mini|Reinhard Mey, 2014
Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker. Er ist deutsch- und französischsprachiger Chansonsänger, Texter und Komponist. Seit Ende der 1960er Jahre gilt er als einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Er war vor allem in den 1970er Jahren mit Titeln wie Der Mörder ist immer der Gärtner, Über den Wolken, Wie vor Jahr und Tag und Gute Nacht, Freunde erfolgreich. Seine Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Leben Reinhard Mey wurde 1942 im Berliner Bezirk Wilmersdorf als zweites Kind des Rechtsanwalts Gerhard Mey und der Lehrerin Hertha Koch geboren. Sein Vater weckte sein Interesse an fremden Kulturen und Sprachen.Manuel J. Hartung und Jeannette Otto: Warum haben Sie BWL studiert, Reinhard Mey? – „Um meine Eltern zu beruhigen“. In: Die Zeit, Nr. 14/2020 vom 26. März 2020, S. 39 Mey besuchte das Französische Gymnasium in Berlin, an dem er 1963 das französische Baccalauréat und das deutsche Abitur absolvierte. Die 12. Klasse musste er wegen schlechter Noten in Deutsch, Mathematik und Physik wiederholen. Zu Meys Klassenkameraden im Französischen Gymnasium zählten der spätere Liedermacher Ulrich Roski und die Politologin Gesine Schwan. Als Austauschschüler wohnte er mehrmals bei einem französischen Paar, das mit seinen Eltern befreundet war.
Mey absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Schering AG Berlin. Ein anschließend begonnenes Studium der Betriebswirtschaftslehre an der TU Berlin, das seine Eltern beschwichtigen sollte, brach er nach sechs Semestern ab, um Liedermacher zu werden. Sein ursprünglicher Berufswunsch war Pilot.
Karriere
Frühe Jahre und Anfänge 1955 bekam Mey im Alter von zwölf Jahren seine erste Klavierstunde, mit 14 erhielt er eine erste Gitarre (als Leihgabe seiner Tante), kurz darauf kaufte er sich für 40 Mark eine eigene. Er brachte sich selbst das Trompetespielen bei. Bereits während der Schulzeit sammelte er mit Freunden mit der Aufführung von Skiffle-Musik in der 1957 gegründeten Band Rotten Radish Skiffle Guys Erfahrungen auf der Bühne, der er das gleichnamige Lied in seinem 2010 erschienenen Album Mairegen widmete. 1961 bildete er mit seinem Schulkameraden Wolfgang „Schobert“ Schulz und Christian Pechner die Gruppe Les Trois Affamés (‚Die drei Hungrigen‘). Meys erstes Chanson Ich wollte wie Orpheus singen erschien 1964. Im selben Jahr bekam er die Möglichkeit, auf dem Festival Chanson Folklore International auf der Burg Waldeck seine Lieder vorzutragen. Dort lernte er auch 1966 den gleichaltrigen Hannes Wader kennen.
Erste Plattenverträge und Durchbruch 1967 startete Mey für Deutschland beim Knokke-Festival in Belgien. Dies führte zu seinem ersten französischen Plattenvertrag. Im selben Jahr tourte er zeitweise zusammen mit Hannes Wader durch Deutschland und spielte mit ihm in Clubs und auf Theaterbühnen. Da das Repertoire beider Musiker zu diesem Zeitpunkt jeweils noch zu klein für ein abendfüllendes Konzert war, traten sie mit einem gemeinsamen Programm ihrer deutschen und französischen Stücke auf. Nach einem besonders erfolgreichen Auftritt im Audimax der Universität Hamburg entschied sich Mey allerdings gegen eine Fortführung der gemeinsamen Auftritte.
Ebenfalls 1967 bekam er einen Plattenvertrag in Deutschland bei Intercord. Anfangs, so der Spiegel, „schien es freilich, als würde die Karriere des Liedermachers im kommerziellen Abseits enden. Denn der Beamtensohn […] tingelte […] durch Studenten-Pinten, Keller-Kneipen und Provinz-Turnhallen – ohne nennenswerte Resonanz. […] Das deutsche Show-Business nahm jahrelang kaum Notiz von ihm oder spottete bestenfalls: ‚Der Mey ist ein Spinner‘.“ Nachdem er durch gelegentliche Funk- und Fernsehengagements zu bescheidener Popularität gelangt war, brachten ihm erst 1971 die Doppel-LP Reinhard Mey live (bis Oktober 1971 rund 250.000 verkaufte Exemplare) sowie das Lied Der Mörder ist immer der Gärtner den Durchbruch zu einem Massenpublikum.
Seinen größten Erfolg veröffentlichte er mit der LP Mein achtel Lorbeerblatt (1972), das den inzwischen zu einem Evergreen gewordenen Titel Gute Nacht, Freunde enthält. Ein weiterer Erfolgstitel gelang ihm mit Über den Wolken aus dem Jahr 1974, das zunächst als B-Seite der Single Mann aus Alemannia herausgebracht wurde. Dieser Titel erreichte 2005 bei der Wahl der 100 besten Lieder des Jahrhunderts (vom ZDF im Rahmen der Fernsehreihe Unsere Besten veranstaltet) den 4. Platz.
Von Meys Auftritten mit anderen Kollegen ist das Konzert anlässlich Hannes Waders 60. Geburtstag im Juni 2002 zu nennen. Gemeinsam mit Konstantin Wecker sangen sie knapp 30 Lieder, und zwar entweder solistisch oder mehrstimmig. Das aus dem Konzertmitschnitt entstandene Doppelalbum Mey, Wader, Wecker – das Konzert erschien 2003. Im selben Jahr wurde davon eine limitierte Ausgabe herausgegeben mit zusätzlichen Titeln, die bei der Demonstration gegen den Irakkrieg am 15. Februar 2003 mitgeschnitten worden waren. Sie enthält zusätzlich Weckers aktualisierte Version seines Hits Willy unter dem Namen Willy 5, Meys Frieden sowie Waders Friedenshymne Es ist an der Zeit.
Die Veröffentlichung des biografischen Buches Über den Wolken ließ Mey gerichtlich untersagen. Kurz darauf, im August 2005, gab er ein eigenes Buch mit dem Titel Was ich noch zu sagen hätte (Autor: Bernd Schroeder) heraus. Zahlreiche von Meys Alben entstanden in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Manfred Leuchter, der dabei auch als Arrangeur der Stücke wirkt und jeweils passende Musiker auswählt. Teilweise musiziert er selbst mit, so bei Das Haus an der Ampel und Nach Haus.
Fernsehaktivitäten Mey moderierte wiederholt Fernsehsendungen, beispielsweise die Reinhard-Mey-Show 1972,) und trat in TV-Filmen als Gastdarsteller auf (2002 unter der Regie von Jan Josef Liefers in der Liebeskomödie Die Frauenversteher – Männer unter sich als Flugzeugmechaniker und 2005 in Küss mich, Hexe als Weißer Magier (Regie: Diethard Küster).Meys Auftritte in Filmen: Siehe Imdb-Link
Vom Juni 1973 bis Dezember 1974 moderierte Mey sechs Ausgaben der Sendung Chansonnade für das Schweizer Fernsehen. 1979 gestaltete er mit Salvatore Adamo eine musikalische Gemeinschaftssendung (Zwei Herren im Dreiviertelfrack), 1980 Der dicke Lange und der kleine Dünne mit Mort Shuman sowie 1981 Manche mögen’s leis mit Heidelinde Weis.
1982 hatte er beim ZDF die Show Ich hab’ Dich lieb. Zusammen mit Rut Speer drehte er für das ZDF seinen persönlichen Heimatfilm Reinhard Mey und sein Dorf in Berlin, der im Juni 1989 ausgestrahlt wurde. Weiterhin moderierte Mey 1980, Frank Elstner nachfolgend, drei Folgen der ARD-Unterhaltungssendung Die Montagsmaler, bis Sigi Harreis im Januar 1981 die Moderation übernahm. Bei den Montagsmalern hatte er insgesamt sechs Auftritte als prominenter Mitrater (1978) und im Showteil (1977–1986).
Von 1987 bis 1996 moderierte Mey das Musikfestival Songs an einem Sommerabend. In diesem Rahmen bot er auch eigene Lieder dar. Da er nicht gewillt war, darauf zu verzichten, das Lied Sei wachsam mit dem darin enthaltenen Text „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: / Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!“ zu singen, beendete er seine Moderationstätigkeit und seine Teilnahme für mehrere Jahre. Von 2004 bis 2014 nahm Reinhard Mey wieder regelmäßig am Festival teil. 2024 sang er mit Helene Fischer im Duett das Lied Wir.
Tourneen Bislang spielte Mey über 1300 Konzerte. Seine Tourneen führten ihn durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, sowie Frankreich, Belgien und die Niederlande. In Frankreich gab Reinhard Mey unter seinem französischen Künstlernamen zwei dreiwöchige Gastspiele, 1976 im Palais des Congrès, Paris und 1979 in der Pariser Music-Hall Bobino. Meist sind die Tourneen nach dem vorangehenden Studioalbum benannt, während die Livealben, die die Tourneen dokumentieren, eigenständige Titel tragen.
Die Organisation der Tourneen leitete von 1970 bis 2005 Peter Graumann, der im Oktober 2005 starb. Diesem engen Weggefährten widmete Mey 1992 das Lied Peter. Nach Graumanns Tod übernahm Rasale Aydin die Tourneeleitung.
1989 erhielt er nach langjährigen Anfragen bei den Verantwortlichen der DDR endlich die Möglichkeit, „einmal in Dresden [zu] singen“. Er bekam eine Einladung in Gunther Emmerlichs Showkolade. Das Konzert fand am 11. November 1989 statt. Durch den zwischenzeitlichen Mauerfall und den damit einhergehenden aufkeimenden Freiheitsgedanken durfte er sowohl Über den Wolken als auch Gute Nacht, Freunde vortragen, die beide den bis zum 8. November 1989 untersagten Freiheitsgedanken in sich tragen. sz-online.de
mini|hochkant|Reinhard Mey, 1971 in Kiel
1971: erste große Tournee (Deutschland) 1972: 142-Städte-Tournee (Deutschland, Österreich und Schweiz) 1974: 30-Städte-Tournee (Frankreich) 1976: 40-Städte-Tournee (Frankreich, Belgien und Niederlande) 1976: Dreiwöchiges Ensuite-Gastspiel im Palais des Congrès, Paris 1977: 30-Städte-Tournee (Frankreich) 1977: 72-Städte-Tournee (Deutschland, Österreich und Schweiz) 1979: Dreiwöchiges Gastspiel in der Pariser Music-Hall „Bobino“ 1980: 56-Städte-Tournee (Deutschland, Österreich und Schweiz) 1983: 60-tägige Tournee (Deutschland, Österreich und Schweiz) 1986: große Tournee (Deutschland, Österreich und die Schweiz) 1988: 55-Städte-Tournee (Deutschland) 1989: 14-tägige Tournee (Österreich) 1990/1991: Farben-Tournee. 55 Städte in Deutschland, elf Tage durch Österreich 1992/1993: Alles-geht-Tournee. 60 Tage durch Deutschland, 14 Tage durch Österreich und die Schweiz 1994/1995: Immer-weiter-Tournee. 60 Tage durch Deutschland, 19 Tage durch Österreich und die Schweiz 1996/1997: Leuchtfeuer-Tournee. 61 Tage durch Deutschland, 17 Städte in Österreich und der Schweiz 1998/1999: Flaschenpost-Tournee. 60 Städte in Deutschland, 27 Städte in Österreich und der Schweiz 2000: Einhandsegler-Tournee. 60 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2002: Rüm-Hart-Tournee. 60 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2005/2006: Nanga-Parbat-Tournee. 60 Tage durch Deutschland und die Schweiz, elf Tage durch Österreich 2008: Bunter-Hund-Tournee. 60 Tage durch Deutschland, Österreich und die Schweiz 2011: Mairegen-Tournee. 62 Tage durch Deutschland und die Schweiz 2014: „dann mach’s gut“-Tournee. 60 Tage durch Deutschland 2017/2018: Mr.-Lee-Tournee. 30 Tage durch Deutschland, zehn Tage durch Österreich 2022: Das-Haus-an-der-Ampel-Tournee. 16 Tage durch Deutschland und Österreich
Pseudonyme Meys Pseudonym Frédérik Mey leitet er von der französischen Version seines Zweitnamens Friedrich ab. Er wählte es aus phonetischen Gründen, da nach seiner Ansicht der dem deutschen Reinhard entsprechende französische Vorname Renaud eine ungünstige französische Aussprache nach sich gezogen hätte. Renaud klingt wie Renault und als voller Name Renaud Mey ähnlich wie renommée.
Ein weiteres Pseudonym war Alfons Yondraschek, unter dem er für das Duo Inga & Wolf das Lied Gute Nacht, Freunde schrieb. Diese sollten damit am Eurovision Song Contest 1972 teilnehmen. In der deutschen Vorentscheidung im Februar 1972 belegte das Lied den vierten Platz. Den Namen hatte Mey bereits im Lied Ankomme Freitag, den 13. auf dem gleichnamigen Album verwendet, worin er beteuert, „ganz bestimmt nicht Alfons Yondraschek“ zu sein. Dieser wird zudem in Meys Werk noch einmal genannt: In Zwei Hühner auf dem Weg nach vorgestern wird Alfons Yondraschek als Autor des gleichnamigen Theaterstücks angegeben.
Eines der frühesten Pseudonyme ist Rainer May, unter dem er 1965 unter anderem das Stück Geh und fang den Wind herausbrachte, eine deutschsprachige Interpretation des Donovan-Hits Catch the Wind (deutscher Text: Joe Menke). Dieses Pseudonym entstand ungewollt – der Produzent hatte den Namen falsch notiert.
Privates