mini|Lahnquelle (Lahntopf) in Lahnhof nahe dem Lahnkopf im Rothaargebirge mini|Lahn mit Hochwasserschutzmauer in Biedenkopf mini|Marburg (Lahn) mini|Alte Lahnbrücke in Wetzlar mini|hochkant|Lahntunnel (Weilburger Schifffahrtstunnel) mini|Steinerne Brücke (Weilburg), Korbbogenbrücke mini|Lahn bei Runkel mini|Lahn bei Limburg mini|Alte Lahnbrücke (Limburg) mini|Diez mini|Lahntalbahn unterhalb des Cramberger Krampens mini|Schleuse Dausenau mini|hochkant|Liste der Hochwasser am Domfelsen Limburg
Die Lahn ist ein 245,6 km langer, rechter und östlicher Nebenfluss des Rheins in Deutschland. Sie fließt durch Nordrhein-Westfalen (23,0 km ab der Quelle), Hessen (165,6 km) und Rheinland-Pfalz (57,0 km bis zur Mündung). Ihre mittlere Wasserführung beträgt an der Mündung rund 52 m³/s. Außerdem ist die Lahn an der tiefsten Stelle 4,5 m tief.
Von den Nebenflüssen des Rheins liegt sie, gemessen an ihrer Länge, an siebter Stelle.
Geographie Verlauf Lahnquelle (Lahnkopf) Die Lahn entspringt im südöstlichen Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Hessen im südöstlichen Rothaargebirge auf dem Haupt-Höhenzug des Naturraums Ederkopf-Lahnkopf-Rücken (333.01), auf dem die Rhein-Weser-Wasserscheide auf die Rheinsystem-interne Wasserscheide von Lahn und Sieg trifft. Die im östlichen Siegerland gelegene Lahnquelle, der Lahntopf, befindet sich auf etwa südwestlich des hohen Lahnkopfs bei Lahnhof, einem Ortsteil von Nenkersdorf, das wiederum ein Stadtteil von Netphen ist. Direkt am Lahnursprung vorbei führen Abschnitte des Rothaarsteigs und der Eisenstraße.
In der näheren Umgebung entspringen unter anderem auch die Eder (5,5 km nordwestlich der Lahnquelle) und die Sieg (3 km nördlich derselben). Während die Sieg den kürzesten Weg zum Rhein (Richtung Westen) nimmt, verläuft die Lahn zunächst für viele Kilometer parallel in weniger als 10 km Abstand zur ebenfalls im gleichen Quellgebiet entspringenden Eder in die entgegengesetzte Richtung.
Oberlauf bis Bad Laasphe Zunächst fließt die Lahn in nordöstlicher Richtung durch das Rothaargebirge und dessen südöstliche Ausläufer. Nachdem sie linksseitig die Ilm aufgenommen hat, erreicht sie nach einiger Zeit den zu Volkholz gehörenden Ortsteil und Weiler Glashütte und etwas weiter bachabwärts den Kernort von Volkholz, wo sie den von links kommenden Ahbach aufnimmt. Von dort fließt die Lahn Richtung Feudingen. Etwa ab diesem Bad Laaspher Ortsteil wendet sie sich vorwiegend nach Osten.
Oberes Lahntal und Wetschaft-Senke Der Lahnabschnitt ab der Stadt Bad Laasphe wird naturräumlich als Oberes Lahntal bezeichnet. Fortan bildet das Tal der Lahn die Nahtstelle zwischen Rothaargebirge (Norden = links) und Gladenbacher Bergland (Süden); das Lahntal wird naturräumlich dem zweitgenannten Gebirge zugerechnet.
Zwischen Niederlaasphe und Wallau wird die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen nach Hessen überquert. Die Lahn fließt weiterhin über einige Ortsteile Biedenkopfs (nebst Kernstadt), Dautphetals und schließlich Lahntals in östliche Richtung. Dabei münden in sie von rechts in Wallau die Perf und in Dautphetal-Friedensdorf die Dautphe, die über ein ausladendes Nebental nach Süden verfügt.
Kurz nach dem Ortsteil Caldern enden sowohl mit dem Wollenberg die Höhenzüge des Rothaargebirges im Norden als auch mit dem Hungert die des Gladenbacher Berglandes im Süden. Die Lahn verlässt für eine längere Strecke das Rheinische Schiefergebirge und erreicht das Westhessische Bergland, wo sie zunächst den äußersten Süden der Wetschaft-Senke, nördlich des sich bald anschließenden Marburger Rückens, durchfließt. Vom Burgwald im Norden fließt ihr die Wetschaft zu, unmittelbar bevor die Lahn ihre mittlere Fließrichtung um 90° ändert.
Marburg-Gießener Lahntal Die nunmehr südwärts verlaufende Lahn passiert das Marburg-Gießener Lahntal, wo ihr kurz vor Cölbe mit der vom Vogelsberg kommenden Ohm von links ihr längster Nebenfluss zufließt.
Der Fluss durchbricht eine Buntsandstein-Tafel (Marburger Rücken im Westen und Lahnberge im Osten), die ihr Tal im gesamten Gebiet der Stadt Marburg und ihrer Ortsteile begrenzen. Nach dem Abflachen des Marburger Rückens bei Niederweimar fließt ihr von rechts die Allna zu, einige Kilometer weiter enden mit der von links zufließenden Zwester Ohm auch die Lahnberge. Rechts des Tales begleitet fortan wieder das Gladenbacher Bergland den Fluss (u. a. Zufluss der Salzböde), links erhebt sich das Lumda-Plateau, von wo ihr bei Lollar der namensgebende Fluss Lumda zufließt. Allmählich weitet sich das Tal zum Gießener Becken.
In Gießen ändert die Lahn nach dem Zufließen der Wieseck von links erneut deutlich ihre Fließrichtung von Süden nach Westen. Seine volle Breite behält das Gießener Becken bis etwa Atzbach, einem Ortsteil von Lahnau, wo sich das Tal etwas verengt. Rund um den Zentralteil des Beckens ragen der Gleiberg, der Vetzberg, der Dünsberg und der Schiffenberg heraus.
Von den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre fand am Dutenhofener See umfangreicher Kiesabbau statt. Das Gebiet zwischen Heuchelheim, Lahnau und dem Wetzlarer Stadtteil Dutenhofen sollte komplett ausgekiest werden und ein olympiataugliches Wassersportzentrum mit Ruderregattastrecke entstehen. Zum Teil wurde dies realisiert, die Heuchelheimer Seen und der Dutenhofener See sind heute begehrte Freizeitziele über die Region hinaus. Naturschutzverbände haben jedoch die weitere Auskiesung verhindert, und so ist das Gebiet heute eines der größten Naturschutzgebiete in Hessen.
In Höhe der Altstadt von Wetzlar und nahe am Altstadtufer bildet der Fluss die Lahninsel aus und wird von der im 13. Jahrhundert erbauten Alten Lahnbrücke gequert. Wenige Hundert Meter flussabwärts nimmt die Lahn ihren zweitlängsten Zufluss, die Dill (ca. 55 km lang) auf. An dieser Stelle bei Wetzlar trennen die Täler von Lahn und Dill drei Teile des Rheinischen Schiefergebirges voneinander: Taunus (Süd), Westerwald (Nordwest) und das Gladenbacher Bergland (Naturpark Lahn-Dill-Bergland).
Weilburger Lahntalgebiet Hinter Wetzlar verengt sich das Tal der Lahn allmählich und geht bei Leun in das Weilburger Lahntalgebiet über. Ab hier wird das Tal der Lahn auch mit einer naturräumlichen Haupteinheitengruppe (Gießen-Koblenzer Lahntal) geführt und wieder zum Rheinischen Schiefergebirge gezählt.
Im oberen Bereich des Weilburger Lahntalgebietes (Löhnberger Becken) treten Mineralquellen, z. B. die berühmte Selters Mineralquelle zutage, im unteren Bereich wendet sich der Fluss erneut nach Süden und ist cañonartig in die flachwellige Trogfläche eingetieft. Die Stadt Weilburg wird in einer markanten Flussschleife umflossen, wobei der in Deutschland einmalige Weilburger Schifffahrtstunnel den Schlingenhals durchsticht. Etwas unterhalb mündet die vom Hochtaunus her kommende Weil in die Lahn.
Limburger Becken Bei Aumenau kehrt sich der Verlauf der Lahn wieder nach Westen und sie passiert das fruchtbare Limburger Becken, in dessen Sohle sich der Fluss etwa 50 m tief eingeschnitten hat und wo zwei Zuflüsse die Lahn ergänzen: der Emsbach aus dem Taunus und der Elbbach aus dem Westerwald kommend. Hier tritt oft devonischer Massenkalk (Lahnmarmor) als Fels hervor, so auch in Limburg an der Lahn, wo ein solcher Kalkfels vom Limburger Dom gekrönt wird. Auch treten hier wieder größere Talweitungen auf. Unmittelbar unterhalb von Limburg erreicht die Lahn Rheinland-Pfalz.
Unteres Lahntal Hinter Diez, wo der Fluss von Süden her die Aar aufnimmt, verlässt er bei Fachingen das Becken und ist im nun folgenden Unteren Lahntal bis über 200 m tief in das Schiefergebirge eingeschnitten.
Bei Obernhof, gegenüber von Kloster Arnstein, mündet der Gelbach in die Lahn und bei Nassau der Mühlbach. In Bad Ems liegt die bedeutendste Lahninsel, die Silberau, mit dem Kreishaus des Rhein-Lahn-Kreises. Wenig lahnabwärts folgt die zweite große Insel, die Oberau. Wie schon Fachingen, verfügt auch Bad Ems über Mineralquellen (Emser Salz). Begleitet von der Bundesstraße 260, der Bäderstraße, bildet der Fluss im Lahnbogen kurz vor Lahnstein die dritte große Insel (Auf der Lahn), auf dem ein Campingplatz liegt, um danach die Burg Lahneck zu passieren.
Mündung Schließlich mündet die Lahn bei Lahnstein auf etwa Höhe in den Rhein; rheinabwärts liegt etwa fünf Kilometer weiter nördlich Koblenz mit der Mosel-Mündung. Direkt südlich ihrer Mündung liegt die langgestreckte Hafenpromenade des Lahnsteiner Binnenhafens, nahe deren nördlichster Stelle eine hohe Stelle liegt.
Flusskilometrierung Am Dutenhofener See an der ehemaligen preußisch-hessischen Landesgrenze liegt der Kilometer 0 der Lahn. Flussaufwärts setzt sich die Kilometrierung im negativen Bereich fort. Ab Lollar (negativer Lahn-km −11,075) bis Wetzlar (Lahn-km 12,220) ist die Lahn eine sonstige Binnenwasserstraße des Bundes, da sie hier nicht dem allgemeinen Verkehr dient. Ab Wetzlar bis zur Mündung ist die Lahn Bundeswasserstraße und die Flusskilometrierung liegt flussabwärts im positiven Bereich.
Einzugsgebiet der Lahn + Folgende Regionen werden von der Lahn entwässert (geordnet nach den Großlandschaften Taunus, Rothaargebirge, Westerwald, Gladenbacher Bergland, Westhessisches Bergland und Osthessisches Bergland) Großlandschaft Naturraum * = entwässert nur z. T. über die Lahn (ggf. >70 % bzw. <30 %) Höchste Erhebung im Einzugsgebiet* = auf der Wasserscheide Höhe über NHN Flüsse im Flusssystem Lahn Taunus Feldberg-Taunuskamm* Großer Feldberg* 881,5 Weil, Emsbach Taunus Wiesbadener Taunuskamm* Hohe Wurzel* 617,9 Aar, Wörsbach Taunus Westlicher Aartaunus/Zorner Hochfläche Mappershainer Kopf* 548,0 Dörsbach, Mühlbach Taunus Bodenroder Kuppen* Hesselberg* 518 Kleebach, Solmsbach Taunus Weilburger Hintertaunus im Heiligenwald 415,8 Iserbach Taunus (zentraler) Wetzlarer Hintertaunus Köhlerberg 424,7 Wetzbach Rothaargebirge Ederkopf-Lahnkopf-Rücken* Kompass 694,1 Lahn, Ilse, Banfe Rothaargebirge Wittgensteiner Bergland* (>80 %) Ebschloh* 686,3 Feudinge, Laasphe Rothaargebirge Sackpfeife* Sackpfeife* 673,3 Treisbach (Wetschaft) Dilltal Haincher Höhe* Nordhöll 641,1 Dill, Dietzhölze (Dill) Westerwald Oberwesterwald* Beulstein 483,1 Gelbach, Aubach (Dill) Westerwald Niederwesterwald* Montabaurer Höhe* 545,2 Emsbach, rechte Gelbach-Zuflüsse Westerwald Hoher Westerwald* Fuchskaute* 657,3 Elbbach, Ulmbach, Rehbach (Dill), Kallenbach, Kerkerbach, Gladenbacher Bergland Bottenhorner Hochflächen Angelburg 609,4 Perf, Salzböde, Allna, Dautphe, Schelde (Dill) Gladenbacher Bergland Damshäuser Kuppen Rimberg 497,1 Ohe (Allna) Gladenbacher Bergland Krofdorf-Königsberger Forst Dünsberg 497,7 Bieber, Aar (Dill) Westhessisches Bergland Kellerwald* (<20 %) Hohes Lohr* 656,7 Wohra (Ohm) Westhessisches Bergland Burgwald* (>80 %) Knebelsrod* 443,1 Wetschaft, Rotes Wasser (Ohm), rechte Wohra (Ohm)-Nebenflüsse Westhessisches Bergland Gilserberger Höhen* Kalte Hainbuche* 432,6 linke Wohra (Ohm)-Nebenflüsse Westhessisches Bergland Lumda-Plateau Mardorfer Kuppe 406,8 Lumda, Wieseck, Zwester Ohm Westhessisches Bergland Nördliches Vogelsberg-Vorland* Dachsberg* 388 Klein (Ohm) Osthessisches Bergland Vogelsberg* (ca. 20 %) Sieben Ahorn* 752,7 Ohm, Felda (Ohm)
Nebenflüsse der Lahn Die beiden mit Abstand wichtigsten und von Einzugsgebiet und Abfluss her größten Zuflüsse der Lahn sind die Ohm aus dem Vogelsberg von links und die Dill, als wasserreichster Nebenfluss, aus einem Südwestausläufer des Rothaargebirges (Haincher Höhe) von rechts.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Tatsache, dass die Lahn über ihren Nebenfluss Ohm 1 km länger ist als über ihre eigene Quelle, sondern auch, dass das Einzugsgebiet der Ohm (984 km²) deutlich größer ist als das der Lahn vor der Ohm-Mündung (652 km² bzw. gar nur 452 km² vor dem Zufluss der Wetschaft gut zwei Kilometer oberhalb). Indes ist die Abflussmenge (MQ) der Oberen Lahn mit 8827 l/s gegenüber 7950 l/s größer als die der Ohm.