mini|Landkreis Kassel Der Landkreis Kassel ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im gleichnamigen Regierungsbezirk Kassel (Nordhessen). Der Norden des Landkreises ist ländlich geprägt; der Süden bildet die Vororte der kreisfreien Großstadt Kassel, die fast vollständig vom Landkreis umgeben ist. In der Stadt Kassel befindet sich der Sitz der Kreisverwaltung.
mini|Landschaft bei Viesebeck, im Hintergrund der Isthaberg
Geographie Lage In groben Zügen beschrieben, liegt das Kreisgebiet zwischen der Diemel im Norden, der Weser und der Fulda im Osten und reicht bis in die Nähe der Eder im Süden, wobei das Gebiet der kreisfreien Stadt Kassel im Südosten als Enklave ausgespart bleibt. Gleichwohl ist sie Namensgeber des Landkreises und Sitz der Kreisverwaltung. Von Westen nach Osten und von Norden nach Süden aufgezählt liegen im Landkreis Kassel folgende Landschaften: der Alte Wald; das Wolfhagener Becken und der Elbergrund; im Zentrum das Habichtswälder Bergland mit dem Hohen Gras als Gipfel (); die Hofgeismarer Rötsenke und das Kasseler Becken; der zum Weser-Leine-Bergland zählende Reinhardswald westlich der Weser und das Nordende des Bramwaldes östlich davon; östlich von Kassel Teile des Kaufunger Waldes und der Söhre.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an den Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen, an die Landkreise Northeim und Göttingen in Niedersachsen sowie an den Werra-Meißner-Kreis, den Schwalm-Eder-Kreis und den Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen. Grenznah liegt der niedersächsische Landkreis Holzminden, der jedoch wegen eines Landzipfels von Nordrhein-Westfalen nicht an den Landkreis Kassel grenzt.
Vorgeschichte Die Wartberg-Kultur (auch Wartbergkultur oder Wartberg-Gruppe) ist eine Kultur der späten Jungsteinzeit (Spätneolithikum), benannt nach ihrem eponymen Fundort, dem in Nordhessen beim Niedensteiner Stadtteil Kirchberg gelegenen Wartberg. Der Verbreitungsschwerpunkt der Wartberg-Kultur lag u. a. in Nordhessen. Die bis in die Gegend von Züschen, südwestlich von Kassel, vorkommenden Galeriegräber sind Zeugnisse der Kultur und heißen auch „hessisch-westfälische Steinkisten“.
Geschichte Große Teile des heutigen Kreisgebietes sind deckungsgleich mit dem Kernsiedlungsraum der germanischen Chatten, den Vorfahren der Hessen. Das heutige Kreisgebiet war im frühen Mittelalter zwischen verschiedenen Herrschaften (Landgrafschaft Hessen, Kurmainz, Hochstift Paderborn, Kurköln und Herzogtum Braunschweig) zersplittert und umstritten. Doch kam fast das ganze Gebiet sehr bald nach Konstituierung der Landgrafschaft Hessen unter einheitliche Oberhoheit und dann später zur Landgrafschaft Hessen-Kassel, deren Herrscher 1803 zum Kurfürsten erhoben wurde. 1866 wurde das Kurfürstentum Hessen von Preußen annektiert und zusammen mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau und der Freien Stadt Frankfurt zur Provinz Hessen-Nassau vereinigt. In Kurhessen, nun den Regierungsbezirk Kassel bildend, wurden 1821 der Landkreis Kassel und die Kreise Hofgeismar und Wolfhagen gebildet.
Die Gemeinde Wilhelmshausen wechselte 1866 aus dem Kreis Hofgeismar in den Landkreis Kassel. Die Gemeinde Großenhof wechselte 1896 aus dem Landkreis Kassel in den Kreis Wolfhagen und wurde dort Teil der Gemeinde Martinhagen.
Am 1. April 1899 trat der Landkreis Kassel die Gemeinde Wehlheiden an die kreisfreie Stadt Kassel ab, ebenso am 1. April 1906 die Gemeinden Bettenhausen, Kirchditmold, Rothenditmold und Wahlershausen sowie am 1. Juni 1936 die Gemeinden Harleshausen, Niederzwehren, Nordshausen, Oberzwehren, Waldau und Wolfsanger.
Zu Beginn der 1970er Jahre änderten sich die Außengrenzen des Landkreises Kassel mehrfach: Am 1. Dezember 1970 wurde die Gemeinde Hohenkirchen des Landkreises Hofgeismar mit der Gemeinde Mönchehof zur neuen Gemeinde Espenau im Landkreis Kassel zusammengeschlossen. Ebenfalls am 1. Dezember 1970 wurde die Gemeinde Wickenrode aus dem Landkreis Witzenhausen mit der Gemeinde Helsa zur neuen Gemeinde Helsa-Wickenrode im Landkreis Kassel zusammengeschlossen. Am 31. Dezember 1971 wurde die Gemeinde Martinhagen des Landkreises Wolfhagen in die Gemeinde Hoof des Landkreises Kassel eingegliedert.
Im Rahmen der hessischen Kreisreform wurden mit Wirkung vom 1. August 1972 die Landkreise Hofgeismar und Kassel mit dem größten Teil des Landkreises Wolfhagen sowie der Gemeinde St. Ottilien des Landkreises Witzenhausen zum neuen Landkreis Kassel zusammengefasst. Die Stadt Volkmarsen des Landkreises Wolfhagen fiel an den Landkreis Waldeck.
Die erste Gebietsänderung im Landkreis seit den 1970er Jahren ist die am 1. Januar 2020 vollzogene Fusion der Gemeinden Oberweser und Wahlsburg zur Gemeinde Wesertal.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungspyramide für den Landkreis Kassel (Datenquelle: Zensus 2011)
Die Einwohnerentwicklung ist von zwei gegensätzlichen Entwicklungen gekennzeichnet: Während Gemeinden im Zweckverband Raum Kassel (oder Altkreis Kassel) einen Bevölkerungsanstieg verzeichnen, nimmt die Einwohnerzahl an den Rändern des Landkreises weiterhin ab, insbesondere um Hofgeismar und Wolfhagen.HNA am 25. Juli 2013: „Landkreis Kassel verliert 474 Einwohner“
Jahr Einwohner Quelle 1871 39.560 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1900 53.597 1910 48.193 1925 59.234 1933 64.022 1939 50.379 1950 72.211 1960 74.300 1970 98.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 221.100 1990 231.200 2000 245.997 Hessisches Statistisches Landesamt. 2010 237.460 2015 233.623 2019 237.032 Hessisches Statistisches Landesamt (Statistik Hessen)
Politik Kreistag Für den Kreistag des Landkreises Kassel erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2026 in Vergleich gesetzt zu den Ergebnissen früherer Kreistagswahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2021Votemanager: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016 und von 2011Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2006 und 2001Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 33,02740,63344,33648,03951,54255,044 25,82124,22022,81926,22131,32530,425 16,2136,1511,09—————— 10,8914,1118,6714,5128,177,66 4,237,065,343,23———— 5,143,933,933,024,43—— 2,124,034,132,324,644,74 1,51—————————— 1,41—————————— ——————1,61———— ——————1,31———— Unabh. Unabhängige Demokraten——————————2,32Gesamt 100 81 100 81 100 81 100 81 100 81 100 81Wahlbeteiligung in %57,150,151,952,550,258,0
Landräte 1821–?: Karl Georg Koch (Kreisrat) 1832–1849: Karl Wilhelm Philipp Bockwitz (Kreisrat, Erster Kreisbeamter) 1854–1868: Friedrich Bernstein 1868–1881: Ernst von Weyrauch 1881–1907: Julius von Dörnberg 1907–1931: Gottfried Rabe von Pappenheim 1931–1933: Karl Ohle 1933–1934: Fritz Lengemann (NSDAP) 1934–1937: Walter Schultz 1937–1945: Konrad Fischer (NSDAP) 1945–1946: Gottfried Rabe von Pappenheim 1946–1951: Karl Herrmann (SPD) 1951–1972: Josef Köcher (SPD) 1. August 1972 – 18. Dezember 1974: Herbert Günther (SPD) 19. Dezember 1974 – 6. Februar 1975: Gerhard Arnold (SPD), Erster Kreisbeigeordneter 7. Februar 1975 – 6. Februar 1981: Gerhard Arnold (SPD) 7. Februar 1981 – 30. Juni 1991: Willi Eiermann (SPD) 1. Juli 1991 – 30. Juni 2009: Udo Schlitzberger (SPD)
1. Juli 2009 – 30. Juni 2021: Uwe Schmidt (SPD) seit 1. Juli 2021: Andreas Siebert (SPD)
Hoheitszeichen mini|108x108px|Kreiswappen 1952–1975
Der Landkreis Kassel führt ein Dienstsiegel, ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Flaggenbeschreibung: „Die Flagge zeigt auf einer von Rot, Weiß und Rot im Verhältnis 1:3:1 geteilten Flaggenbahn in der oberen Hälfte der weißen Mittelbahn das Wappen des Landkreises.“
Im April 1952 wurde dem Landkreis Kassel durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens nach vorgelegtem Entwurf verliehen. Wappen und Flagge wurden am 9. Mai 1975 durch den Hessischen Minister des Innern genehmigt.
Partnerregionen Der Landkreis Kassel unterhält folgende Partnerschaften: Waldviertel, Österreich (Bundesland Niederösterreich) Provinz Forlì-Cesena, Italien (Region Emilia-Romagna) Csepel-Insel, Ungarn Jaroslawl, Russland (Oblast Jaroslawl) Bistrița-Năsăud, Rumänien Dane County, Vereinigte Staaten (Wisconsin)
Tourismus und Sehenswürdigkeiten mini|Niedermeiser vom Rosenberg Der Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig für den Landkreis Kassel entwickelt. Insbesondere die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft mit historischen Fachwerk-Ortschaften sowie die ausgedehnten Naturlandschaften des Reinhardswaldes und des Habichtswälder Berglandes werden von zahlreichen Touristen aufgesucht.
Zahlreiche Figuren und Orte aus den Märchen der Brüder Grimm haben ihren Ursprung in der Gegend um Kassel. So wird das Märchen von Dornröschen auf der Sababurg im Reinhardswald, das von Rapunzel auf der Trendelburg verortet. Daher wird der Landkreis Kassel auch als „Märchenland der Brüder Grimm“ vermarktet. Die Region bildet das Zentrum der Deutschen Märchenstraße.
Mit dem Kneippkurort Naumburg, dem Mineralheilbad Bad Emstal und dem Soleheilbad Bad Karlshafen existieren drei anerkannte Kurorte im Landkreis Kassel.
Neben der Stadt Kassel mit den Parks Karlsaue und Bergpark ist auch der Landkreis Kassel mit drei Gärten stark im European Garden Heritage Network vertreten, diese sind die Parks der Schlösser Wilhelmsthal und Escheberg und der Sababurg.
Seit einigen Jahren besteht ein wachsender Aktivtourismus. Die Radwege entlang von Weser, Fulda und Diemel, der Hessische Fernradweg R4 sowie der Herkules-Wartburg-Radweg durchqueren den Landkreis. Das Angebot an Fernwanderwegen setzt sich unter anderem aus Ederseeweg, Grimmsteig, Habichtswaldsteig, Herkulesweg, Kassel-Steig, Märchenlandweg und Weserberglandweg zusammen. An zahlreichen Orten gibt es mit Eco-Pfaden kurze Rundwanderwege, an denen viele Sehenswürdigkeiten mit Hinweistafeln und zusätzlich auf einer Website erläutert werden.Webpräsenz Eco-Pfade Beliebt sind auch Kanutouren auf Fulda, Weser und Diemel und Ausflugsdampferfahrten auf den zwei erstgenannten Flüssen.
Über die Geschichte der einst nahegelegenen innerdeutschen Grenze informieren das Grenzmuseum Schifflersgrund sowie das Grenzlandmuseum Eichsfeld auf dem Gelände eines ehemaligen Grenzübergangs.
Im Jahr 2011 gab es im Landkreis Kassel 163 statistisch erfasste Übernachtungsbetriebe mit insgesamt 12.011 Betten. Auf diese entfielen 300.568 Gästeankünfte und 730.310 Übernachtungen, was einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 2,4 Tagen entspricht. Die meisten Gäste stammen aus Deutschland, 9,9 Prozent kamen aus dem Ausland.Gäste und Übernachtungen im Tourismus (Vorläufige Ergebnisse), für Kalenderjahr im Dezember-Bericht. Die wichtigsten Herkunftsländer waren die Niederlande, das Vereinigte Königreich und die skandinavischen Staaten.
Wirtschaft und Verkehr Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Kassel Platz 111 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftschancen“. In der Ausgabe von 2019 verbesserte er sich auf Platz 90 von 401 und zählt damit zu den Regionen mit „hohen Zukunftschancen“.
Straßen Durch das Kreisgebiet führen die Bundesautobahnen 7 (Würzburg–Kassel–Hannover), 44 (Kassel–Dortmund) und 49 Kassel–Neuental (Hessen). Ferner erschließen mehrere Bundesstraßen das Kreisgebiet, darunter die B 7, B 80, B 83, B 251 und die ehemalige B 520 sowie zudem viele Landes- und Kreisstraßen.
Öffentlicher Verkehr Der Landkreis Kassel gehört zum Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV).