Siegburg ist die Kreisstadt und Verwaltungssitz des Rhein-Sieg-Kreises im Regierungsbezirk Köln. Die mittelgroße Stadt liegt im Süden Nordrhein-Westfalens und gehört zu den Metropolregionen Rheinland und Rhein-Ruhr.
Geographie Lage mini|Marktplatz (2007) mini|Luftbild (2006) Siegburg liegt etwa 8 km östlich des Rheins an der Mündung der Agger in die Sieg im südöstlichen Winkel der Kölner Bucht, begrenzt im Osten von den Höhen des Bergischen Landes und im Süden vom Pleiser Hügelland.
Nachbargemeinden sind Troisdorf, Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid, Hennef und Sankt Augustin. Der höchste Punkt des Stadtgebiets wird mit gut im Ortsteil Braschoß erreicht, der niedrigste befindet sich mit knapp an der Aggermündung.
Die nächsten Großstädte sind Köln und Bonn.
Die Kreisstadt ist die flächenkleinste Kommune im Rhein-Sieg-Kreis.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet umfasst die Gemarkungen Siegburg mit den Ortsteilen Brückberg, Deichhaus (eingemeindet 1927), Dreesch und Zange (eingemeindet 1906), Wolsdorf (eingemeindet 1899) mit dem Ortsteil Stallberg, Braschoß (eingemeindet 1956) mit den Ortsteilen Kaldauen, Schneffelrath, Schreck und Haus zur Mühlen sowie Seligenthal (eingemeindet 1969).Hauptsatzung der Kreisstadt Siegburg (PDF; 115 kB), S. 2
Gewässer Der Namensgeber der Stadt ist die Sieg, die westlich von Siegburg in den Rhein mündet. Deren Nebenfluss, die Agger, bildet die Trennlinie zur Nachbarstadt Troisdorf. Von der Sieg zweigt der Siegburger Mühlengraben in der Höhe des Siegwehrs ab, fließt durch das Stadtgebiet und vereinigt sich schließlich wieder mit der Sieg. Des Weiteren fließt der Wahnbach aus der Wahnbachtalsperre durch das Gebiet des Siegburger Stadtteils Seligenthal. Der Rothenbach, der in Lohmar-Heide entspringt, speist zahlreiche Fischteiche des großen Waldgebietes (Staatsforst Siegburg) zwischen den Städten Siegburg und Lohmar.
Geologie
Siegburg hat Anteil an der Niederrheinischen Bucht, die ein tertiäres geologisches Senkungsgebiet am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges darstellt. Im Oberoligozän reichte das Meer bis in den Bonner Raum hinein. Die Tonablagerungen, die später die Grundlage des Siegburger Keramikhandwerks wurden, bildeten sich während des Oligozäns. Über den Tonen bildeten sich Braunkohlenflöze. Nach dem Rückzug des Meeres kam es zur Sedimentation von Sanden. Charakteristisch für dieses Gebiet sind Terrassensysteme des Rheins und seiner Nebenflüsse, der Sieg und der Agger. Siegburg ist bekannt für seine hellgrauen bis dunkelgelben Tone, die der daraus produzierten Keramik eine helle Farbe verleihen. Die Aulgasse hat nach dem Töpferhandwerk ihren Namen.
Bergbau Auch im Stadtgebiet von Siegburg wurde Bergbau betrieben. So befand sich unterhalb der Wahnbachtalsperre zwischen Seligenthal und Weingartsgasse das Bergwerk Ziethen. Bereits im 12. Jahrhundert müssen hier Blei- und Kupfererze gefördert worden sein. 1854 wurde das Bergwerk erneut in Betrieb genommen.
Der Abbau erfolgte hier bis in eine Tiefe von 70 Metern. Dabei gestaltete sich die Wasserhaltung im Schacht äußerst schwierig. 1878 wurde der Betrieb eingestellt, da die Mächtigkeit der Erze mit zunehmender Tiefe abnahm. Die Grube wurde von 1923 bis 1927 erneut untersucht, es fand aber kein Abbau mehr statt. Vor Ort findet man heute noch eine große überwachsene Halde sowie einige Eisenstangen, die aus der Erde ragen.
Östlich von Schneffelrath befanden sich die Erzgruben Plinius und Franz. Der Abbau im Erzvorkommen von Plinius erfolgte nur kurzfristig um 1860.
Natur Naturdenkmäler Wahrzeichen Siegburgs ist der Michaelsberg, der von der ehemaligen Benediktinerabtei St. Michael gekrönt ist. Geologisch handelt es sich um einen erloschenen Vulkan. Fünf Stieleichen im Stadtwald Eine Rotbuche nordwestlich von Gut Umschoß, ein achtstämmiger Baum Rotbuche („Napoleonsbuche“) im Kaldauer Gemeindewald. Es handelte sich um die höchste Buche im Rhein-Sieg-Kreis. Sie wurde 2007 durch Orkan Kyrill zerstört.
Naturschutzgebiete Feuchtgebiet im Hufwald, ein unterhalb von Siegburg-Kaldauen zwischen den Siegaltarmen und dem Haus zur Mühlen liegendes Sumpfgebiet. Siegaltarme oberhalb des Siegwehres zwischen den Wolsbergen und der Autobahnbrücke der A 3. Trerichsweiher, ein im 16. Jahrhundert angelegter Weiher. Bis Ende 1970 wurde hier Fischzucht betrieben. Teile des Weihers wurden durch den Bau der Umgehungsstraße (B 56) zugeschüttet. Wahner Heide und Teile der Aggerau im Rhein-Sieg-Kreis.
Geschichte mini|Siegburg auf einem Merianstich mini|Siegburg Anfang des 19. Jahrhunderts mini|hochkant|Siegburger Töpferware mini|Stadtmuseum Siegburg (2010) Name Das frühe Siegburg wurde vom Michaelsberg dominiert, der bis zur Einrichtung der Benediktiner-Abtei Michaelsberg den Namen Sygberg trug. Frühe Quellen benennen den Ort nach eben diesem Berg. In einer Urkunde von 1125 wird die Siedlung als negotiatores in villa Sigebergensi que sita est in pede montis ejusdem coenobii („die Kaufleute in der Ortschaft am Fuße des Berges dieses Klosters“) benannt. Der Übergang vom Bergnamen Sygberg / Sigeberg / Sieberg zum heutigen Namen Siegburg erfolgte, als der Berg nach dem Klosterpatron zum „Michaelsberg“ wurde; im örtlichen Dialekt (Landkölsch) heißt die Stadt bis heute Sieburch.
Frühzeit Die ältesten bislang gefundenen menschlichen Spuren stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 3000 – ca. 1800 v. Chr.). Es handelt sich um Beile, Klingen und Schaber aus Stein sowie um Tonscherben. Die ältesten Siedlungen auf dem Gebiet der Stadt Siegburg werden auf die Zeit zwischen 1000 und 500 v. Chr. datiert. Funde sind auf dem Brückberg und dem Seidenberg belegt. Um 500 n. Chr. erreichte die Fränkische Landnahme den Siegburger Raum. Kurz vor Christi Geburt kamen die Römer an den Rhein. Der Rhein wurde für einige hundert Jahre zur Grenze zwischen dem Römischen Reich auf dem linken Ufer und den keltischen und germanischen Stämmen auf der rechten Seite. Angesichts der Nähe zu den römischen Siedlungen in Köln und Bonn ist davon auszugehen, dass ein reger Grenzhandel existierte.
Mittelalter Seit dem 9. Jahrhundert gab es auf dem Michaelsberg eine Burg, die sich im Besitz der Ezzonen befand. 1060 vertrieb Erzbischof Anno II. von Köln den Pfalzgrafen Heinrich I. von Lothringen und gründete hier 1064 die Abtei St. Michael, eine Benediktinerabtei. Der Abt des Klosters war zugleich Herr der Siedlung am Fuß des Berges. 1069 erhielt Siegburg Markt-, Zoll- und Münzrechte von König Heinrich IV. und noch vor 1182 das Stadtrecht.Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins Bd. I, Nr. 483, Düsseldorf 1840 Als Anhänger der damaligen Reformbestrebungen innerhalb der Kirche machte der Erzbischof Anno II. die Abtei zu einem Zentrum der Erneuerung des benediktinischen Mönchtums, dass hierfür der Ausdruck der „Siegburger Reform“ geprägt wurde. Anno wurde 1075 auf der Abtei beigesetzt (Annoschrein) und die dankbare Abtei erreichte 1183 seine Heiligsprechung, was viele Pilger anzog.
In einer Urkunde vom 18. November 1181 nahm Papst Lucius III. die Abtei Siegburg und ihr Eigentum in seinen Schutz und bestätigte alle ihre mit Namen aufgeführten Besitzungen, unter anderem auch Heisterschoß und Braschoß. Maria Geimer: Denkschrift zur Eingliederung eines Teiles der Gemeinde Braschoß in die Stadt Siegburg, herausgegeben vom Geschichts- und Altertumsverein für Siegburg und den Siegkreis e. V., Siegburg, 1. Oktober 1956, Seite 46
Als Baumaterial für zahlreiche Bauten jener Zeit, z. B. St. Servatius (zweiter Bau 1169), wurde der in den Wolsbergen abgebaute Tuffbasalt verwandt, auch „Wolsdorfer Brocken“ genannt. Aus dieser Zeit stammt auch die Stadtmauer samt Hexenturm, die 1865 niedergelegt wurde.
Im heutigen Stadtteil Seligenthal gründeten Graf Heinrich III. von Sayn und seine Frau Mechthild von Landsberg ein Franziskanerkloster. Der Bau wurde jedoch wegen Geldknappheit 1255 für drei Monate pausiert. Erst nachdem von Sayn mit finanzieller Unterstützung vom Siegburger Abt Darius Martens rechnen konnte, wurden die Bauarbeiten am Kloster wieder aufgenommen. Die Klosterkirche wurde 1256 im rheinischen Übergangsstil fertig gestellt und ist heute die älteste erhaltene Franziskanerkirche nördlich der Alpen. Bis heute ist das Kloster Seligenthal von Nonnen bewohnt. 2016 sollte die Jesu-Statue im Süd-Ost-Hof der Kirche restauriert werden. Dieses Unternehmen scheiterte jedoch aufgrund finanzieller Engpässe und fehlender Unterstützung der katholischen Kirche. Die Statue aus dem 17. Jahrhundert wurde dementsprechend, um Besucher des Klosters nicht zu gefährden, 2017 in das theologische Museum Königswinter überführt. 1285 wurde zwischen Siegburg und Köln ein Vertrag unterzeichnet, der den Bürgern der jeweils anderen Stadt die gleichen Rechte wie den eigenen Bürgern verlieh. Gleichzeitig wurde der Chor der Pfarrkirche nach dem hochgotischen Vorbild des Kölner Doms umgebaut.
Das politische Leben des mittelalterlichen Siegburg von drei Institutionen geprägt. Der Abt war Oberhaupt der Abtei und der Stadt. Ein Vogt war für die Rechtsprechung und den militärischen Schutz verantwortlich. Dieses Amt wurde ab der Mitte des 12. Jahrhunderts von den Grafen von Berg ausgeübt. Dritte und schwächste Institution war der Rat der Stadt als Vertretung der Bürgerschaft.
Seit ca. 1000 gilt Siegburg als Töpferstadt. Die Entwicklung des Töpferhandwerks setzte somit wesentlich früher ein als in der ebenso bekannten rheinischen „Töpferstadt“ Frechen. Die Töpfereien befanden sich in der Vorstadt Aulgasse. Ab circa 1300 erlebte Siegburg eine Blüte der Töpferei. Die Töpfer stellen gesintertes Siegburger Steinzeug her. Etwa ab 1500 erlebte Siegburg eine erneute Blüte der Töpferei. Den Siegburger Töpfern gelang es, kunstvolle Verzierungen an den Töpferwaren anzubringen. Aus Siegburg stammen die Schnellen. Vor und nach 1600 verließ ein großer Teil der Töpfer Siegburg. Einige siedelten sich im Kannebäckerland im Westerwald und das Töpferhandwerk in Siegburg verlor stark an Bedeutung.
15. bis 18. Jahrhundert Der Siegburger Abt Pilgram vom Drachenfels versprach 1403 dem Johann II. von Loen die Übernahme der Siegburger Schirmvogtei. Hierdurch kam es zum Siegburger Krieg zwischen Abtei und den Bürgern der Stadt, wobei die Bürger mit dem späteren Herzog Adolf von Berg, dem Sohn des bisherigen Stadtvogtes, die Abtei belagerten. Die Abtei wurde erheblich beschädigt, aber nicht genommen; die Stadt wurde in Brand geschossen. Stadt und Abtei einigten sich, die Vogtrechte weiter den Herren von Berg zu lassen.
1588 fand während des Truchsessischen Krieges eine erfolglose Belagerung Siegburgs durch spanische Truppen statt. 1614/1615 wurde Siegburg im Laufe des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites von brandenburgisch-staatischen Truppen abermals belagert. Knapp 20 Jahre später wurde Siegburg im Oktober 1632, während des Dreißigjährigen Krieges von den schwedischen Truppen General Baudissins erobert, die diese für drei Jahre besetzt hielten. Von 1636 bis 1638 erlebte Siegburg die Hexenverfolgungen durch die Hexenkommissare Franz Buirmann und Kaspar Lieblar (Liblar). Dies wurde begünstigt durch die Abwesenheit des Abtes, der vor dem Krieg nach Köln geflohen war. 37 Menschen (32 Frauen und fünf Männer) wurden Opfer der Hexenprozesse. Es gibt noch 19 vollständige Hexenprozess-Protokolle sowie Prozessfragmente im nordrhein-westfälischen Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und Stadtarchiv Siegburg. Die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen jener Zeiten verursachten einen wirtschaftlichen Niedergang.
Im Jahre 1670 zerstörten Truppen des Herzogs von Berg große Teile der mittelalterlichen Befestigung auf dem Michaelsberg.