Der FC Sachsen Leipzig war ein Leipziger Fußballverein aus dem Stadtteil Leutzsch. Er entstand 1990 aus der Fusion der Vereine FC Grün-Weiß Leipzig und BSG Chemie Böhlen. Nach Abschaffung der DDR-Oberliga spielte die erste Fußballmannschaft zunächst in der Oberliga Nordost als höchster Spielklasse auf dem Gebiet der neuen Bundesländer, später aber nur noch dritt- bis fünftklassig. Nach anhaltenden finanziellen Problemen wurde der Spielbetrieb zum 30. Juni 2011 eingestellt und der Verein ging in die Insolvenz. Laut Vereinsregister ist er nicht gelöscht.
Einer der beiden Vorgängervereine, die BSG Chemie Leipzig, gewann 1951 und 1964 die Meisterschaft der DDR-Oberliga.
Geschichte Vorgängervereine 1932 bis 1949
mini|hochkant=1.5|Historische Namensentwicklung des FC Sachsen Leipzig und seiner Vorgänger. Im Leipziger Stadtteil Leutzsch gründete sich 1932 der Sportverein für Turnen und Rasenspiele 1932 Leipzig – kurz TuRa – als Werksmannschaft des Leipziger Automatenfabrikanten Carl M. Schwarz. Erste Spielstätte der Fußballabteilung des TuRA war zunächst ein Sportplatz am Cottaweg. Später wurde jedoch im 1915 erbauten Leutzscher Stadion gespielt. Die Mannschaft wurde 1936 Leipziger Bezirksklassenmeister und qualifizierte sich damit für die Gauliga Sachsen, damals eine der 16 höchsten deutschen Fußballklassen. Am 14. November 1938 fusionierte TuRa mit dem Leipziger SV 1899 zum SV TuRa 1899. Die Fußballmannschaft hielt sich bis 1942 in der Gauliga, stieg dann jedoch als Tabellenvorletzter ab. In Saison 1943/44 spielte noch einmal eine so genannte Kriegssportgemeinschaft von TuRa und der SpVgg Leipzig in der Gauliga Sachsen.
1949 bis 1990
Nach der Auflösung aller Sportvereine nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde am 16. Februar 1946 die Sportgemeinschaft (SG) Leipzig-Leutzsch gegründet, größtenteils aus Spielern von TuRa Leipzig bestehend. Sportwettkämpfe durften zunächst jedoch nur regional begrenzt ausgetragen werden und so traten die erste Fußballmannschaft in der Bezirksstaffel Leipzig-Süd an. Dort belegte die erste Mannschaft in Saison 1946/47 den 3. und in Saison 1947/48 den 2. Tabellenplatz. In Saison 1948/49 wurde die erste Mannschaft Leipziger Bezirksmeister. In der anschließenden Sachsenmeisterschaft wurde die Mannschaft lediglich 3. und qualifizierte sich deshalb zwar nicht für die 2. Ostzonenmeisterschaft wohl aber für die ab Saison 1949/50 eingeführte höchste ostdeutsche Fußballklasse DS-Liga.
Am 21. März 1949 fusionierte die SG Leipzig-Leutzsch mit den Sportgemeinschaften Lindenau-Hafen, Lindenau-Aue, Leipzig-Mitte und Böhlitz-Ehrenberg zur Zentralen Sportgemeinschaft (ZSG) Industrie. Am 1. April 1949 spaltete sich die ZSG Industrie Leipzig/Abteilung Leutzsch ab.
Aufgrund der Neuorganisation der DDR-Sportvereine auf Basis von Betriebssportgemeinschaften (BSG) wurde die ZSG am 16. August 1950 in die BSG Chemie Leipzig umgewandelt. Als Trägerbetrieb fungierte der chemische Betrieb VEB Lacke und Farben Leipzig.
Vereinsgeschichte des FC Sachsen Leipzig mini|Jimmy Hartwig (2. v. rechts) als Trainer des FC Sachsen Leipzig Entstehung In der Saison 1989/90 belegte die BSG Chemie Leipzig den 2. Platz der DDR-Liga. Infolge der Wende wurde der Sport in Ostdeutschland neu organisiert. So wurde die bisherige BSG Chemie Leipzig am 30. Mai 1990 umbenannt in FC Grün-Weiß 1990 Leipzig. Aufgrund des für den DDR-Fußball vereinbarten Eingliederungsverfahrens in den gesamtdeutschen Fußball hätte dieser Verein lediglich drittklassig spielen dürfen. Deshalb erfolgte ein Fusionsangebot an den aus der BSG Chemie Böhlen hervorgegangenen FSV Böhlen, der in der vorangegangenen Saison in der DDR-Fußball-Liga Staffel B den Aufstiegsplatz zur DDR-Oberliga erreicht hatte. Nachdem der sich in angespannter finanzieller Lage befindliche FSV Böhlen das Angebot angenommen hatte, entstand durch die Fusion der Fußballabteilungen beider Vereine am 1. August 1990 der FC Sachsen Leipzig, der das Aufstiegsrecht in die Oberliga wahrnahm.
In der folgenden und letzten Oberliga-Saison belegte der FC Sachsen Leipzig den 12. Tabellenplatz und durfte an der Qualifikationsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen. Hier belegte die Mannschaft jedoch in der Gruppe 2 den letzten Platz und musste somit in die neue drittklassige Fußball-Oberliga Nordost absteigen.
Drittklassigkeit Ab 1991 startete der FC Sachsen Leipzig in der Staffel Süd der Oberliga Nordost. In der ersten Saison belegte der Verein – obwohl direkt aus der DDR-Oberliga kommend – lediglich den fünften Tabellenplatz. In der Saison 1992/93 gewann der Verein die Meisterschaft der Staffel Süd. An den Relegationsspielen zum Aufstieg in die 2. Bundesliga durfte der FC Sachsen Leipzig jedoch nicht teilnehmen, weil die Lizenz für die 2. Bundesliga dem Verein vom DFB verweigert wurde. Stattdessen nahm der zweitplatzierte Bischofswerdaer FV 08 an den Relegationsspielen teil. Im gleichen Jahr gelang dem FC Sachsen Leipzig durch ein 2:0 gegen den Dresdner SC der Gewinn des Sachsenpokals.
In Saison 1993/94 qualifizierte sich der FC Sachsen Leipzig mit Tabellenplatz vier für die neu geschaffene Regionalliga. Erneut gewann der Verein auch den Sachsenpokal, im Finale wurde der VFC Plauen mit 2:1 besiegt. In der Regionalliga Nordost 1994/95 erreichte der FC Sachsen Leipzig hinter dem FC Carl Zeiss Jena den 2. Tabellenplatz und scheiterte somit nur knapp am Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der Sachsenpokal wurde mit einem 2:0-Sieg über Dynamo Dresden II zum dritten Mal in Folge gewonnen.
Finanzprobleme und erste Insolvenz mini|Derby-Eintrittskarte aus der Saison 1999/2000 In den Folgejahren belegte der Verein in der Regionalliga zumeist Plätze in der oberen Tabellenhälfte. Durch ständige Trainerwechsel und immerwährende „Neuanfänge“ geriet der Verein jedoch in Finanzprobleme. Im Frühjahr 1999 konnte der FC Sachsen Leipzig 1999 nur durch eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Kinowelt von Michael Kölmel vor einer Insolvenz bewahrt werden.
In der Saison 1998/99 kam es zum ersten Mal seit 1991 wieder zu Pflichtspielen gegen den Lokalrivalen VfB Leipzig. Diese endeten mit 3:3 und einer 0:5-Niederlage für den FC Sachsen Leipzig. Sportlich verlief die Saison enttäuschend und erst am 31. Spieltag stand trotz einer 0:2-Niederlage gegen den FSV Zwickau der Klassenerhalt fest.
In die darauffolgende Saison 1999/2000 startete der FC Sachsen Leipzig mit drei Siegen in Folge und gewann beide Spiele gegen den VfB Leipzig mit 2:0 bzw. und 1:0. Dies waren die ersten Siege gegen den VfB Leipzig bzw. seine Vorgängervereine seit 23 Jahren. Am Ende der Saison belegte der FC Sachsen Leipzig den 6. Platz und qualifizierte sich somit für die neue zweigleisige Regionalliga.
In der neuen Staffel Nord spielte man 2000/01 die gesamte Saison über kontinuierlich gegen den Abstieg, der erst am letzten Spieltag endgültig verhindert wurde. Die finanziellen Probleme des Vereins hatten sich jedoch in der Zwischenzeit weiter verschärft. Für den Verbleib in der Regionalliga forderte der DFB eine Bürgschaft in Höhe von 5,9 Mio. DM. Kölmels Firmen Sportwelt und Kinowelt befanden sich jedoch zur gleichen Zeit ebenfalls in finanziellen Problemen und konnten die Bürgschaft nicht hinterlegen.Sportwelt zieht sich bei Fortuna Düsseldorf zurück. new business, 6. November 2001, abgerufen am 2. Juli 2009.Regionalliga: Keine Lizenz für Ulm, Leipzig und Göttingen. Spiegel Online, 13. Juni 2001, abgerufen am 23. Oktober 2009. Daraufhin wurde dem Verein die Lizenz für die Folgesaison verweigert, was zum Zwangsabstieg in die viertklassige Oberliga Nordost führte. Das Präsidium des Vereins trat zurück, und das neue Notpräsidium beantragte beim Amtsgericht Leipzig die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
Neuanfang in der Oberliga mini|130px|Erstes Logo des FC Sachsen Leipzig bis 2006 Nach der Insolvenz musste der Verein eine neue Mannschaft aufbauen. Ziel war das Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes in der Saison 2001/02. Dieses Ziel wurde erreicht, der Verein belegte am Ende der Saison Tabellenplatz 5.
Nach dieser „Konsolidierungssaison“ wollte der Verein wieder um den Aufstieg mitspielen, wofür der Kader verstärkt wurde. Tatsächlich gelang es, in der Saison 2002/03 in der Spitze mitzuspielen. Auch der VfB Leipzig wurde in beiden Meisterschaftsspielen besiegt – 1:0 im Alfred-Kunze-Sportpark und 3:0 im Bruno-Plache-Stadion. Aufgrund der Liquidation des VfB Leipzig nach dessen zweiter Insolvenz waren dies die letzten Pflichtspiel-Derbys für die folgenden sechs Jahre. Schlussendlich belegte der FC Sachsen Leipzig am Ende der Saison den 1. Tabellenplatz mit einem Punkt Vorsprung vor dem Zweitplatzierten FC Carl Zeiss Jena. In den Relegationsspielen um den Aufstieg besiegte man den Erstplatzierten der Nordstaffel FC Schönberg 95 mit 2:0 und 1:0 und stieg so in die Regionalliga auf – der erste Aufstieg aus eigener Kraft seit 1985.
Für die Regionalliga war der FC Sachsen Leipzig jedoch spielerisch zu schwach besetzt. Mit nur vier Siegen und 24 Punkten aus 34 Spielen stieg der Verein sofort wieder ab. Im Laufe dieser Saison 2003/04 gab es beim FC Sachsen Leipzig insgesamt vier Trainerwechsel und der Verein stand an 30 der 34 Spieltage auf einem Abstiegsplatz. Seit dem Spiel gegen Borussia Dortmund II trug der FC Sachsen Leipzig seine Heimspiele im Zentralstadion aus.
In Saison 2004/05 spielte der Verein wieder in der Oberliga Nordost, Staffel Süd. Beabsichtigt war das Mitspielen um den sofortigen Wiederaufstieg, weshalb Wolfgang Frank als Trainer verpflichtet wurde. Nach anfänglich schwierigem Start und darauffolgendem Rücktritt des Präsidiums in Person von Christian Rocca erzielte der FC Sachsen Leipzig bessere Spielergebnisse. Neuer Präsident wurde Rolf Heller, die Saison wurde auf Tabellenplatz drei beendet. Außerdem gewann der FC Sachsen Leipzig durch ein 2:1 n. V. gegen den Chemnitzer FC zum vierten und letzten Mal den Sachsenpokal. In der Folgesaison erreichte der Verein ebenfalls Tabellenplatz 3, nachdem Trainer Wolfgang Frank im Oktober 2005 entlassen und durch Hans-Jörg Leitzke ersetzt worden war.
Erneute Schwierigkeiten und zweite Insolvenz In Saison 2006/07 wollte der Verein unbedingt aufsteigen, weshalb viel Geld investiert wurde. Der Saison-Etat stieg auf 3,15 Millionen Euro. Zudem wurde Eduard Geyer als Sportdirektor vorgestellt und weitere Spieler wie beispielsweise Rolf-Christel Guié-Mien verpflichtet. Nach ausbleibendem Erfolg rückte Eduard Geyer auf die Position des Trainers. Um den Jahreswechsel 2006/07 wurde mit dem österreichischen Getränkehersteller Red Bull über die Übernahme des Vereins und Umbenennung in Red Bull Leipzig verhandelt. Nach monatelangen Protesten und angesichts der Tatsache, dass das Statut des DFB Änderungen von Vereinsnamen zugunsten eines Sponsors verbot, scheiterten die Verhandlungen.Christoph Ruf: „Red Bull in Leipzig – "Wir würden selbst den Teufel mit offenen Armen empfangen"“, Spiegel Online, 17. Juni 2009, abgerufen am 6. Oktober 2009., LEIPZIGINFO.DE, 21. Februar 2007, abgerufen am 30. Dezember 2013. Der FC Sachsen Leipzig spielte danach auch eine unzureichende Rückrunde und besonders die als Leistungsträger gekauften Spieler enttäuschten. Wiederholt gab es Protestaktionen der Fans wegen der schlechten Leistungen der Mannschaft. Zum angestrebten Aufstiegsplatz fehlten am Ende 8 Punkte und über Tabellenplatz 4 kam der Verein in der ganzen Saison nicht hinaus.
mini|links|hochkant=1.5|Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena II am 25. Mai 2008