Der Landkreis Gießen liegt im mittelhessischen Regierungsbezirk Gießen. Er trug von seiner Gründung 1832 bis Ende 1938 die Bezeichnung Kreis Gießen.
Geografie Lage Der Landkreis Gießen erstreckt sich in seinen Hauptorten vom Gießener Becken bis zur nördlichen Wetterau im Süden. Den flächenmäßig größten Anteil nimmt demgegenüber jedoch der Vordere Vogelsberg in der Osthälfte ein, ganz im Osten liegen Teile des Vogelsberges. Nordwestlich des Gießener Beckens reichen überdies Teile des Gladenbacher Berglandes in Form des Krofdorf-Königsberger-Forstes mit dem weithin sichtbaren Dünsberg ins Kreisgebiet. Südwestlich reichen Teile des Landkreises in den östlichen Hintertaunus hinein.
Die Lahn betritt im Norden bei Odenhausen das Kreisgebiet, fließt dann nach Süden durch die Stadt Gießen. Hier wendet sie sich nach Westen, um nur wenige Kilometer westlich den Landkreis wieder zu verlassen.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Vogelsbergkreis, Wetteraukreis und Lahn-Dill-Kreis. mini|Ehemaliges Landratsamt an der Ostanlage
Geschichte Territorialgeschichte Das heutige Kreisgebiet war vor 1800 in zahlreiche Herrschaftsgebiete aufgeteilt, wovon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und verschiedene Solmsische Grafschaften den größten Anteil hatten. Kleinere Teile gehörten zum Herzogtum Nassau. Mit der Mediatisierung 1806 kamen die solmsischen Gebiete an das neu gegründete Großherzogtum Hessen, die nassauischen Gebiete 1815 durch den Wiener Kongress an den preußischen Kreis Wetzlar. 1821 entstand der Landratsbezirk Gießen innerhalb der Provinz Oberhessen.
Durch Verordnung vom 20. August 1832 wurde aus einem Teil des Landratsbezirks der Kreis Gießen gebildet, der anfänglich aus der Stadt Gießen sowie den Orten Allendorf an der Lahn, Bieber, Fellingshausen, Frankenbach, Großen-Linden, Hermannstein, Heuchelheim, Kleinlinden, Königsberg, Krumbach, Naunheim, Rodheim an der Bieber, Waldgirmes und Wieseck bestand.Großherzoglich-Hessisches Regierungsblatt 1832: Bildung des Kreises Gießen Am 1. Juli 1837 wechselten 25 Gemeinden aus dem Kreis Grünberg in den Kreis Gießen.
Mit dem Gesetz zur Neuorganisation der Verwaltung vom 31. Juli 1848 wurden alle Kreise und Landratsbezirke im Großherzogtum Hessen abgeschafft und durch insgesamt zehn (ab 1850 elf) Regierungsbezirke ersetzt. Die Regierungsbezirke wurden 1852 wieder aufgehoben; gleichzeitig wurde wieder ein Kreis Gießen gebildet, nunmehr bestehend aus der Stadt Gießen, den Landgerichtsbezirken Gießen und Lich sowie den Orten Grüningen, Dorf-Güll und Holzheim aus dem Landgerichtsbezirk Hungen.
Nach dem Deutschen Krieg wurde im Friedensvertrag vom 3. September 1866 zwischen Preußen und dem Großherzogtum Hessen vereinbart, dass die Gemeinden Bieber, Fellingshausen, Frankenbach, Hermannstein, Königsberg, Krumbach, Naunheim, Rodheim an der Bieber und Waldgirmes des Kreises Gießen an Preußen fielen. Im Gegenzug wechselte die Gemeinde Treis an der Lumda aus dem ehemals kurhessischen und nunmehr preußischen Kreis Marburg in den Kreis Gießen.
Am 1. Juli 1874 wurde der Kreis Gießen um große Teile der beiden aufgelösten Kreise Grünberg und Nidda vergrößert.
Bei der Auflösung des Kreises Schotten am 1. November 1938 kamen die Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld zum Kreis Gießen hinzu. Gleichzeitig schied die Stadt Gießen aus dem Kreis aus und wurde kreisfrei. Am 1. April 1939 schieden auch die Gemeinden Kleinlinden und Wieseck aus dem Landkreis Gießen aus und wurden in die Stadt Gießen eingegliedert.
Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurden im Landkreis Gießen ab 1970 zahlreiche Gemeinden fusioniert. Außerdem wurden auch die Außengrenzen des Landkreises mehrfach geändert: Am 1. April 1967 wurde die Gemeinde Kinzenbach aus dem damaligen Landkreis Wetzlar nach Heuchelheim eingemeindet. Am 1. Oktober 1971 wurden die Gemeinden Allendorf an der Lahn und Rödgen in die kreisfreie Stadt Gießen eingemeindet. Am 31. Dezember 1971 wurde die Gemeinde Ober-Hörgern nach Münzenberg im damaligen Landkreis Friedberg eingemeindet. Am gleichen Tag wurden die Gemeinden Altenhain und Lehnheim aus dem damaligen Landkreis Alsfeld nach Laubach bzw. Grünberg im Landkreis Gießen eingemeindet. Außerdem wurden Odenhausen und Salzböden aus dem damaligen Landkreis Wetzlar nach Lollar im Landkreis Gießen eingemeindet. Am 1. Juli 1974 wechselte die Gemeinde Braunstein aus dem aufgelösten Landkreis Marburg in den Landkreis Gießen.
Mit Wirkung zum 1. Januar 1977 wurde der Landkreis Gießen aufgelöst: Der größte Teils des Landkreises wurde mit dem Dillkreis (Sitz in Dillenburg) und einem großen Teil des Landkreises Wetzlar zum neuen Lahn-Dill-Kreis mit Sitz in der kreisfreien Stadt Lahn vereinigt. Die Gemeinde Heuchelheim wurde zusammen mit der kreisfreien Stadt Gießen, der Stadt Wetzlar und weiteren Gemeinden des aufgelösten Landkreises Wetzlar Teil der neuen Stadt Lahn.
Wegen heftiger Proteste seitens der Bevölkerung wurde die Gebietsreform 1979 teilweise wieder rückgängig gemacht. Mit Wirkung vom 1. August 1979 wurde die Stadt Lahn wieder aufgelöst, und das Lahn-Dill-Gebiet wurde neu geordnet. Dabei wurde ein neuer, größerer Landkreis Gießen gebildet, bestehend aus dem gesamten alten Landkreis Gießen, der Stadt Gießen sowie einer Reihe von Orten, die bis 1977 zum Landkreis Wetzlar gehört hatten. Dies waren Lützellinden, seit 1977 Teil der Stadt Lahn, nun Teil der Stadt Gießen die Gemeinde Biebertal, die 1970 im Landkreis Wetzlar neugebildet worden war und seit 1977 zum Lahn-Dill-Kreis gehörte die aus Teilen der Stadt Lahn (Krofdorf-Gleiberg, Wißmar und Launsbach) gebildete neue Gemeinde Wettenberg die Gemeinden Cleeberg, Dornholzhausen, Espa und Kleenheim, die 1977 nach Langgöns eingemeindet worden waren.
Der Lahn-Dill-Kreis wurde verkleinert weitergeführt und die ebenfalls wieder gebildete Stadt Wetzlar dessen Kreisstadt. Seither umfasst der Landkreis Gießen insgesamt 18 Städte und Gemeinden. Die nunmehr kreisangehörige Stadt Gießen erhielt den Rang einer Sonderstatusstadt.
2009 zog das Landratsamt von der Gießener Innenstadt (Ostanlage 33–45) an den Stadtrand. Dafür wurden Gebäude der ehemaligen Waldkaserne und späteren Rivers Barracks der US Army in der sogenannten Automeile an der Licher Straße angemietet, in denen nun ein Großteil der Kreisverwaltung arbeitet.Landkreis-Adresse jetzt offiziell „Riversplatz 1–9“. In: Gießener Allgemeine Zeitung. 21. Juli 2009.
Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Landkreis Gießen (Datenquelle: Zensus 2011)
Jahr Einwohner Quelle 1852 45.369 1900 81.916 1910 94.026 1925 99.408 1933 69.708 1939 69.114 1950 104.832 1960 101.200 1969 116.000 1980 231.511 1990 240.136 2000 253.587 Hessisches Statistisches Landesamt 2010 255.546 2015 260.406 2019 269.167 Hessisches Statistisches Landesamt
Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 52,4 % der Einwohner evangelisch, 16,1 % römisch-katholisch und 31,5 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religionsgesellschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011 / Hessen. Hessen unter der Lupe. Wiesbaden 2014, auf Seite 15 der Datei: „Religionszugehörigkeit in den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten am 9. Mai 2011 (in %)“ Der Mitgliederschwund der großen Kirchen hielt seitdem weiter an. Gemäß Zensus 2022 waren (2022) 41,0 % der Einwohner evangelisch, 12,9 % katholisch und 46,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank: 1000A Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - wähle „Zum Thema“: 1000A-1018 Personen: Religion - wähle „Zur Tabelle“ - wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“
Leitende Beamte Seit der Gründung 1821 (von 1977 bis 1979 als großer Lahn-Dill-Kreis) waren folgende Personen Landräte, Kreisräte oder Kreisdirektoren:Landkreis Gießen: (PDF; 5 MB) und , abgerufen am 19. Dezember 2011.
Landräte (Landratsbezirk Gießen) Justus Joseph Ludwig von Zangen (1821–1826) Christian Knorr (1826–1827) Wilhelm Georg Ludwig Ouvrier (1827–1832)
Kreisräte (Kreis Gießen) Carl Knorr (1832–1842Versetzung in den Ruhestand vom 15. September 1842. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 32 vom 30. September 1842, S. 428.) Christian Prinz (1842–1848) Von 1848 bis 1852 gab es im Großherzogtum Hessen keine Kreise, sondern größere Regierungsbezirke, siehe: Regierungsbezirk Gießen Friedrich Küchler (1852–1866) Theodor Goldmann (1866–1870) Julius Rinck von Starck (1870–1871) Ludwig Röder von Diersburg (1871–1877) Karl Ernst Böckmann (1877–1888) Maximilian von Gagern (1888–1898) Hermann von Bechtold (1898–1902) Andreas Breidert (1902–1910) Karl Usinger (1910–1917 )
Kreisdirektoren (Kreis Gießen) Karl Usinger ( 1917–1922) Ludwig Matthias (1922–1924) Heinrich Graef (1924–1934) Alfred Klostermann (1934–1935) Hugo Lotz (1936–1938 )
Landräte (Landkreis Gießen) Hugo Lotz ( 1939–1944) Wilhelm Reeb (1944–1945) Theodor Weber (1945) Joseph Wagenbach (CDU) 1. Juni 1945 – 30. Juni 1946 Karl Benner (SPD) 2. Juli 1946 – 30. Juni 1948 Johannes Nowara alias „Neumann“ (CDU) – mit gefälschter Identität 16. Juni 1948 – 27. August 1948 Alfred Dingeldey (CDU) 27. August 1948 – 15. Januar 1949 Hans Bone von Schwerin (CDU) 7. April 1949 – 6. April 1961 Georg Maraun (SPD) 7. April 1961 – 4. Mai 1967 Ernst Türk (SPD) 5. Mai 1967 – 16. Juni 1977 Karl Rehrmann (CDU) 17. Juni 1977 – 31. Juli 1979 Ernst Klingelhöfer (FWG) 1. August 1979 – 20. Januar 1986 Rüdiger Veit (SPD) 21. Januar 1986 – 20. Januar 1998 Willi Marx (SPD) 21. Januar 1998 – 20. Januar 2010 Anita Schneider (SPD) seit 21. Januar 2010
Politik Kreistag Für den Kreistag des Landkreises Gießen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2026 in Vergleich gesetzt zu den Ergebnissen früherer Kreistagswahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2021Votemanager: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016 und von 2011Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2006 und 2001Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997 Diagrammdarstellung von Wahlergebnis und Sitzverteilung Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 26,42125,32124,41929,22434,62835,228 20,21621,01728,52333,52735,62938,531 16,1137,5614,412—————— 13,81121,31710,8916,7139,078,57 8,175,044,642,523,83—— FWG Freie Wählergruppe Gießen4,94—————————— 3,235,345,143,535,344,94 2,621,61———————— 1,92—————————— 1,511,92———————— 1,4111,1910,7911,1911,7109,78 ————1,712,02———— Linkes Bündnis Linkes Bündnis Gießen——————0,91———— ——————————3,23Gesamt 100 81 100 81 100 81 100 81 100 81 100 81Wahlbeteiligung in %58,251,949,948,044,844,8
Seit den Kreistagswahlen 2021 regiert eine Mehrheitskoalition aus CDU, GRÜNE und FW.
Zum Kreistagsvorsitzenden wurde Claus Spandau (CDU) gewählt.
Landrat/Landrätin Landrätin des Landkreises Gießen ist Anita Schneider (SPD). Ihr Vorgänger, Willi Marx (SPD), hatte das Amt seit 1997 bekleidet. Seit 2021 ist Christopher Lipp (CDU) erster Kreisbeigeordneter. Christian Zuckermann (B 90/Grüne) ist hauptamtlicher Kreisbeigeordneter, ebenso wie Frank Ide (FW), der im Januar 2023 H.P. Stock als hauptamtlichen Kreisbeigeordneten ablöste.