Siegfried Jerusalem (* 17. April 1940 in OberhausenSiegfried Jerusalem. In: Kutsch/Riemens: Großes Sängerlexikon. S. 2250–2251), zeitweise auch unter dem Künstlernamen Siegfried Salem tätig, ist ein deutscher Opernsänger (Tenor).

Leben Siegfried Jerusalem wurde als Sohn eines Elektroingenieurs geboren. Er erhielt im Alter von acht Jahren ersten Musikunterricht, ab 1949 Klavierstunden und ab 1950 Geigenunterricht. Er studierte von 1955 bis 1960 an der Folkwanghochschule Essen Fagott und Klavier (Hauptfächer)Jerusalem, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 584. sowie Violine. 1962 begann er, Gesangsunterricht zu nehmen und gab einen ersten Liederabend.Jerusalem, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 584. 1961 war er als 1. Fagottist bei den Hofer Symphonikern am Städtebundtheater Hof engagiert und wechselte als solcher im selben Jahr zum Schwäbischen Symphonie-Orchester Reutlingen. Von 1971 bis 1977 wirkte er als 2. Fagottist beim Südfunk-Sinfonieorchester Stuttgart.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 1985, S. 584.

Parallel zu seiner Tätigkeit im Orchester absolvierte er in Stuttgart ab 1971Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 1985, S. 584. eine Gesangsausbildung bei Hertha Kalcher. 1975 übernahm er bei der ZDF-Produktion von Der Zigeunerbaron die Partie des Barinkay als Einspringer für Franco Bonisolli. Weitere Fernsehauftritte hatte er mit Der Opernball, Die lustige Witwe und Parsifal.Jerusalem, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 584. An der Staatsoper Stuttgart trat er in einigen kleineren Rollen auf, bevor er 1976 als Lohengrin in Darmstadt, Aachen, 1977 an der Hamburgischen Staatsoper und bei den Zürcher Opernfestspielen sowie in Stuttgart debütierte. Diese Rolle sang er auch 1979 bei den Bayreuther Festspielen und entfaltete in Folge eine internationale Karriere, die ihn an zahlreiche bedeutende Opernhäuser führte; dabei machte er sich insbesondere als Wagner-Tenor einen Namen.

Bei den Bayreuther Festspielen debütierte er 1977 als Junger Seemann in Tristan und Isolde, trat dort bis 1999 regelmäßig in allen Heldenpartien seines Faches auf, ausgenommen in Tannhäuser (zum Beispiel als Lohengrin, Parsifal, Walther von Stolzing, Siegfried, Tristan). In Zusammenarbeit mit Waltraud Meier galten beide „Bayreuther Traumpaar“. Mit ihr war er unter anderem in Parsifal (1987–1988, Regie: Götz Friedrich, Dirigenten: Daniel Barenboim und James Levine), in der Götterdämmerung (1989–1992, Regie: Harry Kupfer, Dirigent: Daniel Barenboim) sowie in Tristan und Isolde (1993–1999, Regie: Heiner Müller, Dirigent: Daniel Barenboim) zu hören. Ebenso war er zu Gast bei internationalen Festivals wie Tanglewood, Verbier Festival, den Münchner Festspielen oder dem Beijing Music Festival.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 1985, S. 584.

1980 debütierte er als Lohengrin an der New Yorker Metropolitan Opera und gab dort bis 2004 etwa 60 Vorstellungen in weiteren Wagner-Partien (als Parsifal, Siegfried in Siegfried und Götterdämmerung, Loge in Das Rheingold) sowie als Idomeneo, Aegisth (Elektra), Herodes (Salome) und als Eisenstein (Fledermaus).Siegfried Jerusalem. In: Metoopera Database, Vorstellungsarchiv der Metropolistan Opera Am Londoner Royal Operahouse gastierte er erstmals 1986 als Erik (Der fliegende Holländer) und in den folgenden Jahren in Siegfried, Götterdämmerung, als Tamino (Zauberflöte) und Aegisth.Performance Database des Royal Opera House. An der Wiener Staatsoper sang er seit seinem dortigen Debüt 1979 als Parsifal in über 130 Vorstellungen. Hier trat er in weiteren Wagner-Partien (Lohengrin, Loge, Siegfried, Siegmund, Rienzi) sowie unter anderem als Max im Freischütz, als Tamino und Idomeneo auf. Auch an der Mailänder Scala gastierte er als Lohengrin (Debüt 1981) und Siegfried.Archivio storico des Teatro alla Scala

Zudem hatte er Gastverträge in Zürich, Genf, Paris, Leipzig und Dresden. Neben seinem Wirken als Opernsänger widmet sich Jerusalem auch dem Liedgesang und zeitgenössischer Musik.

Jerusalem unterrichtete von 2001 bis zu seiner Emeritierung als Professor an der Hochschule für Musik Nürnberg, deren Präsident er zudem bis 2009 war. Von 2003 bis 2015 war er Jurymitglied des Internationalen Gesangswettbewerbs Neue Stimmen.

Auszeichnungen 1982: Grammy Awards (für die Schallplatte Violanta) 1993: Ernennung zum Österreichischen Kammersänger 1996: Verleihung des Bambi 1997: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 2012: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 2021: Ernennung zum Ehrensenator der Hochschule für Musik Nürnberg

Opernrepertoire (Auswahl) Beethoven: Florestan in Fidelio Busoni: Thusman in Die Brautwahl Flotow: Lyonel in Martha Goldmark: Assad in Die Königin von Saba Kienzl: Matthias Freudhofer in Der Evangelimann Korngold: Alfonso in Violanta Lehár: Njegus in Die lustige Witwe Mozart: Titelrolle in Idomeneo Mozart: Don Curzio in Le nozze di Figaro Mozart: Tamino in Die Zauberflöte Offenbach: Titelrolle in Hoffmanns Erzählungen Paër: Florestano in Leonora Penderecki: Paradise Lost Puccini: Pinkerton in Madama Butterfly Puccini: Kaiser Altoum in Turandot Smetana: Hans in Die verkaufte Braut Johann Strauss: Eisenstein und Alfred in Die Fledermaus Johann Strauss: Barinkay in Der Zigeunerbaron Richard Strauss: Aegisth in Elektra Richard Strauss: Herodes in Salome Wagner: Erik in Der fliegende Holländer Wagner: Titelrolle in Lohengrin Wagner: Walther von der Vogelweide in Tannhäuser Wagner: Titelrolle in Tristan und Isolde Wagner: Balthazar Zorn und Stolzing in Die Meistersinger von Nürnberg Wagner: Loge und Froh in Das Rheingold Wagner: Siegmund in Die Walküre Wagner: Siegfried in Siegfried und Götterdämmerung Wagner: Titelrolle in Parsifal Wagner: Titelrolle in Rienzi Weber: Max in Der Freischütz Weinberger: Babinsky in Schwanda, der Dudelsackpfeifer

Diskografie (Auswahl)

LP / CD Siegfried Jerusalem: Avalon (Emarcy Classics; 2002) Siegfried Jerusalem: The Glory of Love (Polystar; 1996) Siegfried Jerusalem: Great Tenor Arias (Sony Classical; 1977/1989) Siegfried Jerusalem: Recital (Eurodisc; 1980/1991) Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 op. 125, d-moll. Mit Carol Vaness, Janice Taylor, Robert Lloyd, Dirigent: Christoph von Dohnanyi, Cleveland Orchestra, 1985 Ludwig van Beethoven: Fidelio. Dirigent: Kurt Masur, Gewandhausorchester, 1986 Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 op. 125, d-moll. Mit Helen Donath, Doris Soffel, Peter Lika, Dirigent: Sergiu Celibidache, Münchner Philharmoniker, 1989 Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 op. 125, d-moll. Mit Alessandra Marc, Iris Vermillion und Falk Struckmann, Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, 1992 Friedrich von Flotow: Martha. Dirigent: Heinz Wallberg, Münchner Rundfunkorchester, 1977 Karl Goldmark: Die Königin von Saba. Dirigent: Ádám Fischer, Orchester der Ungarischen Staatsoper, 1980 Joseph Haydn: Die Jahreszeiten. Mit Edith Mathis, Dietrich Fischer-Dieskau, Dirigent: Sir Neville Marriner, Academy of St. Martin in the Fields, Philips, 1994 Erich Wolfgang Korngold: Violanta. Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigent: Marek Janowski, 1980 Wilhelm Kienzl: Der Evangelimann. Dirigent: Lothar Zagrosek, Münchner Rundfunkorchester, 1981 Franz Lehár: Die lustige Witwe. Dirigent: Heinz Wallberg, Münchner Rundfunkorchester, 1980 Franz Lehár: Das Land des Lächelns. Dirigent: Willi Boskovsky, Münchner Rundfunkorchester, 1982 Franz Liszt: Eine Faust-Sinfonie. Dirigent: Georg Solti, Chicago Symphony Orchestra, 1985 Jacques Offenbach: Hoffmanns Erzählungen. Münchner Rundfunkorchester, Dirigent: Heinz Wallberg, 1979 Gustav Mahler: Das Lied von der Erde. Mit Waltraud Meier, Dirigent: Daniel Barenboim, Chicago Symphony Orchestra, 1992 Gustav Mahler: Das Lied von der Erde. Mit Jessye Norman, Dirigent: James Levine, Berliner Philharmoniker, 1998 Gustav Mahler: Rückert-Lieder. Lieder aus Des Knaben Wunderhorn. Klavier: Siegfried Mauser, Virgin Classics, 2017 Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte. Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigent: Bernard Haitink, 1983 Ferdinando Paër: Leonora ossia l´Amor conjugale. Dirigent: Peter Maag, Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, 1979 Arnold Schönberg: Gurrelieder. Mit Susan Dunn, Brigitte Fassbaender, Hermann Becht, Peter Haage, Hans Hotter, Dirigent: Riccardo Chailly, Radio-Symphonie-Orchester Berlin, 1989 Arnold Schönberg: Gurrelieder. Mit Sharon Sweet, Marjana Lipovsek, Hartmut Welker, Philip Langridge, Barbara Sukowa, Dirigent: Claudio Abbado, Wiener Philharmoniker, 1992 Robert Schumann: Dichterliebe op. 48 und Liederkreis op. 39. Mit Elena Bashkirova, Klavier (Erato; 1992) Richard Strauss: Orchesterlieder. Dirigent: Kurt Masur, Gewandhausorchester, 1983 Richard Strauss: Elektra. Dirigent: Giuseppe Sinopoli, Wiener Philharmoniker, 1997 Richard Wagner: Das Rheingold. Dirigent: Pierre Boulez, Bayreuther Festspiele, 1980 Richard Wagner: Die Walküre. Dirigent: Marek Janowski, Staatskapelle Dresden, 1981 Richard Wagner: Tannhäuser. Dirigent: Bernard Haitink, Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, EMI Classical, 1985 Richard Wagner: Das Rheingold. Dirigent: James Levine, Orchester der Metropolitan Opera, 1988 Richard Wagner: Siegfried. Dirigent: Bernard Haitink, Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, 1990 Richard Wagner: Siegfried. Dirigent: Daniel Barenboim, Bayreuther Festspiele, 1991 Richard Wagner: Götterdämmerung. Dirigent: Daniel Barenboim, Bayreuther Festspiele, 1991 Richard Wagner: Götterdämmerung. Dirigent: Bernard Haitink, Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, 1992 Richard Wagner: Parsifal. Dirigent: Daniel Barenboim, Berliner Philharmoniker, 1992 Richard Wagner: Lohengrin. Dirigent: Claudio Abbado, Wiener Philharmoniker, 1994 Richard Wagner: Tristan und Isolde. Dirigent: Daniel Barenboim, Berliner Staatsopernchor, Berliner Philharmoniker, 1996 Jaromír Weinberger: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Dirigent: Heinz Wallberg, Münchner Rundfunkorchester, 1982

DVD Bedrich Smetana: Die verkaufte Braut. Dirigent: Ádám Fischer, Wiener Philharmoniker, 1982 Richard Wagner: Parsifal. Orchester Bayreuther Festspiele, Dirigent: Horst Stein (Deutsche Grammophon; 1979) Richard Wagner: Das Rheingold. Dirigent: Pierre Boulez, Bayreuther Festspiele, 1980 Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg. Dirigent: Horst Stein (Deutsche Grammophon; 1985) Richard Wagner: Das Rheingold. Dirigent: James Levine, Orchester der Metropolitan Opera, 1988 Richard Wagner: Siegfried. Dirigent: Daniel Barenboim, Bayreuther Festspiele, 1991 Richard Wagner: Götterdämmerung. Dirigent: Daniel Barenboim, Bayreuther Festspiele, 1991 Richard Wagner: Siegfried. Dirigent: James Levine, Orchester der Metropolitan Opera, 1991 Richard Wagner: Götterdämmerung. Dirigent: James Levine, Orchester der Metropolitan Opera, 1991 Richard Wagner: Parsifal. Orchester der Metropolitan Opera, Dirigent: James Levine (Deutsche Grammophon; 1993) Richard Wagner: Tristan und Isolde. Orchester der Bayreuther Festspiele, Dirigent: Daniel Barenboim (Deutsche Grammophon; 1995)

Literatur Jerusalem, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 584.

Weblinks

Aufnahmen mit Siegfried Jerusalem bei Opera on Video

Siegfried Jerusalem in der Aufführungsdatenbank der Bayreuther Festspiele bei KlassikAkzente, archiviert vom Original am 8. Februar 2008