mini|Ostereier in Osterkorb mini|Osterstrauß Ein Osterei ist ein gefärbtes, oft mit Motiven bemaltes oder verziertes Ei; gewöhnlich ein hartgekochtes Hühnerei, das traditionell zu Ostern verschenkt oder gegessen wird.
Des Weiteren werden auch nicht zum Verzehr bestimmte Dekorationsgegenstände als Ostereier bezeichnet, die während der Osterzeit als Schmuck oder teils auch als Geschenk dienen. Es sind in der Regel ausgeblasene Eier, meist Hühnereier, oder Eier aus anderen Materialien wie zum Beispiel Pappe, Gips, Holz, Naturstein oder Kunststoff. Je nach Verwendungszweck und Materialart werden solche Ostereier größtenteils ebenfalls gefärbt, farbig bemalt oder eingefärbt hergestellt sowie meistens mit Verzierungen in vielfältigen Arten versehen. Auch die in großen Mengen angebotenen und bunt verpackten Schokoladeneier sind Ostereier (Schokoostereier).
Geschichte Das Dekorieren von Eierschalen ist weitaus älter als die christliche Tradition, was 60.000 Jahre alte Funde dekorierter Straußeneier aus dem südlichen Afrika beweisen.Egg Cetera #6: Auf der Jagd nach den ältesten verzierten Eiern der Welt, University of Cambridge (englisch) Auch wurden 5.000 Jahre alte verzierte Straußeneier in antiken Gräbern der Sumerer und Ägypter gefunden.Richard L. Zettler, Lee Horne, Donald P. Hansen, Holly Pittman: Treasures from Royal Tombs of Ur, 1998, S. 70–72 (englisch). Bemalte Eier als Grabbeigabe sind auch aus der europäischen Antike bekannt. Die frühen Christen Mesopotamiens bemalten Eier rot, um an das Blut Christi zu erinnern, das er bei der Kreuzigung vergoss.T. B. Noonan: Donahoe’s Magazine, Volume 5 (englisch) Dass die Eier verschiedentlich gefärbt wurden, hatte praktische Gründe. Aufgrund des Fastengebotes der katholischen Kirche durften ab Aschermittwoch bis Ostern neben Fleisch auch keine Eier gegessen werden. Da die Fastenzeit über sechs Wochen dauert, erfolgte die Haltbarmachung durch Hartkochen der Eier. Um ältere Eier von jüngeren zu unterscheiden, färbte man sie unterschiedlich. So standen am Ostersonntag verschieden gefärbte Eier zum Verzehr zur Verfügung.GeoLino: Bunte Eier! Warum eigentlich? (aufgerufen am 1. April 2018)
Das Schenken von Eiern zu Ostern lässt sich erstmals in den ersten Jahrhunderten nach Christus in Armenien nachweisen.„Frohe Ostern!“. Tagesschau. 4. April 2021, abgerufen am 31. März 2024Ostern: Ostereier. Planet Wissen. 1. März 2021, abgerufen am 31. März 2024
In neuerer Zeit werden hartgekochte Eier das ganze Jahr über fast nur noch in der Art von Ostereiern bunt gefärbt verkauft.
Christentum mini|Osterspeisensegnung in Polen In der christlichen Ikonographie gilt das Ei als eines der Symbole für die Auferstehung Jesu ChristiAugustin im Sermo 105, Ei. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI). Bd. 1. Herder, Freiburg 1968., einige Autoren vergleichen das Öffnen der Schale mit dem des leeren Grabes am Ostermorgen. Auch kommt das Ei auf Marienbildern im Hintergrund oder als Randmotiv als Hinweis auf die Empfängnis Christi durch den Heiligen Geist vor.Hugo von St. Viktor, In: De Bestiis. Ei. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI). Bd. 1. Herder, Freiburg 1968.
Im 12. Jahrhundert wurde von der katholischen Kirche die Benedictio ovorum, die Segnung von Eiern oder Osterspeisen, eingeführt. Zur Zeit Papst Pauls V. (1605–1621) betete der Priester in der Ostermesse: „Segne, Herr, wir bitten dich, diese Eier, die du geschaffen hast, auf dass sie eine bekömmliche Nahrung für deine gläubigen Diener werden, die sie in Dankbarkeit und in Erinnerung an die Auferstehung des Herrn zu sich nehmen.“
Das Färben von Eiern zu Ostern ist ein Brauchtum, das von Armenien über Russland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa bekannt ist. Für Deutschland werden gefärbte Eier erstmals im frühen 13. Jahrhundert erwähnt. Das Wort Osterei erscheint im 14. Jahrhundert in der Bedeutung „zu Ostern abzulieferndes Zinsei“.Deutsches Rechtswörterbuch: Osterei. Uni HeidelbergDamen Conversations Lexikon. Leipzig 1837, Berlin 2005 (Repr.), ISBN 3-89853-518-5 1553 wird von roten Eiern bei der österlichen Speisenweihe berichtet. 1617 spricht Puteanus in seinem Werk Ovi enconium von beschrifteten, bemalten und geätzten Ostereiern. Georg Franck beschrieb 1682 in der Schrift Satyrae den Volksbrauch des Verstecken der Ostereier für Kinder und den Osterhasen in protestantischen Gebieten im Elsass und der Pfalz. Abt Jakobus Vogler aus dem Kloster Schuttern erwähnte am 16. April 1691 in sein Tagebuch: „Den hiesigen Kindern gebe ich zu Ostern im Garten versteckte Eier.“Osterei. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Bd. 6. Berlin 1935, S. 1327f., 1987 (Repr.). ISBN 3-11-011194-2.
Andere Religionen mini|Bunte Eier beim Nouruz-Fest Die Einbindung von Eiern in mystische und religiöse Riten vieler antiker Völker haben Forscher bis ins Zeitalter der Babylonier zurückverfolgt. Gefärbte Eier kommen in der Sitte des Nouruz-Festes im iranischen Raum vor, vor allem bei Zoroastriern und Jesiden.Die Yeziden – eine Arbeitshilfe. EKD, Hannover 1992
Auch die chinesischen roten Eier symbolisieren einen Neuanfang. Sie werden Gästen oft zum ersten Geburtstag eines Kindes serviert.
Färbemittel
Traditionelle Färbemittel
Zum Färben von Eiern werden traditionell folgende mehr oder weniger stark färbenden Pflanzen oder Pflanzenextrakte verwendet:https://www.youtube.com/shorts/E3cOj02JD64
Rot: Malventee (Hibiskusblüten, dunkelrot), Preiselbeeren, Rote Bete, rote Zwiebelschalen, roter Traubensaft Orange: Karotten (orange-gelb), Ringelblumenblüten Gelb: Fliederblüten, Kamilleblüten, Kurkuma, Safran Grün: Blätter, Brennnesseln, Gras, Johanniskraut (gelb-grün), Mate-Tee (olivgrün), Petersilie, Spinat Blau und Lila: Heidelbeeren, Rotkohlblätter, Schwarze Holunderbeeren (Fliederbeeren) Braun: Kaffee, Kümmel, Schwarzer Tee, Zwiebelschalen
Natürliche Farbstoffe
Neben den traditionell verwendeten Färbemitteln für Eier werden heute weitere Farbstoffe verwendet, die ebenfalls natürlichen Ursprungs sind:
Rot: Apfelbaumrinde, Färberdistelhttps://www.heitmann-eierfarben.de/natur-f%C3%A4rbeset.html (rosa, kirschrot), Roter Rettich (gelbrot) Gelb: Färbermaulbeerbaum (Gelbholz) Blau: Spirulina platensishttps://prozesstechnik.industrie.de/food/aus-spirulina-rotem-rettich-und-rotkohl/ Braun: Färberdistel (braunrot oder braungelb)
Bei der Lebensmittelproduktion zum Färben eingesetzte Pflanzen- oder Fruchtextrakte gelten gemäß Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 nicht als Lebensmittelzusatzstoffe. Sie tragen daher keine E-Nummer.
Künstliche Farbstoffe
Verwendung finden unter anderem folgende künstlich hergestellte Lebensmittelfarbstoffe:https://www.zusatzstoffmuseum.de/lexikon-der-zusatzstoffe.htmlhttps://www.heitmann-eierfarben.de/
Rot: E120 Echtes Karmin, E122 Azorubin, E124 Cochenillerot A, E172 Eisenoxidpigmente Rosarot: E127 Erythrosin Gelborange: E110 Gelborange S Gelb: E101 (ii) Riboflavin-5'-Phosphat, E104 Chinolingelb, E172 Eisenoxidpigmente Grün: E141 (ii) Kupferkomplexe der Chlorophylline (oliv- bis dunkelgrün), E142 Grün S Blau: E131 Patentblau V, E132 Indigotin, E133 Brillantblau FCF Violett: E151 Brillantschwarz PN Braun, Schwarz: E151 Brilliantschwarz PN, E172 Eisenoxidpigmente
Dekorationsarten mini|Saalfelder Ostereierbaum Um ausgeblasene bzw. hartgekochte Eier zu dekorieren, gibt es viele verschiedene Techniken, z. B. Bemalen oder auch komplizierte Batik-, Kratz- und Ätztechniken. Oft werden diese Eier an einen Strauß aus Birkenzweigen – den so genannten Osterstrauß – gehängt oder kunstvoll (manchmal gemeinsam mit anderen Gaben) in ein Osterkörbchen dekoriert. Weitverbreitet ist es auch, die noch kahlen Äste von im Garten stehenden Bäumen in der Osterzeit damit zu schmücken. So ist im thüringischen Saalfeld ein solcher Ostereierbaum mit über zehntausend Eiern zu bewundern – der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde mit 76.596 Eiern gelang im April 2007 jedoch dem Zoo Rostock.
Pysanka mini|Ostereier aus Rumänien („Pisanki“) In mittel-, südost- und osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien oder der Ukraine wird die Methode angewandt, Eier Schritt für Schritt in immer dunkleren Farben zu färben, wobei jedes Mal mehr Teile mit Wachs bedeckt werden, sodass sich die komplette Färbung erst am Ende zeigt, wenn das Wachs wieder entfernt wird.
Sorbische Tradition mini|Sorbische Ostereiermalerei
Insbesondere in der sorbischen Lausitz und in den slawisch geprägten Teilen Europas zeichnen sich die Eier durch eine besonders kunstvolle und aufwändige Verzierung aus. Speziell bei der Batiktechnik werden drei traditionelle Muster aufgetragen. Die Sonnenstrahlen, die entstehen, wenn man mit einer Glasnadel das heiße Bienenwachs als gezogene Tropfen oder Striche aufträgt, stehen in der Symbolik für Glück und Zufriedenheit. Die Wolfzähnchen werden mit einem zurechtgeschnittenen Federkiel als Dreiecke in verschiedenen Formationen aufgetragen und stehen in der Symbolik für den Schutz vor Unheil und Krankheiten. Und die Bienenwaben, die durch Dreiecksmuster entstehen, deren Oberkante die Wolfszähnchen bilden können, stehen in der Symbolik für Reichtum und gute Ernte und Erträge.
Die Sorben schenken sich die kunstvoll verzierten Eier nicht nur zu Ostern, sondern auch zu Kindstaufen, Kommunionen, Hochzeiten und anderen besonderen persönlichen Anlässen, um mit den Symbolen die Wünsche an den Beschenkten zu betonen.
Die beim Bemalen benutzten Farben haben in einigen Regionen folgende Bedeutungen: Gelb steht für den Wunsch nach Erleuchtung und Weisheit Grün steht für Jugend und Unschuld Orange für Kraft, Ausdauer und Ehrgeiz Rot symbolisiert den Opfertod Christi Weiß ist die Farbe der Reinheit
Das Osterei in Volkssitten Kindern wurde – je nach Gegend – erzählt, dass die Ostereier vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch, dem Bilby (in Australien)The Australian Bilby Appreciation Society mit Bildern von Schokolade-Kaninchennasenbeutlern oder dem Hasen gebracht werden. Auch den Kirchenglocken auf ihrer Rückkehr in der Osternacht vom Flug nach Rom wurden die mitgebrachten Eier zugeschrieben. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt und andere wie den Osterfuchs verdrängt. Heute suchen die Kinder meist am Ostermorgen die versteckten Ostereier.
In Franken gab es den Brauch, ein an Gründonnerstag gelegte Ei in einem Misthaufen zu vergraben, es am Ostermontag wieder herauszuholen und es einer Henne unterzuschieben. Die Henne glaubte man, würde daraufhin ihr Nest verlassen, eine Wurzel suchen und diese in das Nest legen. Wenn nun diese Wurzel in einen Geldbeutel gelegt wird, sollte dieser immer mit Geld gefüllt sein.Martin Droschke: Fränkische Osterbräuche, die zum Glück aus der Mode gekommen sind. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 27. März.
Weitere Bräuche mit Ostereiern sind zum Beispiel Münzenwerfen (bleibt die Münze im Ei stecken, gehört das Ei dem Werfer), Ostereiertitschen, Ostereierschieben oder (beispielsweise in Österreich, Kroatien, Russland) das Eierpecken. Beim EierschleudernEierschleudern im Vogtland. Abgerufen am 28. März 2010. (in Bayern auch Eierwerfen, in Ostfriesland Eierschießen) im Vogtland wird ein Osterei in ein gehäkeltes Säckchen mit einem langen Band gesteckt: Das schleudert man und lässt es los. Das Werfen findet auf einer Wiese oder Weide statt. Wiesen mit dichtem Gras sind am besten geeignet. Für das Werfen selbst gibt es verschiedene oder auch keine Regeln.Eierwerfen-Regeln In: brauchtumsseiten.de. Abgerufen am 29. März 2010. Wichtig ist, dass die Eier, die man werfen möchte, hartgekocht sind, damit das Ei nicht so schnell zu Bruch geht. Oft werfen sich zwei oder mehr Personen die Eier zu, bis die Schale völlig zerbrochen ist.