Die Berufsberatung zielt darauf ab, Jugendliche und Erwachsene entsprechend ihren Fähigkeiten, Interessen und ihrem Charakterbild oder ihren Persönlichkeitseigenschaften zu beraten und bei der Berufswahl zu unterstützen. Berufsberatung wird von Schülern, Studenten, Schul- oder Studienabbrechern, Berufstätigen mit Weiterbildungswünschen und Hochschulabsolventen in Anspruch genommen. Aber auch Arbeitslose und Rehabilitanden können eine Berufsberatung in Anspruch nehmen.

Leistungen und Methoden Berufsberatung wird überwiegend als meritorisches Gut angeboten. Leistungen der öffentlichen Berufsberatung (in Deutschland z. B. der Bundesagentur für Arbeit, in der Schweiz der kantonalen Berufsberatungszentren) sind für die Nutzer kostenlos. Private kommerzielle Organisationen können ihre Dienstleistungen in Rechnung stellen. So bezahlen Erwachsene z. T. bestimmte Sonderleistungen wie Testabklärungen selbst (Bsp. Kanton Zürich). In Deutschland, Österreich und vor allem in der Schweiz gibt es, ergänzend zu den öffentlichen Dienstleistungen, auch private Angebote.

Die Berufsberatung bietet den Ratsuchenden Folgendes an: unabhängige individuelle Beratung zur beruflichen Orientierung und EntscheidungsfindungW. Sarges, G. Birkhan & G.-H. Klevenow (1989). Analyse der beruflichen Einzelberatung – Bedarf, Vermittlung und Funktion von Informationen. Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, BeitrAB 134. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit. Gruppenberatung zu vereinbarten Themen Beratung und Informationen über Studiengänge Studienfeldbezogene Beratungstests in verschiedenen Studiengebieten Beratung und Informationen über schulische und betriebliche Ausbildungsberufe Berufsorientierungsveranstaltungen an Schulen oder nach Vereinbarung Berufskundliche Veranstaltungen im BiZ Informationsveranstaltungen in den Hochschulen Sprechstunden in den Schulen Sprechstunden in den Hochschulen in Zusammenarbeit mit der ZSB (Zentrale Studienberatung) Zeitschriften und Bücher über Berufswahl Beratung über weiterführende Schulen, die zu den beruflichen Zielen führen können Vermittlungsvorschläge für Ausbildungsstellen nach einer Eignungsklärung Psychologische Eignungsuntersuchung geleitete Selbsterkundungsprogramme Erkundungen der Berufs- und Arbeitswelt (Betriebsbesichtigungen/-praktika)

Bei vielen Beratungsträgern sind Interessenorientierungstests im Einsatz, die zum großen Teil auf dem RIASEC-Modell von John L. Holland basieren.Christian Bergmann (1992): Schulisch-berufliche Interessen als Determinanten der Studien- bzw. Berufswahl und -bewältigung: Eine Überprüfung des Modells von Holland. In: A. Krapp & M. Prenzel (Hrsg.), Interesse, Lernen, Leistung. Neuere Ansätze der pädagogisch-psychologischen Interessenforschung, Münster: Aschendorff, S. 195–220

Online-Berufsberatung Online-Berufsberatung ist noch nicht sehr verbreitet, doch nimmt ihre Bedeutung in Ländern mit dezentralisierter Siedlungsstruktur zu. Eine zunehmende Bedeutung haben auch webbasierte Selbsttests und Online-Tests, die in den Berufsinformationszentren (BiZ) der Bundesagentur für Arbeit angeboten werden. In der Schweiz stellt das SDBB eine Online-Plattform für die Beratung zur Verfügung.Homepage – berufsberatung.ch (SDBB) In: berufsberatung.ch, abgerufen am 15. August 2017. In Österreich wird im Rahmen des Netzwerks Bildungsberatung Österreich Online Onlineberatung den Ratsuchenden kostenfrei angeboten.Weiterbildung, Ausbildung, Bildungsförderungen: Online-Bildungsberatung Österreich In: bildungsberatung-online.at, abgerufen am 15. August 2017. Dazu gibt es entweder vorgegebene Termine für Skype-Beratungen oder die Möglichkeit per E-Mail Fragen an Berater zu stellen.

Qualitätssicherung In den letzten Jahren gab es zunehmend auch Bemühungen, die Qualität in der Beratung zu sichern (Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung). Kritik an der Qualitätssicherung in der Beratung wurde bisher deshalb geäußert, da es fraglich ist, inwieweit es Sinn macht, einen kommunikativen Prozess, in dem hauptsächlich um Flexibilität geht, zu „normen“.

Neben herkömmlichem Qualitätsmanagement (ISO) wurden daher auch andere Modelle der Qualitätssicherung entwickelt, die insbesondere in Beratungseinrichtungen zur Anwendung kommenLerner- und Kundenorientierte Qualität in Bildung, Beratung und sozialer Dienstleistung, http://www.artset.de/lqw-qualitaet/. Darüber hinaus gab es auch eine Reihe von EU-geförderten ProjektenQuality Manual for Educational and Educational Counselling http://mevoc.net/, die unterschiedliche Ansätze zur Qualitätsentwicklung in der Beratung entwickeltenFellinger, Alfred / Steiner, Karin: GuideMe! Quality Toolbox für Trainerinnen und Beraterinnen - www.guideme.at http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/AMSinfo186.pdf. In Österreich ist auf Initiative des Bildungsministeriums für Beratungsorganisationen ein spezielles Verfahren für externe Qualitätssicherung für anbieterneutrale Bildungsberatung in Österreich geschaffen wordenhttp://www.oeibf.at/index.php?class=Calimero_Webpage&id=14514. Das Verfahren sieht folgende Qualitätskriterien vor: Neutralität der Beratungsleistung(en) sowie Zielgruppenorientierung Begründetheit des Beratungsangebots, Kompetenz des Personals sowie Aktualität der Information Klarheit und Effizienz von Design und Organisation der Dienstleistung(en) Interne Qualitätssicherung und Beobachtung der Wirksamkeit

Berufsberatung in verschiedenen Ländern Ein weltweit agierender Dachverband von Berufsberatern ist die IAEVG (International Association for Educational and Vocational Guidance) oder AIOSP (Association internationale d'orientation scolaire et professionelle) auf Deutsch: IVBBB – Internationale Vereinigung für Bildungs- und Berufsberatung.

Deutschland Den Großteil der Beratung zur beruflichen Laufbahn übernimmt in Deutschland die Bundesagentur für Arbeit. Sie ist gesetzlich dazu verpflichtet (§ 29 SGB III), allerdings nur vor der Berufs- oder Studienfachwahl der Jugendlichen oder bei Umschulungsmaßnahmen. Seit der Abschaffung des Beratungsmonopols der Bundesagentur im Jahre 1998 gibt es jedoch auch kommerzielle Berufsberatung und Bewerbungstraining von Trägern der freien Jugendpflege (Jugendhilfe). Die Professionalität der Beratung ist durch gesetzliche Mindeststandards nicht gesichert.

In Deutschland hat der Deutsche Verband für Bildungs- und Berufsberatung e. V. (DVB) Qualitätsstandards definiert. Berufsberater, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen und die Qualitätsstandards einhalten, können sich im BBR-BerufsBeratungsRegister eintragen lassen.

Durch die Bundesagentur für Arbeit wird die Beratung von Jugendlichen ohne Hochschulzugangsberechtigung vom Team U25 (Personenkreis unter 25 Jahre) übernommen. Die akademische Beratung erfolgt durch Berater für akademische Berufe. Hier geht es unter anderem darum, Kenntnisse, Interessen, Fähigkeiten und (Lebens-)Ziele mit in Frage kommenden Studiengängen in Einklang zu bringen. Mit Absolventen werden mögliche Strategien zum Einstieg in den Arbeitsmarkt erarbeitet.

In Köln wurde im September 2011 die bundesweit erste Karriereberatung für Hauptschüler ins Leben gerufen. Das derzeit auf ehrenamtlicher Basis arbeitende Büro ist Ansprechpartner für Hauptschulabgänger, Eltern und Lehrer in allen Fragen der Berufswahl und möglicher Karrierechancen. Der Initiator der Karriereberatung Peter Kolakowski wurde für sein Engagement für Hauptschulabgänger im November 2011 von der Caritas-Stiftung ausgezeichnet.Geteilter Reichtum – St.Severiner Bildungspaten verschenken ihre Berufserfahrung, in: Pfarrbrief St. Severin 3/2011.

Nach dem strukturellen Umbau der Bundesagentur gibt es keine gesonderte Abteilung „Berufsberatung“ mehr. Sie ist jetzt in die allgemeine Arbeitsvermittlung eingegliedert und auf unterschiedliche Organisationseinheiten aufgeteilt. Für die Berufsberatung sowie Vermittlung Jugendlicher in Ausbildung ist das Team U25 zuständig. Allerdings ist für die Ausbildungsvermittlung erwerbsfähiger hilfebedürftiger Jugendlicher, die dem Rechtskreis SGB II angehören, nunmehr das Jobcenter (Dienststelle für Arbeitslosengeld II) zuständig.

Das Berufsinformationszentrum (BiZ) ist an die Berufsberatung der Bundesagentur angegliedert. Sie kann auch ohne vorhergehende Beratung zur Selbstsuche benutzt werden. Ratsuchende haben dort die Möglichkeit, sich durch Medien über die einzelnen Berufe zu informieren. So liegen meist für alle anerkannten Berufe Videoporträts zu dem Berufsbild vor. Auch andere Medien sind vorhanden.

Im Jahr 2020 führte die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine „Berufsberatung im Erwerbsleben“ ein. Die Berufsberatung im Erwerbsleben (BBiE) soll die Antwort der BA auf den Strukturwandel und die veränderten Rahmenbedingungen am Arbeits- und Bildungsmarkt sein. Die BBiE solle die berufliche Orientierung und Beratung von Erwerbspersonen intensivieren. Ziel der Beratung sei es, Erwerbspersonen über ihre gesamte Bildungs- und Erwerbsbiographie mit beruflicher Beratung und Orientierung zu begleiten und bei einer eigenständigen, tragfähigen Berufswegplanung und -entscheidung zu unterstützen.

Die Berufsberatung in Deutschland gilt als institutionell zersplittert.Bildungs- und Berufsberatung: Bessere Verzahnung mit der öffentlichen Politik. Published by OECD Publishing 2004. E-Book: ISBN 978-92-64-01583-8. Siehe auch Plant, Peter; Watts, Tony: OECD-Gutachten zur Berufsberatung - Deutschland. Länderbericht. In: Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit, (2002) 38, S. 2677–2698. Volltext unter http://doku.iab.de/ibv/2002/ibv3802_2677.pdf Neben der Arbeitsagentur beraten auch Handwerkskammern, kommunale Stellen und Bildungsträger, Arbeitgeber (auf Jobmessen) sowie (kostenpflichtig) private Berater.

Schweiz In der Schweiz fällt die Berufsberatung in die Hoheit der einzelnen Kantone. Das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung – Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (SDBB) übernimmt dabei eine koordinierende Funktion. Es existieren einige Verbände für Berufsberater und Berufsberatung. Die akademische Berufsberatung ist dabei gesondert organisiertVereinigung der Fachleute für Beratung und Information im Mittel- und Hochschulbereich. Die Fachgruppe Diagnostik des SDBB ist für die diagnostische Qualitätssicherung in diesem Bereich verantwortlich. Neue oder neu adaptierte diagnostische Verfahren aus dem In- und Ausland werden mit bewertet, die den Benützern Hinweise über mögliche Anwendungsbereiche und qualitative Möglichkeiten und Grenzen geben.

Österreich In Österreich wird Bildungs- und Berufsberatung durch unterschiedliche Akteure angeboten. So bieten Schulen Bildungsberatung an – die Pflichtschulen bieten Berufsorientierungsunterricht an. An den Hochschulen bietet die Psychologische StudierendenberatungPsychologische Studentenberatung: Die Psychologische Studierendenberatung In: studentenberatung.at, abgerufen am 15. August 2017. u. a. Unterstützung bei der Wahl des Studiums an. Auch Online-Plattformen unterstützen bei der Wahl des StudiumsStudienplattform – Finde dein Studium! In: studienplattform.at, abgerufen am 15. August 2017.18plus: Berufs- und Studienchecker In: 18plus.at, abgerufen am 15. August 2017. und geben Informationen zu Unterstützungsangeboten. Für Arbeitssuchende bieten die Berufsinfozentren des AMS (Arbeitsmarktservice)http://www.ams.at/berufsinfo-weiterbildung/biz-berufsinfozentren Berufs- und Weiterbildungsberatung an. Im Rahmen des Netzwerks Bildungsberatung Österreich gibt es in jedem Bundesland Trägereinrichtungen, die – finanziert durch das Bildungsministerium und ESF – kostenlos Bildungs- und Berufsberatung anbieten.erwachsenenbildung.at In: erwachsenenbildung.at, abgerufen am 15. August 2017.