Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Der Hauptsitz bzw. erste Dienstsitz des Bundesministeriums befindet sich in den sogenannten Kreuzbauten in der Bundesstadt Bonn, der zweite Dienstsitz in Berlin. Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Kabinett Merz ist seit dem 6. Mai 2025 Dorothee Bär (CSU).
Geschichte Die Ursprünge des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt reichen bis zum 20. Oktober 1955 zurück, als unter Bundeskanzler Konrad Adenauer das Bundesministerium für Atomfragen (BMAt) gegründet wurde. Zu dessen erstem Bundesminister wurde Franz Josef Strauß ernannt.
Das Bundesministerium für Atomfragen hatte zur Aufgabe, die friedliche Nutzung der Kernenergie voranzutreiben und war in dem zum Bürogebäude umgebauten ehemaligen Hotel Godesberger Hof in Bad Godesberg ansässig.Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik: Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 224. 1957 wurde es in Bundesministerium für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft (BMAtW) und 1961 in Bundesministerium für Atomkernenergie (BMAt) umbenannt. Mit der Umbenennung 1962 in Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung (BMwF) wurde es nun auch für die allgemeine Wissenschaftsförderung und für die Förderung der Raumfahrtforschung zuständig. Mit einer Grundgesetzänderung 1969 wurden die Kompetenzen des Bundes in der Bildungsplanung und der Forschungsförderung erweitert, das Ministerium erhielt daher den neuen Namen Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW), den es bis 1994 behielt.
1972 wurde das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) gegründet, um die Grundlagenforschung, die angewandte Forschung und die technologische Entwicklung zu fördern. Leiter der Zentralabteilung von 1971 bis 1982 war der zuvor als Oberkreisdirektor des Landkreises Hannover tätige Friedrich Bischoff.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 103. Mehr als zwei Jahrzehnte blieb es bei der Trennung der beiden Ministerien. Nach der Bundestagswahl 1994 wurden beide Ministerien zusammengelegt, das neue Ministerium erhielt die Bezeichnung Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF). Mit diesem erweiterten Kompetenzbereich bezeichnete man es mitunter als „Zukunftsministerium“. Nach dem Regierungswechsel im Jahr 1998 gab das BMBF die Abteilung Technologiepolitik an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ab und trug daher bis 2025 die Bezeichnung Bundesministerium für Bildung und Forschung. Im Kabinett Merz wurde der Bereich Bildung an das bisherige Familienministerium abgegeben, das Ressort Technologie wieder angegliedert und die Zuständigkeit für Raumfahrt explizit benannt, sodass die Bezeichnung nunmehr Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt lautet.
Zwischen 1999 und 2014 war der Berliner Dienstsitz des Ministeriums im früheren Gebäude der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR untergebracht, bevor er im November 2014 sein Gebäude am Kapelle-Ufer eröffnete. BMBF, vom 26. November 2014. Dieser bietet ausreichend Platz zur Konzentration des gesamten Ministeriums auf diesen Standort.
Aufbau mini|Hauptsitz des BMFTR in den sogenannten Kreuzbauten in Bonn mini|Berliner Dienstsitz des BMFTR am Kapelle-Ufer
Das BMFTR besteht aus neun Abteilungen. Das sind neben der Leitungsabteilung und der Zentralabteilung, die für Verwaltungsaufgaben zuständig ist: Abteilung S: Strategien und Grundsatzfragen Abteilung I: Internationales und Europa Abteilung R: Raumfahrt und Sicherheit Abteilung W: Wissenschafts- und Forschungssystem; Talente Abteilung T: Technologische Souveränität und Innovation Abteilung G: Gesundheit und Lebenswissenschaften Abteilung F: Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und nachhaltige Entwicklung Jede Abteilung besteht aus zwei oder drei Unterabteilungen und zwischen 10 und 15 Referaten. Der größere Teil der Referate befindet sich am Dienstsitz Bonn, der kleinere Teil am Dienstsitz Berlin. Insgesamt beschäftigt das BMFTR etwa 1.500 Personen. Daneben gehören zwei Parlamentarische Staatssekretäre zum Leitungsstab.
Aufgaben Zum einen ist das BMFTR maßgeblich für die Gesetzgebung in verschiedenen Bereichen verantwortlich. Zum anderen fördert das BMFTR durch finanzielle Mittel Forschung in allen Bereichen der Wissenschaft. Daneben werden der internationale Austausch in Forschung, Technologie und Raumfahrt oder dem Studium gefördert. Das Kernbudget des BMFTR (Einzelplan 30) beträgt im Jahr 2026 etwa 21,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen etwa 1,6 Milliarden Euro aus zwei Sondervermögen. Der Kernetat ist der sechstgrößte Einzelplan im Bundeshaushalt 2026. Somit ist er etwa doppelt so groß wie der des Finanzministeriums.
Wissenschaftsjahr Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt richtet seit dem Jahr 2000 die Wissenschaftsjahre aus. In jedem Wissenschaftsjahr steht eine Wissenschaftsdisziplin oder ein aktuelles Wissenschaftsthema im Mittelpunkt. Die Wissenschaftsjahre dienen dazu, gesellschaftliche Debatten über Entwicklungen in Wissenschaft und Forschung anzustoßen. Das Wissenschaftsjahr 2026 unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ wurde aus Referaten des Ministeriums mitgestaltet. Das Wissenschaftsjahr soll aufzeigen wie Forschung die Medizin verbessern kann. Insbesondere soll deutlich werden, welchen Einfluss medizinische Innovationen auf den Alltag von Patienten haben und wie KI der Früherkennung von Krankheiten dienen kann.
Förderung von Forschungsprojekten Das BMFTR stellt zunächst die Grundfinanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft sowie einen Teil der Grundfinanzierung der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sicher. Daneben fördert es im Rahmen von Förderprogrammen Forschungsprojekte, auf die sich Antragsteller bewerben müssen. Beispiele für solche Förderprogramme sind: das Forschungsrahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA)“ die „IKT2020“ mit dem Zukunftsprojekt Industrie 4.0 innerhalb der „Hightech-Strategie“ der Bundesregierung der Spitzencluster-Wettbewerb der Schwerpunkt IT-Sicherheitsforschung die „Forschung für die Produktion von morgen“ der Schwerpunkt „Religion, kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft“ die „Kopernikus-Projekte für die Energiewende“
Mit der fachlichen und administrativen Betreuung der Forschungsprojekte betraut das BMFTR sogenannte Projektträger, so zum Beispiel den DLR Projektträger, den Projektträger Jülich oder den Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik. Begleitend zu solchen Förderprogrammen werden Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit finanziert. Ein Beispiel hierfür ist der Nano Truck, der die breite Öffentlichkeit über die Nanotechnologie informieren soll. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit verantwortet das BMFTR unter anderem das Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung Deutschlands.
Des Weiteren ist das BMFTR zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Auftraggeber für die Bundesagentur für Sprunginnovation.
Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung Seit 2007 rief das BMFTR eine Reihe von Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung ins Leben, die durch Kollaborationen zwischen zahlreichen Forschungseinrichtungen Fortschritte bei wichtigen Volkskrankheiten erreichen sollen. Diese sind: Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung Deutsches Zentrum für Diabetesforschung Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung Deutsches Zentrum für Infektionsforschung Deutsches Zentrum für Lungenforschung Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen 2021 begann der Aufbau von zwei weiteren Zentren: Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit
Bundesminister seit 1955
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Kabinett(e) Bundesminister für Atomfragen 1 Franz Josef Strauß 1915–1988 CSU 20. Oktober 1955 16. Oktober 1956 Adenauer II 2 Siegfried Balke 1902–1984 CSU 16. Oktober 1956 29. Oktober 1957 Bundesminister für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft 2 Siegfried Balke 1902–1984 CSU 29. Oktober 1957 14. November 1961 Adenauer III Bundesminister für Atomkernenergie 2 Siegfried Balke 1902–1984 CSU 14. November 1961 14. Dezember 1962 Adenauer IV Bundesminister für wissenschaftliche Forschung 3 Hans Lenz 1907–1968 FDP 14. Dezember 1962 26. Oktober 1965 Adenauer VErhard I 4 Gerhard Stoltenberg 1928–2001 CDU 26. Oktober 1965 22. Oktober 1969 Erhard IIKiesinger Bundesminister für Bildung und Wissenschaft 5 Hans Leussink 1912–2008 parteilos 22. Oktober 1969 15. März 1972 Brandt I 6 Klaus von Dohnanyi * 1928 SPD 15. März 1972 17. Mai 1974 Brandt IBrandt II 7 Helmut Rohde 1925–2016 SPD 17. Mai 1974 16. Februar 1978 Schmidt ISchmidt II 8 Jürgen Schmude 1936–2025 SPD 16. Februar 1978 28. Januar 1981 Schmidt IISchmidt III 9 Björn Engholm * 1939 SPD 28. Januar 1981 4. Oktober 1982 Schmidt III 10 Dorothee Wilms * 1929 CDU 4. Oktober 1982 12. März 1987 Kohl IKohl II 11 Jürgen Möllemann 1945–2003 FDP 12. März 1987 18. Januar 1991 Kohl III 12 Rainer Ortleb * 1944 FDP 18. Januar 1991 4. Februar 1994 Kohl IV 13 Karl-Hans Laermann 1929–2024 FDP 4. Februar 1994 17. November 1994 Bundesminister für Forschung und Technologie 1 Horst Ehmke 1927–2017 SPD 15. Dezember 1972 17. Mai 1974 Brandt II 2 Hans Matthöfer 1925–2009 SPD 17. Mai 1974 16. Februar 1978 Schmidt ISchmidt II 3 Volker Hauff * 1940 SPD 16. Februar 1978 5. November 1980 Schmidt II 4 Andreas von Bülow * 1937 SPD 5. November 1980 4. Oktober 1982 Schmidt III 5 Heinz Riesenhuber * 1935 CDU 4. Oktober 1982 21. Januar 1993 Kohl IKohl IIKohl IIIKohl IV 6 Matthias Wissmann * 1949 CDU 21. Januar 1993 13. Mai 1993 Kohl IV 7 Paul Krüger * 1950 CDU 13. Mai 1993 17. November 1994 Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie 14/8 Jürgen Rüttgers * 1951 CDU 17. November 1994 27. Oktober 1998 Kohl V Bundesminister für Bildung und Forschung 15/9 Edelgard Bulmahn * 1951 SPD 27. Oktober 1998 22. November 2005 Schröder ISchröder II 16/10 Annette Schavan * 1955 CDU 22. November 2005 14. Februar 2013 Merkel IMerkel II 17/11 Johanna Wanka* 1951 CDU 14. Februar 2013 14. März 2018 Merkel IIMerkel III 18/12 Anja Karliczek* 1971 CDU 14. März 2018 8. Dezember 2021 Merkel IV 19/13 Bettina Stark-Watzinger* 1968 FDP 8. Dezember 2021 7. November 2024 Scholz 20/14 Cem Özdemir* 1965 Grüne 7. November 2024 6. Mai 2025 Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt 15 Dorothee Bär* 1978 CSU 6. Mai 2025 amtierend Merz
Parlamentarische Staatssekretäre
Beamtete Staatssekretäre
Literatur Thomas Raithel, Niels Weise: Für die Zukunft des deutschen Volkes – Das bundesdeutsche Atom- und Forschungsministerium zwischen Vergangenheit und Neubeginn 1955–1972. Wallstein, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8353-5075-5. Peter Weingart, Niels C. Taubert (Hrsg.): Das Wissensministerium. Ein halbes Jahrhundert Forschungs- und Bildungspolitik in Deutschland. Velbrück, Weilerswist 2006, ISBN 3-938808-18-7. Matthias Kölbel: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als wissenschaftspolitischer Akteur. In: Handbuch Wissenschaftspolitik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-14058-8.
Siehe auch Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
Weblinks
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
Einzelnachweise
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