mini|hochkant|Boris Pistorius (SPD)Bundesminister der Verteidigung
Das Bundesministerium der Verteidigung (bis 1961 Bundesministerium für Verteidigung; BMVg, bis 1972 BMVtg) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Das Bundesministerium ist innerhalb der Bundesregierung das Fachressort für die militärische Verteidigung und alle Angelegenheiten der Bundeswehr, höchste militärische Kommandobehörde für die Streitkräfte und oberste Dienstbehörde für die Bundeswehrverwaltung, ohne selbst Teil von beiden zu sein. Seit dem 19. Januar 2023 wird das Verteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) geleitet.
Organisation mini|Blankeneser Erlass vom 21. März 1970 mini|Kfz-Stander des Bundesministers der Verteidigung mini|hochkant=0.7|Verbandsabzeichen für Heeresuniformträger im BMVg An der Spitze des Ministeriums stehen der Bundesminister, zwei Parlamentarische Staatssekretäre, drei (beamtete) Staatssekretäre, der Generalinspekteur der Bundeswehr sowie der Leitungsbereich. Der Bundesminister hat neben der politischen Verantwortung im Frieden die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte, ist höchster Vorgesetzte aller Soldaten seines Geschäftsbereichs und deren oberster Disziplinarvorgesetzter.
Die Parlamentarischen Staatssekretäre Nils Schmid und Sebastian Hartmann (beide SPD, seit 2025) vertreten den Minister im politisch-parlamentarischen Bereich. Die drei (beamteten) Staatssekretäre, Nils Hilmer (seit 2023), Jan Stöß und Jens Plötner (beide seit 2025), unterstützen ihn in der fachlichen Leitung des Ministeriums und in der Ausübung der Befehls- und Kommandogewalt. Der Generalinspekteur, Carsten Breuer, berät den Minister militärisch. Er ist der ranghöchste Soldat und für die Gesamtkonzeption der Streitkräfte verantwortlich. Die aktuelle Struktur wurde zum 1. Oktober 2025 eingenommen.
Das BMVg gliedert sich in zwei Hauptabteilungen und sechs Abteilungen: Abteilung Rüstung (Rü; Vizeadmiral Carsten Stawitzki) Abteilung Innovation und Cyber (CI ; Generalleutnant Michael Vetter) Hauptabteilung Streitkräfte (SK; Generalleutnant Gunter Schneider) Abteilung Politik (Pol; Ministerialdirektor Martin Schäfer) Hauptabteilung Aufwuchs (A; Ministerialdirektor Alexander Götz) Abteilung Haushalt (H; Ministerialdirektor Karl Henning Bald) Recht (R; Ministerialdirektorin Anke Domuradt) Abteilung Zentrales (Z; Ministerialdirektorin Oda Döring)
Im Hinblick auf die im Grundgesetz selbst enthaltenen Organisationsgrundsätze, vor allem das parlamentarische Budgetrecht ( Abs. 1 Satz 2 GG), wurde die Spitzengliederung der Bundeswehr, insbesondere das Verhältnisses zwischen der militärischen und der zivilen Führung der Streitkräfte, durch Erlasse in den Jahren 1970 (Blankeneser Erlass), 2005 (Berliner Erlass), 2012 (Dresdner Erlass) und 2024 geregelt.Blankeneser Erlass vom 21. März 1970.Berliner Erlass vom 21. Januar 2005.Die Erlasse zur Spitzengliederung der Bundeswehr. Bundesministerium der Verteidigung, abgerufen am 8. September 2022. Aktuell gültig ist der Osnabrücker Erlass vom 30. April 2024, der seit dem 1. Mai 2024 in Kraft ist.
Nachgeordneter Bereich Dem Ministerium nachgeordnet sind die Streitkräfte, die Wehrverwaltung (Bundeswehrverwaltung), die Militärseelsorge und die Rechtspflege.
Die Streitkräfte bestehen aus den militärischen Organisationsbereichen der Teilstreitkräfte Heer Luftwaffe Marine Cyber- und Informationsraum (ab 1. April 2017 militärischer Organisationsbereich, seit 1. Mai 2024 Teilstreitkraft) und dem Unterstützungsbereich
Dem Ministerium unmittelbar unterstellt sind: Operatives Führungskommando der Bundeswehr Unterstützungskommando der Bundeswehr Führungsakademie der Bundeswehr Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst Planungsamt der Bundeswehr Zentrum Innere Führung
Die zivilen Organisationsbereiche sind: Bundeswehrverwaltung Organisationsbereich Personal Organisationsbereich Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen Rechtspflege der Bundeswehr Militärseelsorge
Streitkräfte und zivile Organisationsbereiche bilden zusammen die Bundeswehr. Das Bundesministerium ist als oberste Bundesbehörde weder Teil der Streitkräfte noch der Bundeswehrverwaltung.
Dienstsitze mini|Erster Dienstsitz des BMVg auf der Hardthöhe in Bonn, im Vordergrund die „Pyramide“ (ehemalige Kantine) mini|Zweiter Dienstsitz im Bendlerblock Berlin
Der erste Dienstsitz des Ministeriums befindet sich auf der Hardthöhe in Bonn, ein zweiter Dienstsitz seit 1993 im Bendlerblock in Berlin. Am Dienstsitz Berlin sind rund 1.600 Mitarbeitende und am Dienstsitz Bonn rund 1.400 Mitarbeitende beschäftigt. Bei seiner Gründung war das Ministerium in der Bonner Ermekeilkaserne untergebracht. Der Umzug auf die Hardthöhe erfolgte ab 1960.
Haushalt Der Haushalt des Bundesministeriums der Verteidigung sowie der Bundeswehr als nachgeordnetem Bereich ergeben sich aus dem Einzelplan 14 des jeweiligen Bundeshaushaltsgesetzes. Gemäß müssen sich auch die „zahlenmäßige Stärke [der Streitkräfte] und die Grundzüge ihrer Organisation […] aus dem Haushaltsplan ergeben“.
Beschaffungsaufträge des Bundesministeriums mit einem Wert über 25 Mio. Euro müssen, zusätzlich zur Veranschlagung und Bewilligung im Haushalt und zur Beratung im Verteidigungsausschuss des Bundestages, vor dem Vertragsabschluss gesondert durch den Haushaltsausschuss freigegeben werden. Diese sogenannte „25-Millionen-Euro-Vorlage“, ehemals „50-Millionen-DM-Vorlage“, führte der Haushaltsausschuss 1981 per Grundsatzbeschluss ein.
Geschichte Bereits 1950 übertrug der damalige Bundeskanzler, Konrad Adenauer, die Leitung der Planungen für einen Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik Deutschland an Theodor Blank. Im Dezember 1950 begannen etwa 20 Mitarbeiter mit intensiven Vorarbeiten in Blanks Dienststelle mit der Bezeichnung „Der Beauftragte des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“. Bis Juni 1955 wuchs dieses sogenannte Amt Blank auf über 1300 Beschäftigte an. Es wurde am 7. Juni 1955 in Bundesministerium für Verteidigung umbenannt und die Bezeichnung auch so im kurz darauf geänderten Grundgesetz übernommen. Am 30. Dezember 1961 wurde die Bezeichnung (jedoch nicht im Grundgesetz) – als eines der klassischen Ressorts wie Auswärtiges, Finanzen, Inneres und Justiz – in Bundesministerium der Verteidigung geändert.
Von 1970 bis 2000 gab es die beiden dem Ministerium unterstellten militärischen Organisationsbereiche Zentrale Militärische Dienststellen und Zentrale Sanitätsdienststellen.
Bis 2012 gliederte sich die Bundeswehrverwaltung in Territoriale Wehrverwaltung (TerrWV) und Rüstungsbereich.
Bundesminister Nach hat der Bundesminister der Verteidigung die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Er steht an der Spitze des Ministeriums und führt gemäß Ressortprinzip () seinen Geschäftsbereich selbstständig und in eigener Verantwortung und besitzt damit Weisungsbefugnis gegenüber allen Angehörigen der Bundeswehr einschließlich der zivilen Mitarbeiter.
Wird das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen oder steht ein solches Ereignis unmittelbar bevor, können Bundestag und Bundesrat den Verteidigungsfall gem. feststellen, wodurch die Befehls- und Kommandogewalt gem. auf den Bundeskanzler übergeht.
Mit Christine Lambrecht leitete von Dezember 2021 bis Januar 2023 nach Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer zum dritten Mal in Folge eine Frau das Ministerium. Ihre Nachfolge trat am 19. Januar 2023 Boris Pistorius (SPD) an. Er gehörte zunächst dem Kabinett Scholz und seit Mai 2025 dem Kabinett Merz an.
Name Bild Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Kabinett(e) Bundesminister für Verteidigung Theodor Blank(1905–1972) 50px CDU 7. Juni 1955 16. Oktober 1956 Adenauer II Franz Josef Strauß(1915–1988) 50px CSU 16. Oktober 1956 29. Dezember 1961 Adenauer IIIAdenauer IV Bundesminister der Verteidigung Franz Josef Strauß(1915–1988) 50px CSU 30. Dezember 1961 9. Januar 1963 Adenauer IV Kai-Uwe von Hassel(1913–1997) 50px CDU 9. Januar 1963 1. Dezember 1966 Adenauer VErhard IErhard II Gerhard Schröder(1910–1989) 50px CDU 1. Dezember 1966 21. Oktober 1969 Kiesinger Helmut Schmidt(1918–2015) 50px SPD 22. Oktober 1969 7. Juli 1972 Brandt I Georg Leber(1920–2012) 50px SPD 7. Juli 1972 16. Februar 1978 Brandt IBrandt IISchmidt ISchmidt II Hans Apel(1932–2011) 50px SPD 17. Februar 1978 1. Oktober 1982 Schmidt IISchmidt III Manfred Wörner(1934–1994) 50px CDU 4. Oktober 1982 18. Mai 1988 Kohl IKohl IIKohl III Rupert Scholz(* 1937) 50px CDU 18. Mai 1988 21. April 1989 Kohl III Gerhard Stoltenberg(1928–2001) 50px CDU 21. April 1989 31. März 1992 Kohl IIIKohl IV Volker Rühe(* 1942) 50px CDU 1. April 1992 26. Oktober 1998 Kohl IVKohl V Rudolf Scharping(* 1947) 50px SPD 27. Oktober 1998 19. Juli 2002 Schröder I Peter Struck(1943–2012) 50px SPD 19. Juli 2002 22. November 2005 Schröder ISchröder II Franz Josef Jung(* 1949) 50px CDU 22. November 2005 28. Oktober 2009 Merkel I Karl-Theodor zu Guttenberg(* 1971) 50px CSU 28. Oktober 2009 3. März 2011 Merkel II Thomas de Maizière(* 1954) 50px CDU 3. März 2011 17. Dezember 2013 Merkel II Ursula von der Leyen(* 1958) 50px CDU 17. Dezember 2013 17. Juli 2019 Merkel IIIMerkel IV Annegret Kramp-Karrenbauer(* 1962) 50px CDU 17. Juli 2019 8. Dezember 2021 Merkel IV Christine Lambrecht(* 1965) rahmenlos|50px SPD 8. Dezember 2021 19. Januar 2023 Scholz Boris Pistorius(* 1960) rahmenlos|50px SPD 19. Januar 2023 amtierend ScholzMerz
Parlamentarische Staatssekretäre
Beamtete Staatssekretäre
Siehe auch Ehemalige Ministerien Preußisches Kriegsministerium Bayerisches Kriegsministerium Sächsisches Kriegsministerium Württembergisches Kriegsministerium Reichswehrministerium Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR Ministerium für Abrüstung und Verteidigung
Literatur Zweiter Beratungsgegenstand: Führung und Organisation der Streitkräfte im demokratisch-parlamentarischen Staat. In: Die Kirchen unter dem Grundgesetz. Führung und Organisation der Streitkräfte im demokratisch-parlamentarischen Staat. Aussprache zu den Berichten in den Verhandlungen der Tagung der Deutschen Staatsrechtslehrer zu Frankfurt am Main vom 4. bis 7. Oktober 1967. Mit Beiträgen von Martin Heckel, Alexander Hollerbach, Georg-Christoph von Unruh und Helmut Quaritsch. Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer, 1968. De Gruyter, Reprint 2013, doi:10.1515/9783110876376.157, PDF zum Download. Siegfried Mann: Das Bundesministerium der Verteidigung. Boldt, Bonn 1971, ISBN 3-87086-009-X.
Christoph Reifferscheid, Ulf Bednarz: The Federal Ministry of Defence. In: Ina Wiesner (Hrsg.) German Defence Politics (= Schriften der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation. Bd. 30). Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0824-6, S. 103–126.
Weblinks
Offizielle Website des Bundesministeriums der Verteidigung Historische Bilder und Dokumente des Bundesarchivs: Auf dem Weg zum Verteidigungsministerium. Die Zentrale für Heimatdienst und das Amt Blank 1950–1955
Einzelnachweise
Deutschland Verteidigungsministerium Kategorie:Bundesbehörde in Bonn Kategorie:Hardtberg Kategorie:Behördengründung 1955 Kategorie:Bundesbehörde in Berlin