Der Landkreis Müllheim war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde. Verwaltungssitz war die damalige „Große Kreisstadt“ Müllheim.

Geografie Lage Der Landkreis Müllheim lag im Südwesten Baden-Württembergs.

Geografisch hatte der Landkreis überwiegend Anteil an der Oberrheinischen Tiefebene. Der Kreissitz Müllheim lag etwa in der Mitte des Kreisgebiets.

Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren 1972 im Norden der Landkreis Freiburg und im Osten sowie Süden der Landkreis Lörrach. Im Westen bildete der Rhein die natürliche Grenze zum französischen Département Haut-Rhin.

Geschichte

Bezirksamt Müllheim

Die Stadt Müllheim war im 18. Jahrhundert Verwaltungssitz des Oberamts Badenweiler der Markgrafschaft Baden.Karl Stiefel: Baden 1648–1952, Karlsruhe 1979, Band I, S. 154 Das Oberamt Badenweiler gehörte von 1803 bis 1806 zum Kurfürstentum Baden und ab 1806 zur Provinz des Oberrheins im Großherzogtum Baden.Regierungsblatt des Großherzogtums Baden 1807, S. 95 Im Organisationsrescript vom 26. November 1809 wurde das Oberamt Badenweiler erstmals Amt Müllheim genannt und dem neuen Wiesenkreis zugeordnet. Es umfasste die Städte Müllheim und Neuenburg sowie unter anderem die Orte Auggen, Badenweiler, Britzingen, Buggingen, Hügelheim, Seefelden und Sulzburg.Großherzoglich Badisches Regierungsblatt 1809, S. 407

1813 wurden die Grenzen des Amtes leicht verändert. Die Orte Ballrechten, Dottingen sowie Gallenweiler wechselten zum Amt Heitersheim und die Orte Mauchen, Schliengen sowie Steinenstadt wechselten aus dem Amt Kandern zum Amt Müllheim.Großherzoglich Badisches Regierungsblatt 1813, S. 134 Nach der Auflösung des Wiesenkreises kam das Amt Müllheim 1815 zum Dreisamkreis.Grossherzoglich-Badisches Regierungs-Blatt 1815, S. 131 1819 wurde das Amt Kandern aufgelöst und seine Gemeinden Bamlach, Bellingen, Feuerbach, Liel, Malsburg, Marzell, Niedereggenen, Obereggenen, Rheinweiler sowie Sitzenkirch kamen ebenfalls zum Amt Müllheim.Grossherzoglich-Badisches Staats- und Regierungs-Blatt 1819 S. 196 Ab 1832 gehörte das Amt Müllheim zum Oberrheinkreis und ab 1864 zum Kreis Lörrach im Landeskommissärbezirk Freiburg.Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt 1832, S. 134Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1864, S. 313

Am 15. August 1920 wurde die Stadt Sulzburg aus dem Bezirksamt Müllheim in das Bezirksamt Staufen umgegliedert.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1920, S. 360 Am 1. Oktober 1936 wurde das Bezirksamt Müllheim um die Gemeinden Hertingen, Kandern, Riedlingen und Tannenkirch des Bezirksamtes Lörrach sowie die Gemeinden Bad Krozingen, Ballrechten, Bremgarten, Dottingen, Eschbach, Gallenweiler, Grißheim, Grunern, Heitersheim, Obermünstertal, Schlatt, Staufen, Sulzburg, Tunsel, Untermünstertal und Wettelbrunn des Bezirksamtes Staufen vergrößert.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1936, S. 81

Landkreis Müllheim

Seit dem 1. Januar 1939 hieß das Bezirksamt Müllheim Landkreis Müllheim. Am 1. April 1939 wechselte die Gemeinde Schlatt aus dem Landkreis Müllheim in den Landkreis Freiburg.territorial.de: Landkreis Freiburg

Der Landkreis Müllheim fiel 1945 der Französischen Besatzungszone zu und gehörte somit bis 1952 zum neu umgrenzten südlichen Land Baden. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Müllheim zum Regierungsbezirk Südbaden. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in einem Fall. Am 1. Dezember 1971 wurde die Gemeinde Biengen, Landkreis Freiburg, in die Gemeinde Bad Krozingen eingegliedert und kam somit zum Landkreis Müllheim. Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Müllheim aufgelöst. Seine Gemeinden im Norden gingen im neu gebildeten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auf, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Müllheim wurde. Einige Gemeinden im Süden des Kreisgebiets kamen zum vergrößerten Landkreis Lörrach.

Einwohnerentwicklung Datum Einwohner Quelle 1814 12.832 1834 20.830 1852 22.718 1871 22.411 1890 21.015 1910 22.275 1925 21.620 verwaltungsgeschichte.de: Landkreis Müllheim 1933 22.337 17. Mai 1939 42.622 Volkszählungsergebnis 13. September 1950 47.068 6. Juni 1961 54.471 27. Mai 1970 62.258 Das Bezirksamt Müllheim wurde 1936 deutlich vergrößert.

Politik Landrat Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Bezirksamts bzw. Landkreises Müllheim 1809–1972:

Wappen Der Landkreis Müllheim hatte kein eigenes Wappen: zwar wollte sich der Landkreis in den 1960er Jahren ein solches geben, doch zog sich die Wappenfindung dermaßen in die Länge, dass vor Inkrafttreten der Kreisreform keines mehr gefunden wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das westliche Kreisgebiet führte von Nord nach Süd die Bundesautobahn 5 Karlsruhe-Basel. Ferner führte die Bundesstraße 3 durch das Kreisgebiet.

Gemeinden Zum Landkreis Müllheim gehörten ab 1936 zunächst 49 Gemeinden, davon 6 Städte.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Müllheim machte am 1. Januar 1970 die Gemeinde Vögisheim, die sich mit der Stadt Müllheim vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Müllheim schließlich am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Die meisten Einwohner zählte die Kreisstadt Müllheim, die wenigsten die Gemeinde Gallenweiler.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Müllheim vor der Gemeindereform. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. früherer Gemeindename heutiger Gemeindename heutiger Landkreis Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Auggen Auggen Breisgau-Hochschwarzwald 1521 1649 Bad Bellingen Bad Bellingen Lörrach 564 788 Bad Krozingen Bad Krozingen Breisgau-Hochschwarzwald 3797 5567 Badenweiler Badenweiler Breisgau-Hochschwarzwald 3242 2858 Ballrechten Ballrechten-Dottingen Breisgau-Hochschwarzwald 479 478 Bamlach Bad Bellingen Lörrach 521 570 Bremgarten Hartheim am Rhein Breisgau-Hochschwarzwald 470 532 Britzingen Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 720 760 Buggingen Buggingen Breisgau-Hochschwarzwald 1913 2088 Dattingen Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 268 264 Dottingen Ballrechten-Dottingen Breisgau-Hochschwarzwald 449 536 Eschbach Eschbach Breisgau-Hochschwarzwald 863 1245 Feldberg Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 548 559 Feuerbach Kandern Lörrach 282 297 Gallenweiler Heitersheim Breisgau-Hochschwarzwald 171 169 Grißheim Neuenburg am Rhein Breisgau-Hochschwarzwald 878 938 Grunern Staufen im Breisgau Breisgau-Hochschwarzwald 587 630 Heitersheim, Stadt Heitersheim Breisgau-Hochschwarzwald 2656 3318 Hertingen Bad Bellingen Lörrach 366 450 Hügelheim Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 647 646 Kandern, Stadt Kandern Lörrach 2984 2939 Laufen Sulzburg Breisgau-Hochschwarzwald 546 578 Liel Schliengen Lörrach 611 675 Lipburg Badenweiler Breisgau-Hochschwarzwald 412 398 Malsburg Malsburg-Marzell Lörrach 898 934 Marzell Malsburg-Marzell Lörrach 755 766 Mauchen Schliengen Lörrach 345 341 Müllheim, Stadt Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 6855 8382 Neuenburg am Rhein, Stadt Neuenburg am Rhein Breisgau-Hochschwarzwald 2519 3514 Niedereggenen Schliengen Lörrach 380 365 Niederweiler Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 746 828 Obereggenen Schliengen Lörrach 670 630 Obermünstertal Münstertal/Schwarzwald Breisgau-Hochschwarzwald 1462 1448 Rheinweiler Bad Bellingen Lörrach 517 610 Riedlingen Kandern Lörrach 348 374 Schliengen Schliengen Lörrach 1414 1381 Schweighof Badenweiler Breisgau-Hochschwarzwald 466 542 Seefelden Buggingen Breisgau-Hochschwarzwald 985 994 Sitzenkirch Kandern Lörrach 216 211 Staufen im Breisgau, Stadt Staufen im Breisgau Breisgau-Hochschwarzwald 3234 4023 Steinenstadt Neuenburg am Rhein Breisgau-Hochschwarzwald 621 757 Sulzburg, Stadt Sulzburg Breisgau-Hochschwarzwald 1556 1535 Tannenkirch Kandern Lörrach 750 747 Tunsel Bad Krozingen Breisgau-Hochschwarzwald 785 844 Untermünstertal Münstertal/Schwarzwald Breisgau-Hochschwarzwald 2601 2933 Vögisheim Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 379 – Wettelbrunn Staufen im Breisgau Breisgau-Hochschwarzwald 362 356 Zienken Neuenburg am Rhein Breisgau-Hochschwarzwald 315 411 Zunzingen Müllheim Breisgau-Hochschwarzwald 176 161

Kfz-Kennzeichen mini|Kfz-Kennzeichen des Landkreises Müllheim Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MÜL zugewiesen. Es wurde zunächst bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben und wird seit dem 2. Oktober 2023 im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Rahmen der Kennzeichenliberalisierung wieder ausgegeben.

Literatur Landkreis Müllheim. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 2). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1964.

Weblinks Landkreis Müllheim auf www.territorial.de

Einzelnachweise

Mullheim Mullheim Kategorie:Aufgelöst 1973