Der Werra-Meißner-Kreis ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Kassel (Nordhessen). Die Kreisstadt ist Eschwege.
Geographie Lage Namensgebend für den Werra-Meißner-Kreis ist einerseits der Fluss Werra, der von Thüringen kommend das Kreisgebiet im Südosten erreicht, das nordöstliche Kreisgebiet durchfließt und nordwestlich von Witzenhausen das Kreisgebiet wieder verlässt, um in Hann. Münden zusammen mit der Fulda die Weser zu bilden. Andererseits namensgebend ist der Hohe Meißner, der Teil des Fulda-Werra-Berglands im Osthessischen Bergland ist und zudem mit der höchste Berg des Landkreises und im Nordosten Hessens ist.
Neben dem Hohen Meißner zählen zum Werra-Meißner-Kreis die Höhenzüge und Gebirge Gobert, Kaufunger Wald, Ringgau, Schlierbachswald und Stölzinger Gebirge. Durchflossen wird der Kreis unter anderem von den Fließgewässern Berka, Frieda, Gelster, Losse, Sontra, Wehre und Werra. Ein Großteil des Kreisgebiets bzw. sein Nordwestteil wird von Teilen des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land eingenommen.
Nachbarkreise Der Werra-Meißner-Kreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den niedersächsischen Landkreis Göttingen, die thüringischen Landkreise Eichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis und Wartburgkreis sowie an die hessischen Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder-Kreis und Kassel.
Geschichte Das Kreisgebiet gehörte schon ab dem 13. Jahrhundert zur Landgrafschaft Hessen, später zu Hessen-Kassel, das Anfang des 19. Jahrhunderts zum Kurfürstentum Hessen aufstieg. Im Jahre 1821 entstanden innerhalb des Kurfürstentums die beiden Landkreise Eschwege und Witzenhausen, die auch nach 1866 weiter bestanden, als das Kurfürstentum Hessen Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau wurde. Im Rahmen der hessischen Kreisreform wurden beide Landkreise am 1. Januar 1974 zum Werra-Meißner-Kreis vereinigt. Zur Kreisstadt wurde Eschwege, da die Stadt etwas zentraler liegt und auch größer ist als Witzenhausen.
2010 wurden die Krankenhäuser in Eschwege und Witzenhausen zum Klinikum Werra-Meißner verschmolzen.Tobias Stück: Eschweger Klinik wurde vor 150 Jahren eingeweiht in Klinikum Plus, Ausgabe 1/2025, Hrsg. Klinikum Werra-Meißner, 2025
Das von Anfang 2023 bis Ende 2024 im Landkreis angesiedelte Reallabor Werra-Meißner-Kreis widmet sich der Stärkung regionalen und kooperativen Wirtschaftens.
Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Werra-Meißner-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Werra-Meißner-Kreis, Alter + Geschlecht)
Jahr Einwohner Quelle 1975 121.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1976 1980 118.500 1990 116.500 2000 113.962 Hessisches Statistisches Landesamt 2010 104.027 2015 100.156
Konfessionsstatistik Laut der Zensus 2022 waren mit Stand Mai 2022: 55,9 % der 98.431 Einwohner evangelisch, 10,6 % römisch-katholisch und 33,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank, Code: 1000A-1018, Personen: Religion - Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - Navigationshilfe in der Datenbank: wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“ Die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder ist seitdem gesunken. Ende 2025 gab es im Werra-Meißner-Kreis 51.270 evangelische Gemeindeglieder.Kirchen im Werra-Meißner-Kreis verlieren weiter Gläubige
Politik Kreistag Für den Kreistag des Werra-Meißner-Kreises erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2026 in Vergleich gesetzt zu den Ergebnissen früherer Kreistagswahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2021Votemanager: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016, von 2011 und von 2006Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 27,91432,82041,82544,12749,33049,430 25,81330,41930,71931,01931,92029,318 9,7513,287,6511,874,835,74 12,8710,3610,665,946,247,95 15,585,23———————— 5,534,134,533,420,4——— 2,714,024,933,925,535,63LinksLinksbündnis Werra-Meißner————————2,01—— ——————————2,21Gesamt 100 51 100 61 100 61 100 61 100 61 100 61Wahlbeteiligung in Prozent58,856,153,554,254,358,1
SPD und Grüne haben 2021 einen Koalitionsvertrag geschlossen und zusammen mit der Linkspartei eine Kooperation vereinbart.
Landräte Landkreis Eschwege 1868: Karl August Friedrich Groß 1885: Emil Grimm 1893–1919: Alexander von KeudellLandkreis Eschwege Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke) 1919: Rudolf Bödiker 1921: Hermann Langer (SPD) 1932: Otto Glahn (SPD) 1932–1936: Philipp Deichmann (NSDAP) 1937–1945: Walter Schultz (NSDAP) 8. Mai 1945 – 31. August 1945: Wolfgang Hartdegen 1. September 1945 – 25. Februar 1946: Friedrich Alfred Busse 1. Juli 1946 – 30. Juni 1948: Johannes Braunholz (SPD) 1. Juli 1948 – 30. Juni 1954: Gerhard Pforr 5. Juli 1954 – 15. Dezember 1960: Hansjochen Kubitz 4. März 1961 – 31. Dezember 1973: Eitel Oskar Höhne (SPD)
Landkreis Witzenhausen 1868–1875: Thomas Boch 1875–1884: Friedrich Bernstein 1884–1895: Bernhard von Schenck 1895–1917: Heino von Bischoffshausen 1917–1919: Hermann Wolf 1919: Georg Eschstruth 1919–1928: Georg Thöne (SPD) 1929–1932: Jean Groeniger (SPD) 1932–1938: Ernst Beckmann (NSDAP) 1938–1945: Walter Gerber (NSDAP) (vom Reichsministerium des Innern in Berlin) 21. Mai 1945 – 29. Juni 1946: Hans Wilhelm von Coelln 1. Juli 1946 – 31. Dezember 1973: Wilhelm Brübach (SPD)
mini|Kreisverwaltung Werra-Meißner-Kreis bzw. Schloss in Eschwege
Werra-Meißner-Kreis 1. Januar 1974 – 5. Juni 1988: Eitel Oskar Höhne (SPD) 6. Juni 1988 – 5. Juni 2006: Dieter Brosey (SPD) 6. Juni 2006 – 31. Dezember 2021: Stefan G. Reuß (SPD) seit 1. Januar 2022: Nicole Rathgeber (Freie Wähler)Nicole Rathgeber wird Landrätin im Werra-Meißner-Kreis, Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Abgerufen am 7. November 2021.
Bei der Stichwahl am 7. November 2021 setzte sich Nicole Rathgeber (FW) mit 59,74 Prozent der Stimmen gegen den Berkataler Bürgermeister Friedel Lenze (SPD) durch.
Mit Nicole Rathgeber stellen die Freien Wähler erstmals einen Landrat in Hessen.
Hoheitszeichen
Der Werra-Meißner-Kreis führt ein Dienstsiegel, ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Verkehr Bahn Der Norden des Kreises wird seit 1872 von der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden mit Halten in Eichenberg, Witzenhausen-Nord und Gertenbach erschlossen. Ihr folgte 1875 die Verbindung Bebra–Eschwege, die ein Jahr später nach Göttingen verlängert wurde. Seitdem ist Eichenberg ein wichtiger Bahnknoten. Die Bahnstrecke Göttingen–Bebra wurde später Bestandteil der Nord-Süd-Strecke. Neben diesen beiden Linien und der Regiotramstrecke Kassel–Hessisch Lichtenau wird seit Dezember 2009 auch der Stadtbahnhof in Eschwege wieder bedient.https://www.werra-meissner-bahnen.de/inhalt/eisenbahnen.html Eisenbahnen im Werra-Meißner-Kreis
Straße Durch das Kreisgebiet führt die Bundesautobahn 4 (Dresden–Eisenach–Kirchheimer Dreieck) und die Bundesautobahn 38 (Göttingen–Halle/Leipzig). Außerdem wird das Kreisgebiet von mehreren Bundesstraßen und Kreisstraßen erschlossen, darunter die B 7, die B 27 und die B 451. Darüber hinaus befindet sich die Bundesautobahn 44 Kassel–Hessisch Lichtenau–Eisenach in Bau.
Gemeinden
(Einwohner am ) Städte Bad Sooden-Allendorf () Eschwege () Großalmerode () Hessisch Lichtenau () Sontra () Waldkappel () Wanfried () Witzenhausen ()Weitere Gemeinden Berkatal () Herleshausen () Meinhard () Meißner () Neu-Eichenberg () Ringgau () Wehretal () Weißenborn ()
Gemeindefreies Gebiet Gutsbezirk Kaufunger Wald (unbewohnt)
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1974 wurde dem Landkreis das seit dem 1. Juli 1956 für den Landkreis Eschwege gültige Unterscheidungszeichen ESW zugewiesen. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben. Bis in die 1990er Jahre erhielten Fahrzeuge aus dem früheren Kreis Witzenhausen Kennzeichen mit den Buchstabenpaaren NA bis ZZ und den Ziffern von 1 bis 99, später auch 100 bis 999. Seit dem 16. September 2013 ist durch die Kennzeichenliberalisierung auch das Unterscheidungszeichen WIZ (Witzenhausen) wieder erhältlich.
Sport Im Jahre 2021 bewarb sich der Landkreis als Beherbergungsstadt für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. Im Jahre 2022 wurde er als Gastgeber für Special Olympics Kasachstan ausgewählt. Damit wurde er Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik mit mehr als 200 Beherbergungsstädten.
Literatur Das Werraland – Heimat-Kunst-Dichtung. Eschwege, 1. Jahrgang 1949 ff. (Vierteljahresschrift des Werratalvereins Eschwege). Werraland – Merian Heft Nr. 33. Hoffmann und Campe (Sonderheft), Hamburg 1980 (96 Seiten, Illustrationen und Karten). Erich Hildebrand: Land an Werra und Meißner – Ein Heimatbuch. Korbach 1983 (384 Seiten, Illustrationen; 3. Auflage 1990, Neubearbeitung). Hans Joachim Bodenbach: Vor- und Frühgeschichte im Werra-Meißner-Kreis. In: Das Werraland. (Hrsg.: Werratalverein Eschwege), 36. Jahrg., Heft 1, März 1984, S. 2–4 (9 Abbildungen). Heinz Schlarbaum: Münzfunde im Werra-Meißner-Kreis. Aus der Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte Eschwege, (1. Teil): [Keltische und römerzeitliche Funde]. In: Das Werraland, 37. Jahrgang, Eschwege 1985, Heft 1, März 1985, S. 1–3 (1 Abbildung [und mit Landkarte und Einzeichnung der Fundorte und Verbleib]). 2. Teil: Mittelalter. In: Das Werraland 1985, 37. Jahrgang, Eschwege 1985, Heft 2, Juni 1985, S. 27–29 (2 Abbildungen [und mit Landkarte und Einzeichnung der Fundorte und Verbleib]). 3. Teil: Neuzeit. In: Das Werraland 1985, 37. Jahrgang, Eschwege 1985, Heft 4, Dezember 1985, S. 64–66 (1 Abbildung [und mit Landkarte und Einzeichnung der Fundorte und Verbleib]). Klaus Möller: Beiträge zu Werra-Meißner-Forschung. Selbstverlag des Instituts für Physische Geographie der Freien Universität Berlin, Berlin 1986. Hans Joachim Bodenbach: Walter Miritz (1895–1956) – Graphiker und Kunstmaler und seine Tätigkeit im Werraland. In: Das Werraland. Werratalverein Eschwege (Werra), 40. Jahrgang, Heft 1, März 1988, S. 6–7 (mit 3 Abbildungen). Hans Joachim Bodenbach: Bronzewaffen als Bodenfunde im Werra-Meißner-Kreis. In: Das Werraland. 41. Jahrgang, Eschwege 1989, Heft 1, März 1989, S. 1–4 (mit 1 Landkarte, Katalog und 3 Abbildungen). Eschweger Geschichtsblätter. Selbstverlag des Geschichtsvereins Eschwege [Jahresschrift], Eschwege 1990 ff. Hans Joachim Bodenbach: Gerätschaften aus Bronze als archäologische Funde im Werra-Meißner-Kreis. In: Das Werraland. 42. Jahrgang, Eschwege 1990, Heft 2, Juni 1990, S. 32–34 (mit 1 Landkarte, Katalog und 2 Abbildungen). Manfred Lückert: Die Werra – Historische Fotos und Berichte. Bad Sooden-Allendorf 1990 (278 Seiten, ca. 320 Fotos). Thomas Wiegand: Luxus und Landleben – Historistische Schloß- und Herrenhausarchitektur im Werraland. Eschwege 1990 (Abbildungen). Herbert Fritsche: Handel, Handwerk und Wirtschaft im Wandel–Blauer Dunst und Lebenswasser. Aus der Geschichte von Tabak und Branntwein. Eschwege/Werra 1990, S. 11–82 (mit zahlreichen Farbabbildungen). Ulrich-Dieter Oppitz: Bibliographie des Werra-Meißner-Kreises. 2. Auflage. Eschwege 1991 (532 Seiten; 3. Auflage digital: PDF). Hans-Georg Stephan: Kacheln aus dem Werraland – Die Entwicklung der Ofenkacheln vom 13. bis 17. Jahrhundert im unteren Werra-Raum (= Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 23). Witzenhausen 1991.