mini|Luftbild des Hauptcampus der Universität

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg () (kurz: OVGU) ist eine öffentliche Universität in Sachsen-Anhalt. Sie entstand 1993 in Magdeburg durch die Zusammenlegung von Hochschuleinrichtungen, welche in den 1950er Jahren gegründet worden waren. Benannt ist die Universität nach dem Magdeburger Erfinder, Politiker und Physiker Otto von Guericke.

Die Forschungsschwerpunkte der Universität liegen insbesondere in den Neurowissenschaften, der Biosystemtechnik, der Krankheitsprävention, der Automobilforschung, dem Digital Engineering sowie den Erneuerbaren Energien. Seit dem Jahr 2022 gehört die Otto-von-Guericke-Universität mit acht weiteren Universitäten dem europäischen Hochschulnetzwerk „EU Green“ an. Dieses soll die internationale Zusammenarbeit zur Thematik der Nachhaltigkeit forcieren, um zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen adäquat begegnen zu können.

Die Otto-von-Guericke-Universität ist in neun Fakultäten der Natur-, Ingenieur- und Humanwissenschaften mit etwa 100 Studiengängen gegliedert. Zum Wintersemester 2021/2022 waren rund 13.000 Studierende an der Universität immatrikuliert. Zu den bekanntesten Alumni und Professoren gehören unter anderen die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preisträger: Axel Ockenfels, Hans-Christian Pape und Ingo Rehberg.

Geschichte mini|Katholische Universitätskirche Sankt Petri links|mini|Plastik am Eingang Gareisstraße Magdeburg wurde zu Zeiten der jungen DDR der 1950er Jahre Hochschulstandort. Aus den drei damals gegründeten Hochschulen Technische Universität, Pädagogische Hochschule und Medizinische Akademie entstand 1993 die Otto-von-Guericke-Universität.

Erste Hochschule in der Stadt war die 1953 aus der Taufe gehobene Hochschule für Schwermaschinenbau Magdeburg. Da Magdeburg der wichtigste Standort für Schwermaschinenbau in der DDR war und unter einem akuten Mangel an Ingenieuren litt, lag es im staatlichen Interesse, durch akademische Ausbildung vor Ort diesem Mangel zu begegnen. Nach kurzer Zeit erfolgte 1961 die Umbenennung in Technische Hochschule Magdeburg, ehe sie 1987 zur Technischen Universität erklärt wurde.

Ähnlich wie an gut ausgebildeten Ingenieuren fehlte es in der frühen DDR an Ärzten, so dass neben den traditionellen universitären Studienorten Berlin, Halle, Jena, Leipzig, Greifswald und Rostock drei medizinische Akademien gegründet wurden. Neben Magdeburg waren dies Dresden und Erfurt. Der Lehrbetrieb der Medizinische Akademie Magdeburg (MAM) startete zum Wintersemester 1954/55 auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhaus Sudenburg. Gründungsrektor der neuen Hochschule war der Pathologe Hasso Eßbach. Eine Besonderheit war, dass sich das Studium zunächst einzig auf den klinischen Abschnitt nach dem bestandenen Physikum beschränkte, die Studierenden also allesamt bereits zwei Jahre erfolgreich an anderen Hochschulen studiert haben mussten. Zum Jahreswechsel 1960/1961 wurde auch der vorklinische Studienabschnitt bis zum Physikum etabliert.

Der dritte Ursprung der Otto-von-Guericke-Universität ist die Pädagogische Hochschule Magdeburg Erich Weinert, die dem Lehrermangel im damaligen Bezirk Magdeburg begegnen sollte. Sie startete ebenfalls 1954.

Im Nachgang der Wiedervereinigung wurden am 3. Oktober 1993 die drei bisherigen Einrichtungen zur Otto-von-Guericke-Universität zusammengelegt. Die historische Dreigliederung zeigt sich nach wie vor im Stadtbild in Form der drei Campus: am Universitätsplatz, im Universitätsklinikum sowie an der Zschokkestraße.

Als Namensgeber wurde Otto von Guericke gewählt, der bereits Namenspatron der Technischen Universität war. Der Magdeburger wurde für seine bahnbrechenden Forschungen zu Luftdruck und Vakuum weit über die Grenzen Deutschlands berühmt. Die Universität sieht sich in der Tradition dieses Politikers, Juristen, Naturwissenschaftlers und Erfinders.

Am 28. August 1999 wurde St. Petri zur katholischen Universitätskirche ernannt. Dies ist eine gewisse Besonderheit, da Magdeburg kein Studium der Theologie anbietet.

Im Jahr 2013 schlossen die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die TU Ilmenau einen Vertrag mit der Nationalen Technischen Forschungs-Universität Kasan über die Kooperation beim Aufbau eines German-Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT).

Rektoren Technische Universität Magdeburg und Vorgängereinrichtungen 1953/56 Heinz Schrader (Gründungsrektor) 1956/62 Ernst-Joachim Gießmann 1962/66 Friedrich Kurth 1966/70 Manfred Beckert 1970/76 Hans-Erich Weinschenk 1976/90 Reinhard Probst 1990/92 Richard Teßmer 1992/93 Harald Böttger

Medizinische Akademie Magdeburg 1954/58 Hasso Eßbach (Gründungsrektor) 1958/62 Karl Ludwig Nißler 1962/67 Hansjürgen Matthies 1967/70 Georg Wolfgang Höfs 1970/73 Hans-Günter Gießmann 1973/79 Hansjürgen Matthies 1979/89 Rolf-Dieter Koch 1989/90 Bernd Lößner 1990/93 Horst Köditz

Pädagogische Hochschule Magdeburg und Vorgängereinrichtungen 1954/67 Helmut Winnig (Gründungsrektor) 1967/76 Heinz Schaffenhauer 1976/86 Klaus Schaeffer 1986/93 Winfried Baudisch

Otto-von-Guericke-Universität 1993/96 Jürgen Dassow (Gründungsrektor) 1996/98 Harald Böttger 1998 Thomas Strothotte (kommissarisch) 1998/2012 Klaus Erich Pollmann seit 2012 Jens Strackeljan

Konzept mini|hochkant|Otto von Guericke, Namensgeber der Universität Magdeburg Aufgabe der Universität soll es sein, den Stand der Bildung und Wissenschaft durch Lehre und Forschung unter Anwendung wissenschaftlicher Methode, Streben nach Innovation und neuen Erkenntnissen sowie die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung für heutige und zukünftige Generationen voranzutreiben. Die Otto-von-Guericke-Universität „versteht sich – unbeschadet des Gedankens der ‚Universitas‘ – als Profiluniversität […], die in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie in der Medizin einen traditionellen Schwerpunkt hat, und in den Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften für eine moderne Universität in der Informationsgesellschaft unerlässliche Disziplinen sieht. Die Magdeburger Universität stellt sich als Brücke zwischen West- und Osteuropa eine umfassende Internationalisierung von Forschung und Lehre zur Aufgabe und trägt zur kulturellen Annäherung bei.“

In den Jahren nach der politischen Wende 1989/90 hat sich bedingt durch die Ausrichtung der neuen Universität ein Wandel in der Forschung von der angewandten zur innovativen Grundlagenforschung vollzogen. Durch die neue Breite und Vielfalt der Disziplinen, die aus dem Zusammenschluss dreier Hochschulen hervorgingen beziehungsweise resultierten, profilieren sich Spezialrichtungen wie die Neurowissenschaften, Immunologie, Nichtlineare Systeme, Neue Materialien, Prozesse und Produkte, Computervisualistik, Gesellschaftliche Transformation sowie Medien, Kommunikation und Kultur. Damit sollen an der Universität Potentiale geschaffen werden, die gerade die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt Magdeburg und des Landes Sachsen-Anhalt entscheidend fördern. Auch junge Wissenschaftsdisziplinen wie Kombinationen der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften bestimmen das neue Forschungsprofil der Universität mit. Aninstitute und das Technologie-Transfer-Zentrum der Universität als Mittler zwischen der Universität und der Wirtschaft sollen Unternehmen den Zugriff auf universitäre Forschungsressourcen erleichtern und ihre Innovationskraft stärken.

Forschungsschwerpunkte Neurowissenschaften: Center for Behavioral Brain Sciences (CBBS) Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes erforschen Wissenschaftler aus sechs Fakultäten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, dem Leibniz-Institut für Neurobiologie und dem Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen DZNE die Gedächtnisbildung, Lernprozesse, die Motivation zielgerichteten Handelns, Entscheidungsfindung sowie die physiologischen und pathophysiologischen Prozesse der Hirnplastizität, der Neuromodulation und der Kognition. Das Center for Behavioral Brain Sciences hat seit 2015 unter der Bezeichnung CBBS-ScienceCampus den Status eines Leibniz-Wissenschaftscampus.

Dynamische Systeme und Biosystemtechnik (CDS) Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme wollen im Rahmen des Forschungsschwerpunktes der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter Beteiligung von fünf Fakultäten komplexe dynamische Systeme entschlüsseln und gezielt beeinflussen. Wichtige Schlüsseltechnologien sind die mathematische Modellierung und Simulation, Optimierung, Versuchsplanung, Steuerung und Regelung.Peter Neumann (Hrsg.): Magdeburger Automatisierungstechnik im Wandel – Vom Industrie- zum Forschungsstandort. Autoren: Christian Diedrich, Rolf Höltge, Ulrich Jumar, Achim Kienle, Reinhold Krampitz, Günter Müller, Peter Neumann, Konrad Pusch, Helga Rokosch, Barbara Schmidt, Ulrich Schmucker, Gerhard Unger, Günter Wolf. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; An-Institut für Automation und Kommunikation Magdeburg (ifak), Magdeburg 2018, Herstellung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe (Saale), ISBN 978-3-944722-75-7. Ziele sind unter anderem eine personalisierte Medizin, die Impfstoffproduktion in Zellkulturen oder die Herstellung von Biopolymeren.

Medizintechnik Innerhalb des Transfer-Forschungsschwerpunktes Medizintechnik werden auf dem Forschungscampus STIMULATE – Solution Centre for Image Guided Local Therapies die medizintechnischen Aktivitäten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gebündelt. Interdisziplinäre Teams aus Medizinern und Medizintechnikern arbeiten an der Entwicklung bildgeführter minimal-invasiver Diagnose- und Therapiemethoden zur Bekämpfung von Volkskrankheiten aus den Bereichen Onkologie und Neurologie. Ziel ist es, die medizinische Versorgung mit Hilfe innovativer Methoden zu revolutionieren, die medizinische Qualität zu steigern, die Belastung für Patienten zu verringern und die Kosten für das Gesundheitswesen zu reduzieren.

Automotive Innerhalb des 2006 gegründeten Transfer-Forschungsschwerpunktes Automotive werden alle automotiven Kompetenzen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gebündelt. Dazu gehören vor allem die Entwicklung von Antriebsstrang- und Radnabenmotoren, die Gesamtfahrzeugentwicklung, Forschungsfelder in E-Mobilität und Verbrennungsmotorenkompetenz.

Digital Engineering Im Transfer-Forschungsschwerpunkt Digital Engineering der Otto-von-Guericke-Universität werden im CeDeMo center for digital engineering, management and operations Forschung, Ausbildung und Vernetzung im Bereich Digital Engineering gebündelt. Insgesamt 12 Lehrstühle aus den Fakultäten für Informatik, Ingenieurwesen und Elektrotechnik arbeiten hier seit 2005 eng mit dem Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung zusammen, um neben interdisziplinären Forschungsprojekten auch Weiterbildungsangebote für Ingenieure zu realisieren. Ziel ist die Entwicklung von Konzepten für die Robotik, Elektromobilität, Industrie 4.0 oder das Produktdesign.

Wirbelschichttechnik Dieser der Partikeltechnologie gewidmete Transfer-Forschungsschwerpunkt wird durch den aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen bestehenden regionalen Wachstumskern Wirbelschichtgranuliertechnik WIGRATEC und der Nachwuchsforschergruppe NaWiTec gebildet. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung von innovativen Verfahren zur präzisen Herstellung von Partikeln für die chemische, pharmazeutische oder Lebensmittelindustrie.

Erneuerbare Energien Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg tragen im Rahmen des Transfer-Forschungsschwerpunktes Erneuerbare Energien gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Energiewende bei. Hier entstehen Lösungen für die Nutzung von Windenergie, Wasserkraft und Biomasse, für elektrische Netze und Leistungselektronik sowie für Speicher.

Fakultäten Die Universität gliedert sich in neun Fakultäten.

Medizinische Fakultät