Späten Jura (Kimmeridgium, ca. 155 Millionen Jahre alt) abgebaut. 2002 stieß Thomas Bechmann, der Präparator des Naturkundemuseums Bamberg, dort in einem der Intervalle aus dünnplattigem, laminiertem Kalkstein („Plattenkalk“), die in die Abfolge zwischen dem Wattendorfer Kalk und dem Riffdolomit eingeschaltet sind, auf Fossilien von Fischen und Krebsen. Seit 2004 führt das Naturkundemuseum Bamberg Grabungskampagnen durch.Die Plattenkalke von Wattendorf. Wattendorf Grabung 2014. CFK-Fossilien Coburg (private Fossiliensammler-Webseite), abgerufen am 4. Juli 2018Wattendorf-Grabung 2017. CFK-Fossilien Coburg (private Fossiliensammler-Webseite), abgerufen am 4. Juli 2018 Ein Teil des fossilführenden Schichtpakets wird für die Grabung durch einen Bagger von den auflagernden, fossilarmen Schichten befreit und dann im Laufe mehrerer Wochen komplett abgebaut. Aus Sicherheitsgründen ist das Betreten des Steinbruches durch unbefugte Personen strengstens verboten.

Die Entdeckung der Fossillagerstätte in den Wattendorfer Plattenkalken, am nördlichen Ende des oberflächlichen Verbreitungsgebietes der Weißjurakalke, führte in den folgenden Jahren zu spektakulären Funden von zum Teil bisher unbekannten Arten. So wurde 2012 ein Flugsaurier mit langen Stelzbeinen und Reusengebiss freigelegt.

Die Wattendorfer Plattenkalke werden als lagunäre Ablagerungen interpretiert. Sie sind damit auf ähnliche Weise entstanden wie die Solnhofener Plattenkalke, nur einige Millionen Jahre früher. Die Lagerstätte in Wattendorf weist nach den bisherigen Erkenntnissen eine noch größere Fossiliendichte auf als die weltberühmte Fossillagerstätte in Solnhofen. Präparierte Fundstücke werden im Naturkundemuseum Bamberg präsentiert.Frankenland am Jurastrand – versteinerte Schätze aus der Wattendorfer Lagune. Internetpräsenz des Naturkunde-Museums Bamberg, abgerufen am 4. Juli 2018

Weblinks

(PDF; 1,24 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Bamberg Kategorie:Geographie (Fränkische Schweiz) Kategorie:Ersterwähnung 1180 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bamberg