mini|Pfarrkirche St. Peter und Paul

Zapfendorf (bambergisch: ZabfmdoafDorothea Fastnacht: Staffelstein, S. 420. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: dsabfmdoʳf.) ist ein Markt am nördlichen Rand des oberfränkischen Landkreises Bamberg und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Geografische Lage Durch das Gemeindegebiet fließt der Main, der unzählige Weiher speist. Es gibt keine größeren Waldgebiete, in Richtung Osten dominiert eine Hügellandschaft; höchste Erhebung ist der Hänberg ().

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels), Scheßlitz, Breitengüßbach und Rattelsdorf.

Gemeindegliederung Zapfendorf hat zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Kirschletten, Lauf, Oberleiterbach, Oberoberndorf, Reuthlos, Sassendorf, Unterleiterbach und Zapfendorf. Die Gemarkung Zapfendorf hat eine Fläche von 6,642 km² und ist in 2191 Flurstücke aufgeteilt.

Geschichte mini|hochkant|Zapfendorf, Auferstehungskirche Bis zur Gemeindegründung Die Gegend war bereits in der Frühgeschichte besiedelt, wie Funde aus der Bronzezeit belegen.

Der Ort wurde im Jahr 802 als „Zaphendors“ erstmals urkundlich erwähnt. Hier handelt es sich um eine Falschschreibung. 903 wurde der Ort „Zaphendorf“ genannt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Zapfo.Dorothea Fastnacht: Staffelstein, S. 420ff.Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 252.

Ursprüngliche Herren waren die Meranier, ihnen folgten die Truhendinger. Diese verkauften den Ort 1390 an das Hochstift Bamberg, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag. (PDF; 179 kB)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Zapfendorf aus 88 Anwesen. Das Hochgericht hatte das bambergische Centamt Zapfendorf. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft übten das Kastenamt Zapfendorf und die bambergische domkapitelische Scholasterei gemeinsam aus. Grundherren waren das Kastenamt Zapfendorf: 1 Amtshaus, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus, 2 Höfe, 8 Sölden, 4 Güter, 11 Häuser, 6 Tropfhäuser, 3 Wirtshäuser, 1 Mühle; die Domkapitelische Scholasterei: 1 Hof, 6 Sölden, 4 Güter, 2 Gütlein, 12 Häuser, 7 Tropfhäuser, 3 Wirtshäuser; die Pfarrei Zapfendorf: 5 Güter, 1 Tropfhaus; das Gotteshaus Zapfendorf: 1 Sölde, 3 Gütlein; das Kloster Banz: 2 Sölden. Freieigen war 1 Gut, der Gemeinde gehörten 1 Haus und 1 Hirtenhaus.Hildegard Weiß: Lichtenfels-Staffelstein, S. 114.

Im Jahre 1802 kam Zapfendorf an das Kurfürstentum Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Zapfendorf gebildet. 1818 entstand die Ruralgemeinde Zapfendorf. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheßlitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Scheßlitz. Ab 1862 war das neu gebildete Bezirksamt Staffelstein (1939 in Landkreis Staffelstein umbenannt) für die Verwaltung zuständig und ab 1866 das neu gebildete Rentamt Staffelstein für die Finanzverwaltung (1919 in Finanzamt Staffelstein umbenannt, ab 1929 Finanzamt Bamberg-Land). Die Gerichtsbarkeit lag ab 1862 beim neu gebildeten Landgericht Staffelstein (1880 in Amtsgericht Staffelstein umbenannt, 1956 aufgelöst, bis 1972 Amtsgericht Lichtenfels).Hildegard Weiß: Lichtenfels-Staffelstein, S. 167. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 6,569 km².

Zweiter Weltkrieg

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs fand am 1. April 1945, gegen 7:50 Uhr, ein Luftangriff auf den Bahnhof Zapfendorf statt. Dort war zu diesem Zeitpunkt ein Güterzug zum Halten gekommen, der auch explosionsfähiges Material geladen hatte.Pargmann, S. 20. Um was es sich handelte, ist nicht überliefert.Aufgrund der Heftigkeit der Explosion wurde vermutet, dass Teil der Ladung ein oder zwei V2-Raketen waren. Der Zug wurde bei dem Angriff getroffen, geriet in Brand und explodierte in zwei aufeinander folgenden Detonationen. Sie hinterließen zwei eng beieinander liegende Explosionskrater, die eine Fläche von 68 m × 18 m einnahmen und bis zu 4,50 m tief waren.Pargmann, S. 21. 23 Menschen starben. Durch die herumfliegenden, teils brennenden Teile wurde Zapfendorf weitgehend zerstört. Am 1. April 2013 wurde am Bahnhof ein Mahnmal enthüllt.Mahnmal in Zapfendorf eingeweiht

Anlässlich des viergleisigen Ausbaus der Bahntrasse durch Zapfendorf wurden 2015/2016 die archäologischen Reste der Katastrophe dokumentiert. Dabei wurden 30 Tonnen Stahlschrott geborgen, Überreste von mindestens sieben zerstörten Güterwagen (Radsätze, Puffer und Kupplungen) und deren Ladung, darunter Waffen und Munition.Pargmann, S. 21f. Eine reguläre Ausgrabung unterblieb wegen der Gefahr, die von noch nicht explodiertem Sprengstoff ausging.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Logo des Aquarena-Schwimmbads

1955 wurde Zapfendorf die Bezeichnung Markt verliehen. Am 30. April 1972 wurde das Freibad Aquarena eröffnet. Bis zum 30. Juni 1972 gehörte Zapfendorf zum aufgelösten Landkreis Staffelstein, ehe es zum Landkreis Bamberg kam. Heute ist es in der Region Oberfranken-West als Kleinzentrum eingestuft. Im Jahr 2022 wurde der Neubau des Zapfendorfer Kindergartens St. Franziskus fertiggestellt. Der Bau kostete mehr als 3,5 Millionen Euro. Im Dezember 2022 wurde die Einrichtung einer Asylunterkunft diskutiert. Februar 2023 bedrohten Asylgegner den Gemeinderat und Anfang März gab es einen Aufmarsch des Der III. Weg.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Kirchschletten, Lauf, Oberleiterbach, Oberoberndorf und Sassendorf eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kam Unterleiterbach dazu.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 4046 auf 5002 um 956 Einwohner bzw. um 23,6 %.

Einwohnerzahlen mit Erstwohnsitz, Stand: 31. Dezember:Einwohnerzahlenbayerische-landesbibliothek-online.de Gemeindeteil 1995 1999 2005 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2018 2020 2021 Zapfendorf 2722 2698 2848 2795 2799 2810 2795 2787 2802 2795 2843 2847 2875 Kirchschletten 110 116 118 121 118 111 119 122 118 111 112 97 103 Lauf 729 664 693 718 687 692 678 690 679 685 714 700 704 Oberleiterbach 260 264 265 265 262 264 267 267 270 273 274 280 267 Oberoberndorf 79 85 97 94 95 88 91 88 88 83 77 82 83 Reuthlos 84 100 93 96 99 96 88 95 91 88 95 97 96 Roth 64 66 65 67 65 67 67 67 65 62 63 66 65 Sassendorf 209 215 265 265 270 269 259 263 265 266 272 271 264 Unterleiterbach 596 635 636 625 619 628 608 611 606 590 562 575 568 Weihersmühle 7 7 Babenberg 13 10 Gesamt 4853 4843 5080 5046 5014 5025 4972 4990 5004 4970 5012 5015 5025

Ort Zapfendorf (=Gemeinde Zapfendorf bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987Einwohner 530 663 649 649 655 706 696 707 762 784 757 736 741 774 778 752 797 903 968 972 1298 1408 1793 1947 2093HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 und von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 100 132 125 127 126 136 166 267 498Quelle

Religion Laut Zensus am 9. Mai 2011 waren 78,6 % der Einwohner römisch-katholisch und 12,0 % evangelisch-lutherisch. 9,4 % haben eine andere Religion oder sind konfessionslos.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2026 Andreas Hofmann (Zukunft Zapfendorf). Er folgte auf Michael Senger (Wählergemeinschaft Sassendorf), der sich 2020 gegen den seit Juni 2015 amtierenden Volker Dittrich (Alternative für Zapfendorf/CSU) und einen weiteren Mitbewerber im ersten Wahlgang mit 51,05 % der Stimmen durchsetzte. Dittrich hatte die Stichwahl 2015 mit 54,74 % der Stimmen gegen Klaus Lachmann (Zapfendorfer Gemeinschaft) gewonnen. Vom 1. Mai 2014 bis 12. März 2015 war Matthias Schneiderbanger (CSU) Bürgermeister. Anfang Dezember 2014 wurde er in Haft genommen. Es wurde ihm vorgeworfen, knapp 280.000 Euro aus der Gemeindekasse veruntreut zu haben. Ende Januar 2015 wurde Schneiderbanger vorläufig seines Amtes als Bürgermeister enthoben.nordbayern.de Am 12. März 2015 wurde der Rücktritt von Schneiderbanger vom Gemeinderat bestätigt.Bayerischer Rundfunk: Im Mai 2015 wurde er zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Sein Vorgänger war von 1978 bis 2014 Josef Martin (CSU/Vereintes Umland).

Liste der Bürgermeister seit 1906: Bürgermeister AmtszeitJosef Berbig 1906–1912Georg Fritz 1912–1915Johann Jüngling 1915–1918Heinrich Kistner 1918–1922Johann Helmreich 1922–1944Otto Kuhn 1945Willi Köhler 1945–1948Josef Helmreich 1948–1978Josef Martin (CSU/VU) 1978–2014Matthias Schneiderbanger (CSU) 2014–2015Volker Dittrich (AfZ/CSU) 2015–2020Michael Senger (Wählergemeinschaft Sassendorf)2020–2026Andreas Hofmann (Zukunft Zapfendorf)seit 2026

Marktgemeinderat Die Kommunalwahlen seit 2002 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: Partei / Liste Wahl 2020 Wahl 2014 Wahl 2008 Wahl 2002 CSU 6 Sitze 7 Sitze 7 Sitze 7 Sitze Grüne/Soziales Zapfendorf 2 Sitze – – – SPD – 2 Sitze 3 Sitze 3 Sitze Zukunft Zapfendorf 4 Sitze – – – Vereintes Umland 2 Sitze 2 Sitze 6 Sitze 5 Sitze Wählergemeinschaft Sassendorf 2 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 1 Sitz Aktive Bürgerliste Unterleiterbach 2 Sitze 2 Sitze n. a. n. a. Wählergemeinschaft Oberleiterbach 1 Sitz 2 Sitze 2 Sitze n.a Bürgervertretung Lauf 1 Sitz 2 Sitze n. a. n. a. Freie Wähler – 1 Sitz n. a. n. a. Gesamt 20 20 20 16

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist gelb-schwarz gestreift mit aufgelegtem Wappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Oberleiterbach mit seinen Fachwerkhäusern gewann im Jahr 1977 beim Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden die Goldmedaille.

Bau- und Bodendenkmäler Valentinikapelle von Johann Jakob Michael Küchel Schloss in Unterleiterbach St. Peter und Paul (Zapfendorf) St.-Laurentius-Kirche in Oberleiterbach mit der Grabstätte des Einsiedlers Ivo Hennemann, von 1859 bis 1897 Eremit auf dem Staffelberg (Landkreis Lichtenfels) und Freund des Dichters Joseph Victor von Scheffel Abtei Maria Frieden in Kirchschletten

Vereine Alle Gemeindeteile außer Weihersmühle und Babenberg haben Freiwillige Feuerwehren.

Musikverein Zapfendorf Zwar gehen die Ursprünge des Musikvereins Zapfendorf bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, die offizielle Gründung fand jedoch erst im Jahr 1977 statt. Seit 2022 ist Dieter Schwartz der Dirigent. Im Jahr 1997 erhielt der Verein die Pro Musica-Plakette für 100-jährige musikalische Tradition und im Jahr 2014 traten die Musiker zum ersten Mal als Höchststufenorchester zum Wertungsspiel an. Der Musikverein ist neben seinen Konzerten auch bei regionalen Festen und Kreismusikfesten, Festzügen, kirchlichen Veranstaltungen und Wertungsspielen zu hören.

Wirtschaft und Infrastruktur Durch die Lage an einem Transportweg entlang des Mains von Osten nach Westen sowie von Thüringen nach Bayern war Zapfendorf im Maintal stets Durchgangsstation. Auf dem Main transportierten Flößer Holz aus dem Frankenwald zum Rhein und bis nach Rotterdam.

Ansässige Unternehmen Werk IV der Bayerischen Milchindustrie eGmbH (BMI), die dort seit ihrer Gründung 1952 überschüssige Magermilchmengen verarbeitet. Firma Nestmann mit über 50 Mitarbeitern, die homöopathische Arzneimittel herstellt. Ein Holzkraftwerk der Veolia Umweltservice, Tochter der französischen Veolia-Gruppe, das jährlich bis zu 65.000 Tonnen Altholz, vor allem hoch mit Schadstoffen belastetes, zur Energiegewinnung verbrennt. Betonwerk Schneider, gegründet 1862 Porzner Steine und Erden (Kieswerk), gegründet 1882 Die mittelständische Firma Nova Dry, welche Wasserschadenssanierungen durchführt. Rauh SR Fensterbau mit über 70 Mitarbeitern, die Holz-Aluminium-Fenster industriell fertigt.

Ehemalige Brauereien Im Marktgemeindegebiet besteht keine Brauerei mehr. Die Brauerei Hennemann im Ortsteil Unterleiterbach schloss 2007, die Brauerei Drei Kronen in Zapfendorf im Jahre 2003. In Unterleiterbach gab es bis Mitte der 1990er Jahre mit der Brauerei Mahkorn noch eine zweite Brauerei.

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