mini|Karlheinz Deschner (rechts) im Jahr 2007 im Gespräch mit Hans Albert Karl Heinrich Leopold „Karlheinz“ Deschner (* 23. Mai 1924 in Bamberg; † 8. April 2014 in Haßfurt) war ein deutscher Schriftsteller und Historiker, der vor allem durch seine kirchenkritischen Veröffentlichungen zur Kirchengeschichte bekannt wurde.

Leben Karl Heinrich Deschner wuchs als Sohn eines katholischen Vaters und einer später zur katholischen Kirche konvertierten protestantischen Mutter auf. Er besuchte die Grundschule in Trossenfurt, 1933/1934 das Franziskanerseminar in Dettelbach (wo er zeitweise im Franziskanerkloster logierte)Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten: Festschrift zur Verleihung des Erwin-Fischer-Preises 2001 an Karlheinz Deschner, Hagen 2001, S. 28. und ab 1934 das Gymnasium als Internatsschüler bei Karmelitern und Englischen Fräulein in Bamberg.Über Karlheinz Deschner: Leben, Werke, Resonanz. Eine Dokumentation zum Erscheinen von Band 3 der Kriminalgeschichte des Christentums. Kapitel „Biographische Notiz“, S. 19 ff. Rowohlt, 1990 (ohne ISBN). Im März 1942 bestand er die Reifeprüfung. Wie seine ganze Klasse meldete er sich sofort als Kriegsfreiwilliger und war – mehrmals verwundet – bis zur Kapitulation Soldat, zuletzt Fallschirmjäger.Unter Person/Biographische Daten, Website von Karlheinz Deschner.

Nach seinem Dienst als Soldat im Zweiten Weltkrieg studierte er 1946/47 an der Philosophisch-theologischen Hochschule Bamberg, schließlich von 1947 bis 1951 an der Universität Würzburg. Er hörte unter anderem Vorlesungen über Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaften, Philosophie, Theologie und Geschichte. 1951 wurde er mit der Arbeit Lenaus metaphysische Verzweiflung und ihr lyrischer Ausdruck promoviert.

Deschner heiratete 1951 seine Lebensgefährtin, die geschiedene Elfi Tuch. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder (* 1951; * 1958; * 2. Februar 1959, † 20. Oktober 1984)Nur Lebendiges schwimmt gegen den Strom. 1985, S. 5. hervor.Über den Autor. In: Ärgernisse. 1994, S. 92 f., hier S. 93. Die katholische Kirche stellte öffentlich die Exkommunikation des Ehepaars wegen ihrer ungültigen Verbindung fest.Festrede von Hermann Gieselbusch, wo diese Tatsache (2004) erstmals veröffentlicht wurde. Diese wurde vom damaligen Bischof von Würzburg, Julius Döpfner, ausgesprochen. Deschner hatte bis dahin nichts Kirchen- oder Religionskritisches publiziert. Er betrieb Anfang der 1950er Jahre intensive literarische Studien. Die Philosophen Friedrich Nietzsche, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer prägten sein Denken.

Im Jahr 1956 veröffentlichte Deschner im Alter von 32 Jahren mit dem Roman Die Nacht steht um mein Haus sein erstes Buch. Im Folgejahr präsentierte er das Buch Was halten Sie vom Christentum? (1957), in dem er Beiträge von Zeitgenossen wie Hermann Kesten, Heinrich Böll, Arno Schmidt, Max Brod, Arnold Zweig und anderen zusammenfasste und das als sein erstes kirchenkritisches Werk gilt.

Noch im gleichen Jahr erschien der literaturkritische Band Kitsch, Konvention und Kunst (1957), im Jahr 1958 dann der Roman Florenz ohne Sonne.

Das Buch Abermals krähte der Hahn, das 1962 erschien, wird von Interessierten und Kirchenkritikern als Standardwerk betrachtet. 1970 schloss er mit Rowohlt den Vertrag zum Projekt Kriminalgeschichte des Christentums ab; erst 1986 konnte der erste Band erscheinen. 2013 musste mit dem zehnten Band, der bis ins 18. Jahrhundert reicht, die Reihe aus gesundheitlichen Gründen abgeschlossen werden.Willi Winkler: Der Antichrist. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Mai 2013, S. 3. Die Kriminalgeschichte erschien in einer Auflage von 350.000 Exemplaren. Seit 2013 erscheinen Neuausgaben seiner Werke im Alibri Verlag in einer eigenen Edition.

Dank privater Förderung durch Herbert Steffen, Alfred Schwarz und andere konnte Deschner sich ohne größere materielle Sorgen seinem Hauptwerk (Kriminalgeschichte des Christentums) widmen. Seit 1988 wurde Deschner auch zunehmend öffentliche Anerkennung zuteil, die sich in Preisen und Auszeichnungen ausdrückte.

Deschner war Vegetarier und äußerste mehrmals in Interviews, wenn er noch einmal leben könnte, würde er seine Kraft einer noch „hoffnungsloseren Thematik“ widmen als der Bekämpfung des Christentums, den Tieren.brand eins: Nackt im Wald mit Nietzsche. 7/2004 (PDF, 812 kB). Wiederum würde er sich schreibend betätigen, auch wenn seine Bücher nicht wie jetzt Millionen Leser erreichten. Doch sie stünden im Dienst einer noch notwendigeren Sache, nach seiner Überzeugung der notwendigsten überhaupt.

Deschner lebte bis zu seinem Tod in der katholisch geprägten Kleinstadt Haßfurt in Unterfranken.

Deschner war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und Ehrenmitglied des Humanistischen Verbandes Bayern.

Preise und Auszeichnungen 1988 wurde Deschner für sein aufklärerisches Engagement und für sein literarisches Werk, nach Wolfgang Koeppen, Hans Wollschläger, Peter Rühmkorf, mit dem Arno-Schmidt-Preis ausgezeichnet. Im Juni 1993 erhielt er – nach Walter Jens, Dieter Hildebrandt, Gerhard Zwerenz und Robert Jungk – den Alternativen Büchnerpreis und im Juli 1993 – nach Andrei Sacharow und Alexander Dubček – als erster Deutscher den International Humanist Award der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (International Humanist and Ethical Union). 1994 wurde er zum Ehrenmitglied des Bundes für Geistesfreiheit Würzburg (heute Regionalgruppe der Humanistischen Vereinigung) ernannt. Zudem wurde Deschner im September 2001 mit dem Erwin-Fischer-Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und im November dem Ludwig-Feuerbach-Preis des Bundes für Geistesfreiheit AugsburgVerleihung des Ludwig-Feuerbach-Preises an Karlheinz Deschner am 30. November 2001, Website des bfg Augsburg ausgezeichnet.

2004 wurde Deschner mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Karl Corino.Liste der Preisträger des Wolfram-von-Eschenbach-Preises.

2006 erhielt er den Premio letterario Giordano Bruno, Mailand.Newsletter der Giordano-Bruno-Stiftung von 2007.

Im Jahre 2006 wurde Deschner zum Mitglied der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Abteilung für Geschichtswissenschaft) gewählt.Serbian Academy of Sciences and Arts: , abgerufen am 20. Februar 2013

Im Jahr 2004 gab die Giordano Bruno Stiftung die Einrichtung eines nach dem Autor benannten Deschner-Preises bekannt, der Personen oder Organisationen verliehen werden soll, „die in besonderem Maße zur Stärkung des säkularen, wissenschaftlichen und humanistischen Denkens und Handelns beitragen“.Humanistischer Pressedienst: Karlheinz Deschner, 23. Mai 2007. Erster Träger dieses Deschner-Preises (2007) war der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins (Oxford).

Rezeption Deschners erster Roman, Die Nacht steht um mein Haus (1956), erregte wenig Interesse. Bekannt und zum Bestsellerautor wurde Deschner ein Jahr später mit Erscheinen der Streitschrift Kitsch, Konvention und Kunst. Sie provozierte einen Skandal, weil Deschner damals beliebte dichterische Werke heftig angriff. Seit 1958 veröffentlichte Deschner überwiegend Werke zur Religions- und Kirchenkritik, u. a. die zehnbändige Kriminalgeschichte des Christentums.

Ablehnung Vorwurf mangelnder Wissenschaftlichkeit und methodische Kritik Der emeritierte Professor für Kirchengeschichte an der Universität Bamberg, Georg Denzler, bewertete die Wissenschaftlichkeit kritisch: „Er (Deschner) kennt kein Quellenstudium, er trifft eine höchst einseitige Literaturauswahl, interpretiert gedruckte Quellen ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs, nimmt Einzelereignisse für das Ganze und täuscht einen gelehrten Anmerkungsapparat vor, bei dem oft nicht zu kontrollieren ist, was behauptet wird.“ An anderer Stelle urteilt er, Deschner sei zwar „der kenntnisreichste unter den advocati diaboli“,FAZ vom 31. März 1989, Seite 38. doch mangele es ihm an historischem Denken und historischem Urteil.dpa: Kirchenkritiker Karlheinz Deschner wird 80 – „Ich schreibe aus Feindschaft“, 19. Mai 2004.

Gegen diese Kritik wandte der Kirchenkritiker Hubertus Mynarek ein, Deschner bediene sich als Kompilator lediglich der Forschungsergebnisse christlicher Exegeten, Altertumsforscher, Mediävisten, neuzeitlicher und moderner Historiker und habe eigene originäre Forschung nicht geleistet und auch nicht leisten wollen. Mynarek kritisierte jedoch Deschners induktive Methode, eine additive Sisyphos-Arbeit, als untauglich zur Kirchenkritik und bevorzugt eine deduktive philosophisch-soziologische Analyse, wie sie etwa Eugen Drewermann geleistet habe.

Vorwurf eines eingeschränkten Religionsverständnisses Mynareks Hauptkritik wendet sich gegen Deschners verdrängte Religiosität, die nur noch aus Zweifeln bestehe. Seine Fixierung auf religiöse Dogmen, seine Gleichsetzung von Religion und Gottglaube verhindere ein universales Religionsverständnis wie bei Giordano Bruno. Seine kontrastive ethische Verklärung des synoptischen Jesus sei „sentimental, zu romantisch-verklärend“. Mynarek erklärt Deschners Kirchenkritik teilweise als „transformierte Aggressivität“, die in der abgründig-widersprüchlichen Persönlichkeit Deschners verwurzelt sei. Auch die deterministische Leugnung des freien Willens in der Aphoristik stehe letztlich im Gegensatz zur kritischen Haltung Deschners, die Freiheit und Schuld gerade voraussetze.

Vorwurf eines fatalistisch-pessimistischen Welt- und Menschenbildes Joachim Kahl zeigt sich über zahlreiche Aphorismen Deschners erschrocken, in denen er ein Menschenbild zu erkennen glaubt, das „hämisch herabsetzend, fatalistisch, voll Sehnsucht nach Tod und Tötung“ sei. Auf Kahls Kritik von Deschners Aphoristik, wieder abgedruckt in „Aufklärung ist Ärgernis …“: Karlheinz Deschner Leben – Werk – Wirkung,Kahl 2004, S. 230–256. repliziert Gabriele Röwer im selben Band detailliert; sie wirft Kahl vor, es mangele ihm an Verständnis für das Wesen des Aphorismus und klammere einen der eigenen Deutung widersprechenden Großteil der Deschnerschen Aphorismen aus, deren Leitidee sie in der „Humanisierung der Lebensverhältnisse auf diesem Planeten“ sieht.Kahl 2004, S. 257–322; Gabriele Röwer: Wo bleibt das Positive? (Auszug; PDF, 306 kB)

Vorwurf eines verzerrten USA-Bildes fragwürdiger Herkunft Der Politikwissenschaftler und Extremismusforscher Armin Pfahl-Traughber kritisiert an Deschners Buch Der Moloch, dass es teilweise, wenn auch ohne Absicht, auf ungeprüften gefälschten Quellen und rechtsradikaler Verschwörungsliteratur beruhe, an einen „Stammtisch-Diskurs“ erinnere und stellenweise suggeriere, dass „die US-Amerikaner schlimmer als die Nationalsozialisten waren“. Er bewertet den Moloch als ein „in der Gesamtbetrachtung als Zerrbild anzusehende[s] Buch über den von ihm [Deschner] gar so verachteten Staat der «Yankees»“. Pfahl-Traughber legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass er damit die vielen meist zutreffend dargestellten Sachverhalte nicht leugnen und die USA auch nicht generell verteidigen wolle.

Deschner wies die Kritik zurück: Die Orientierung an der goldenen Mitte zwischen Gut und Böse sei kein historiografisches Kriterium. Er bedauere, auf drei Seiten seines Werks einer Fälschung aufgesessen zu sein. Seine Nachforschungen hinsichtlich des Abegg-Archivs ließen aber auch Zweifel an angeblichen Fälschungen aufkommen. Hass mache manchmal auch hellsichtig, nicht blind, und sei nur die andere Seite des Mitgefühls für die Opfer und der Liebe zur Wahrheit. Pfahl-Traughber blende aus, dass er nicht nur das Bankhaus Warburg als Finanzgeber Hitlers dargestellt habe, sondern auch Henry Ford, John Foster Dulles und deutsche Unternehmen. Seine Einschätzung der Geschichte sei nicht deutschnational, sondern decke sich etwa hinsichtlich des Kriegseintritts der USA 1917 mit der Winston Churchills.http://www.deschner.info/de/werk/33/diesseits.pdf

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