mini|Karl V. um 1548 als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Sacrum Romanum Imperium (von 1520 bis 1556). Ursprünglich Tizian zugeschrieben, jetzt Zuschreibung an Lambert Sustris. Alte Pinakothek, München. mini|klasse=notpageimage|Unterschrift: „Yo, el Rey“ (Ich, der König) geleistet als Karl I. von Kastilien mini|Großes Wappen Karls V. ab 1530
Karl V. (, , ; * 24. Februar 1500 im Prinzenhof, Gent, Burgundische Niederlande; † 21. September 1558 in Cuacos de Yuste, Spanien) war ein Angehöriger des Herrscherhauses Habsburg, römisch-deutscher König, ab 1530 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und als Karl I. der erste König von Spanien.
Nach dem frühen Tod seines Vaters Philipp I. von Kastilien wurde Karl im Jahr 1506 Landesherr der Burgundischen Niederlande, bestehend aus elf Herzogtümern und Grafschaften, und ab 1516 nach dem Tod seines Großvaters Ferdinand II. von Aragón zusammen mit seiner für unzurechnungsfähig erklärten Mutter Johanna von Kastilien als Carlos I. der erste König von Spanien, genauer von Kastilien, León und Aragón, die er erblich in einer Personalunion vereinigte. Im Jahr 1519 erbte er das Erzherzogtum Österreich und wurde als Karl V. zum römisch-deutschen König gewählt. 1520 wurde er im Kaiserdom zu Aachen durch den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied zum König gekrönt und trug danach, wie sein Großvater Maximilian I. und seine künftigen Nachfolger, zunächst den Titel „erwählter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches“. Im Jahre 1530 wurde er in der Basilika San Petronio in Bologna, nicht wie üblich in Rom, als letzter römisch-deutscher König und nach Friedrich III. als zweiter und letzter Habsburger von einem Papst – Clemens VII. – zum Kaiser gekrönt.
Karl verfolgte den Reichsgedanken der Universalmonarchie, wonach dem Kaiser Vorrang vor allen Königen zukam. Er verstand sich als Friedenswahrer in Europa, Beschützer des Abendlandes vor der Expansion des Osmanischen Reiches unter Süleyman I. und als Verteidiger sowie Erneuerer der römisch-katholischen Kirche. Um seine hegemoniale Herrschaftsidee durchsetzen zu können, führte er gegen den französischen König Franz I. ab 1520 zahlreiche Kriege (Italienische Kriege). Dabei konnte sich Karl finanziell auf seine spanischen Besitzungen in Amerika (Vizekönigreich Neuspanien, Vizekönigreich Peru) stützen, jedoch sein angestrebtes Ziel einer dauerhaften Schwächung des zeitweise mit den Osmanen verbündeten Frankreich nicht erreichen.
Im Heiligen Römischen Reich war Karl V. vergeblich bestrebt, die Macht des Monarchen gegenüber den Reichsständen nachhaltig zu stärken. Wesentliche Ursache für sein Scheitern in diesem Bemühen war die ab 1517 einsetzende Reformation, die teilweise durch reichsständische Kräfte unterstützt wurde. Karls häufige kriegsbedingte Abwesenheit trug ein Übriges dazu bei, dass sich die Reformationsbewegung ausbreiten konnte. Die konfessionelle Spaltung des Reiches vor Augen, versuchte er ihr durch die Einberufung des Konzils von Trient (1545 bis 1563) entgegenzuwirken, was jedoch nicht zur Versöhnung der Religionsparteien führte, sondern nach Karls Tod zum Ausgangspunkt der katholischen Gegenreformation wurde. Nach dem Scheitern seiner Bemühungen um einen Ausgleich mit den Protestanten versuchte Karl im Zuge des gewonnenen Schmalkaldischen Krieges, den Reichsständen 1548 mit dem Augsburger Interim eine Lösung des Religionskonflikts zu diktieren. Durch den daraufhin ausbrechenden Fürstenaufstand und die damit verbundene französische Invasion war er gezwungen, eine Koexistenz der Konfessionen im Passauer Vertrag (1552) anzuerkennen, die dann schließlich im Augsburger Religionsfrieden (1555) reichsrechtlich reguliert wurde. Mit der 1532 verfassten Constitutio Criminalis Carolina erließ Karl V. das erste allgemeine Strafgesetzbuch im Heiligen Römischen Reich.
1556 trat Karl von seinen Herrscherämtern zurück und teilte seine Herrschaftsgebiete zwischen seinem ältesten Sohn Philipp II., der die spanischen und burgundischen Besitzungen erbte, und seinem jüngeren Bruder Ferdinand I. auf, der die österreichischen Erblande bereits 1521 erhalten hatte und dem aufgrund seiner Königswahl 1531 nun auch der Kaisertitel zufiel. Durch diese Teilung spaltete sich das Haus Habsburg in eine spanische (Casa de Austria) und eine österreichische Linie (Haus Habsburg-Österreich). Karl verstarb 1558 in seinem Palast neben dem Kloster von Yuste in Spanien.
Leben Familie und Herkunft mini|Philipp der Schöne (gemalt von Juan de Flandes) mini|Johanna die Wahnsinnige, Juana I de Castilla (gemalt vom Meister der Josephsfolge)
Durch die Ehe Maximilians von Österreich mit Maria von Burgund begann 1477 der Aufstieg des Hauses Habsburg zur europäischen Großmacht. Als Erbin des Herzogtums Burgund war Maria die reichste Braut ihrer Zeit und erhoffte sich durch die Verbindung mit dem Kaiserhaus Unterstützung im Burgundischen Erbfolgekrieg gegen Frankreich. Maximilian wiederum versprach sich einen großen Machtgewinn für seine Dynastie. Letztlich begründete seine Heirat mit Maria den fast 300 Jahre währenden Habsburgisch-französischen Gegensatz. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Philipp der Schöne und Margarete von Österreich. Maria starb bereits 1482 an den Folgen eines Reitunfalls.
Maximilian, ab 1486 als Maximilian I. römisch-deutscher König, war nun Vormund und Regent seines minderjährigen Sohnes in den burgundischen Territorien. Erst mit dem Vertrag von Senlis (1493) gelang es ihm, den Anspruch seiner Dynastie auf die Erbfolge in Burgund gegenüber Frankreich teilweise durchzusetzen und seinem Sohn die Regierung der Freigrafschaft Burgund zu übertragen.
Als Familienoberhaupt war Maximilian auf eine politisch möglichst vorteilhafte Heirat Philipps bedacht und arrangierte eine Verbindung nach Spanien. Dort herrschten die Katholischen Könige Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien. Um das Bündnis zu festigen, arrangierten sie 1496/97 eine Doppelhochzeit zwischen Philipp und Johanna, der zweitältesten Tochter des Königspaares, sowie zwischen Margarete und dem spanischen Thronfolger Johann. Nach dem Tod ihrer älteren Geschwister (Johann 1497, Isabella 1498) und ihres Neffen (Miguel da Paz 1500) erkannten die verschiedenen Cortes der spanischen Herrschaftsbereiche Johanna und ihren Ehemann Philipp als Thronfolger der Königreiche Aragón und Kastilien an. In diesen Jahren traten bei Johanna erste Symptome einer Depression auf.
Philipp und Johanna hatten insgesamt sechs Kinder: Eleonore (* 15. November 1498; † 18. Februar 1558) Karl (* 24. Februar 1500; † 21. September 1558) Isabella (* 18. Juli 1501; † 19. Januar 1526) Ferdinand (* 10. März 1503; † 25. Juli 1564) Maria (* 17. September 1505; † 17. Oktober 1558) Katharina (* 14. Januar 1507; † 12. Februar 1578)
Während Karl, Eleonore, Isabella und Maria in den Niederlanden aufwuchsen, lebten Ferdinand und Katharina in Spanien.
Nach dem Tod ihrer Mutter Isabella I. folgte ihr Johanna 1504 als Königin Kastiliens. Philipp einigte sich im Vertrag von Villafáfila (1506) mit seinem Schwiegervater Ferdinand II. über die Ausübung der Regierungsgewalt. Kurz nach Vertragsabschluss verstarb Philipp am 25. September 1506 und stürzte Johanna in krankhaften Trübsinn, was ihr den Beinamen „die Wahnsinnige“ einbrachte. Ihr Vater übernahm die Regentschaft in Kastilien und verfügte im Jahr 1509 ihren dauernden Aufenthalt im Schloss von Tordesillas. Johanna verstarb am 12. April 1555 im Alter von 75 Jahren in völliger geistiger Umnachtung.Herbert Nette: Karl V. Reinbek 1979, S. 12. Durch die Heiratspolitik seiner Großeltern vereinigte Karl die Erblinien vier eigenständiger Territorien in seiner Person:
von Maximilian I.: das Erzherzogtum Österreich von Maria von Burgund: das Herzogtum Burgund, die burgundischen Niederlande von Ferdinand II.: die Länder der Krone von Aragonien einschließlich Neapel, Sizilien und Sardinien von Isabella I.: die Länder der Krone von Kastilien mit den nach der Entdeckung Amerikas eroberten Überseegebieten
Jugend in den Niederlanden mini|Kinderporträt des siebenjährigen Karl (Gemälde des Meisters von der Magdalenen-Legende um 1507) mini|Karl als Jüngling (Ausschnitt aus einem Familiengemälde von Bernhard Strigel, ca. 1516)
Karl, Erzherzog von Österreich, wurde am 24. Februar 1500 im Prinzenhof, einer Residenz in der flandrischen Handelsstadt Gent, geboren. In Gedenken an seinen Urgroßvater väterlicherseits, den burgundischen Herzog Karl den Kühnen, wurde er am 7. März 1500 in der Genter St.-Bavo-Kathedrale durch den Bischof von Tournai auf den Namen Karl (Charles) getauft. Taufpaten waren Margarete von Österreich und Margareta von York sowie Charles I. de Croÿ, ein Berater seines Vaters. Bereits 1501 verlieh Philipp der Schöne seinem Sohn den Titel Graf von Luxemburg und ernannte ihn zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies.
Karl wuchs faktisch elternlos auf. An der Seite seiner Schwestern Eleonore und Isabella verblieb Karl in den Niederlanden, während seine Eltern 1502 nach Spanien reisten, um als Thronfolger vereidigt zu werden. Kurz nach ihrer Rückkehr reisten sie, nach der Geburt von Karls Schwester Maria, endgültig nach Spanien. Als Philipp 1506 starb, bestimmte Maximilian (ab 1508 römisch-deutscher Kaiser) seine Tochter Margarete sowohl zur Regentin in Burgund als auch zur Pflegemutter des sechsjährigen Karl und seiner Schwestern. Seine Mutter traf Karl erst 1517 wieder. Mit allem Nachdruck erzog Margarete ihren Neffen zur Erbfolge und bereitete ihn sorgfältig auf die fürstlichen Aufgaben seines künftigen Lebens vor. Die politisch und geistig hochbegabte, aber auch kunstverständige Statthalterin erzog die ihr anvertrauten Kinder liebevoll. Sie ließ sie von niederländischen und spanischen Gelehrten unterrichten. An ihren von der flandrischen Kultur geprägten Höfen in Brüssel und Mechelen versammelte sie Künstler und Gelehrte, die diese zu Zentren des Renaissance-Humanismus werden ließ.
Neben der Tante kam dem Theologen Adrian von Utrecht, Rektor der Universität Löwen (der spätere Papst Hadrian VI.), eine wichtige Rolle in der Erziehung Karls zu; er legte den Grundstein zur Frömmigkeit und Glaubensgewissheit (devotio moderna), die das Wesen seines Zöglings zeitlebens kennzeichneten. 1509 ernannte Kaiser Maximilian den Adeligen Guillaume II. de Croÿ zum Großkämmerer und beauftragte ihn, Karl in das politische und höfische Leben einzuführen.Alfred Kohler: Karl V., Kaiser. In: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 193 (Onlinefassung). Der Kaiser legte großen Wert auf die Vermittlung ritterlicher Tugenden; denn das Hofzeremoniell Burgunds, eines der reichsten Länder des ausgehenden Spätmittelalters, lebte noch in der Tradition der mittelalterlich-ritterlichen Kultur und war prägend für die höfische Gesellschaft der Zeit. De Croÿ weckte in seinem Schüler das Interesse an Politik, erzog ihn zu regelmäßiger Arbeit und Pflichterfüllung. Im Gegensatz zur anglophilen Margarete war de Croÿ darauf bedacht, Feindseligkeiten mit Frankreich zu vermeiden.
Bereits in seinen Jugendjahren zeigten sich bei Karl wesentliche Charaktereigenschaften, die sein Leben prägen sollten: Mit hoheitlicher Würde auftretend, umgab ihn die Aura der Einsamkeit und er wurde im Laufe seines Lebens immer unnahbarer.Herbert Nette: Karl V. Reinbek 1979, S. 15. Unterstützt wurde diese Tendenz durch seine ausgeprägte Habsburger Unterlippe (Progenie), die ihm das Sprechen und Atmen erschwert haben soll und die Distanz zu seiner Umgebung verstärkte. Daneben besaß Karl eine große Willenskraft, mit der er seinen häufig kränklichen und schwächlichen Körper beherrschte. Sehr zur Freude seines kaiserlichen Großvaters bewies Karl im Reiten, Fechten, Schießen, Jagen und in Turnieren große Geschicklichkeit und Ausdauer.
Neben der französischen Sprache, der Sprache der niederländischen Aristokratie, beherrschte Karl Latein und Niederländisch, hatte geringe Sprachkenntnisse in Deutsch und musste Spanisch ab 1517 erst erlernen.
Burgundisches und spanisches Erbe