mini|Panorama der Kernstadt von Osten (2020) mini|Panorama der Kernstadt von Nordwesten (2014) mini|Südviertel und Stadtteil Cappel im Süden (2008)
Marburg ist die Kreisstadt des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie liegt an der Lahn. Zur traditionellen Abgrenzung von Marburg an der Drau (Maribor) wurde die Stadt bis 1974 offiziell Marburg an der Lahn bzw. Marburg a. d. Lahn und anschließend bis Ende 1976 Marburg (Lahn) genannt.Ulrich Hussong: Marburg „an der Lahn“. Die Beinamen der Stadt Marburg. Website der Stadt Marburg, abgerufen am 20. August 2024.
Marburg ist eine Universitätsstadt und mit () Einwohnern die achtgrößte Stadt Hessens. Das Stadtgebiet erstreckt sich beiderseits der Lahn westlich ins Gladenbacher Bergland hinein und östlich über die Lahnberge hinweg bis an den Rand des Amöneburger Beckens.
Seit dem 13. Jahrhundert hat Marburg Stadtrechte. Heute erfüllt es die Funktion eines Oberzentrums im Regierungsbezirk Gießen (Mittelhessen). Als größere Mittelstadt hat Marburg, wie auch sechs weitere Mittelstädte in Hessen, einen Sonderstatus im Vergleich zu den anderen kreisangehörigen Gemeinden. Die Stadt übernimmt daher Aufgaben des Landkreises, sodass sie in vielen Dingen einer kreisfreien Stadt gleicht. Marburg besitzt mit der 1527 gegründeten Philipps-Universität die älteste noch existierende protestantisch gegründete Universität der Welt, die auch heute noch durch ihre Bauwerke und das Studentenleben das Stadtbild prägt.
Den Namen Marburg könnte die Stadt dem Umstand verdanken, dass hier ehemals eine Grenze („mar[c]“) zwischen den Territorien der Landgrafen von Thüringen und der Erzbischöfe von Mainz verlief. Historisch lässt sich das nicht eindeutig belegen.
Die herausragenden Sehenswürdigkeiten in Marburg sind die Elisabethkirche, die Alte Universität, das Landgrafenschloss sowie die unterhalb von diesem gelegene Altstadt, die in Marburg „Oberstadt“ genannt wird.
Geographie Geographische Lage mini|Marburg, vom Kaiser-Wilhelm-Turm aus gesehen, Schlossberg in der Mitte
Marburg liegt in Mittelhessen, etwa in der Mitte zwischen Frankfurt am Main und Kassel, von beiden Städten jeweils rund 77 Kilometer Luftlinie entfernt. Die benachbarte Universitätsstadt Gießen liegt etwa 27 Kilometer südlich.
Das Siedlungsgebiet
Landschaftlich liegt Marburg im Marburger Bergland, einem Südwestausläufer des Burgwaldes, der durch das Tal der Lahn in Nord-Süd-Richtung durchbrochen wird. Nach Westen grenzt es mit der Elnhausen-Michelbacher Senke und den sich anschließenden Damshäuser Kuppen unmittelbar an Teile des Gladenbacher Berglandes und damit an das Rheinische Schiefergebirge, nach Osten schließt sich das Amöneburger Becken an, das ebenfalls Anteil an der Stadtgemarkung hat.
Der höchste Berg innerhalb des zu Marburg gehörenden Stadtgebiets ist mit der Störner westlich der eigentlichen Stadt, nordwestlich des kleinen Stadtteils Dilschhausen. Die niedrigste Stelle befindet sich im Süden der Stadt an der Lahn ().
Die größte Ausdehnung des Hauptsiedlungsgebietes beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa neun Kilometer (Norden Wehrdas bis Süden Cappels), in Ost-West-Richtung maximal 4 (Westen Marbachs bis östlicher Ortenberg) bis 4,5 Kilometer (westlicher Stadtwald bis östlicher Richtsberg), zumeist aber – an die Enge des Tals der Lahn angepasst – deutlich weniger. Westlich der Marburger Lahntalsenke ziehen sich Teile der Altstadt und anderer Ortsteile den Marburger Rücken hoch, östlich schließen sich die Lahnberge an, in deren Gipfellagen sich das Universitätsklinikum und diverse Institute befinden.
mini|Tal mit Kernstadt und Schloss von der Elsenhöhe (Mai 2016)
Die historische Altstadt
Der historische Altstadtkern liegt westlich vom heutigen Stadtzentrum, unterhalb des Landgrafenschlosses (Marburger Schloss); auch der Brückenvorort, das ehemalige Gerberdorf Weidenhausen auf der anderen Lahnseite, hat Altstadtcharakter. Marburg hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte vom Altstadtkern abwärts in das Lahntal ausgedehnt. Südlich des Schlosses befindet sich das Jugendstilviertel Südviertel, westlich davon das 1931 eingemeindete Ockershausen. Im unmittelbaren Osten der Kernstadt liegt der durch die Bahnlinie von der Innenstadt getrennte Ortenberg, im äußersten Südosten der alten Stadtgemarkung liegt in höheren Lagen die erst in den 1960er Jahren gebaute Hochhaussiedlung Richtsberg.
Gebietsreform
Während der Gebietsreform 1974 sind die Großstadtteile Marbach (nördlicher Westen), Wehrda (Norden) und Cappel (Süden) eingemeindet worden, in die das bebaute Stadtgebiet fließend übergeht. Speziell Marbach kann heute, ähnlich wie Ockershausen, als Teil der Kernstadt angesehen werden, wenngleich der Ortsteil aus historischen Gründen nicht als Innenstadtbezirk verwaltet wird. Nachbargemeinden Marburgs sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, folgende Städte und Gemeinden: Lahntal, Cölbe, Kirchhain, Ebsdorfergrund, Weimar (Lahn), Gladenbach und Dautphetal.
Geologie mini|Geologische Karte
Nachdem die Lahn südlich der Frankenberger Bucht die Flüsse Wetschaft und Ohm aufgenommen hat, wendet sie sich nach Süden und durchschneidet bei Marburg ein mächtiges, in weiten Bereichen flach liegendes und überwiegend bewaldetes Schichtpaket des Buntsandsteins, der in der Unteren Trias abgelagert wurde. und des Marburg-Gießener Lahntals (348) im Umweltatlas Hessen. Das Stadtbild wird deshalb bestimmt durch die tief liegenden Ablagerungen der Lahn in der Marburger Lahntalsenke und die im Westen und Osten aufragenden Höhen des Buntsandsteins.
Hauptgestein des Buntsandsteins bei Marburg ist der etwa 250 Meter mächtige Mittlere Buntsandstein. Seine wechselnd feinen bis groben, rötlichen Quarzsande und Sandsteine unterlagern die bewaldeten Höhen der Lahnberge und des Marburger Rückens. In der Westhälfte des Marburger Rückens überwiegt der Untere Buntsandstein.
Nicht an der Oberfläche aufgeschlossen sind im westlichen Stadtgebiet die etwa 60 Meter mächtigen Sedimentgesteine des Zechsteins, die den Buntsandstein am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges unterlagern. Sie wurden am Ostrand des flachen Zechsteinmeers abgelagert und bestehen vor allem aus Kupferschiefer.Sven Bökenschmidt: Die Fossillagerstätte Korbacher Spalte – ihre Entstehung und Einordnung in den Zechstein Nord-Hessens. Universität Marburg, Marburg 2006, doi:10.17192/z2007.0090 (Dissertation; Zusammenfassung im DOI-Link).
Eine große Rolle in der geologischen Struktur der Marburger Umgebung spielen Störungen, die ab dem Oberen Jura und während des Tertiärs die Hessische Senke in ein Bruchschollenfeld zerlegten und verschieden alte Gesteine auf gleiches Niveau brachten. Die nur etwa fünf Kilometer westlich im Schiefergebirge bekannten Gesteine der Lahnmulde und ihrer benachbarten geologischen Strukturen wurden durch Bruchtektonik abgesenkt und bilden in einigen hundert Metern unter der Oberfläche die Unterlage des Zechsteins und Buntsandsteins unterhalb Marburgs. Sie erscheinen im Nordosten im Kellerwald wieder an der Erdoberfläche.
In Zusammenhang mit der Bruchschollenbildung steht der Vulkanismus des Vogelsbergs, der wenige Kilometer südöstlich von Marburg den Buntsandstein und die ihn überlagernden Schichten des Miozäns weitflächig mit basaltischen Gesteinen überdeckt, die im Miozän vor 7 bis 20 Millionen Jahre vor heute gefördert wurden.
Den zentralen Teil des Stadtgebietes unterlagern Schluffe, Sande und Kiese der Marburger Lahntalsenke, die nur wenig verfestigt sind. Sie wurden von der Lahn abgelagert, die ein Tal durch den Buntsandstein geschnitten hat und sich wenige Kilometer südlich der Stadt in den wenig widerständigen Gesteinen des Zechsteins deutlich ausweitet.
Stadtgliederung
Die Stadt Marburg setzt sich aus der Kernstadt sowie 18 Stadtteilen mit eigenem Ortsbeirat zusammen, die bis zu ihrer Eingemeindung in den 1970er Jahren selbstständig waren. Einen eigenen Ortsbeirat haben ferner das bereits 1931 eingemeindete Ockershausen und der erst ab 1963 erschlossene Richtsberg, die beide sehr eigenständig und in der in etwa nach geographischer Lage geordneten Listung unten mit aufgeführt sind. mini|hochkant=1.2|Ortsteile Marburgs Die linke Spalte zieht sich, bis auf Dilschhausen (Damshäuser Kuppen), von Nord nach Süd durch die Elnhausen-Michelbacher Senke. Die halblinke Spalte folgt ebenfalls der Senke, zieht sich jedoch nach Osten bis zum Westhang des Marburger Rückens. Die mittlere Spalte zieht sich vom Osthang des Rückens, bis auf Marbach, nach Osten bis zum westlichen Lahnufer (Marburger Lahntalsenke), im Falle Wehrda auch zum östlichen Teil der Senke. Die halbrechte Spalte setzt erst süd(öst)lich der Marburger Kernstadt an und zieht sich vom östlichen Lahntal bis zum Westhang der Lahnberge. Die rechte Spalte liegt am Osthang der Lahnberge zum Amöneburger Becken. Folgendermaßen verteilen sich die Stadtteile entlang der skizzierten Linien: Dilschhausen Elnhausen Hermershausen Haddamshausen Michelbach Dagobertshausen Wehrshausen Cyriaxweimar Wehrda Marbach Ockershausen Gisselberg Richtsberg Cappel Ronhausen Bortshausen Ginseldorf Bauerbach Schröck Moischt
Auch die älteren inneren Stadtviertel Altstadt (ohne Ketzerbach, Zwischenhausen und Roten Graben), Campus-Viertel, Südviertel und Weidenhausen sowie das jüngere Viertel Waldtal verfügen über Ortsbeiräte.Hauptsatzung der Stadt Marburg vom 15. Februar 2017. (PDF; 100 kB) In: marburg.de, abgerufen am 18. April 2019.
Statistische Bezirke
Zu statistischen Zwecken wird Marburg außerdem in 33 Stadtbezirke unterteilt: die 18 Außenstadtteile sowie die Kernstadt, die in 15 Innenstadtbezirke unterteilt ist (davon Ockershausen und der Richtsberg je in zwei). Die nominelle Kernstadt hat (Stand: 31. Dezember 2016) 45.773 Einwohner, das um Cappel, Wehrda und Marbach ergänzte innere Stadtgebiet 61.647, während auf die dörflichen Außenstadtteile 12.055 Einwohner entfallen.
Stadtteilgemeinden Neben der offiziellen Gliederung hat die Stadt 18 sogenannte Stadtteilgemeinden, die auch als (zum Teil eingetragene) Heimatvereine ehrenamtlich mit der Arbeitsgemeinschaft Marburger Stadtteilgemeinden auf die Entwicklung der Stadtteile einwirken. Außer der Organisation von Veranstaltungen in den verschiedensten Bereichen nehmen diese Vereine an Planungen teil oder beteiligen sich mit Eigenleistungen an der Stadtteilentwicklung wie dem Bau von Kinderspielplätzen oder Kleingärten. Die Stadtteilgemeinden heißen:Stadtteilgemeinden. In: marburg.de, abgerufen am 26. Mai 2021.
Geschichte mini|Schloss, Elisabethkirche und Oberstadt mini|Blick auf das winterliche Marburg von Süden mini|Spiderman in der Marburger Oberstadt mini|Hirschberg 13, erbaut 1321, das älteste Fachwerkgebäude der Stadt mini|Lutherische Pfarrkirche St. Marien, Blick zum Chor mini|Universitätskirche, das einzige noch bestehende Gebäude des ehemaligen Dominikanerklosters
„Die alte, von jeher durch den letzten Aufenthalt, Tod und Begräbnis der heiligen Landgräfin Elisabeth von Hessen berühmte Stadt, liegt krumm, schief und buckelig unter einer alten Burg, den Berg hinab.“ So urteilte vor mehr als 200 Jahren der Marburger Professor Johann Heinrich Jung-Stilling über die Stadt an der Lahn und rühmte gleichzeitig, dass die Umgebung der Stadt „schön und sehr angenehm“ sei.
Durch Jahrhunderte hindurch nahezu unverändert in ihren wesentlichen Bestandteilen, erhebt sich die Häuserkulisse der Altstadt mit dem Marburger Schloss als Stadtkrone und der Elisabethkirche über dem Lahntal. Diese Altstadt gibt Marburg das charakteristische Aussehen und ist Marburgs Touristenattraktion.
Vor- und Frühgeschichte