mini|Hauptsitz in Bonn, Luftbild aus dem Jahre 2013 mini|Zweiter Dienstsitz in Berlin-Mitte

Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (kurz BMUKN) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Sein Hauptsitz bzw. erster Dienstsitz befindet sich in der Bundesstadt Bonn, sein zweiter Dienstsitz in Berlin. Zuständiger Bundesminister ist im Kabinett Merz seit dem 6. Mai 2025 Carsten Schneider (SPD).

Geschichte Bundesrepublik Der Entstehung eines Umweltministeriums waren schon zu Beginn der 1970er-Jahre einige Aktivitäten in Sachen Umweltschutz vorausgegangen. Dazu gehörten die Freiburger Thesen, das Parteiprogramm der FDP von 1971, welche als erste der wesentlichen westdeutschen Parteien eine dezidierte Position zum Umweltschutz einnahm. Unter anderem formulierte es, „Umweltschutz hat Vorrang vor Gewinnstreben und persönlichem Nutzen“ und das Recht auf eine „menschenwürdige Umwelt“ ist in Artikel 2 des Grundgesetzes zu verankern. Dazu gehörten dann auch das 1971 beschlossene Umweltprogramm der sozialliberalen Bundesregierung von 1969 bis 1982 und weiteres, etwa zentrale Gesetzeswerke wie das Abfallbeseitigungsgesetz von 1972 und das Bundes-Immissionsschutzgesetz von 1974. Im selben Jahr wurde auch im damaligen West-Berlin das Umweltbundesamt gegründet und der Sachverständigenrat für Umweltfragen als wissenschaftliches Beratungsgremium der Bundesregierung eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt war der Umweltschutz auf die Ressorts von Innen-, Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium verteilt. mini|links|Eingangsbereich zum Hauptsitz des Ministeriums in Bonn

Auslöser für die Gründung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit am 6. Juni 1986 war die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.Bettina Hoffmann: Das neuseeländische und das deutsche System von Schutzgebieten. 1. Auflage. 2012, ISBN 978-3-8329-4697-5, S. 184–201. (nomos-elibrary.de, abgerufen am 29. November 2020) Das Ministerium wurde etwa fünf Wochen nach der Katastrophe von Tschernobyl gegründet. Die damalige Bundesregierung (Kabinett Kohl II) wollte mit diesem Schritt die Zuständigkeiten auf diesem Sektor unter einem neuen Minister zusammenfassen, um den umweltpolitischen Herausforderungen besser entsprechen zu können. Die französische Deutschlandkennerin Brigitte Sauzay kommentierte dies in ihrem im gleichen Jahr in Paris erschienenen Buch Le vertige allemand mit den Worten: „In Deutschland fühlt sich die gesamte Bevölkerung angesprochen. Das ganze gesellschaftliche Leben steht unter dem Zeichen ökologischer Notwendigkeiten; jede der politischen Parteien, allen voran die CDU, hat diese Auseinandersetzung auf ihre Fahnen geschrieben, um nur ja nicht den Grünen ein wahltaktisch so wichtiges Feld allein zu überlassen.“Brigitte Sauzay: Die rätselhaften Deutschen. Die Bundesrepublik von außen gesehen. Bonn Aktuell, Stuttgart 1986, ISBN 3-87959-257-8, S. 199.

Von der Gründung bis 1998 führten ausschließlich CDU-Minister das Ministerium. Der erste, Walter Wallmann, verließ den Posten zehn Monate später, als er hessischer Ministerpräsident wurde. Insbesondere setzte sein Nachfolger Klaus Töpfer (Mai 1987 bis November 1994), späterer Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, zahlreiche Änderungen der Umweltgesetzgebung durch. Angela Merkel war im Kabinett Kohl V (November 1994 bis Oktober 1998) Umweltministerin. Sie entließ drei Monate nach Amtsantritt Töpfers langjährigen beamteten Staatssekretär Clemens Stroetmann wegen unüberbrückbarer Differenzen.Stefan Franke: Politik und ihr Überbau – Vom Umgang mit Gegnern in der Politik. Seminararbeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, 2004.

In der rot-grünen Koalition von 1998 (Kabinett Schröder I) wurde Jürgen Trittin (Grüne) das Ministeramt übertragen. Damit einher ging wieder eine stärkere Fokussierung auf den Umweltschutz und in bestimmten Bereichen ein Wechsel der umweltpolitischen Ausrichtung, der sich beispielsweise bei den Themen Atomausstieg, Endlagerung radioaktiver Abfälle (siehe AkEnd), Einwegpfand (ab 1. Januar 2003) und Ökosteuer zeigte. Trittin hatte das Amt auch im Kabinett Schröder II inne. Nach der Bundestagswahl 2005 kam es zu einem Regierungswechsel. Die große Koalition (Kabinett Merkel I) berief Sigmar Gabriel (SPD) zum Umweltminister.

Im schwarz-gelben Kabinett Merkel II (2009 bis 2013) wurde Norbert Röttgen (CDU) Umweltminister. Am 16. Mai 2012 gab Bundeskanzlerin Angela Merkel überraschend bekannt, den Bundespräsidenten gebeten zu haben, Minister Röttgen zu entlassen (Näheres im Artikel über Röttgen). Zum Nachfolger wurde Peter Altmaier ernannt.Wie Merkel Röttgen abschaltete. Spiegel Online. Abgerufen am 16. Mai 2012.

Der Bundeshaushalt für das Jahr 2011 stellte 6,459 Milliarden Euro für Umweltbelange bereit. Der Haushalt des BMU betrug 1,636 Milliarden Euro, weitere 4,2 Milliarden Euro schlugen als Umweltschutzkredite zu Buche.

Der Etat 2013 wurde am 20. November 2012 im Bundestag beraten; er veranschlagte Ausgaben in Höhe von 1,65 Milliarden Euro – ein leichtes Plus von 54,73 Millionen im Vergleich zu 2012 (17/10815, 17/10814, 17/10823).bundestag.de: Haushalt 2013, Fiskalvertrag, Beschneidung. Abgerufen am 5. Januar 2013.

mini|Carsten Schneider (SPD), seit 2025 Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Im schwarz-roten Kabinett Merkel III wurde der Bereich Bauwesen und Stadtentwicklung am 17. Dezember 2013 durch Organisationserlass der Bundeskanzlerin vom Verkehrsministerium getrennt und an das BMU angegliedert. Dieses trug während der folgenden vier Jahre die Bezeichnung Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Umwelt- und Bauministerin war in dieser Zeit Barbara Hendricks (SPD).

Im schwarz-roten Kabinett Merkel IV wurde der Baubereich wieder vom Umweltministerium abgetrennt und an das Bundesministerium des Innern angegliedert. Die Behörde wurde in Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit umbenannt, was wieder mit BMU abgekürzt wird. Ministerin war bis 2021 Svenja Schulze (SPD). Im Jahr 2019 erhielt das Bundesministerium vom Bundesrechnungshof eine Rüge für Intransparenz bezüglich in Anspruch genommener, mindestens 600 Millionen Euro teurer, Unterstützungsleistungen bzw. Beratungen im Zeitraum von 2014 bis 2018.

Nach der Ernennung von Bundeskanzler Olaf Scholz am 8. Dezember 2021 ordnete dieser noch am gleichen Tag per Organisationserlass an, dass das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit die Bezeichnung Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz erhält. Vom 8. Dezember 2021 bis Mai 2025 war Steffi Lemke (Grüne) Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Dem Bundesministerium wurden mit dem Organisationserlass übertragen: aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz alle verbliebenen Zuständigkeiten für Kernenergie und nukleare Sicherheits- und Entsorgungsforschung ohne die Zuständigkeit für die Finanzierung von Rückbau und Entsorgung; aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Justiz die Zuständigkeiten für den Verbraucherschutz, die Verbraucherpolitik, insbesondere auch im Kontext der Digitalisierung, sowie die Verbraucherrechtsdurchsetzung; insbesondere auch die Zuständigkeiten für den Verbraucherschutz in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Energie, Nachhaltigkeit sowie im Sozial- und Gesundheitswesen ohne die rechtsförmliche Prüfung in diesen Bereichen und aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft die Zuständigkeiten für das Verbraucherinformationsgesetz, für die allgemeine Produktsicherheit und für die spezielle Produktsicherheit ohne die Zuständigkeiten für Tabakerzeugnisse, verwandte Erzeugnisse sowie andere Anbauprodukte.

Nach der Wahl von Friedrich Merz zum zehnten Bundeskanzler (Deutschland) der Bundesrepublik Deutschland am 6. Mai 2025 übernahm Carsten Schneider das Amt des Minsters für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Das Ministerium ist nun wieder primär für den Klimaschutz zuständig. Hierzu zählen auch die Klimapartnerschaften, internationale Klimapolitik und internationale Klimaschutzverhandlungen.

Deutsche Demokratische Republik Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hatte bereits 1971 ein eigenes Ministerium für Umweltschutz und Wasserwirtschaft gebildet, 15 Jahre vor der Bundesrepublik. Die längste Amtszeit mit fast 20 Jahren wies Minister Hans Reichelt vom Dezember 1971 bis zum Januar 1990 auf.

Der Naturschutz in der DDR litt unter den Bedingungen der massiven Förderung von Braunkohle, dem starken Chemieprogramm sowie unter der geringen Zahl von Hauptamtlichen. Lange vor dem Mauerfall hatte sich im Land darum eine starke Umweltbewegung herausgebildet. Deren Aktivisten waren Mitglieder des Kulturbundes, Kirchenmitglieder und engagierte Bürger. In: hausdernatur-potsdam.de In: hausdernatur-potsdam.de

Aufbau Das Bundesumweltministerium kümmert sich federführend um die Umweltpolitik bzw. die Belange des Umwelt- und Naturschutzes. Geleitet wird das Ministerium vom Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, dem zurzeit ein beamteter Staatssekretär untersteht. Die vom Minister berufenen beiden Parlamentarischen Staatssekretäre haben keinen Durchgriff auf die Verwaltung.

Abteilungen Organisatorisch ist das Ministerium in acht Abteilungen gegliedert:bmu.de Abteilung Z: Zentralabteilung, Verwaltung, Haushalt, Forschung, Digitalisierung Abteilung P: Planung, Strategie, Presse und Kommunikation Abteilung G: Grundsatz und Dialog Abteilung I: Internationales und Europa Abteilung T: Transformation – Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung Abteilung S: Nukleare Sicherheit, Strahlenschutz Abteilung V: Verbraucherschutz, Verbraucherrechtsdurchsetzung, Digitale Verbraucherthemen Abteilung C: Chemikaliensicherheit, Immissionsschutz und Verkehr Abteilung W: Wasserwirtschaft, Gewässer- und Bodenschutz Abteilung N: Naturschutz, nachhaltige Naturnutzung, natürlicher Klimaschutz

Geschäftsbereich Zum Geschäftsbereich des BMUKN gehören vier Bundesämter: das Umweltbundesamt, das Bundesamt für Naturschutz, das Bundesamt für Strahlenschutz sowie das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung.

Expertenkommissionen, Beiräte etc. Das BMUKN kann auf die Expertisen und Stellungnahmen verschiedener sachverständiger Gremien zurückgreifen, namentlich auf den Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU), den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK), den Kerntechnischen Ausschuss (KTA), die Strahlenschutzkommission (SSK), die Entsorgungskommission (ESK), die Kommission für Anlagensicherheit (KAS) und den Umweltgutachterausschuss (UGA).

Beteiligungsverwaltung

Das BMUKN verwaltet die Beteiligung des Bundes an den folgenden Unternehmen: BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (100 %) Brennelement-Zwischenlager Ahaus GmbH (100 %) Brennelementlager Gorleben GmbH (100 %) Kerntechnische Hilfsdienst GmbH (92,2 %) Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (100 %) BGE TECHNOLOGY GmbH (100 %) Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gGmbH (46,16 %) Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH (100 %)

Bundesminister seit 1986