Heidenreichstein ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Gmünd im nordwestlichen Waldviertel in Niederösterreich.

Den Namen verdankt Heidenreichstein einem der ersten Burggrafen, der Heidenreich hieß. Die in Privatbesitz befindliche und nach wie vor bewohnte Burg Heidenreichstein ist eine Wasserburg und gilt als Wahrzeichen von Heidenreichstein. Der Markt dürfte ebenso wie die Burg in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts entstanden sein. Im Jahr 1369 wurde der Ort als Markt mit eigenem Siegel bezeichnet.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Heidenreichstein Standort mehrerer Unternehmen, insbesondere der textil-, holz-, leder- und metallverarbeitenden Industrie, die im 20. Jahrhundert, unterbrochen durch die Kriegs- und Zwischenkriegszeit, für Arbeitsplätze in der Region sorgten. Nach dem Ende der Besatzungszeit 1955 expandierten sowohl die privaten Klein- und Mittelbetriebe als auch die den Großbanken gehörenden Industriebetriebe. Durch den allgemeinen Strukturwandel verlor Heidenreichstein Ende der 1960er Jahre seine Bedeutung als Industrie- und Gewerbestadt und musste ab 1971 neben einer deutlichen Verringerung des Arbeitsplätzeangebotes auch einen beträchtlichen Rückgang der Wohnbevölkerung hinnehmen.

Geografie Geografische Lage Die Stadtgemeinde befindet sich auf einer Seehöhe von etwa 20 Kilometer nordöstlich der Bezirkshauptstadt Gmünd, 16 Kilometer südlich und 12 km östlich der Grenze zu Tschechien.

Die niederösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten ist in südlicher Richtung 115 km und die Bundeshauptstadt Wien in südöstlicher Richtung 133 km Die nächstgelegenen, für den Kfz-Verkehr geeigneten Grenzübergänge nach Tschechien befinden sich südwestlich in einer Entfernung von 14 km bei Neu-Nagelberg/Halámky und nördlich bei Grametten/Nová Bystřice etwa 16 Kilometer entfernt.

Die höchsten Erhebungen des Gemeindegebietes liegen über , unter anderem der Neuteichberg mit , der Mottenberg mit und die höchste Stelle im Naturpark Heidenreichsteiner Moor mit Niederösterreichatlas

Der Romaubach gelangt aus der Nachbargemeinde Eggern im Nordosten auf das Gemeindegebiet von Heidenreichstein, durchfließt nach dem Pocherteich das dicht besiedelte Stadtgebiet mit dem Edelwehrteich, dem Hofwehrteich und dem Schlossteich und gelangt dann in die Ortschaft Kleinpertholz, von wo er in die Nachbargemeinde Amaliendorf weiterfließt und in den Braunaubach mündet.

Der Braunaubach erreicht von Eisgarn kommend in der Katastralgemeinde Eberweis das Gemeindegebiet von Heidenreichstein. Er fließt weiter in die Ortschaft Altmanns, nimmt einen Zufluss aus dem Bruneiteich auf und gelangt nach dem Verlassen des Heidenreichsteiner Gemeindegebietes weiter nach Amaliendorf, Schrems und Gmünd, wo er in die Lainsitz, einen Nebenfluss, der in die Moldau und damit in die zur Nordsee entwässernden Elbe, mündet.

Die Stadtgemeinde Heidenreichstein liegt unmittelbar an der Europäischen Hauptwasserscheide. Außer dem Braunaubach und dem Romaubach mit ihren Zubringerbächen entwässern die Fließgewässer Heidenreichsteins über die Thaya in die Donau und ins Schwarze Meer.

Größere Teiche auf dem Gemeindegebiet sind von Süden nach Norden der Haslauerteich (etwa 55 Hektar), der Geißbachteich (etwa 9 Hektar), der Winkelauer Teich (etwa 34 Hektar), der Kaltenbachteich (etwa 2 Hektar), der Gemeindeteich (ungefähr 5 Hektar), der Steinbruckteich (ungefähr 9 Hektar), der Neuteich (etwa 3 Hektar) und der Streitteich (etwa 3 Hektar). Aus der Bezeichnung Teich geht hervor, dass diese Stillgewässer nicht natürlich entstanden sind. Die jeweiligen Grundherrschaften ließen in den vergangenen Jahrhunderten die Teiche für die Fischzucht oder als Schutz für Burgen anlegen.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Stadtgemeinde Heidenreichstein bedeckt eine Fläche von  Quadratkilometern.Homepage der Stadtgemeinde Heidenreichstein, Wissenswertes Zahlen und Fakten, abgerufen am 1. März 2010. Durch Eingemeindungen in den 1960er und 1970er Jahren wurde das Gemeindegebiet des 1932 zur Stadt erhobenen ehemaligen Marktes Heidenreichstein auf die heutige Größe erweitert.

Stadtgliederung mini|Straßenkarte von Heidenreichstein (OSM) Nach den Eingemeindungen in den 1960er und 1970er Jahren gliedert sich Heidenreichstein flächenmäßig in nachstehende zwölf Katastralgemeinden (in alphabetischer Reihenfolge), die gleichzeitig eigene, gleichnamige Ortschaften bilden, deren ungefähre Lage der aus der Karte ersichtlich ist. Einzelheiten zu den einzelnen Katastralgemeinden sind den dazu erstellten Hauptartikeln zu entnehmen. Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Einwohnerzahl zum Stand : Altmanns (693,17 ha; Ew.) Dietweis (401,68 ha; Ew.) Eberweis (472,11 ha; Ew.) Guttenbrunn (189,71 ha; Ew.) Haslau (567,34 ha; Ew.) samt Neuhaslau Heidenreichstein (1.188,87 ha; Ew.) samt Edelau, Edelmühle und Pocher Kleinpertholz (508,19 ha; Ew.) Motten (349,06 ha; Ew.) samt Steinbruckhäuser Seyfrieds (610,18 ha; Ew.) samt Brandhäuser, Kirchberghäuseln und Spindelgraben Thaures (534,28 ha; Ew.) samt Neuthaures Wielandsberg (41,47 ha; Ew.) Wolfsegg (288,80 ha; Ew.)

In der Ortschaft Heidenreichstein wohnt mit Personen der Großteil der Bevölkerung der Stadt, während sich die Betriebe teilweise auf die Ortschaft Kleinpertholz erstrecken.Statistik Austria: „Registerzählung 2011“ (PDF).

Nachbargemeinden Zwei der acht Nachbargemeinden liegen im Bezirk Waidhofen an der Thaya (WT).

Geologie Die lockeren Sandböden sind kalkarm und daher sauer und teilweise extrem nährstoffarm. Das Gemeindegebiet Heidenreichsteins befindet sich in der geologischen Großeinheit der Böhmischen Masse, die Mittelgebirgscharakter aufweist. Charakteristisch sind im nordwestlichen Teil des Waldviertels die Verwitterungsformen des Granits. Zahlreiche riesige gerundete Blöcke, die durch weitergehende Verwitterung Schalen- und Wackelsteine bildeten, wurden unter Naturschutz gestellt, so auch das Naturdenkmal Hängender Stein. Die verschiedenen Moortypen sind nicht mehr naturbelassen, sondern wurden nach Trockenlegung mit Fichten aufgeforstet. Durch die Verlandung von Fischteichen und den Wegfall der Moorbewirtschaftung werden die bestehenden Moore renaturiert, beispielsweise im Naturpark Heidenreichsteiner Moor.

Klima Das nordwestliche Waldviertel befindet sich am Übergang vom atlantischen zum kontinentalen Klima mit durchschnittlichen Temperaturen von −1,9 °C im Jänner bis + 16,5 °C im Juli. Der Regenreichtum bildet die Basis für Eichen-, Rotföhren- und Birken-Laubmischwälder.

Geschichte mini|Blick auf Heidenreichstein 1906 Die Geschichte der nunmehr aus zwölf Katastralgemeinden bestehenden Stadt Heidenreichstein wurde von Erich Geppert und Karl Pichler 2005 und in einer Festschrift 1982 ausführlich dargestellt.Erich Geppert, Karl Pichler: „800 Jahre Heidenreichstein, Waldviertel – Kultur und Geschichte“, Heidenreichstein 2005Alfred Wittig: „Heidenreichstein, eine Stadt stellt sich vor“, in: „Festschrift 50 Jahre Stadt Heidenreichstein 1932–1982“, Heidenreichstein 1982

Besiedelung und Entwicklung im Mittelalter mini|Burg Heidenreichstein Die Besiedelung der Landschaft um das heutige Heidenreichstein erfolgte ausgehend vom Horner Becken und dem bereits um das Jahr 1000 nachweislich zusammenhängend besiedelten Raum Gars–Eggenburg, wobei im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts die Thayagrenze erreicht und überschritten wurde. Rodungsherren waren die Kuenringer. Als Gründer und Erbauer der Burg Heidenreichstein gilt Heidenreich, ein Sohn des Wolfker von Gars/Eggenburg. Der Markt Heidenreichstein dürfte ebenso wie die Burg Heidenreichstein in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden sein. 1282 belehnte Graf Gebhard (VII.) von Hirschberg Leutold und Heinrich von Kuenring mit Familien mit Heidenreichstein und Burg; nach dem gescheiterten Aufstand mit Beteiligung der Kuenringer gegen Herzog Albrecht I. Ende 1295/1296 nötigte Albrecht I. den Hirschberger im Februar 1297 zur Übergabe von dessen niederösterreichischen Besitzungen an ihn (inklusive Heidenreichstein) für 250 Mark Silber.Philipp Jedelhauser, Die Regesten der Grafen von Hirschberg (-Ottenburg,-Grögling, -Dollnstein), Kempten 2024; Nr. 291,1282 [vor Dezember 27]; Nr. 376, 1297 Februar 17, Passau.

Bereits in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts erfolgte die planmäßige Anlage des Marktplatzes rechtwinkelig zur Achse Burg–Kirche. Der Marktplatz mit dem Seitenverhältnis 1:4 ist eine Mischform von Dreieck- und Rechteckplatz. Hauptverkehrsstraße und Querstraßen wurden so angelegt, dass die längliche Rechteckform zur Aufstellung der Marktstände verkehrsfrei blieb. Der Wehrbau und die Marktsiedlung waren wehrtechnisch miteinander verbunden. Die Südwestflanke des Marktes wurde durch die Burg, der Norden und Süden durch Mauern und Gräben und die Ostseite durch einen Teich geschützt. Mauern und Tore sind nicht erhalten geblieben.

Der Markt Heidenreichstein bestand aus 68 Urhäusern. Als Bürger galt, wer eines dieser Häuser bewohnte und bewirtschaftete. Die Anzahl der Urhäuser hat sich bis ins 19. Jahrhundert nicht verändert. 1369 wurde der Ort als Markt mit eigenem Siegel bezeichnet. Der Markt entwickelte sich als Verwaltungs- und Wirtschaftsmittelpunkt eines eigenen Herrschaftsbereiches, der 1389 von Litschau getrennt wurde. Der Markt besaß fürstliche Freiung, ein eigenes Landgericht mit Asylrecht. Jahr- und Wochenmärkte mit besonderem Schutz und Marktgerichtsbarkeit (Pranger) wurden abgehalten. Eine autonome Verwaltung des Marktes durch selbstgewählte Organe bestand zunächst offensichtlich nicht. Ab wann der Ort über einen Marktrichter verfügte, ist nicht überliefert. Die Handwerker vereinigten sich zu Zechen, die als Interessenvertretungen und Selbsthilfeorganisationen fungierten. Ausgedehnte Schafzucht und bodenständiger Flachsanbau bildeten bereits ab dem 14. Jahrhundert die Grundlage für die Tuch- und Leinweberei.Allgemeine Informationen Homepage der Stadtgemeinde Heidenreichstein

Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Urkunden aus dem 17. Jahrhundert dokumentieren im Markt Heidenreichstein die Existenz von Zünften der Schneider, Weber, Hafner, Müller, Binder und Schmiede. Eine Schule wurde schon im Urbario von 1575 erwähnt. Der Markt Heidenreichstein war mehrfach von Naturkatastrophen, Missernten, Hungersnöten und Krankheiten (Pest) betroffen. Kriegerische Auseinandersetzungen wie beispielsweise die Hussiteneinfälle im 15. und die Bauernaufstände im Waldviertel Ende des 16. Jahrhunderts führten zu Verwüstungen und großer Not der Bevölkerung. Im 17. Jahrhundert gab es in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges Plünderungen und Einäscherungen ganzer Dörfer. Während der Franzosenkriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Heidenreichstein von Franzosen besetzt.

1784 wurden allgemein die heute noch bestehenden Katastralgemeinden eingerichtet. Mit dem Bau der neuböhmischen Straße von Göpfritz nach Neuhaus erhielt der Markt Heidenreichstein 1833 ein Postamt. Bis zur Eröffnung der Nordwestbahn und der Einführung der Bahnpost 1845 befand sich im Markt eine der Poststationen für die mit Pferdekutschen durchgeführten Transporte zwischen Wien und Prag. 1883 wurde der Postsparkassendienst eingeführt und 1904 die interurbane Telefonleitung beantragt. Ein Telephon- und Telegraphenamt wurde 1911 eröffnet.

1849 gehörte der Markt Heidenreichstein zunächst zum Bezirk Waidhofen an der Thaya und ab 1900 zum neu gegründeten Bezirk Gmünd. Der Markt Heidenreichstein wurde 1850 Standort eines Bezirksgerichtes, das allerdings 1868 nach Litschau verlegt wurde.

1850 konstituierten sich im Markt Heidenreichstein und in den umliegenden Orten eigene Gemeinden auf den Gebieten von jeweils einer oder zwei Katastralgemeinden. Der Heidenreichsteiner Marktrichter hatte in Verbindung mit der Herrschaft noch bis Ende 1861 gewisse Befugnisse. Erster Bürgermeister des Marktes Heidenreichstein war 1861 Franz Ullrich. 1882 wurde der Gendarmerieposten im Markt Heidenreichstein eingerichtet.