Der Schwalm-Eder-Kreis ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Regierungsbezirk Kassel (Nordhessen). Die Kreisstadt ist Homberg (Efze). Flächenmäßig ist er der zweitgrößte Landkreis Hessens nach dem Landkreis Waldeck-Frankenberg. Er wurde 1974 im Rahmen der Gebietsreform in Hessen aus den Altkreisen Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain (letzterer außer der damaligen Gemeinde Mengsberg) sowie der Stadt Züschen aus dem ehemaligen Landkreis Waldeck gebildet.
Der Kreis enthält Teile des Knüllgebirges und des Kellerwalds und wird von der Westhessischen Senke mit ihren fruchtbaren Böden durchzogen. Die namensgebenden Flüsse Schwalm und Eder durchfließen ihn.
Der Schwalm-Eder-Kreis liegt im historischen Siedlungsgebiet der Chatten. Sein Nordteil war als Gaugrafschaft Maden die Keimzelle der Landgrafschaft Hessen, sein Südteil jahrhundertelang bis 1450 die selbständige Grafschaft Ziegenhain. Im Mittelalter war die Region von den Auseinandersetzungen zwischen Kurmainz und der Landgrafschaft Hessen gekennzeichnet.
Geographie Lage Der Schwalm-Eder-Kreis liegt im Norden Hessens und ist mit einer Fläche von Quadratkilometern der zweitgrößte Landkreis des Landes nach dem benachbarten Landkreis Waldeck-Frankenberg. Das entspricht etwa 7,3 Prozent der hessischen Landesfläche.
mini|Blick vom Heiligenberg bei Gensungen nach Westen über die typische, agrarisch geprägte Hügellandschaft des Chattengaus
Naturräumlich lässt sich der Landkreis grob in drei Gebiete einteilen. Das Zentrum durchzieht in einer etwa zehn Kilometer breiten Schneise die Westhessische Senke, die sich hessenweit von Bad Karlshafen bis zum Vogelsberg erstreckt. Das Gelände in der Senke ist von einer aus flachen Schwellen und Rücken bestehenden Hügellandschaft geprägt, nur in den Flussniederungen von Schwalm, Eder und Fulda ist es eben. Im nördlichen Teil erheben sich eine Anzahl von Basaltkegeln. Westlich der Senke befindet sich das Westhessische Bergland, das von bewaldeten Bergkuppen bestimmt wird. Dazu gehören allerdings nur Teile der Gemeinden Bad Zwesten, Jesberg und Gilserberg, denn dieser Naturraum erstreckt sich mehrheitlich über den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Östlich der Senke befindet sich das Osthessische Bergland, das fast die Hälfte des Kreisgebietes umfasst. Dazu gehören das markante Mittelgebirge des Knülls und dessen Ausläufer, die sich über das Gebiet von acht Städten und Gemeinden des Landkreises erstrecken.
Die höchste Erhebung des Landkreises ist mit der Wüstegarten im Kellerwald bei Jesberg an der Kreisgrenze zu Waldeck-Frankenberg.Hessischer Landkreistag: Schwalm-Eder-Kreis. Abgerufen am 10. Oktober 2012. Der niedrigste Punkt befindet sich mit an der Fulda in der Gemeinde Guxhagen im Norden des Kreises.
Nachbarkreise Der Schwalm-Eder-Kreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Hersfeld-Rotenburg, Vogelsbergkreis, Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg.
Geologie mini|Der Scharfenstein, ein Basaltkegel bei Gudensberg Im östlich gelegenen Knüllgebirge und im westlichen Teil des Kreises bei Gilserberg dominieren im älteren Trias entstandene Formationen des Mittleren Buntsandsteins. Unterer Buntsandstein kommt hingegen nur lokal vor. Die Verwitterungsböden beider Gesteine sind allgemein sauer bis schwach basenhaltig und nährstoffarm. Der überwiegende Teil dieser Böden ist von Wald bedeckt.
Im Raum Fritzlar lassen sich jüngere Vorkommen des Oberen Buntsandsteins finden, der wegen seiner rötlichen Farbe auch Röt-Formation genannt wird. Diese Vorkommen bilden feinkörnige, tonig-schluffige Böden mit unterschiedlichen Kalkgehalten und plattig-tonigen Mergeln mit trockenen Standortverhältnissen. Bei Ottrau, Oberaula und Gilserberg gibt es zudem kleinere Kalkvorkommen.
In der Gudensberger Kuppenschwelle und im Knüll ragen Basaltkegel aus dem Boden. Diese verstreuten Basaltdurchbrüche sind auf vulkanische Tätigkeit im Tertiär zurückzuführen. Die Verwitterungsböden sind nährstoffreicher als die des Buntsandsteins und höher basengesättigt. Wegen der Höhenlage, der steilen Hänge und des hohen Steingehalts im Boden des Knüllgebirges wird das dortige Land meist nicht landwirtschaftlich genutzt. In der Regel sind sie bewaldet oder bilden Felsen und Blockfelder.
In der Westhessischen Senke sind für den Schwalm-Eder-Kreis zwei Gebiete auszumachen. Im nördlichen Teil des Kreises treten mesozoische Gesteine an die Oberfläche, ähnlich wie die Basaltdurchbrüche im Knüllgebirge. Im südlicher gelegenen Hessengau hingegen herrschen tertiäre Sedimente mit Sand-, Kies- und Tonlagen vor, in die bei Borken ergiebige Braunkohlevorkommen eingelagert sind. Die Senke wird auch von großen Lössablagerungen bestimmt. Sie sind im Pleistozän durch Windeinwirkung entstanden und haben sich an vielen Stellen in unterschiedlich starken Schichten ab- und umgelagert. Diese Ablagerungen bilden meist landwirtschaftlich ertragreiche Böden. Die jüngsten Ablagerungen der Quartärformation bestehen in der Regel aus Sanden bis Lehmen mit unterschiedlichen Kies- und Steingehalten. Sie lagern in den Talauen und werden bis heute durch Fluss- und Bachdynamik sowie Starkregenfälle angeschwemmt und umgelagert. Die Verwitterungsböden können fruchtbare Auenböden und bei hohen Wasserständen Gleye oder bei sandig-kiesigem Substrat trockene Standorte bilden.
Flüsse und Gewässer
mini|Die Schwalm durchfließt das Hochwasserrückhaltebecken Treysa-Ziegenhain.
Die größten Flüsse des Landkreises sind Schwalm, Eder und Fulda. Die Schwalm, die der Landschaft Schwalm den Namen gab, entspringt im Vogelsberg südlich der Kreisgrenze, durchfließt ihn in Süd-Nord-Richtung und mündet bei Rhünda in die Eder. Die Eder hat ihre Quelle im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen, verläuft im Norden des Kreises in West-Ost-Richtung und mündet bei Grifte in die Fulda. Die Fulda durchfließt aus der Rhön kommend den Nordosten des Landkreises. Die Fließgewässer des Landkreises gehören fast vollständig zum Wassereinzugsgebiet der Weser. Die Wasserscheide befindet sich im Raum Gilserberg, von wo der Josbach über Ohm und Lahn in den Rhein fließt.
Entlang der Schwalm kommt es besonders während der Schneeschmelze immer wieder zu Hochwasser. Nach einem verheerenden Hochwasser im Dezember 1960 wurde zwischen 1967 und 1972 das Hochwasserrückhaltebecken Treysa-Ziegenhain gebaut. Geplante ähnliche Rückhaltebecken bei Wallenstein und im Gilsatal scheiterten an den ungünstigen geologischen Verhältnissen und an der Finanzierung.
Die stehenden Gewässer sind künstlich entstanden. Ihre Gruben dienten vorher dem Abbau von Kies, Sand, Braunkohle oder anderen Rohstoffen. Die meisten Seen im Kreisgebiet gibt es im Borkener Seenland. Dort befindet sich mit dem Borkener See auch der größte See des Landkreises. Beliebte Badeseen sind die Stockelache, der Neuenhainer See und der Silbersee; alle drei verfügten bei Messungen der vergangenen Jahre stets über eine ausgezeichnete Wasserqualität.
Gemeinden
Stadt Einwohner Borken (Hessen) Felsberg Fritzlar, Dom- und Kaiserstadt Gudensberg Homberg (Efze), ReformationsstadtKreisstadt Melsungen Neukirchen Niedenstein Schwalmstadt, Konfirmationsstadt Schwarzenborn Spangenberg, Liebenbachstadt
Gemeinde Einwohner Bad Zwesten Edermünde Frielendorf, Marktflecken Gilserberg Guxhagen Jesberg Knüllwald Körle Malsfeld Morschen Neuental Oberaula Ottrau Schrecksbach Wabern Willingshausen
Naturschutzgebiete
mini|Der Borkener See bildet mit 332 Hektar das größte Naturschutzgebiet des Schwalm-Eder-Kreises.
Auf dem Gebiet des Schwalm-Eder-Kreises befinden sich 34 Naturschutzgebiete. Das älteste und kleinste ist mit 2,36 Hektar der Eichelskopf bei Homberg/Efze, dessen bedeutendster Teil ein ehemaliges Tuffbruchgelände ist. Der Borkener See ist mit 332 Hektar das bei weitem größte Gebiet des Landkreises. Die Ausweisung von Naturschutzgebieten setzte erst nach Bildung des Kreises ein. Die meisten Gebiete dienen dem Schutz von Fließgewässern mit ihren Auen sowie von Teichen und Seen. Trockenbiotope treten dagegen aufgrund der geologischen Gegebenheiten in den Hintergrund. Im westlichen Teil des Kreises befindet sich ein Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee, dessen südlichster Punkt bei Gilserberg liegt und östlichster Punkt in der Nähe Bad Zwestens. Im Südosten des Kreises liegt der bis in den Kreis Hersfeld-Rotenburg reichende Naturpark Knüll.
Wie viele andere Naturschutzgebiete im Schwalm-Eder-Kreis geht die Entstehung des Borkener Sees auf den eingestellten Bergbau in der Region zurück. Er entstand durch Quellschüttungen und Oberflächenwasser, nachdem ab 1980 das Grundwasser nicht mehr abgepumpt wurde. Der Goldbergsee bei Ostheim entstand ebenfalls aus einer Braunkohlegrube und beherbergt neben verschiedenen Pflanzengesellschaften auch Brut- und Rastplätze für Wasservögel. Die Kiesteiche Altenburg in Felsberg, der Reiherteich bei Böddiger, die Ederauen bei Obermöllrich und die Schlämmteiche bei Geismar waren früher Kiesgruben und dienen heute dem Vogel- und Pflanzenschutz.
Gebiete, die bedrohte Vegetation schützen, enthalten Feucht- und Frischwiesen sowie Schilfflächen und Waldstücke. Dazu gehören der Flachsrasen bei Dittershausen, die Rohrerlen bei Werkel, die Aue bei Malsfeld und das Tal des Ohe- und Hümerbaches bei Großropperhausen. Dort befinden sich alte Weiden- und Erlenbestände, Eschen-Mischwald, Eichen-Hainbuchen und Buchen-Laubmischwälder.
Geschichte
mini|hochkant|Bonifatius-Denkmal vor dem Dom in Fritzlar
Vorgeschichte und Mittelalter Zahlreiche Funde aus der Steinzeit deuten darauf hin, dass das heutige Kreisgebiet schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Um die heutigen Kleinstädte Felsberg, Fritzlar, Gudensberg und Niedenstein befand sich das Kerngebiet der Chatten, daher trägt die Region auch den Namen Chattengau. Die größte Fliehburg der Chatten dürfte die Altenburg bei Niedenstein gewesen sein, die etwa ab 2000 v. Chr. besiedelt wurde. Funde von Goldmünzen, Bronzegegenständen und Glaserzeugnissen sprechen dafür, dass das Oppidum ein wichtiger regionaler Handelsplatz war. Die datierbaren Funde hören kurz vor der Zeitenwende auf. Möglicherweise wurde die Anlage im Laufe des Rachefeldzuges des römischen Feldherrn Germanicus gegen die Chatten 15 n. Chr. aufgegeben oder zerstört. Tacitus berichtet, dass der Hauptort der Chatten, Mattium, niedergebrannt wurde, und dass die Römer zuvor die Eder nach Norden überquert hatten. Bis heute ist unklar, wo dieser Ort lag. Einige Historiker nehmen daher an, dass es sich bei Mattium nicht um eine begrenzte Örtlichkeit, sondern um ein größeres Gebiet handelt, das aus diversen Einzelgehöften und Fliehburgen mit Ringwällen bestand. Die Altenburg wäre demnach ein Glied einer Ringwallkette gewesen, die möglicherweise die Ebene von Maden, mit der Mader Heide, und den Niedensteiner Stadtteil Metze umfasste. In diesen Gebiet befanden sich die wichtigsten religiösen, politischen und rechtlichen Stätten der Chatten.
Laut der Vita Sancti Bonifatii des Willibald von Mainz fällte der angelsächsische Missionar und Kirchenorganisator Bonifatius im Jahr 723 n. Chr. bei Fritzlar einen dem germanischen Gott Donar (Thor) geweihten Baum, die Donareiche. Aus ihrem Holz ließ er eine Kapelle errichten, an deren Stelle heute der Fritzlarer Dom steht. Das mit der Kapelle verbundene Kloster und die westlich davon gelegene Königspfalz, die Karl der Große 775 erbauen ließ, verschafften Fritzlar eine bedeutende Stellung im karolingischen Reich. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu zahlreichen Königs- und Kaiserbesuchen sowie zu Reichs- und Kirchenversammlungen. 919 wurde der sächsische Herzog Heinrich in Fritzlar zum König gewählt.