mini|Das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau, 2011 mini|Innenansicht des Gebäudes in Dessau, 2005
Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) ist die zentrale Umweltbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Es gehört zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und dem Bundesamt für Strahlenschutz zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Aufgaben des Amtes sind vor allem „die wissenschaftliche Unterstützung der Bundesregierung (u. a. Bundesministerien für Umwelt, Gesundheit, Wirtschaft, Forschung, Verkehr), der Vollzug von Umweltgesetzen (z. B. Emissionsrechtehandel, Zulassung von Chemikalien, Arznei- und Pflanzenschutzmitteln) und die Information der Öffentlichkeit zum Umweltschutz“ auf Basis unabhängiger Forschung. Mit rund 1800 Mitarbeitern ist das deutsche Umweltbundesamt die größte Umweltbehörde Europas.Markus Balser, Klaus Ott: Geheime Daten – Schon lange wurden Abgas-Manipulationen vermutet. In: Süddeutsche Zeitung, 21. April 2016, S. 19: „Das Umweltbundesamt mit 1500 Mitarbeitern gilt als die größte und mächtigste Umweltbehörde Europas.“
Geschichte Im Herbst 1969 wurde Willy Brandt erster SPD-Bundeskanzler der Bundesrepublik; er bildete eine sozialliberale Koalition (Kabinett Brandt I bzw. 1972 Kabinett Brandt II). Brandt hatte schon bei seiner ersten Kanzlerkandidatur (zur Bundestagswahl 1961) einen „blauen Himmel über dem Ruhrgebiet“ gefordert.
Anfang der 1970er Jahre forderte der FDP-Politiker und damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher die Schaffung einer Umweltbehörde, analog zu bereits bestehenden Behörden in den USA und Schweden. Gegen den Widerstand vor allem von Gesundheits- und Wissenschaftsministerium, die einen Kompetenzverlust auf dem Bereich des Umweltschutzes befürchteten, wurde 1973 die Bundesstelle für Umweltangelegenheiten geschaffen und am 22. Juli 1974 in das Umweltbundesamt per „Gesetz über die Errichtung eines Umweltbundesamtes“ im Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern umgewandelt, als selbständige Bundesoberbehörde mit Sitz in Berlin.Link zum Gesetz Der Beschluss des Deutschen Bundestages vom 19. Juni 1974, der West-Berlin als Sitz des Amtes festgelegt hatte, führte am darauffolgenden Tag zu offiziellen Protesten durch das DDR-Außenministerium.Chronik 1974. Deutsches Historisches Museum; abgerufen am 19. Juni 2009.
Nach der Auflösung des Bundesgesundheitsamtes (1994) wurde das Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene (WaBoLu) in das Umweltbundesamt integriert.
Am 4. September 2023 wurde das zweite Bürogebäude am Hauptsitz in Dessau-Roßlau eingeweiht. Das Gebäude, das fast zur Hälfte aus recyceltem Baustoff errichtet wurde, soll sich energetisch selbst durch Photovoltaik und Wärmepumpe mit erneuerbaren Energien versorgen.
Dienstsitz Mit seiner Gründung nahm das Amt seinen Dienstsitz am Bismarckplatz in Berlin (West). Das Gebäude war zwischen 1935 und 1937 für die Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes durch Kurt Heinrich Tischer errichtet worden. Es steht unter Denkmalschutz;Bismarckplatz 1 Landesdenkmalamt Berlin, abgerufen am 29. März 2026. eine Sanierung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen soll bis 2027 abgeschlossen sein.
Am 2. Mai 2005 wurde der Dienstsitz des Umweltbundesamts nach Dessau-Roßlau (damals noch Dessau) verlegt.Dorothea Bethke: Umweltbundesamt. In: Bauhaus Kooperation Berlin, Dessau, Weimar: Bauhaus 100 Orte der Moderne: eine Grand Tour. Hatje Cantz, Berlin 2019, ISBN 978-3-7757-4613-7, S. 106f. In Berlin verblieb eine Niederlassung.
Präsidenten Präsidenten des Umweltbundesamtes waren der Jurist Heinrich von Lersner von der Gründung 1974 bis 1995, der Volkswirt Andreas Troge von 1995 bis 2009 sowie der Volkswirt und langjährige Präsident des Naturschutzbund Deutschland (NABU) Jochen Flasbarth von 2009 bis Dezember 2013. Im Mai 2014 wurde mit Maria Krautzberger erstmals eine Präsidentin berufen. Am 1. Januar 2020 trat Professor Dirk Messner das Amt des Präsidenten des Umweltbundesamtes an.Veröffentlichung des UBA vom 31. Juli 2019
Organisation Die Behörde hat rund 1600 Beschäftigte und Einrichtungen in Dessau-Roßlau, Berlin, Bad Elster und Langen. Außerdem betreibt das UBA sieben deutschlandweit verteilte Stationen zur Messung der Hintergrundkonzentrationen von Luftinhaltsstoffen: Westerland, Zingst, Waldhof (Lüneburger Heide), Neuglobsow, Schmücke, Schauinsland, Zugspitze.
Das UBA gliedert sich in folgende Einheiten: des UBA; abgerufen am 3. Juni 2019. Zentralbereich (Administrative Steuerung und Service) Fachbereich I (Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien) Fachbereich II (Gesundheitlicher Umweltschutz, Schutz der Ökosysteme) Fachbereich III (Nachhaltige Produktion und Produkte, Kreislaufwirtschaft) Fachbereich IV (Chemikaliensicherheit) Fachbereich V (Klimaschutz, Energie, Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt)) Präsidialbereich
Das UBA verfügt an seinem Hauptsitz in Dessau sowie an seinen Außenstellen in Berlin (Grunewald bzw. City Campus bis 2025/26 und Marienfelde), Langen und Bad Elster über ein Umweltmanagementsystem (UMS) nach den Vorgaben des Eco Management and Audit Scheme.
Zuständigkeit Die Zuständigkeiten des Umweltbundesamts sind im Gesetz über die Errichtung eines Umweltbundesamtes geregelt.Gesetz über die Errichtung eines Umweltbundesamtes vom 22. Juli 1974 (BGBl. I S. 1505), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 30. September 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 233) geändert worden ist Demnach hat das UBA unter anderem die folgenden Aufgaben:
§ 2 Abs. 1 UBAG:
Wissenschaftliche Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit in allen Angelegenheiten des Immissions- und Bodenschutzes, der Abfall- und Wasserwirtschaft, der gesundheitlichen Belange des Umweltschutzes, insbesondere bei der Erarbeitung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften, bei der Erforschung und Entwicklung von Grundlagen für geeignete Maßnahmen sowie bei der Prüfung und Untersuchung von Verfahren und Einrichtungen. Aufbau und Führung des Informationssystems zur Umweltplanung sowie einer zentralen Umweltdokumentation, Messung der großräumigen Luftbelastung, Aufklärung der Öffentlichkeit in Umweltfragen, Bereitstellung zentraler Dienste und Hilfen für die Ressortforschung und für die Koordinierung der Umweltforschung des Bundes, Unterstützung bei der Prüfung der Umweltverträglichkeit von Maßnahmen des Bundes.
Das UBA ist im Auftrag des Ministeriums als Verwaltungsbehörde des Bundes in den genannten Aufgabengebieten tätig.
Weitere Aufgaben Neben interner Forschung, unter anderem in eigenen Laboren, vergibt das Umweltbundesamt auch Forschungsaufträge an wissenschaftliche Einrichtungen und Institute.
Zur Unterstützung seiner Arbeit bedient sich das Umweltbundesamt verschiedener wissenschaftlicher Kommissionen, in denen externe Experten vertreten sind und das Umweltbundesamt fachlich beraten. Die Kommissionen sind unter anderem: Kommission Bewertung wassergefährdender Stoffe (KBWS) Kommission Bodenschutz Kommission Human-Biomonitoring Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt (KLU) Schwimm- und Badebeckenwasserkommission (BWKInformationsseite des Bundesministeriums für Gesundheit, dessen Fachkommission dieses beim Umweltbundesamt angesiedelte Gremium ist) Trinkwasserkommission Ressourcenkommission
Weiterhin existiert noch der Fachbeirat Bodenuntersuchungen
Sonstiges CO2-Rechner des Umweltbundesamtes Seit 2007 bietet bzw. fördert das Umweltbundesamt einen CO2-Rechner, mit dem die persönliche Kohlendioxid-Bilanz errechnet werden kann. Der Rechner bietet einen Überblick über den aktuellen persönlichen CO2-Fußabdruck, die zentralen Stellschrauben (sogenannte „Big Points“) und welchen Beitrag man zukünftig für den Klimaschutz leisten könnte.
Im März 2024 wurde die Art der Berechnung der CO2-Emissionen aus dem Heizen mit Holz des CO2-Rechner des Umweltbundesamtes für Privatpersonen angepasst. Dies führte zu einer kontroversen Diskussion unter Waldbesitzern und in der Bioenergiewirtschaft. Am 13. September 2024 stellte die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag eine Kleine Anfrage zum Thema „Hintergründe zum CO2-Rechner des Umweltbundesamts“ (Drucksache 20/12867) an die Bundesregierung, die mit Drucksache 20/13242 beantwortet wurde.
Siehe auch
Umweltbundesamt (Österreich)
Weblinks
Website des Umweltbundesamtes Literaturrecherche in der UBA-Bibliothek (inkl. Zeitschriftenartikel)
Umweltbundesamt (Hrsg.): 40 Jahre Umweltbundesamt. 1974–2014, Dessau-Roßlau 2014 CO2-Rechner des Umweltbundesamtes
Einzelnachweise
Kategorie:Umwelt- und Naturschutzbehörde (Deutschland) Kategorie:Bundesbehörde (Deutschland) Kategorie:Organisation (Dessau-Roßlau) Kategorie:Bundesbehörde in Berlin Kategorie:Ressortforschungseinrichtung Kategorie:Behördengründung 1974