Kyōto (, ), im Deutschen auch Kioto (oder Kyoto) geschrieben, ist eine der geschichtlich und kulturell bedeutendsten Städte Japans. Sie liegt im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshū im Ballungsgebiet Kansai. Beide Schriftzeichen des heutigen Stadtnamens werden alleine jeweils „Miyako“ gelesen und bedeuten im Japanischen wörtlich „kaiserliche Residenz“. In der heutigen sinojapanischen Lesung entspricht die Silbe „Kyō-“ einer Go-on-Lesung und die Silbe „-to“ einer Kan-on-Lesung.Roy Andrew Miller: Die japanische Sprache. Aus dem überarbeiteten englischen Original übersetzt von Jürgen Stalph. Iudicium-Verlag: München 1993, S. 113.In reiner Kan-on-Lesung hieße die Stadt „Keito“, in Go-on „Kyōtsu“.

Kyōto war von 794 bis 1868 Sitz des kaiserlichen Hofes von Japan und ist heute der Verwaltungssitz der Präfektur Kyōto.

14 Tempel und Shintō-Schreine wurden zusammen mit drei anderen in den benachbarten Städten Uji und Ōtsu 1994 zum UNESCO-Welterbe Historisches Kyōto (Kyōto, Uji und Ōtsu) erklärt.

Geografie Kyōto liegt etwa 400 km südwestlich von Tokio im mittleren Westen der japanischen Hauptinsel Honshū, etwa zehn Kilometer südwestlich des Biwa-Sees und ca. 40 km von Osaka entfernt. Durch die Lage in einem nur nach Süden offenen Talkessel staut sich die schwüle Luft im Sommer; der Nordteil der Stadt wird im Winter erheblich kälter als die benachbarten Städte Osaka und Kōbe. Anders als letztere ist Kyōto aber durch die bis über 1000 Meter hohen Berge vor Taifunen weitgehend geschützt und auch kaum hochwassergefährdet.

Die Stadt ist nach der klassischen chinesischen Geomantie schachbrettartig angelegt. Das Zentrum und der Süden sind das wirtschaftliche Herz der Stadt. Die touristischen Sehenswürdigkeiten befinden sich teilweise im Zentrum; ein Großteil der berühmten Tempel liegt jedoch im Nordosten und Nordwesten der Stadt oder auf Berghängen in der Umgebung.

Stadtgliederung Kyōto ist in elf Stadtbezirke (, -ku) eingeteilt: mini|links|Die Stadtbezirke

+ die Bezirke der Stadt KyōtoCodemit Prüfziffer Name Fläche (in km²) Bevölkerung Bevölkerungs-dichte (Ew./km²) Rōmaji Kanji 01.10.20153 26101-7Kita-ku 119.4741248,86 26102-5Kamigyō-ku 85.11312036,98 26103-3Sakyō-ku 168.266680,52 26104-1Nakagyō-ku 109.34114957,35 26105-0Higashiyama-ku 39.0445000,00 26106-8Shimogyō-ku 82.66812200,15 26107-6Minami-ku 99.9276400,76 26108-4Ukyō-ku 204.262698,44 26109-2Fushimi-ku 280.6554512,89 26110-6Yamashina-ku 135.4714681,74 26111-4Nishikyo-ku 150.9622517,99 26100-9Kyōto-shi 1.475.183 1774,49

Bevölkerungsentwicklung der Stadt Jahr Bevölkerung Geschlechter-verhältnisMänner pro 100 Frauen Bevölkerungs-dichte (Ew. je km²) Flächein km² insgesamt männlich weiblich 1889 279.165 —— —— —— 9377,4 29,77 1899 358.573 180.756 177.817 101,712.044,8 29,77 1909 453.046 232.504 220.542 105,414.483,6 31,28 1920 591.323 299.686 291.637 102,89785,3 60,43 1925 679.963 350.759 329.204 106,611.252,1 60,43 1930 765.142 396.756 368.386 107,712.661,6 60,43 1935 1.080.593 555.792 524.801 105,93743,6 288,65 1940 1.089.726 545.107 544.619 100,13775,3 288,65 1947 999.660 483.028 516.632 93,53463,2 288,65 1950 1.101.854 533.426 568.428 93,82054,0 536,45 1955 1.204.084 585.963 618.121 94,82188,2 550,27 1960 1.284.818 628.250 656.568 95,72104,2 610,61 1965 1.365.007 670.157 694.850 96,52235,5 610,61 1970 1.419.165 697.418 721.747 96,62324,2 610,61 1975 1.461.059 718.213 742.846 96,72392,8 610,61 1980 1.473.065 721.402 751.663 96,02412,5 610,61 1985 1.479.218 721.281 757.937 95,22422,5 610,61 1990 1.461.103 708.601 752.502 94,22394,4 610,21 1995 1.463.822 706.859 756.963 93,42398,9 610,21 2000 1.467.785 704.281 763.504 92,22405,3 610,22 2005 1.474.811 703.210 771.601 91,11781,4 827,90 2010 1.474.015 701.088 772.927 90,71780,4 827,90 2015 1.475.183 699.748 775.435 90,21782,0 827,83 2018 1.468.980 695.829 773.151 90,11774,5 827,83 2019 1.465.448 694.130 771.318 90,01770,2 827,83 Quelle: PDF-Datei der Stadt Kyōto zur Bevölkerungsveränderung PDF-Datei zur Einwohnerentwicklung (japanisch), abgerufen am 17. März 2019.

Für die Jahre 1889 bis 1909 – Stand am Jahresende (Bevölkerungsregister) Für die Jahre 1920 bis 2015 – Stand am Volkszählungstag (1. Oktober) 2018 – Stand am 1. Oktober – Bevölkerungsfortschreibung 2019 – Stand am 1. März 2019 – Bevölkerungsfortschreibung

Angrenzende Städte und Gemeinden Präfektur Kyōto Uji Nagaokakyō Mukō Yawata Kameoka Nantan Kumiyama Ōyamazaki Präfektur Shiga Ōtsu Takashima Präfektur Osaka Takatsuki Shimamoto

Geschichte mini|links|200px|Modell vom Heian-kyō des 8. Jahrhunderts Unter dem Namen Heian-kyō wurde Kyōto 794 nach Aufgabe von Heijō-kyō (Nara, 784) und einem gescheiterten Versuch im nahegelegenen Nagaoka-kyō (Nagaokakyō) unter Kaiser Kammu (781–806) die zweite ständige Hauptstadt Japans.

Nach dem Dōkyō-Zwischenfall sollte der Einfluss buddhistischer Klöster zurückgedrängt werden, indem sie in der neuen Hauptstadt aus dem inneren Stadtgebiet von etwa 4500 × 5200 Metern verbannt wurden.

Die Heian-Zeit, in der die politische Macht im Wesentlichen von Kyōto ausging (allerdings schon bald nicht mehr vom Kaiser selbst), dauerte bis 1185. Während der Muromachi-Zeit von 1333 bis 1568 residierte dann das zunächst an der Ostküste gebildete Shōgunat wieder in Kyōto, verlor dabei aber ständig an Macht. Mit den Verwüstungen des Ōnin-Kriegs (1467–1477) begann der Verfall der Stadt, die schließlich nur noch aus zwei getrennten Gebieten auf der östlichen Stadthälfte bestand. Erst unter Hideyoshi wurde ab 1580 mit einem WiederaufbauIn Japan spricht man von der Kyōto-Renaissance. begonnen. Nun erst entstanden Tempel innerhalb der Stadt, was in den Zeiten zuvor untersagt war. Im Jahr 1568 wurde eine erste christliche Gebetsstätte erbaut, die im Volksmund Namban-ji hieß.

In der Edo-Zeit ab 1603 verlagerte sich das politische Zentrum Japans endgültig von Kyōto weg an die Ostküste. Die höfische Kultur wurde am Sitz des Tennō weiterhin gepflegt.

mini|Kyoto, Hauptstraße, 1891 Aus der Shogunatsverwaltung für die Stadt Kyōto und Shogunats- bzw. kaiserliche Güter im Umland entstand in der Meiji-Restauration die (in den Anfangsjahren: Stadt-)Präfektur (-fu) Kyōto, die sich aber bei der Konsolidierung der Präfekturen in den 1870er Jahren auf umfangreiche ländliche Gebiete in mehreren Provinzen ausdehnte. 1878/79 wurden die Präfekturen in Landkreise (-gun) und Stadtkreise/„Bezirke“ (-ku) unterteilt, dabei wurden auf dem Stadtgebiet von Kyōto am 10. April 1879 Kamigyō-ku und Shimogyō-ku eingerichtet. Aus diesen entstand am 1. April 1889 im Zuge der Reorganisation des japanischen Gemeindewesens die moderne kreisfreie Stadt (-shi) Kyōto, und die -ku wurden zu Stadtbezirken. Bis 1898 blieb die Stadt Kyōto nach einer Ausnahme der drei größten Städte des Reiches von der Stadtordnung (shisei tokurei) aber ohne eigenständige Verwaltung und wurde direkt von Gouverneur von Kyōto regiert. Erst danach wurden eigenständige Bürgermeister ernannt. Am 1. April 1929 wurden von beiden die neuen Stadtbezirke Higashiyama-ku, Nakagyō-ku und Sakyō-ku abgetrennt. Zum 1. April 1931 wurden eine Vielzahl umliegender Orte eingemeindet, wodurch Fushimi-ku und Ukyō-ku entstanden.

Im Zweiten Weltkrieg stand Kyoto ursprünglich ganz oben auf der Liste der Ziele für den ersten Einsatz der Atombombe und wurde von schweren konventionellen Luftangriffen verschont. Insbesondere General Leslie R. Groves forderte den Abwurf auf Kyoto, da die Lage in einem Tal die Auswirkung der Explosion noch verstärkt hätte. Auf Drängen des US-Kriegsministers Henry L. Stimson, der die Stadt einst besucht hatte und um deren kulturelle Bedeutung wusste, wurde sie jedoch von der Liste gestrichen.

Am 1. September 1951 wurde Kita-ku von Kamigyō-ku und Minami-ku von Shimogyō-ku abgetrennt. Die letzte Änderung der Stadtgliederung fand am 1. Oktober 1976 statt, als Nishikyō-ku von Ukyō-ku und Yamashina-ku von Higashiyama-ku abgetrennt wurden.

Politik und Verwaltung mini|200px|Das Kyoto International Conference Center im nordöstlichen Stadtteil Sakyō-ku, hier die Außenansicht, beherbergte für elf Tage die teilnehmenden Delegierten während der Arbeitssitzungen des Kyōto-Protokolls

Nach vier Amtszeiten zum Nachfolger von Daisaku Kadokawa als Bürgermeister der Stadt Kyōto (Kyōto shichō) wurde im Februar 2024 der ehemalige demokratische Nationalparlamentsabgeordnete Kōji Matsui gewählt. Matsui setzte sich mit breiter nicht kommunistischer Parteienunterstützung (LDP, KDP, Kōmeitō, DVP) und 37,9 % der Stimmen knapp gegen den KPJ-gestützten ehemaligen Vizepräsidenten der Präfekturanwaltskammer Kyōto (34,4 %) und drei weitere Kandidaten durch. Die Wahlbeteiligung stieg auf 41,67 %.

Der zuletzt im April 2023 gewählte Stadtrat von Kyōto (Kyōto shikai) besteht regulär aus 67 Mitgliedern. Die LDP blieb mit 19 Abgeordneten stärkste Partei, die Kommunistische Partei Japans (KPJ) fiel in ihrer traditionellen Hochburg auf 14 Sitze zurück, die Kōmeitō gewann elf Sitze. Die in der Nachbarpräfektur Osaka beheimatete Ishin no Kai gewann sechs auf nun zehn Sitze hinzu. Ihre anschließend formierte Gemeinschaftsfraktion mit Kyōto-Partei () und DVP löst die KPJ als zweitstärkste Kraft ab.

Im 60-köpfigen Präfekturparlament von Kyōto (Kyōto fugikai) stellt die Stadt Kyōto mit 34 Abgeordneten die Mehrheit.Präfekturparlament Kyōto: Abgeordnete nach Wahlkreis Allgemeine Präfekturparlamentswahlen finden ebenfalls im einheitlichen Wahlzyklus statt.

Bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus, dem Unterhaus des Nationalparlaments, erstreckt sich die Stadt Kyōto in vier der sechs Wahlkreise der Präfektur Kyōto. Die Wahlkreise 1 und 2, die ganz in der Stadt liegen, gewannen bei der Abgeordnetenhauswahl 2024 unverändert Yasushi Katsume (LDP) und Seiji Maehara (Ishin no Kai), die Wahlkreise 3 und 4, die sich auch auf andere Gemeinden erstrecken, Kenta Izumi (KDP) und Keirō Kitagami (parteilos zur Fraktion Yūshi no kai).

Kyōto-Protokoll

Vom 1. bis 10. Dezember 1997 fand in Kyōto eine internationale Klimakonferenz statt, auf der sich die Industrieländer im Rahmen des Kyoto-Protokolls verpflichteten, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken.

Städtepartnerschaften Schwesterstädte: Paris, Frankreich (seit 1958) Boston, Vereinigte Staaten (seit 1959) Köln, Deutschland (seit 1963) Florenz, Italien (seit 1965) Kiew, Ukraine (seit 1971) Xi’an, Volksrepublik China (seit 1974) Guadalajara, Mexiko (seit 1980) Zagreb, Kroatien (seit 1981) Prag, Tschechien (seit 1996)

Partnerstädte: Jinju, Südkorea Konya, Türkei Qingdao, Volksrepublik China Huế, Vietnam Istanbul, Türkei Vientiane, Laos

Wirtschaft und Wissenschaft BIP (PPP) pro KopfPurchasing power parities (PPP) - OECD Data Jahr Int.-$ 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2014 Eine wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt ziehen Japaner aller Altersgruppen an, auch viele ausländische Touristen besuchen die Stadt. Die Stadt hat eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur.

Ein weiterer Wirtschaftszweig sind kleine Betriebe und Familienunternehmen, die sich dem traditionellen japanischen Handwerk verschrieben haben. Berühmt ist Kyōto vor allem für seine Seidenmanufakturen (Nishijin, nach dem gleichnamigen Stadtteil) und seine Kimono-Produktion. Ende des 17. Jahrhunderts wurde von Yūzen Miyazaki in Kyōto eine besondere Färbetechnik (Kyō-yūzen) entwickelt, die heute außer in Kyōto fast nur noch in Kanazawa praktiziert wird. In den letzten Jahrzehnten stagniert dieser Sektor allerdings.

Der südliche Stadtteil Fushimi-ku ist neben Niigata und Nada (Kōbe) einer der namhaftesten Entstehungsorte von Sake.

mini|Hauptsitz von Nintendo in Kyōto

Drittes Standbein der Stadt ist die Elektronik. In Kyōto befinden sich die Zentralen von Nintendo, OMRON, Kyocera, muRata Electronic und Wacoal. Die Hightech-Industrie kann den Rückgang des traditionellen Handwerks jedoch nur teilweise ausgleichen, so dass eine große Zahl Erwerbstätiger täglich nach Osaka pendelt.