Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 180px|Logo der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Basisdaten Abgekürzter Name: HLT-Kirche Präsident: Dallin H. Oaks Präsident der Zwölf Apostel: Dieter F. Uchtdorf (amtierend) Präsidierende Bischofschaft: W. Christopher Waddell Frauenhilfsvereinigung: Jean B. Bingham 200px|Weltweite Verbreitung (Zur Vergrößerung auf Karte klicken) 176 Länder,Territorien: Bildungswesen der Kirche: Brigham Young University Kirchenfinanzierung: Zehnt, Fastenspende Gründung: 6. April 1830 als Kirche Christi Gründer: Joseph Smith, Oliver Cowdery Ursprung: Christentum Mormonentum HLT-Kirche Tempel in D-A-CH: Freiberg, Frankfurt (Friedrichsdorf), Bern (Zollikofen) Dokumente zur Ehe: Lehre und Bündnisse (1852,Abschnitt 132), Manifest von 1890, Zweites Manifest,Die Familie: Eine Proklamation an die Welt Situation der Schwarzen: Offenbarung zum Priestertum, Genesis Group Symbole: Christus, Moroni (Prophet), Mormonische Pioniere Mitglieder in D-A-CH: 39.724,Statistische Landesinformationen der Kirche für Deutschland, abgerufen am 10. Februar 2022 (deu.). 4.693,Statistische Landesinformation der Kirche für Österreich, abgerufen am 10. Februar 2022. 9.071Statistische Landesinformationen der Kirche für die Schweiz, abgerufen am 10. Februar 2022. (2020) Missionare weltweit: 62.544 (31. Dezember 2022) Mitglieder weltweit: 17.002.461 (31. Dezember 2022) 120px|verweis=Kirchenbürogebäude|Hauptquartier in Salt Lake City Anschrift: Church Office Building50 East North Temple Salt Lake City, Utah 84150 Website: www.kirche-jesu-christi.org

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, LDS) ist eine christliche Glaubensgemeinschaft. Zusammen mit einigen kleineren Gruppen wird sie zur Konfessionsgruppe der Mormonen gezählt. In den Vereinigten Staaten ist sie mit 1,6 % der Bevölkerung (geschätzt 2014) die drittgrößte christliche Glaubensgemeinschaft nach Protestanten und Katholiken (zum Vergleich das Judentum mit 1,9 %).CIA World Fact Book: United States, Abschnitt People and Society. CIA.gov, (abgerufen am 20. April 2022) Im US-Bundesstaat Utah stellt sie laut einer Erhebung von 2012 die Bevölkerungsmehrheit.Matt Canham: . The Salt Lake Tribune, 17. April 2012.

Formell gegründet wurde die Glaubensgemeinschaft von Joseph Smith am 6. April 1830 in Fayette im US-Bundesstaat New York. Heute hat sie ihren Hauptsitz in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah. Am 31. Dezember 2022 betrug die Mitgliederzahl weltweit 17.002.461.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage versteht sich als eine von Jesus Christus veranlasste Wiederherstellung der christlichen Urkirche, die ursprünglich von ihm gegründet worden war. Da die Kirche sich neben der Bibel auf weitere Quellen ihres Glaubens beruft, wird ihre Lehre von der römisch-katholischen Kirche und den meisten protestantischen Kirchen als synkretistische Neureligion angesehen. Der Bericht einer unabhängigen Expertenkommission des Deutschen Bundestags bezeichnet sie als „Neue Religiöse Bewegung“.Endbericht der Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ (PDF; 6,5 MB), Deutscher Bundestag, Drucksache 13/10950, S. 162. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage unterhält keine ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und versteht sich als die einzige religiöse Institution, welche die Fülle des Evangeliums Jesu Christi und damit auch die geistliche Vollmacht hat, im Namen Gottes zu sprechen und das Priestertum zu nutzen. Sie erkennt aber Christen als solche an und setzt sich für interkonfessionelle Toleranz ein. Im humanitären Bereich bestehen zahlreiche Projekte mit anderen Kirchen und diversen Hilfsorganisationen, so beteiligte die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage sich zum Beispiel an der Finanzierung der reformierten Synagoge von Salt Lake City und des hinduistischen Tempels von Spanish Fork, Utah.

Lehre Offenbarung Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lehrt, dass die Kirche aus direkter göttlicher Offenbarung an Joseph Smith hervorging und seither durch fortlaufende Offenbarung von Jesus Christus direkt angeleitet wird. Dies geschehe durch Propheten, Apostel und andere Kirchenführer, wie es sie auch in der urchristlichen Kirche gab (siehe ; ). Darüber hinaus erklärt sie, jeder Mensch habe das Recht und die Möglichkeit, für seinen persönlichen Bereich, seine Familie und seine kirchlichen Aufgaben, zum Beispiel auf Gemeinde-Ebene, direkte göttliche Offenbarungen zu empfangen. Das Fortlaufen der Offenbarung impliziere auch, dass der Schriftenkanon nicht abgeschlossen sei. So wie Gott damals zu den Propheten des Alten Testaments und Neuen Testaments gesprochen habe, so sei es ihm auch heute möglich, in gleicher Weise zu den Menschen zu sprechen.

Der Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wird als Prophet, Seher und Offenbarer angesehen und als solcher vom Kollegium der Zwölf Apostel und von der gesamten Mitgliederschaft halbjährlich anerkannt und bestätigt. Es wird davon ausgegangen, dass nur solche Offenbarungen, die vom Präsidenten und vom Kollegium der Zwölf Apostel als von Gott bezeugt werden, Bedeutung für die gesamte Mitgliederschaft und für die ganze Welt haben; sie werden als Heilige Schrift kanonisch im Buch Lehre und Bündnisse aufgenommen. Der überwältigende Anteil der Abschnitte dieser Schrift stammt vom Kirchengründer Joseph Smith. Daneben stehen je ein Abschnitt von John Taylor (über den Märtyrertod von Joseph Smith), Brigham Young (zum Aufbruch der Kirche in den Westen) und Josef F. Smith (vom Wirken Christi in der Geisterwelt). Weiterhin beinhaltet das Buch Lehre und Bündnisse zwei amtliche Erklärungen über die Abschaffung der Polygamie und die Zulassung des Priestertums für Schwarze.

Schriftenkanon

mini|hochkant|Das Buch Mormon

Als kanonische Schriften erkennt die Kirche neben der Bibel mit Altem und Neuem Testament das Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und die Köstliche Perle an. Dieser Schriftenkanon sei (durch Gottes Wort-Vollmacht) nicht abgeschlossen, da die Kirche für sich in Anspruch nimmt, auch weiterhin Offenbarung zu erhalten.

Die Bibel wird zwar nicht, wie in vielen protestantischen Denominationen, als vollkommen betrachtet, aber als das echte Wort Gottes hoch geschätzt. Der Vorbehalt, durch zahlreiche Übertragungen, Übersetzungen und Bearbeitungen seien Aussagen verloren und verfälscht worden, treffe nur in sehr begrenztem Ausmaß zu. Die Bibel steht gleichberechtigt neben dem Buch Mormon, und die beiden Bände heiliger Schrift ergänzen und erhellen sich nach Ansicht der Heiligen der Letzten Tage gegenseitig. Dazu gibt es die sogenannte Joseph-Smith-Übersetzung, eine stellenweise ergänzende und neue Interpretation der King-James-Bibel, die Joseph Smith nach seinen Angaben durch Offenbarung von Gott erhalten hat. Die Übersetzung Joseph Smiths blieb unvollständig, weil der Autor vor ihrer Vollendung starb. Die Standardversion für den Gebrauch in Englisch ist die überkonfessionell anerkannte King-James-Version der Bibel.

Die Kirche hat eine eigene, textlich nicht veränderte Ausgabe der King-James-Bibel herausgegeben, in der als Fußnoten oder als Anhang die Übersetzungsteile von Joseph Smith aufgenommen sind und die außerdem einen Schriftenführer mit Querverweisen zu den anderen kanonischen Schriften der Kirche enthält. Die Fußnoten und der Schriftenführer sind vergleichbar mit den Bibelkommentaren und Konkordanzen anderer Bibelanstalten.

Deutschsprachige Mitglieder benutzen heute im offiziellen Gebrauch die Einheitsübersetzung der Bibel. Daher finden sich wesentliche Teile der Joseph-Smith-Übersetzung im Schriftenführer, der im Zuge der deutschsprachigen Neuausgabe 2003 sowohl in die Dreifachkombination (Das Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Die Köstliche Perle in einem Band) als auch in den Einfachband Das Buch Mormon – Ein weiterer Zeuge für Jesus Christus im Anhang aufgenommen wurde.

Plan der Erlösung mini|hochkant=1.6|Der Plan der Erlösung Im Plan der Erlösung sieht die Kirche den Zweck der Erde darin, den Menschen, die alle vorirdisch erschaffene Geistkinder Gottes seien , einen Ort weiteren Lernens in der Körperlichkeit zu verschaffen. Damit sei auch ein vorübergehendes Vergessen eines vorirdischen Daseins als Geistwesen verbunden (, ). Kraftvollen Glauben zu entwickeln, sei ein wesentlicher Sinn des irdischen Lebens . Die Menschen beteiligen sich auch an diesem göttlichen Plan, indem sie durch das Zeugen von Kindern weiteren Geistwesen das Erdenleben ermöglichen.

Jeder Mensch könne sich immer entscheiden, ob er das Gute oder das Böse tun wolle. Jeder, außer Jesus Christus, scheitere dabei, alle Gebote Gottes zu jeder Zeit genau zu erfüllen . Damit sei er verunreinigt und aus eigener Kraft nicht im Stande, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren.

Jesus Christus habe durch sein Sühnopfer allen Menschen die Möglichkeit gegeben, von ihren Sünden umzukehren und nach allem, was sie selbst tun können, aus Gnade errettet zu werden. Dazu sei die Taufe durch einen dazu Bevollmächtigten unerlässlich, siehe beispielsweise . Diese Taufe könne frühestens nach Vollendung des achten Lebensjahres vollzogen werden, mit der Begründung, dass dieses das offenbarte Alter der Verantwortlichkeit sei. Kleine Kinder würden für die Übertretung Adams nicht zur Rechenschaft gezogen werden und seien daher sündenfrei, was die Taufe zur Vergebung der Sünden (; ) überflüssig mache. Die Kirche kritisiert vor diesem Hintergrund scharf die in ihren Augen nichtige Säuglingstaufe der großen christlichen Kirchen.

Der mormonische Plan der Erlösung basiert auf dem Konzept der Werkgerechtigkeit. Der Mensch wird nicht allein durch Gottes Gnade gerettet, sondern muss mit seinen Taten dazu beitragen. Im dritten der dreizehn mormonischen Glaubensartikel heißt es dazu: „Wir glauben, daß durch das Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen.“Die Glaubensartikel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, Artikel 3.

Nach dem Tod habe der Mensch den Körper vorübergehend verloren, lebe aber als Geistwesen in der Geisterwelt weiter und könne weiter lernen. Wer im Erdenleben die gültige Taufe durch einen Priester oder Mitglied höheren Amtes der Kirche nicht empfangen habe, für den könne diese Handlung durch die Taufe für Verstorbene stellvertretend von einem Lebenden empfangen werden .

Am Ende der Entwicklung stehe die Auferstehung mit dem nachfolgenden Jüngsten Gericht, in dem Jesus Christus jedem die ihm gebührende Herrlichkeit zuteilen werde: Dies sind nach der Lehre der Kirche das Celestiale Reich mit der größten Herrlichkeit (Gegenwart Gottes des Vaters), das Terrestriale Reich (Gegenwart Jesu Christi) als mittleres und das Telestiale Reich (Gegenwart des Heiligen Geistes) als niederstes (, ). Nur wer bewusst den Heiligen Geist leugne, obwohl er ihn bereits stark genug verspürt hat, der werde in die äußerste Finsternis gestoßen und ein Sohn des Verderbens werden. Mehr dazu siehe unter Reiche der Herrlichkeit.

Nach dieser Lehre spielt die Entscheidungsfreiheit des Menschen eine wesentliche Rolle im göttlichen Plan. Daher wird der Fall von Adam und Eva, der im Garten Eden stattfand, nicht als unfallartiger „Sünden“-Fall angesehen, sondern als freiwillige Entscheidung, um den Erlösungsplan in Gang zu setzen, da so die Sterblichkeit mit all ihren lehrreichen Mühen und den Versuchungen der Sünde durch das Erkennen von Gut und Böse erst in die Welt kam. Auch kam mit dem Fall Adams und Evas erst die Zeugung von Kindern in Gang, da sie vorher noch „keine Scham“ kannten .

Der Zusammenhang des Falles von Adam und Eva mit dem Sühnopfer Jesu Christi und die Rolle, die der einzelne Mensch dabei spielt, ist eine zentrale Lehre, auf die in Predigten, Seminaren und Unterrichten sehr häufig Bezug genommen wird. Auch im Tempel spielt dies eine zentrale Rolle.

Vollmachtsanspruch