Eröffnung: 1897 Eigentümer: Häfen und Güterverkehr Köln

Die Vorgebirgsbahn ist eine teilweise zweigleisige, mit Gleichstrom elektrifizierte Hauptbahn zwischen Köln und Bonn. Das Netz wird von der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) betrieben, der Personenverkehr von den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) und den Stadtwerken Bonn (SWB) als Stadtbahn-Linie 18 durchgeführt. Die Vorgebirgsbahn gehörte, zusammen mit der Rheinuferbahn, zum Stammnetz der Köln-Bonner Eisenbahnen AG (KBE).

In Köln-Klettenberg (an der Stadtgrenze) schließt sie an das Kölner Stadtbahnnetz an. Zwischen Alfter und Bonn-Dransdorf geht sie in das Bonner Stadtbahnnetz über. Sie verläuft am Rande des Vorgebirges prinzipiell parallel zur linken Rheinstrecke. Im Gegensatz zu dieser schlägt sie einen weiteren Bogen, auf dem zwischen Köln und Bonn zahlreiche Ortsteile von Hürth, Brühl und Bornheim bedient werden.

Geschichte Bau mini|links|250px|Der „Feurige Elias“ auf dem Brühler Markt um 1900 links|mini|Fahrscheine der Vorgebirgsbahn links|mini|Arbeiter-Wochenkarte Merten - Bonn Die Vorgebirgsbahn ist die älteste Strecke der späteren KBE. Sie wurde im Auftrag der Aktiengesellschaft der Vorgebirgsbahn Köln-Bonn vom Berliner Unternehmen Havestadt, Contag & Cie. als meterspurige, eingleisige Dampfbahn geplant und gebaut. Die Strecke führte im Straßenraum durch mehrere Ortszentren, in Brühl über den Marktplatz. Da es in Hermülheim Streitigkeiten über die Streckenführung durch den Ort oder am Ortsrand gab, wurde zunächst der Abschnitt zwischen Bonn und Brühl fertiggestellt, der am 1. August 1897 in Betrieb ging. In Bonn begann die Strecke im Bahnhof Bonn Viehmarkt (ab 1899: Bonn Friedrichsplatz) mitten auf dem gleichnamigen Platz (nach 1945: Friedensplatz). Am 8. Januar 1898 wurde die Gesamtstrecke bis zum Vorgebirgsbahnhof am Barbarossaplatz feierlich eröffnet, die Verkehrsaufnahme fand am 20. Januar 1898 statt. Am 17. Juni des gleichen Jahres wurde eine Verlängerung zum Heumarkt fertiggestellt, die jedoch nur von Marktzügen für die Bauern des Vorgebirges befahren wurde.

Die Züge der Bahn wurden von Anfang an gut angenommen, obwohl die Fahrzeit zwischen Köln und Bonn anfangs knapp zwei Stunden betrug. Bereits im ersten Betriebsjahr hatte die Bahn über 10.000 Fahrgäste monatlich zu verzeichnen. In der Bevölkerung erhielt sie schnell den Spitznamen „Feuriger Elias“ (nach dem Propheten Elija und dessen Himmelfahrt in einem feurigen Wagen mit feurigen Pferden).

Als die Aktiengesellschaft auch die Konzession für die Rheinuferbahn erhielt, wurde sie in Aktiengesellschaft der Cöln-Bonner Kreisbahnen umfirmiert.

In Brühl verkehrte die Vorgebirgsbahn zunächst über die Uhlstraße und den Markt auf Gleisen in der Fahrbahn. Dies ermöglichte eine direkte Belieferung des Brühler Wochenmarkts mit landwirtschaftlichen Produkten des Vorgebirges.

Da sich schnell zeigte, dass die Bahn dem Ansturm nicht gewachsen war, entstanden bereits 1899 erste Pläne für ein zweites Gleis und eine teilweise Neutrassierung einiger Abschnitte.

Umspurung mini|links|250px|Streckenverläufe in Bonn Insbesondere im Vergleich zur Rheinuferbahn erwiesen sich Fahrzeit und Komfort der Vorgebirgsbahn schnell als nicht mehr zeitgemäß. Außerdem erwiesen sich die unterschiedlichen Spurweiten im Verkehr mit den umliegenden Strecken als hinderlich. Bereits 1908 wurden daher zusätzliche, normalspurige Gütergleise zwischen Hermülheim und Vochem sowie zwischen Dransdorf und Bonn Ellerbahnhof gebaut. Im Jahr zuvor war bereits die normalspurige Pingsdorfer Güterbahn Vochem–Pingsdorf–Eckdorf um Brühl herum in Betrieb genommen worden, die nun mit Dreischienengleisen ausgerüstet wurde. Im April 1915 wurde schließlich der Umbau der gesamten Vorgebirgsbahn zu einer normalspurigen, elektrischen Eisenbahn genehmigt. Wegen des Ersten Weltkriegs konnte jedoch der Umbau zunächst nicht umgesetzt werden.

Ab 1920 gab es zumindest durchgehende normalspurige Gütergleise vom Staatsbahn-Anschluss in Köln-Klettenberg bis Eckdorf. Für den Personenverkehr wurden als Übergangslösung 1924 meterspurige Benzoltriebwagen zur Komfortsteigerung beschafft. Ab 1929 wurde die Strecke dann, von Bonn ausgehend, umgespurt, teilweise neu trassiert und elektrifiziert, wobei zunächst nur Waldorf erreicht wurde, wo eine vorübergehende Schmalspur-Verbindung zum Bahnhof Kardorf eingerichtet wurde. In Bonn fuhren seit 1929 die Personenzüge der Vorgebirgsbahn dabei ab Bonn Ellerbahnhof über die Rheinuferbahn bis Bonn Rheinuferbahnhof, der Abschnitt Bonn Ellerbahnhof – Bonn Friedrichsplatz wurde aufgegeben. Zwei Jahre später erreichte die Normalspurstrecke Schwadorf, die Gesamtstrecke bis Köln wurde 1934 in mehreren Abschnitten eröffnet, ab Brühl komplett zweigleisig.

Im Volksmund nannte man sie wegen ihrer weißen Triebwagen (mit Steuerwagen) Weiße Bahn, dann ab 1954 die „rote Bahn“, wegen des auffälligen karminroten Außenanstrichs der Wagen, durch den sie sich von der Kölner Straßenbahn und der in Köln parallel verlaufenden dampf- und dieselbetriebenen Berrenrather Strecke der KBE („Schwarze Bahn“) deutlich unterschied.

Nachkriegszeit Nachdem die Strecke im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden war, wurde der im März 1945 stillgelegte Verkehr bereits im Juni wieder aufgenommen. In den folgenden Jahren wurde die Strecke modernisiert und neues Wagenmaterial (z. B. Silberpfeile) beschafft. Es verkehrten nun stündliche Personenzüge, dazu Eilzüge zwischen Köln und Brühl und beträchtlicher Güterverkehr. Wegen des steigenden Autoverkehrs wurde die Strecke in den 1950er-Jahren endgültig vom Straßenraum getrennt, insbesondere in Bonn erforderte dies aufwändige Bauwerke. In Köln erhielt die Vorgebirgsbahn gemeinsam mit der Straßenbahn eine eigene Trasse in der Mitte der Luxemburger Straße. Am Endpunkt der Strecke, dem Bahnhof Köln Barbarossaplatz, wurde von 1951 bis 1953 ein neues Empfangsgebäude mit drei dort endenden Gleisen gebaut.

1973 wurde der Güterverkehr zwischen Brühl-Vochem und Bonn-Dransdorf eingestellt.

Umbau auf Stadtbahn Bereits Mitte der 1960er Jahre wurde die Mitbenutzung der im Bau bzw. in Planung befindlichen Kölner und Bonner U-Bahn-Tunnel durch die KBE geplant. Zwar war anfänglich vorgesehen, zuerst die Vorgebirgsbahn und als zweites die Rheinuferbahn in das Stadtbahnnetz zu integrieren, doch wurde später die besser ausgebaute Rheinuferbahn vorgezogen. So wurde erst Mitte der 1980er Jahre auch die Vorgebirgsbahn für den Stadtbahn-Betrieb umgerüstet. Es entstanden zwei zusätzliche Haltepunkte Robert-Kirchhoff-Straße in Dransdorf und Kiebitzweg in Hürth, der Abschnitt zwischen Bonn-Dransorf und Bonn West wurde zweigleisig ausgebautIn drei Monaten beginnt der Stadtbahnbetrieb auf der Linie 18, General-Anzeiger, 9. Juli 1985 (genios.de), die Oberleitungsspannung von 1200 auf 750 V abgesenkt und die Fahrleitung komplett erneuert.

Die Leit- und Sicherungstechnik wurde modernisiert. In Hürth-Kendenich ging 1984 ein Mikrocomputer-Stellwerk (MC-Stellwerk) von Siemens in Betrieb, das die gesamte Vorgebirgsbahn steuert. Es wird daher als Zentralstellwerk „Kendenich Kf“ bezeichnet. Die Anlage besteht aus drei abgesetzten Stellrechnern und kommuniziert mit insgesamt 36 Bahnübergangsanlagen. Es ersetzte neun Altstellwerke und handelt sich bereits um die vierte Stellwerksgeneration des Netzes.

Am 26. Oktober 1985 verkehrte der erste Stadtbahnzug als Linie 18 von Bonn Hauptbahnhof bis Schwadorf, wo Anschluss an einen KBE-Zug bestand. Der Abschnitt auf Bonner Stadtgebiet wurde dabei von EBO nach BOStrab umkonzessioniert. Seit dem 8. November 1986 wird die Strecke vollständig mit Stadtbahnwagen befahren. Die alten Stahl-Triebwagen wurden teilweise an die Linzer Lokalbahn verkauft, wo sie noch bis nach 2000 eingesetzt wurden.

In den folgenden Jahren folgten zahlreiche Umbauten, um die Strecke dem Stadtbahnstandard anzupassen. Seit 1991 verfügt die Vorgebirgsbahn größtenteils über Hochbahnsteige. Lediglich Brühl-Vochem wurde erst später umgebaut. Am 6. September 2004 wurde ein zusätzlicher Haltepunkt Bornheim Rathaus in Betrieb genommen, am 16. Oktober 2006 der neue zweigleisige Abschnitt Roisdorf West–Alfter.Reibungsloser Gegenverkehr, Kölner Stadt-Anzeiger, 17. Oktober 2006 (genios.de) Im Februar 2015 genehmigte die Bezirksregierung Köln auch den zweigleisigen Ausbau zwischen Brühl-Mitte und Brühl-Badorf, es folgte die öffentliche Ausschreibung. Im Juli 2015 begannen die Bauarbeiten für den Ausbau mit der Anpassung der Brückenbauwerke Pingsdorfer Bach, Berliner Straße und Otto-Wels-Straße (K 7) sowie der Dammverbreiterung. Er sollte nach gut zwei Jahren Bauzeit im vierten Quartal 2017 in Betrieb genommen werden, verzögerte sich aber aufgrund von Komplikationen bei der Inbetriebnahme des Stellwerks bis April 2019.Gleisausbau in Brühl soll erst 2018 in Betrieb genommen werden. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 31. Juli 2017.

Betrieb Heute wird die Strecke gemeinsam von KVB und SWB als Stadtbahnlinie 18 befahren. Tagsüber verkehrt die Linie werktags auf der Gesamtstrecke im 20-Minuten-Takt, im Kölner Stadtgebiet wird sie auf einen 5-Minuten-Takt und zwischen Köln und Brühl auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet. Von Bonn aus erfolgen einzelne Verstärkerfahrten bis Bornheim als Linie 68, wodurch im Berufsverkehr ein 10-Minuten-Takt und abends ein 30-Minuten-Takt erreicht wird.

Güterverkehr findet auf der Vorgebirgsbahn nur noch im Streckenabschnitt von Kendenich Gbf über Fischenich bis Brühl-Vochem (Vochem Nord) statt, um Güter vom Chemiepark Knapsack über die Bahnstrecke Brühl-Vochem–Köln-Godorf Hafen zum Hafen in Wesseling zu bringen.

Streckenverlauf Seit der Umstellung der Vorgebirgsbahn auf Stadtbahnbetrieb endet die Linie 18 am Südende am Bonner Hauptbahnhof. In der Gegenrichtung fuhr sie in Köln nun weiter bis Köln-Mülheim, später nach Köln-Chorweiler. Mit Trennung zwischen Hochflur- und Niederflurnetz in Köln bedient die Linie 18 wieder den Streckenast nach Köln-Mülheim und weiter nach Thielenbruch.

Hinsichtlich ihres Höhenprofils steigt die eigenständige Trasse der Vorgebirgsbahn von in Köln (Barbarossaplatz) bis auf gut in Fischenich an, fällt anschließend bis Brühl auf etwa ab, um erneut auf etwa bei Merten anzusteigen, bevor sie wiederum bis Bonn (Brühler Straße) auf absinkt.

Köln-Innenstadt mini|250x250px|Der Endbahnhof Köln Barbarossaplatz Der frühere Vorgebirgsbahnhof der KBE befand sich am Kölner Barbarossaplatz neben dem damaligen Baumarkt, in dem sich mittlerweile eine Rewe-Filiale befindet. Das große Bahnhofsgebäude umfasste eine Schalterhalle und ein McDonald’s-Restaurant, welches in anderer Form bis heute an diesem Standort besteht. Das Haus wird mittlerweile nur noch als Wohnhaus mit Geschäften genutzt und ist nicht mehr als Bahnhof zu erkennen, die damaligen Bahnsteige der KBE sind mittlerweile mit einem Haus überbaut, nur noch die seitlichen Durchgangsgleise der Stadtbahn sind erhalten.

Der Barbarossaplatz ist heute eine in alle 4 Richtungen durchgehende Stadtbahnhaltestelle (). Hier kreuzen sich die Hochflurlinien 16 und 18, und die Niederflurlinien 12 und 15. Sie besitzen jeweils separate Bahnsteige, der Bahnsteig der Hochflurlinien ist nicht mehr am alten Standort der KBE, sondern auf der anderen Seite der Straßenkreuzung. Er ist noch nicht barrierefrei ausgebaut. Während die Linie 16 um auf die Rheinuferbahn zu kommen hier in Richtung Ubierring abzweigt, verläuft die Linie 18 als einzige Linie geradeaus weiter.

In einem kurzen Abschnitt auf der Luxemburger Straße unterquert die Strecke die linke Rheinstrecke und damit den Bahnhof Köln Süd. Während die auf der Zülpicher Straße parallel verlaufende Linie 9 hier einen Haltepunkt zur Verknüpfung mit dem Bahnhof hat, halten die Züge die Linie 18 hier nicht. Der Bau einer neuen Haltestelle Bahnhof Süd für die Linie 18 ist in den Bedarfsplan ÖPNV des Landes angemeldet, um die Umstiegsmöglichkeiten zu optimieren.