mini|Heinrich von Preußen in der Uniform des Deutschen Freiwilligen Automobil-Korps, 1911 mini|Porträt auf der Prinz Heinrich Cigaretten-Dose der Adler Compagnie Cigarettenfabrik AG in Dresden;Mehrfarb-Lithografie auf einer Blechdose; zwischen 1900 und 1930; Stadtmuseum Einbeck
Albert Wilhelm Heinrich Prinz von Preußen (* 14. August 1862 in Potsdam; † 20. April 1929 auf Gut Hemmelmark, Schleswig-Holstein) war ein jüngerer Bruder Kaiser Wilhelms II. und Großadmiral sowie Generalinspekteur der Kaiserlichen Marine.
Frühes Leben Albert Wilhelm Heinrich von Preußen war ein Sohn des späteren deutschen Kaisers und Königs von Preußen Friedrich III. und Enkel Wilhelms I. Seine Mutter, Victoria von Großbritannien und Irland, genannt Vicky, war die älteste Tochter der britischen Königin Victoria. Heinrich war der jüngere Bruder Wilhelms II.
In der Kindheit gelang es Heinrich nur schwer, den hohen Anforderungen seiner Mutter gerecht zu werden. Ähnlich wie sein Bruder Wilhelm und seine Schwester Charlotte hatte er einen schlechten Stand bei den Eltern. Die Mutter Vicky schrieb darüber in einem Brief an ihre Mutter Victoria: „Er ist schrecklich zurückgeblieben in allem … ist hoffnungslos faul – langweilig und träge in seinen Schulstunden.“
Schon früh wurde Heinrichs Begeisterung für die Marine gefördert. Im Park des Neuen Palais zu Potsdam errichtete man einen Schiffsmast mit Segeln und Strickleitern. Dort konnte Heinrich üben und wurde von einem Matrosen ausgebildet.
Familie mini|Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen mit ihren Söhnen, 1900 Am 24. Mai 1888 heiratete er seine Cousine Prinzessin Irene von Hessen-Darmstadt. Sie war eine Schwester der späteren russischen Kaiserin Alexandra Fjodorowna. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor:
Waldemar (1889–1945) ⚭ 1919 Calixta zu Lippe-Detmold Sigismund (1896–1978) ⚭ 1919 Charlotte Agnes von Sachsen-Altenburg Heinrich Viktor Ludwig Friedrich (1900–1904)
Zwei Söhne erbten von ihrer Mutter die Hämophilie (Bluterkrankheit). Heinrich starb an deren Folgen im Alter von vier Jahren. Waldemar erlag ihr kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, als keine Blutkonserven vorhanden waren.
Es besteht die Vermutung, dass er der Vater der beiden Söhne der ungarischen Sängerin Julie Salinger ist, allerdings ist dies nicht hinreichend belegt.
Zu der Hochzeit von Heinrich und Irene schenkte die Stadt Kiel dem Paar den Kiliabrunnen. Nachdem Heinrichs Enkeltochter Barbara die Figur der Stadt zurückgegeben hatte, wurde sie 1977 wieder aufgestellt.
Militärkarriere mini|Der junge Prinz Heinrich 1879 mit seiner Ehrenbegleitung in Japan mini|Heinrich von Preußen als Großadmiral
Nach dem Besuch des Königlichen Friedrichs-Gymnasiums in Kassel, das er 1877 mit der Mittleren Reife verließ, trat Heinrich 15-jährig in die Kaiserliche Marine ein. Zur Ausbildung zum Seeoffizier gehörte eine zweijährige Weltreise (1878/80), die Seeoffizierhauptprüfung am 1. Oktober 1880 und 1884/86 der Besuch der Marineakademie und -schule Kiel, der neben dem eigentlichen Dienst vor allem in den Wintermonaten zu absolvieren war. 1884 besuchte Heinrich an Bord der Olga die portugiesische Azoreninsel Faial.Joseph C. Abdo: On the Edge of History, Lissabon: Tenth Island Editions 2005, S. 459.
Im Rahmen der Weltreise von 1878 bis 1880 besuchte Heinrich ein Jahr lang das Japanische Kaiserreich. Der Tennō gewährte ihm mehrere Audienzen. In Suita bei Osaka kam es zu einem Jagdzwischenfall, als der inkognito reisende Heinrich verhaftet und für eine Nacht ins Präfekturgefängnis eingesperrt wurde. Von der Weltreise berichtet eine Schrift für die Jugend: Des Prinzen Heinrich von Preußen Weltumseglung.Des Prinzen Heinrich von Preußen Weltumseglung. Original-Erzählung für die Jugend von C. V. Derboeck [recte: Carl von der Boeck]. Leipzig: Otto Drewitz Nachfolger, 11. Aufl., ca. 1900. Im historischen Archiv des japanischen Außenministeriums findet sich eine mehrbändige minutiöse Dokumentation des Besuchs von Prinz Heinrich.Gaimushô Gaikô Shiryôkan, Gaimushô Kiroku, 6.4.4.1-4-1 (Band 1 bis 3) Gaikoku kihin no raichô kankei zakken, Dokkoku no bu, Dokkoku Aruberuto Uiruherumu Hainrihi Shin’ô raiyû no ken; Dokkoku kôson raikôsettai-ki. Heinrich besuchte Japan noch zwei weitere Male, im Jahr 1900 und letztmals im Jahr 1912 zu den Beisetzungszeremonien von Meiji-tennō.
Heinrich kommandierte mehrere Kriegsschiffe, darunter 1887 ein Torpedoboot und zugleich die 1. Torpedobootsdivision, 1888 die kaiserliche Yacht Hohenzollern, 1889/90 den Kreuzer II. Klasse Irene, von April bis September 1892 das Küstenpanzerschiff Beowulf, bis September 1894 die Panzerkorvette Sachsen und anschließend bis September 1895 das moderne Panzerschiff Wörth. Ab 1897 war Heinrich Führer mehrerer Schiffsverbände, darunter zunächst die Ende 1897 aufgestellte II. Division des Ostasiengeschwaders, die nach der Besetzung des Hafens Tsingtau und der unruhigen Lage im Kaiserreich China nach Ostasien zur Verstärkung entsandt wurde. Nach dem Beginn des Spanisch-Amerikanischen Kriegs schrieb Heinrich an Außenminister Bernhard von Bülow, dass ihm ein deutscher Händler aus Manila geschrieben habe, dass die einheimische Bevölkerung der Philippinen gerne unter der Vorherrschaft eines europäischen Landes, vor allem Deutschlands, leben wollen würde.Don A. Farrell: The Partition of the Marianas: A Diplomatic History, 1898–1919, in: ISLA – A Journal of Micronesian Studies, Jg. 2 (1994), Nr. 2, S. 273–301 (hier: S. 285). Hier abrufbar.
Heinrichs Erfolge waren eher diplomatischer Art: So war er der erste europäische Prinz aus regierendem Hause, der am chinesischen Kaiserhof empfangen wurde. Heinrich bat seinen Bruder um eine Verlängerung seines Einsatzes in Ostasien und wurde 1899 Befehlshaber des Ostasiengeschwaders. Im Januar 1900 gab er die Führung des Geschwaders ab und kehrte nach Europa zurück. Im Herbst wurde er Befehlshaber des I. Geschwaders und 1903 Chef der Marinestation der Ostsee. Von 1906 bis 1909 war Heinrich Chef der Hochseeflotte. 1909 wurde er zum Großadmiral befördert und als Nachfolger des Großadmirals Hans von Koester Generalinspekteur der Marine. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs besuchte er auf einer mehrwöchigen Südamerikareise zusammen mit seiner Frau im April 1914 neben Brasilien und Argentinien auch Chile und Uruguay, zur gleichen Zeit wie die Detachierte Division der Kaiserlichen Marine, die diese Länder ebenfalls anlief. Obschon als reine Privatreise deklariert, wurde er in allen Hauptstädten als Vertreter des Deutschen Kaisers wohlwollend empfangen, besuchte die jeweiligen deutschen Einwandererkolonien und zeigte sich zufrieden über die Zusammenarbeit insbesondere auf militärischem Gebiet mit den südamerikanischen Ländern, die sich in einer Phase des Wettrüstens befanden und massiv in Rüstungs- und Marinetechnik investierten. In seinem Reisebericht nannte er den Militarismus „ein außerordentlich wertvolles Bindeglied“ zwischen Deutschland und den südamerikanischen Absatzmärkten.Günter Kahle: Deutsche Landsknechte, Legionäre und Militärinstrukteure in Lateinamerika. In: Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas 30 (1993), S. 355–369; hier: S. 366.
mini|Heinrich von Preußen (Bildmitte in Marineuniform) in Santiago de Chile im April 1914 anlässlich des Besuchs der Detachierten Division in Chile
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Heinrich zum Oberbefehlshaber der Ostseestreitkräfte ernannt, einer bei Kriegsbeginn neu geschaffenen Dienststellung. Obwohl die ihm zur Verfügung gestellten Mittel veraltet und denen der Baltischen Flotte Russlands weit unterlegen waren, gelang es ihm, die Kaiserlich Russische Marine bis zur Februarrevolution 1917 weitgehend in die Defensive zu drängen und sie an Angriffen auf die deutsche Küste zu hindern. Nach dem Ende der Kämpfe an der Ostfront 1917/18 entfiel seine Aufgabe, und Heinrich zog sich faktisch aus dem aktiven Dienst zurück. Ende Oktober 1918 hielt er eine Abdankung seines Bruders, im Gegensatz zu diesem, für diskutabel.Lothar Machtan: Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht. wbg Theiss, Darmstadt 2018, ISBN 978-3-8062-3760-3, S. 103. Mit dem Ende des Krieges und der Novemberrevolution schied er aus der Marine aus.
Heinrich lebte in der Weimarer Republik von seiner Militärpension als Großadmiral und bewegte sich im Kreis der Hohenzollernfamilie. Die aufkommenden Nationalsozialisten lehnte er ab. Die Allüren und Restaurationsfantasien seines entthronten Bruders, den er mehrmals im Haus Doorn besuchte, nannte er „krankhaft“.Siehe Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, ISBN 978-3-549-10029-5, zur Pension (jährlich 17.127 Mark) S. 153, zur NSDAP S. 233, zu Wilhelm II. im Exil S. 299.
Ehrenstellungen und -ämter Heinrich war Chef und Namensgeber des Füsilier-Regiments „Prinz Heinrich von Preußen“ (Brandenburgisches) Nr. 35 der Preußischen Armee sowie des Königlich Bayerischen 8. Feldartillerie-Regiments „Prinz Heinrich von Preußen“. Er war außerdem Regimentschef des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 20 und k.u.k. Großadmiral.
Prinz Heinrich war von 1898 bis zu seinem Tod 1929 Schirmherr des Deutschen Flottenvereins, des mitgliederstärksten nationalen Propagandavereins im Deutschen Kaiserreich. Er hatte diesen Posten auf Geheiß seines Bruders hin gleichsam als dessen Stellvertreter übernommen, ohne dem Verein selbst allzu großes Interesse entgegenzubringen – rein repräsentative Aufgaben lagen ihm nicht.Sebastian Diziol: "Deutsche, werdet Mitglieder des Vaterlandes!" Der Deutsche Flottenverein 1898-1934. Solivagus Praeteritum, Kiel 2015, S. 402–424. ISBN 978-3-9817079-0-8.
Das 1893 eröffnete Prinz-Heinrichs-Gymnasium in Berlin war nach ihm benannt.
1901 ernannte ihn sein Onkel, der neue britische König Eduard VII., zum Vizeadmiral der Royal Navy.John C. G. Röhl: Wilhelm II. Band 3: Der Weg in den Abgrund, 1900–1941. 2008, ISBN 978-3-406-57779-6, S. 38
Persönlichkeit und Privatleben mini|Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt mit seinen Schwestern und Schwagern (von links) am 8. Oktober 1903: Zarin Alexandra Feodorowna und Zar Nikolaus II. von Russland; Prinzessin Irene und Prinz Heinrich von Preußen; Großfürstin Jelisawjeta Fjodorowna und Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow; Prinzessin Viktoria und Prinz Ludwig Alexander von Battenberg
Heinrich hatte mit seinem Bruder Wilhelm wenig gemein. Insbesondere fehlten ihm die Sprunghaftigkeit und das Geltungsbedürfnis des Kaisers. Er war in Norddeutschland recht populär und wegen seines bescheidenen und offenen Wesens bei seinen Soldaten beliebt. Auf Auslandsreisen war er ein guter Diplomat, der anders als sein Bruder den richtigen Ton traf. So gelang es ihm auf zwei USA-Reisen, 1896 und anlässlich des weltweit wahrgenommenen Champagnerkriegs um die Schiffstaufe der kaiserlichen Rennyacht Meteor III 1902, die Sympathie der kritischen amerikanischen Presse und die Herzen nicht nur der damals noch zahlreich bekennenden Deutschamerikaner zu gewinnen.mini|Prinz Heinrich mit seiner Gattin Irene um 1900|alternativtext=|271x271pxEr hatte als Marineoffizier eine Aufgabe gefunden, die ihn vollkommen ausfüllte und die er liebte. Heinrich war durch und durch Praktiker und galt als hervorragender Seemann. Neben Golf und Polo war Segeln eine seiner Lieblingsaktivitäten, der er im Kaiserlichen Yacht-Club als Club-Vizekommodore nachging. Eines seiner Rennsegelboote war die Irene, dessen Namensgeber seine Frau war. mini|K.Y.C. – Kaiserlicher Yacht-Club – Essgeschirr „Irene“ mit Monogramm Heinrichs von Preußen 1909 stiftete er den Deutschland-Schild, einen Wanderpreis für die Fußballmeisterschaft der Kaiserlichen Marine.Deutschlands Fussball – Das Lexikon. Herausgegeben vom DFB und dem Sportverlag Berlin, 1. Auflage 2000, S. 504.