Der Eurovision Song Contest (abgekürzt ESC, wörtlich „Eurovisions-Liederwettbewerb“, im deutschen Sprachraum lange Zeit vor allem als Grand Prix Eurovision bekannt, offizielle französische Bezeichnung Concours Eurovision de la chanson) ist ein Musikwettbewerb für Komponisten und Textdichter. Vorgetragen werden die Beiträge von Gesangsinterpreten.

Seit 1956 wird er jährlich von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) im Rahmen der Eurovision veranstaltet. Die Anregung dazu kam vom bereits 1951 ins Leben gerufenen Sanremo-Festival. Beim ESC sind die Rundfunkanstalten aller Staaten der EBU teilnahmeberechtigt. Dieser gehören mehrheitlich europäische und einige Radio- und Fernsehstationen benachbarter westasiatischer und nordafrikanischer Staaten rund ums Mittelmeer an. Der ESC erreicht jedes Jahr mehr als 180 Millionen Zuschauer.

Veranstaltungsmodus Der erste Gran Premio Eurovisione della Canzone Europea fand 1956 mit sieben teilnehmenden Ländern in der Schweiz statt. Seit dem Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne 1957 entsendet die in der Regel öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt jedes teilnehmenden Landes ein Lied zum ESC. Der Wettbewerb findet seit 1958 regulär im Land des Vorjahressiegers statt; nur wenige Male wurde hiervon abgewichen, zuletzt 2023. Da nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Auflösung des Ostblocks, dessen staatliche Rundfunkanstalten in der Intervision zusammengeschlossen waren und eigene Musikwettbewerbe veranstaltet hatten, die Zahl der ESC-Teilnehmerländer infolge des Beitritts vor allem osteuropäischer Länder zur EBU stieg, fand von 2004 bis 2007 erstmals eine internationale Vorausscheidung statt. Seit dem Eurovision Song Contest 2008 werden zwei als Halbfinale bezeichnete Vorausscheidungen ausgetragen.

Halbfinale und Finale bestehen aus je zwei Teilen: Im etwa zweistündigen ersten Teil präsentieren die Teilnehmer ihren Beitrag, im zweiten Teil vergeben die Teilnehmerländer ihre Punkte. Im Halbfinale dauert dieser Teil etwa 15 Minuten, da die Finalisten dort in zufälliger Reihenfolge und ohne Verlesen der Einzelwertungen aus den teilnehmenden Ländern bekannt gegeben werden. Im Finale dauert der zweite Teil rund eine Stunde. Die Überleitung von Teil eins zu Teil zwei, somit der Zeitraum, in dem die Zuschauer ihre Stimmen abgeben können, dauert ungefähr 15 Minuten und wird auf der Bühne durch ein Showprogramm, den sogenannten interval act, überbrückt.

mini|Lys Assia bei der Austragung von 1958 in den Niederlanden

Übersicht der Veranstaltungen Der Eurovision Song Contest hat seit 1956 insgesamt 70 Mal stattgefunden. Die erste Ausgabe fand 1956 in Lugano in der Schweiz statt; die bislang letzte Ausgabe 2026 in Wien, da im Vorjahr Österreich den Titel gewann.

Lediglich in einem Jahr fand seit 1956 kein Wettbewerb statt. So zwang die COVID-19-Pandemie die Veranstalter, den ESC 2020 – der planmäßig in den Niederlanden ausgetragen werden sollte – abzusagen.

Eine detaillierte Übersicht aller Veranstaltungen seit 1956 findet sich in der Liste der Sieger und Veranstaltungen.

+ Veranstaltungen des Eurovision Song Contests Nr. Jahr OrtLänder SiegerInsg.Fin. Land Interpret Titel 1. 1956 7 Lys Assia Refrain 2. 1957 10 Corry Brokken Net als toen 3. 1958 André Claveau Dors mon amour 4. 1959 11 Teddy Scholten Een beetje 5. 1960 13 Jacqueline Boyer Tom Pillibi 6. 1961 16 Jean-Claude Pascal Nous les amoureux 7. 1962 Isabelle Aubret Un premier amour 8. 1963 Grethe & Jørgen Ingmann Dansevise 9. 1964 Gigliola Cinquetti Non ho l’età 10. 1965 18 France Gall Poupée de cire, poupée de son 11. 1966 Udo Jürgens Merci, Chérie 12. 1967 17 Sandie Shaw Puppet on a String 13. 1968 Massiel La, la, la 14. 1969 16 Salomé Vivo cantando Frida Boccara Un jour, un enfant Lenny Kuhr De troubadour Lulu Boom Bang-a-Bang 15. 1970 12 Dana All Kinds of Everything 16. 1971 18 Séverine Un banc, un arbre, une rue 17. 1972 Vicky Leandros Après toi 18. 1973 17 Anne-Marie David Tu te reconnaîtras 19. 1974 ABBA Waterloo 20. 1975 19 Teach-In Ding-a-Dong 21. 1976 18 Brotherhood of Man Save Your Kisses for Me 22. 1977 Marie Myriam L’oiseau et l’enfant 23. 1978 20 Yizhar Cohen & The Alpha-Beta A-ba-ni-bi א-ב-ני-בי 24. 1979 19 Gali Atari & Milk and Honey Hallelujah הללויה 25. 1980 Johnny Logan What’s Another Year 26. 1981 20 Bucks Fizz Making Your Mind Up 27. 1982 18 Nicole Ein bißchen Frieden 28. 1983 20 Corinne Hermès Si la vie est cadeau 29. 1984 19 Herreys Diggi-loo Diggi-ley 30. 1985 Bobbysocks La det swinge 31. 1986 20 Sandra Kim J’aime la vie 32. 1987 22 Johnny Logan Hold Me Now 33. 1988 21 Céline Dion Ne partez pas sans moi 34. 1989 22 Riva Rock Me 35. 1990 Toto Cutugno Insieme: 1992 36. 1991 Carola Fångad av en stormvind 37. 1992 23 Linda Martin Why Me 38. 1993 25 Niamh Kavanagh In Your Eyes 39. 1994 Paul Harrington & Charlie McGettigan Rock ’n’ Roll Kids 40. 1995 23 Secret Garden Nocturne 41. 1996 Eimear Quinn The Voice 42. 1997 25 Katrina and the Waves Love Shine a Light 43. 1998 Dana International Diva דיווה 44. 1999 23 Charlotte Nilsson Take Me to Your Heaven 45. 2000 24 Olsen Brothers Fly on the Wings of Love 46. 2001 23 Tanel Padar, Dave Benton & 2XL Everybody 47. 2002 24 Marie N I Wanna 48. 2003 26 Sertab Erener Everyway that I Can 49. 2004 3624 Ruslana Wild Dances 50. 2005 39 Helena Paparizou My Number One 51. 2006 37 Lordi Hard Rock Hallelujah 52. 2007 4225 Marija Šerifović Molitva 53. 2008 43 Dima Bilan Believe 54. 2009 42 Alexander Rybak Fairytale 55. 2010 39 Lena Satellite 56. 2011 43 Ell & Nikki Running Scared 57. 2012 4226 Loreen Euphoria 58. 2013 39 Emmelie de Forest Only Teardrops 59. 2014 37 Conchita Wurst Rise Like a Phoenix 60. 2015 4027 Måns Zelmerlöw Heroes 61. 2016 4226 Jamala 1944 62. 2017 Salvador Sobral Amar pelos dois 63. 2018 43 Netta Toy 64. 2019 41 Duncan Laurence Arcade 2020 4126 Absage aufgrund der COVID-19-Pandemie 65. 2021 3926 Måneskin Zitti e buoni 66. 2022 4025 Kalush Orchestra Stefania 67. 2023 3726 Loreen Tattoo 68. 2024 25 Nemo The Code 69. 2025 26 JJ Wasted Love 70. 2026 3525 Dara Bangaranga 71. 2027 TBATBA

Austragungsort nicht im Land des Vorjahressiegers

Geschichte Idee Die Idee zum Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne kam 1955 von Marcel Bezençon, dem Generaldirektor der Schweizerischen Rundfunkgesellschaft (SRG) und Vorsitzenden der Programmkommission der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Während einer Konferenz der Programmkommission Ende Januar 1955 in Monaco trug er die Idee zu einem europäischen Schlagerwettstreit nach dem Vorbild des Sanremo-Festivals vor. Am 19. Oktober 1955 beschloss die Generalversammlung der EBU die Veranstaltung eines Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne durchzuführen. Die erste Ausgabe fand 1956 in Lugano statt. Die Produktion und Übertragung des Anlasses über das sich erst im Aufbau befindliche europäische Richtfunknetz stellte die noch junge Eurovision vor große Herausforderungen.Juri Jaquemet: Eurovision, Song Contest & das Jungfraujoch Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 31. März 2025

Zu Ehren des Erfinders wird seit 2002 jährlich während des Eurovision Song Contests der Marcel-Bezençon-Preis für das beste Lied, die beste künstlerische Darbietung und die beste Komposition (jeweils gewählt von akkreditierten Journalisten, den Kommentatoren und den teilnehmenden Komponisten) verliehen.

Teilnehmende Länder mini|375px|

Am ESC teilnahmeberechtigt sind alle Länder, die Mitglied der EBU sind. Dies sind neben den meisten europäischen Ländern auch einige nichteuropäische Länder im Mittelmeerraum. Von den ausschließlich in Asien liegenden EBU-Mitgliedern haben lange nur Israel und Zypern regelmäßig am ESC teilgenommen, seit den 2000er Jahren zudem Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Wegen der Beliebtheit der Show in Australien darf das Land seit 2015 als assoziiertes EBU-Mitglied am ESC teilnehmen.

Jedes EBU-Mitglied hat das Recht auf die Teilnahme am ESC, doch besteht dazu keine Verpflichtung. Dadurch kann sich die Anzahl der Teilnehmer von Jahr zu Jahr ändern. Am ersten Wettbewerb 1956 nahmen sieben Länder mit je zwei Beiträgen teil, der Gastgeber Schweiz sowie die Niederlande, Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Italien. In den folgenden Jahren zeigten zunehmend mehr Länder Interesse am Wettbewerb. Jugoslawien war EBU-Mitglied und nahm von 1961 bis 1991 als einziges sozialistisches Land regelmäßig teil.

Seit der EBU-Erweiterung ab 1990 können auch die mittel- und osteuropäischen Länder teilnehmen, die zuvor in der Intervision zusammengeschlossen waren. Um dennoch die Dauer der Veranstaltung nicht erheblich zu verlängern, wurde die Zahl der Teilnehmer eingeschränkt, nicht mehr alle Länder konnten jedes Jahr teilnehmen. Im Jahr 1993 gab es einen separaten osteuropäischen Vorentscheid, bei dem sieben osteuropäische Länder um drei Startplätze konkurrierten. Von 1994 an wurde die Teilnehmerzahl auf 25 (im Jahr 1995 auf 23) begrenzt. Die besten 19 Länder qualifizierten sich für das kommende Jahr, die übrigen mussten ein Jahr aussetzen.

1996 wurde aufgrund weiter gestiegener Anmeldezahlen ein neues Verfahren eingeführt. Alle Angemeldeten mit Ausnahme des norwegischen Heimbeitrages mussten sich einer internen Audio-Vorauswahl durch eine Jury stellen. Da der deutsche Beitrag bei dieser Vorauswahl ausschied und Deutschland daraufhin drohte, zur Finanzierung weiterer Veranstaltungen nicht mehr beizutragen, wurde beschlossen, dass die vier, seit 2011 die fünf Mitglieder, die den größten Anteil am EBU-Etat tragen, von 1999 an jährlich teilnehmen dürfen. Damit waren Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Spanien sowie (seit seiner Rückkehr in den ESC im Jahr 2011) auch Italien unabhängig von ihrer Platzierung im Vorjahr automatisch teilnahmeberechtigt. Diese Länder werden als die großen Fünf (The Big Five, bis 2010 The Big Four) bezeichnet. Seit der Einführung von Vorausscheidungen 2004 bedeutet diese Regelung, dass diese Länder sich nicht einer Vorausscheidung stellen müssen und direkt für das Finale qualifiziert sind. Dieses Sonderrecht wird von einigen teilnehmenden Ländern als „Erkaufen der Finalteilnahme“ kritisiert. Seit 2013 ist diese Regelung ein Grund für die Nicht-Teilnahme der Türkei. Beim Eurovision Song Contest 2026 schrumpften die Big Five wieder zurück auf die Big Four, da Spanien seine Teilnahme aufgrund der Teilnahme von Israel zurückzog. Am 1. Juli 2026 kündigte die EBU an das mit Kanada beim ESC 2027 erstmals ein nordamerikanisches Land teilnehmen wird.

Um wieder jedem Land jährlich die Teilnahme zu ermöglichen, werden seit 2004 Vorausscheidungen ausgetragen, an denen alle aktiven Mitglieder der EBU (bis auf die Big Five) teilnehmen können. Von 2004 bis 2007 wurde eine Vorausscheidung ausgetragen, aus der die zehn Bestplatzierten sowie die Big Four, das ausrichtende Land und die Plätze zwei bis zehn des Vorjahres ins Finale kamen. Seit 2008 finden zwei Vorausscheidungen („Halbfinale“) statt, aus denen sich die jeweils zehn Bestplatzierten neben den Big Four (seit 2011 Big Five) und dem Ausrichter für das Finale qualifizieren. Durch die Aufteilung kulturell, geografisch und sprachlich verwandter Länder auf verschiedene Halbfinale sollen Vorteile innerhalb der Punktevergabe, die durch kulturelle Nähe entstehen können, reduziert werden.