mini|hochkant=1.3|Schloss Belvedere

Das Schloss Belvedere ist die ehemalige Sommerresidenz der Herzöge und Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach in der thüringischen Stadt Weimar. Die Einflügelanlage wurde 1724–1748 durch Herzog Ernst August I. von Gottfried Heinrich Krohne im Rokokostil erbaut. Hervorzuheben sind der Graue Salon, der Westpavillon und der Festsaal. Als Teil des Ensembles Klassisches Weimar wurde das Schloss 1998 in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben.

Lage Das Schloss mit seinen zahlreichen Nebengebäuden sowie einem Landschaftspark samt Orangerie befindet sich auf der Eichenleite bei Weimar, einer ca. vier Kilometer in südlicher Richtung vom Stadtzentrum entfernten Anhöhe. Man erreicht das Schloss über die repräsentative Belvederer Allee, die als geradlinige Achse vom Stadtzentrum direkt bis zur Eichenleite hinaufführt. Das Gelände der Schlossanlage fällt nach Norden hin ab und ermöglicht einen weiten Blick über die Stadt Weimar.

Schloss Belvedere Anlage mini|Südansicht des Schlosses mini|Schloss Belvedere um 1858 Das gelbfarbene Schloss ist in einen beherrschenden Mittelbau mit kleinem Aussichtsturm und in zwei seitliche Pavillons mit Kuppeln gegliedert, die jeweils auf acht Säulenpaaren ruhen. Es steht auf der Südseite eines runden Vorplatzes mit „Schlossfontäne“, um den sich auch die symmetrisch angelegten Kavaliershäuser gruppieren. Heute sind diese unter den Namen Beethovenhaus und Bachhaus im Osten sowie Mozarthaus und Haydnhaus im Westen bekannt. Den Mittelpunkt des Vorplatzes des Schlosses bildet die Schloßfontäne.Hans Joachim Leithner: Von Brunnenstuben, Röhrenfahrten und Wasserleitungen, den historischen und jüngeren Brunnen in Weimar, Hrsg. Hans-Joachim Leithner im Eigenverlag 2018, Gutenberg Druckerei Weimar (WeimarWissen 1, Der Weimarer Brunnenschatz), S. 291 f. Eine weitere wesentliche Begrenzung bildet die einstige Menagerie.

Im Innern des Schlosses ist der Zugangsbereich mit vier Bildern aus Fliesen im Delfter Blau ausgestattet, mit typischen holländischen Motiven wie Segelschiffe, Windmühlen usw. Dieses ist eine Zutat aus dem späten 19. Jahrhundert.https://www.geschichte-der-fliese.de/belvedere_weimar.html Es gibt viele Fayencen auch aus früherer Zeit auf Belvedere, die vermutlich aus einheimischer Produktion stammen.

Das Turmzimmer im Corps de Logis besitzt einen Aufzug mit einem sogenannten „Tischlein deck dich“, wobei die Platte des Speisetisches gegen eine mit frischen Speisen gefüllte ausgetauscht wird. Im Turmzimmer sind die Wände mit Fayencefließen um 1725/1730 bestückt.Gert-Dieter Ulferts u. a.: Schloß Belvedere: Schloß, Park und Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin / Weimar 1998, S. 19.

Geschichte mini|Das Schloss um 1920 mini|hochkant|Eingang zum Rokoko-Museum

Die barocke Schlossanlage wurde 1724 bis 1748 von Gottfried Heinrich Krohnehttps://www.klassik-stiftung.de/schloss-und-park-belvedere/ als Residenz für Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar erbaut. Sie gehörte zu den bedeutendsten seiner rund zwanzig Jagd- und Lustschlösser. Als Vorbild diente das Schloss Belvedere in Wien. Der Grundriss des Schlosses ohne die umliegenden Gebäude hat sich erhalten.Grundriss des Jagdschlosses auf der Eichenleite bei der Klassik Stiftung Weimar.

Von 1756 bis zum Übergang des Eigentums an das Land Thüringen 1921 unterlag das Schloss Belvedere verschiedenen Nutzungen. Von 1806 bis 1853/1859 diente es dem weimarischen Fürstenhaus unter Erbgroßherzog Carl Friedrich und seiner Gemahlin Maria Pawlowna als repräsentative Sommerresidenz. Im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden Teile der Anlage an eine Privatschule verpachtet. Von 1796 bis 1801 war auf Schloss Belvedere ein Erziehungsinstitut für wohlhabende junge Engländer untergebracht, das von dem französischen Emigranten und Mitglied der Französischen Nationalversammlung Jean-Joseph Mounier geleitet wurde.Gert-Dieter Ulferts u. a.: Schloß Belvedere: Schloß, Park und Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin / Weimar 1998, S. 30.

Goethe vollendete hier 1789 seinen Torquato Tasso.Einleitung, Goethe: Torquato Tasso: ein Schauspiel. Cotta, Stuttgart 1873, Einleitung S. V. 1790 lag das Werk im Druck vor und erschien bei Georg Joachim Göschen.

Unter Großherzog Carl Alexander, der eher Ettersburg bevorzugte, wurde Belvedere immer mehr vernachlässigt. Nennenswerte gartengestalterische Veränderungen fanden in seiner Regierungszeit nicht mehr statt. Nahezu die einzige bauliche Veränderung war die Errichtung des Eishauses 1863. Die letzte Bewohnerin des Schlosses war die 1904 verstorbene Erbgroßherzogin Pauline von Sachsen-Weimar-Eisenach.Gert-Dieter Ulferts u. a.: Schloß Belvedere: Schloß, Park und Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin / Weimar 1998, S. 38. Mit der Abdankung des Großherzogs Wilhelm Ernst 1918 und nach Abschluss eines Auseinandersetzungsvertrages zwischen Wilhelm Ernst und dem Gebiet Weimar ging der Park 1921 in das Eigentum des Landes Thüringen über, während die Liegenschaft Belvedere bereits 1919 verstaatlicht wurde.Gert-Dieter Ulferts u. a.: Schloß Belvedere: Schloß, Park und Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin / Weimar 1998, S. 142. Im Jahre 1923 wurde im Schloss ein Museum eingerichtet.

Heute sind die Schlossgebäude nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder für den Besucherverkehr geöffnet. Im eigentlichen Schloss wurde von den Kunstsammlungen zu Weimar ein Rokoko-Museum eingerichtet, dessen Ausstellung wichtige Gemälde und Porträts des 17., 18. und frühen 19. Jahrhunderts zeigt. Sammlungsschwerpunkte sind erlesene Gläser, Porzellane, Fayencen und Möbel. Die gesamte Schlossanlage einschließlich des Parks mit seinen vielen exotischen Gewächsen wurde 1998 als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Es steht auf der Liste der Unesco-Denkmale in Weimar und der Liste der Kulturdenkmale in Ehringsdorf.

Die Kavaliershäuser werden heute zum überwiegenden Teil von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ als Übungs- und Lernräume für Sänger, Gitarristen und Akkordeonisten genutzt.

Schlosspark Belvedere mit Orangerie mini|Vorplatz mit Schlossfontäne mini|Blumengarten und Pavillon mini|hochkant|Der Russische Garten mini|Eishaus (erbaut um 1863) mini|Große Grotte, erbaut um 1815 Der 43 ha große Schlosspark Belvedere wurde zu Zeiten Herzog Ernst Augusts I. in den Jahren 1728 bis 1748 ursprünglich als repräsentative, barocke Gartenanlage in strengem französischem Stil um das Schloss herum angelegt. Die Lindenallee ist ein Überbleibsel aus dieser Zeit.

Direkt hinter dem Schloss entstand ein sternförmiger Tiergarten und im östlichen Teil des Parks wurde eine Orangerie errichtet. Die 1731 begonnenen Gebäude der Orangerie wurden in ihrer ersten barocken Fassung, nach den Entwürfen des Landbaumeisters Johann Adolph Richter, um 1750 fertiggestellt. In diesem Bereich befindet sich auch das Gärtnerhaus. 1760 folgte das Lange Haus.Wer dieses entworfen hatte, ist nicht gesichert. Sibylle Hoiman bringt dafür einen George Schmidt ins Spiel. Sibylle Hoiman: Die Orangerie in Belvedere bei Weimar – Natur und Architektur im Kontext höfischer Repräsentation 1728–1928. Dissertation. TU Berlin, 2015, S. 439. 1808 wurde das Ensemble der Orangerie um das Neue Haus erweitert. Carl Friedrich Christian Steiner entwarf dieses.Zu den Orangeriegebäuden von Belvedere: Sibylle Hoimann: Die Orangerie in Belvedere bei Weimar – Natur und Architektur im Kontext höfischer Repräsentation 1728–1928. Dissertation. TU Berlin, 2015.

Nach 1758 setzte eine allmähliche Auflösung der symmetrischen Gartenstruktur ein. So ließ man unter anderem die das Schloss umgebenden Kabinettsgärten entfernen, und auch einige Baulichkeiten verschwanden. Ab 1811 erfolgte unter Erbgroßherzog Carl Friedrich die Umgestaltung im Sinne eines englischen Landschaftsparkes mit zahlreichen Architekturen und Schmuckplätzen im Hangbereich. Für seine Gemahlin, die Zarentochter Maria Pawlowna, ließ Carl Friedrich 1811 bis 1815 den regelmäßig gestalteten Russischen Garten anlegen, an den 1823 ein kleines Heckentheater und 1843 der Irrgarten angefügt wurden, der sich an den Laubengang anschließt. Der russische Garten ist eine Miniaturnachbildung des Höchsteigenen Gartens an der Sommerresidenz der Zaren in Pawlowsk. In ihm steht auch ein nach der Schwester der Großherzogin, Anna Pawlowna, benannter Blauglockenbaum.

Die Umfassungsmauer des Schlossparks wurde 1844/1845 endgültig entfernt, was den Übergang in den angrenzenden Wald ermöglichte. Zu erwähnen sind hier als Gestaltungselement u. a. die vier Jahreszeiten und die Flora-Laube. Ein weiterer Teil ist der sog. Amor-Garten. Bei dem Amor als Nachtigallenfütterer handelt es sich um eine im Original von Martin Gottlieb Klauer geschaffene Skulptur in Tiefurt.

Ein weiterer Garten, der Blumengarten oder der Neuholländergarten mit Pavillon, ist der neuere Orangeriegarten. Er wurde zeitweilig auch als Botanischer Garten bezeichnet. Er wurde unter Carl August angelegt und diente dem botanischen Studium. Neuholländergarten wurde er genannt, weil viele der Gewächse aus Australien kamen, was auch unter der Bezeichnung Neuholland bekannt war. Die Bestände flossen in den Hortus Belvedereanus ein.Hans-Joachim Leithner: Gestaltete Landschaften (= WeimarWissen. 2: Teilband 2.1.: Parkanlagen in Weimar. Hrsg. von Hans-Joachim Leithner.) Weimar 2021, S. 50 f.

Die Orangerie, die ursprünglich nur der Repräsentation dienen sollte, erreichte mit ihren Belvederer Pflanzensammlungen um 1820 als Hortus Belvedereanus Berühmtheit. Durch August Wilhelm Dennstedt wurde 1820 unter Mitwirkung des Hofgärtners Johann Christian Sckell auch die erste Lieferung eines Pflanzenverzeichnisses realisiert, die bei Friedrich Justin Bertuch erschien.August Wilhelm Dennstedt: Hortus Belvedereanus oder Verzeichniß der bestimmten Pflanzen, welche in dem Groß-Herzoglichen Garten zu Belvedere bei Weimar bisher gezogen wurden und zu finden sind, bis weitere Fortsetzungen folgen. Erste Lieferung. Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1820. (Digitalisat) Johann Wolfgang von Goethe und Großherzog Carl August weilten in jener Zeit oft zu naturwissenschaftlichen Studien und botanischen Versuchen in den Belvederer Gewächshäusern. Zur Ausstattung der Orangeriegebäude gehören nicht nur Heizungsanlagen, sondern auch Brunnen im sog. Langen Haus.Hans-Joachim Leithner: Von Brunnenstuben, Röhrenfahrten und Wasserleitungen, den historischen und jüngeren Brunnen in Weimar. Hrsg. Hans-Joachim Leithner im Eigenverlag 2018, Gutenberg Druckerei Weimar (= WeimarWissen. 1, Der Weimarer Brunnenschatz.) S. 282.

In den Jahren 1818–1821 wurde der sogenannte Rote Turm neben dem Neuen Haus am Blumengarten errichtet, der eine Ausmalung von Adam Friedrich OeserTimo John: Adam Friedrich Oeser 1717–1799: Studie über einen Künstler der Empfindsamkeit. Beucha 2001, ISBN 978-3-934544-17-8, S. 140 ff.Reiner Schlichting (Red.): Die Wandbilder Adam Friedrich Oesers im Roten Turm von Belvedere. Stiftung Weimarer Klassik, Weimar 1999. erhielt (heute wieder rekonstruiert) und als botanisches Kabinett genutzt wurde. Außerdem diente der Turm als Teehaus.