Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im April 2003.

Tagesgeschehen Dienstag, 1. April 2003 mini|150px|Falschfarben-Satellitenbild von Bagdad Bagdad/Irak: Im Dritten Golfkrieg wird u. a. das Zentrum der irakischen Hauptstadt bombardiert. Zu den Zielen gehören der „Palast der Republik“, die Liegenschaften der Republikanischen Garde und die Zentrale des Nationalen Olympischen Komitees. Chima/Bolivien: Bei einem Erdrutsch in der etwa 190 km nördlich von La Paz gelegenen Goldgräberstadt Chima werden nach Schätzungen der Behörden bis zu 150 Menschen verschüttet. Floridastraße: Wie bereits am 19. März wird ein Passagierflugzeug auf dem Weg von Kuba nach Key West im US-Bundesstaat Florida entführt. Hemer/Deutschland: In Nordrhein-Westfalen weisen Mediziner bei einem 72-jährigen Mann zum ersten Mal in Deutschland das Schwere Akute Atemwegssyndrom nach. Nürnberg/Deutschland: Seit heute können in „Minijobs“ 400 Euro pro Monat statt bisher 325 Euro verdient werden. Die Pflicht-Abgabe des Arbeitgebers an die Sozialversicherungsträger liegt nun bei 25 % im Allgemeinen und bei 12 % für Arbeitgeber im Bereich der privaten Haushaltshilfe. Zubair/Irak: Nach Angaben britischer Medien bringt die Britische Armee die 15 km von Basra entfernte Großstadt Zubair nach heftigen Gefechten unter ihre Kontrolle.

Mittwoch, 2. April 2003 Bagdad/Irak: Im Irakkrieg wird die „Bagdad-Division“ der Republikanischen Garde nach US-amerikanischen Angaben an zwei Fronten vernichtend geschlagen. Die Städte Kut und Kerbela, beide über 100 km von Bagdad entfernt, sind die nächsten Ziele. Die vordersten Einheiten der Streitkräfte der Vereinigten Staaten sollen sich 30 km vor Kut befinden. Berlin/Deutschland: Der Bundesvorstand der Partei Bündnis 90/Die Grünen beschließt auf Antrag von etwa 50 Kreisverbänden die Vorbereitung eines Sonderparteitags zu den Sozialreformen der Agenda 2010. Brüssel/Belgien: Die Europäische Union (EU) eröffnet gegen Frankreich ein Defizit-Verfahren. Gemäß EU-Verträgen ist eine Neuverschuldung in Höhe von maximal 3 % des Staatshaushalts zulässig. Das französische Defizit liegt bei 3,1 %. Brüssel/Belgien: Einen Tag vor dem Besuch des US-Außenministers Colin Powell wird eine Änderung des Völkermord-Gesetzes beschlossen. Die noch gültige Fassung gibt Menschen weltweit das Recht, bei Verstößen gegen das Völkerrecht belgische Gerichte anzurufen, deshalb sind Klagen anhängig gegen den früheren US-Präsidenten George H. W. Bush und drei Mitglieder der jetzigen US-Regierung. Davao City/Philippinen: Im Hafenviertel der Stadt werden durch eine Explosion mindestens 16 Menschen getötet. Darunter befinden sich zwei Kinder und eine Nonne. 40 weitere Menschen werden verletzt. Genf/Schweiz: Die Weltgesundheitsorganisation warnt erstmals in ihrer Geschichte vor Reisen in eine Region, die zu diesem Zeitpunkt nicht von einem Krieg betroffen ist, und rät vom Besuch der chinesischen Provinz Guangdong sowie der Sonderverwaltungszone Hongkong ab. Hilla/Irak: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wirft den Alliierten im Irakkrieg vor, bei der Bombardierung der Stadt Bagdad international geächtete Streubomben einzusetzen. ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner berichtet von Splitterverletzungen, die den Vorwurf stützen. Türkei: Ministerpräsident Abdullah Gül und US-Außenminister Colin Powell vereinbaren die logistische Unterstützung der Streitkräfte der Vereinigten Staaten durch die Türkei im Nordirak. Tulkarm/Palästinensische Autonomiegebiete: Die Israelische Armee nimmt bei einer Großrazzia im nahe der Stadt Tulkarm im Westjordanland gelegenen Flüchtlingslager etwa 2.000 palästinensische Männer vorübergehend fest.

Donnerstag, 3. April 2003 Bagdad/Irak: Aus der Stadt wird von einer Massenflucht berichtet, unterdessen nehmen US-Soldaten der 3. Infanterie-Division nach Angaben eines Reporters des amerikanischen Fernsehsenders ABC bei geringer Gegenwehr den internationalen Flughafen der Stadt ein. Sie wären die ersten Alliierten innerhalb der so genannten „Roten Zone“. In dieser hält die militärische Führung der Invasionstruppen Chemiewaffen-Einsätze der Iraker für realistisch. Der irakische Informationsminister Muhammad as-Sahhaf bestreitet die Anwesenheit der US-Armee in der Stadt, in der nach heftigen Luftangriffen erstmals seit Beginn des Kriegs die Lichter ausgehen. In den vergangenen 24 Stunden sollen die Iraker ein Kampfflugzeug des Typs F/A-18 Hornet, einen Hubschrauber vom Typ Black Hawk und einen „Chinook“-Transporthubschrauber abgeschossen haben. Basra/Irak: Nach Angaben des britischen Fernsehsenders BBC sollen britische Truppen zum ersten Mal Streubomben gegen irakische Soldaten eingesetzt haben. Der britische Militärsprecher Chris Vernon in Katar dementiert die Meldung jedoch und der britische Militärsprecher Geoff Hoon in London weist Berichte über eine vollständige Umzingelung der Stadt Basra zurück, strategisch bedeutsame Vororte seien aber eingenommen worden. Kut/Irak: Am Tag nach der Besetzung durch US-amerikanische Truppen kommt es in der Stadt zu Straßen- und Häuserkämpfen. Dabei werden nach Angaben des US-Militärs drei Infanteristen des Marinekorps verletzt. Straßburg/Frankreich: Die Union der Staaten Serbien und Montenegro tritt als 45. Mitgliedstaat dem Europarat bei.

Freitag, 4. April 2003 Bagdad/Irak: Das irakische Fernsehen zeigt Aufnahmen von Saddam Hussein beim Besuch eines von Luftschlägen der alliierten Invasionstruppen getroffenen Stadtviertels. Der Diktator des Irak ruft die Bewohner der Stadt zum Widerstand auf. Der „Saddam International Airport“ ist nach Angaben des US-amerikanischen Militärs von etwa 1.500 US-Soldaten besetzt. Er liegt etwa 20 km südwestlich des Stadtzentrums und soll für den Nachschub der Truppen genutzt werden. Das würde die Anzahl der Versorgungsfahrten über den 400 km langen Landweg verringern. Berlin/Deutschland: In unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor wird mit dem Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas begonnen. Kuwait/Kuwait: In Kuwait startet ein erster Konvoi des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in die belagerte irakische Stadt Basra. Nadschaf/Irak: Schiitische Zivilisten hindern US-Soldaten am Vordringen zur Imam-Ali-Moschee. Seoul/Südkorea: Ein Fernsehsender verbreitet die Falschmeldung, der Microsoft-Gründer Bill Gates sei Opfer eines Attentats geworden. Der Sender beruft sich auf eine Internet-Meldung. Der Aktienindex der Börse Seoul gibt um 1,5 % nach.

Samstag, 5. April 2003 Algerien: In der Sahara entdecken die Begleitpersonen einer Kamelkarawane in der Nähe der Oasenstadt Illizi auf der Suche nach 29 verschollenen Touristen ein unterirdisches Tunnelsystem. Bagdad/Irak: Weiterhin fliehen viele Zivilisten aus der Stadt. Am Morgen rücken nach US-amerikanischen Angaben zum ersten Mal US-Truppen in das Zentrum der Stadt vor. Diesen Berichten widerspricht der irakische Informationsminister Muhammad as-Sahhaf, auch Journalisten bestätigen die Meldung nicht. Die US-Truppen ziehen ihren Ring um Bagdad enger. Der Fernsehsender Al Jazeera meldet heftige Gefechte in einem westlichen Vorort und um den Flughafen. Der Irak teilt mit, er habe das Gelände durch Selbstmordattentate und andere „Kampfarten“ teilweise zurückerobert. Basra/Irak: Zwei Kampfjets der Alliierten bombardieren das Haus des irakischen Generals Ali Hasan al-Madschid, der 1988 den Giftgasangriff auf Halabdscha anordnete. Britische Soldaten entdecken die Überreste von etwa 200 Menschen, bei denen es sich nach irakischen Angaben um Opfer des Ersten Golfkriegs zwischen dem Iran und dem Irak in den 1980er Jahren handelt. Die körperlichen Überreste habe der ehemalige Kriegsgegner erst kürzlich übergeben. Kerbela/Irak: Nach US-amerikanischen Angaben stürmt die 101. Luftlandedivision die Stadt. Journalisten berichten von Straßenkämpfen. La Ceiba/Honduras: Bei einer Häftlingsrevolte im Gefängnis El Porvenir in der etwa 350 km nördlich von Tegucigalpa gelegenen Stadt La Ceiba werden 86 Insassen getötet, vielen anderen gelingt die Flucht. Mossul/Irak: In der Nähe der Stadt gibt es Gefechte zwischen kurdischen und irakischen Einheiten. Wiesbaden/Deutschland: Der Hessische Landtag wählt Roland Koch (CDU) erneut zum Ministerpräsidenten. Die CDU ist nun alleinige Regierungspartei und die FDP nur noch Teil der Opposition. Leipzig/Deutschland: Der Freizeitpark Belantis wird als erster Freizeitpark in den neuen Bundesländern eröffnet.

Sonntag, 6. April 2003 Ain Sifni/Irak: Kurdische Truppen des Peschmerga-Kommandeurs Babekir Zebari nehmen die Stadt im Norden des Landes ein. Bagdad/Irak: Aus dem Zentrum der Stadt sind heftige Detonationen und aus der Nähe des Flughafens die feuernde Artillerie der Invasionsarmee zu hören, mutmaßlich antwortet die irakische Artillerie. Die Autokolonne des russischen Botschafters im Irak, Wladimir Titorenko, gerät beim Verlassen der Stadt unter Beschuss. Der Nachrichtensender CNN berichtet über Nachschubprobleme der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Basra/Irak: Britische Truppen rücken aus drei Richtungen ins Stadtzentrum vor und stoßen nach britischen Angaben nur vereinzelt auf Widerstand. Erbil/Irak: Die Kurden beginnen damit, Truppen zusammenzuziehen. Der kurdische Politiker Mola Bachtijar korrigiert die Zahl der Kämpfer von unter 400 vor einer Woche auf 1.500 aktuell. Beim versehentlichen Angriff eines US-Kampfflugzeugs auf Spezialeinheiten des amerikanischen Militärs und kurdische Kämpfer kommen mindestens 18 Kurden ums Leben. Mehr als 40 Menschen werden verletzt. Gazastreifen/Palästinensische Autonomiegebiete: In einem Dorf suchen israelische Militäreinheiten unter Einsatz von Panzern und eines Kampfhubschraubers nach palästinensischen Extremisten. Die palästinensische Seite berichtet anschließend, dass alle Männer zwischen 25 und 50 Jahren auf den Dorfplatz gedrängt wurden. Istanbul/Türkei: Bei Kundgebungen kommt es zu Ausschreitungen, die Polizei setzt Tränengas ein. Oakland/Vereinigte Staaten: Der Jazzsänger Harry Belafonte bekennt auf einer Kundgebung mit etwa 5.000 Teilnehmern, er sei Politiker leid, die „unsere Söhne und Töchter in ein fremdes Land schicken, um die Interessen einiger weniger mächtiger, kranker Leute in diesem Land zu schützen“. Spanien: Die Proteste gegen die Politik der Regierung von Ministerpräsident José María Aznar weiten sich aus. Militante Kriegsgegner greifen Parteizentralen der Volkspartei an. Rund 90 % der Bevölkerung sprechen sich laut Umfragen gegen das pro-amerikanische Engagement Spaniens im Irakkrieg aus. Zwettl/Österreich: Im Stift Zwettl 120 km nordwestlich von Wien werden Fragmente des Nibelungenlieds entdeckt.

Montag, 7. April 2003 Bagdad/Irak: Am Morgen dringen mehr als einhundert Panzer und Panzerfahrzeuge der Alliierten, begleitet von Kampfflugzeugen, in das Zentrum der Stadt vor und bringen nach eigenen Angaben drei Paläste von Saddam Hussein unter ihre Kontrolle. Der irakische Informationsminister Muhammad as-Sahhaf bestreitet die Anwesenheit alliierter Truppen in Bagdad. Südlich der Stadt werden zwei westliche Journalisten durch eine irakische Rakete getötet. Basra/Irak: Britische Soldaten dringen in die Stadt ein, in der es zu Plünderungen kommt. Die Truppen entdecken nach eigenen Angaben auch die Leiche von Ali Hasan al-Madschid, dessen Haus gestern bombardiert wurde. Blankenheim/Deutschland: Die Obduktion einer gestern in der Nähe des Ortes gefundenen Leiche ergibt, dass es sich um den Leichnam der neunjährigen Sonja aus Eschweiler handelt, der Schwester des elfjährigen Toms. Dessen Leichnam wurde vor einer Woche gefunden. Deutschland: Die Bundesrepublik und Tunesien schließen ein Abkommen über die Zusammenarbeit zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität ab. Kerbela/Irak: Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten melden die Einnahme der Stadt.