Crossen an der Elster (1937–1991 Krossen/Elster) ist eine Gemeinde im Nordosten des Saale-Holzland-Kreises in Thüringen und ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen.

Geografie Crossen liegt in der Nähe von Eisenberg an der Mündung der Rauda in die Weiße Elster, unweit der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Hartmannsdorf, Heideland, Rauda und Silbitz im Saale-Holzland-Kreis sowie Wetterzeube im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis.

Gemeindegliederung mini|links|Elsterbrücke in Crossen Zu Crossen gehören die Ortsteile Ahlendorf (Ersterwähnung 1378) links der Elster sowie Tauchlitz (Ersterwähnung 20. September 1271) und Nickelsdorf (Ersterwähnung 4. April 1109) rechts der Elster.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 14, 281 und 198. Diese besitzen jedoch keinen eigenen Ortsteilrat.

Geschichte mini|Crossen mit Schloss mini|hochkant|Schloss Crossen mit Bergfried mini|hochkant|Kirche St. Michaelis mini|hochkant|Denkmal auf dem Friedhof für die Revolutionäre von 1848

Am 31. März 995 wurde Crossen erstmals urkundlich erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 50.

Im Crossener Rittergutswald weisen acht sichtbare Grabhügel auf die jungsteinzeitliche Besiedlung hin. Die Gräber gehörten zu einem Gräberfeld von elf Hügeln.Sven Ostritz (Hrsg.): Saale-Holzland-Kreis, Ost (= Archäologischer Wanderführer Thüringen. H. 9). Beier & Beran, Langenweißbach 2007, ISBN 978-3-937517-51-3, S. 62.

Die Burg Crossen stand über dem linken Ufer der Weißen Elster nördlich der in die Elster mündenden Rauda. Sie wurde im Auftrag der Bischöfe von Naumburg-Zeitz zum Schutz des Elstertales errichtet. Schon 995 wurde Crossen im Gau Pozowa urkundlich erwähnt.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 81. Jetzt steht auf dem Areal das Schloss Crossen, gebaut von den Herren von Wolframsdorf. Der Bergfried und zwei künstliche Befestigungsgräben sind noch Zeugen der Vorgängeranlage.Sven Ostritz (Hrsg.): Saale-Holzland-Kreis, Ost (= Archäologischer Wanderführer Thüringen. H. 9). Beier & Beran, Langenweißbach 2007, ISBN 978-3-937517-51-3, S. 61.

Bis 1792 gehörte Crossen zum kursächsischen Amt Haynsburg. Bis 1952 gehörte Crossen zum Landkreis Zeitz, zuletzt im Land Sachsen-Anhalt, dann zum Kreis Eisenberg.

In der Gemarkung des Ortsteils Nickelsdorf nennt man den Westvorsprung des Mühlbergs „Nickelsburg“. Diese „Burg“ gehört zu den beeindruckendsten frühmittelalterlichen Anlagen. Sie hat noch drei Wälle, die den Sporn nach Nordosten abriegeln; der den Hang sichernde Wall ist auch noch gut erhalten. 1935/36 fand man bei Ausgrabungen früh- und hochmittelalterliche Funde sowie jungsteinzeitliche Keramik und Feuersteinartefakte. Es gibt noch einen Wall, der zur Jungsteinzeit gehörend eingeordnet wird.Sven Ostritz (Hrsg.): Saale-Holzland-Kreis, Ost (= Archäologischer Wanderführer Thüringen. H. 9). Beier & Beran, Langenweißbach 2007, ISBN 978-3-937517-51-3, S. 64–65.

Am 1. Januar 1991 wurde der Name der Gemeinde von Krossen/Elster offiziell in Crossen an der Elster geändert.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Nickelsdorf und Tauchlitz eingegliedert.

Am 25. März 1994 wurde Ahlendorf eingemeindet.

Einwohnerentwicklung 1970: 2770Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 32, Teil 12, Geschichte und Rechtsstellung von der Gründung der DDR bis zur Ernennung des Apostolischen Administrators. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 149. 1994: 2222 1995: 2204 1996: 2176 1997: 2219 1998: 2167 1999: 2150 2000: 2077 2001: 2049 2002: 2007 2003: 1957 2004: 1941 2005: 1923 2006: 1892 2007: 1851 2008: 1828 2009: 1810 2010: 1753 2011: 1723 2012: 1710 2013: 1685 2014: 1623 2015: 1581 2016: 1564 2017: 1528 2018: 1510 2019: 1515 2020: 1545 2021: 1541 2022: 1616 2023: 1652 2024: 1568 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik: Stand: jeweils 31. Dezember

Religion Im damals zum Bistum Naumburg gehörenden Crossen wurden die Bevölkerung und die Michaeliskirche im 16. Jahrhundert durch die Reformation evangelisch-lutherisch.

Die Kirchengemeinde Crossen gehört mit ihrer Michaeliskirche heute zum Kirchenkreis Eisenberg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 war die Zahl der Katholiken in Krossen erheblich angestiegen, sie wurden zunächst von der Pfarrei Zeitz und ihrer Kuratie Droyßig seelsorglich betreut. Am 6. Dezember 1961 wurde der Neupriester Hubert Bazant zum Kuratus von Krossen ernannt, womit in Krossen die katholische Kuratie St. Norbert begründet wurde, die zum Erzbischöflichen Kommissariat Magdeburg gehörte. Am 2. Januar 1962 trat Bazant sein Amt in Krossen an, ab 1962 wurden in Krossen auch katholische Kirchenbücher geführt.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 32, Teil 12, Geschichte und Rechtsstellung von der Gründung der DDR bis zur Ernennung des Apostolischen Administrators. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 148–151. Mit der Gründung des Bistums Magdeburg 1994 wurde Crossen entsprechend den neuen Bundeslandgrenzen an das Bistum Dresden-Meißen abgetreten.Ioannes Paulus II: Constit. Apostol. Cum gaudio, AAS 87 (1995), n. 3, S. 225–228. Heute gehören katholische Einwohner von Crossen zur Pfarrei St. Elisabeth Gera im Dekanat Gera. Die nächstliegende katholische Kirche ist die Mariä-Verkündigung-Kirche im rund sechs Kilometer entfernten Eisenberg.

Politik Gemeinderat Die Wahl zum Gemeinderat am 26. Mai 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleich zum Ergebnis der Kommunalwahl in Thüringen 2019): Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− Die Linke / offene Liste 33,6 % + 13,1 4 + 1 AfD 25,8 % + 7,2 3 + 1 Crossener Wählervereinigung (CWV) 23,0 % - 5,3 3 ± 0 Bürgerinitiative Holzland e. V. (BIH) 11,3 % - 0,9 1 - 1 Freiwillige Feuerwehr 5,6 % - 5,6 1 ± 0 Bürger für Crossen 0,6 % - 8,6 0 - 1 Gesamt 100 % 12 Die Bürgerinitiative Holzland e. V. (BIH) und die Freiwillige Feuerwehr bilden gemeinsam eine Fraktionsgemeinschaft.

Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Uwe Berndt (Die Linke) wurde 2014 gewählt. Er setzte sich in der Stichwahl am 8. Juni 2014 mit 70,5 % der Stimmen gegen seine Mitbewerberin Heidelinde Laube von der CDU durch. Bei der erneuten Wahl am 27. September 2020 wurde er mit 71,7 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,1 %. Noch während der laufenden Legislatur kündigte Berndt seinen Rücktritt an. Es sei die Summe von vielen Dingen gewesen, die am Ende das Fass zum Überlaufen brachten, gab dieser als Grund an. Im Zuge dieser Entscheidung wurde der 1. Stellvertreter des bis dahin amtierenden Bürgermeisters Berndt, Herbert Zimmermann, übergangsweise der neue Bürgermeister der Gemeinde. Bei der Wahl zum Crossener Bürgermeister am 3. September 2023 wurde Herbert Zimmermann (BIH) im ersten Wahlgang mit 67,0 % der abgegebenen Stimmen offiziell zum Bürgermeister von Crossen gewählt. Er setze sich gegen seine Mitbewerber Peter Kuhlmann (Bürger für Crossen, 14,4 %) und Jürgen Fuchs (parteilos, 18,7 %) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,2 %.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten Hauptsehenswürdigkeit des Ortes ist das barocke Schloss Crossen, das derzeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Weiterhin ist die sanierte Kirche St. Michaelis, die 1320 das erste Mal erwähnt wurde, prägend für das Ortsbild.

Geschichtsdenkmale Auf dem Friedhof steht vor einer alten Linde ein Denkmal, das an Revolutionäre von 1848 erinnert, es wurde im Jahr 1948 errichtet.

Neben der Schule befindet sich in einer kleinen Parkanlage das in DDR-Zeiten errichtete Denkmal für die Opfer des Faschismus. Es erinnert an die Widerstandskämpfer der Gemeinde, darunter den im KZ Bergen-Belsen ermordeten Kommunisten Willy Graumüller, an den der Name eines Wohngebietes erinnerte, das seit 1990 Teisker-Siedlung heißt.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 206. Im November 2016 wurde zudem ein Stolperstein für Willy Graumüller verlegt.

Verkehr Der Ort besitzt einen Haltepunkt (Crossen Ort) und einen Bahnhof (Crossen an der Elster). Beide liegen an der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella und werden dort zweistündlich von den Linien RE 12 und RB 22 der Erfurter Bahn (Leipzig - Gera - Saalfeld) bedient, wobei beide zusammen einen Stundentakt bilden. Der Bahnhof Crossen an der Elster wird dabei nur von der Linie RB 22 im Zweistundentakt als Bedarfshalt bedient, während der Haltepunkt Crossen Ort jederzeit im Stundentakt bedient wird. Eine Bahnverbindung nach Eisenberg existierte bis 1998.

Wirtschaft In Crossen betreibt die Nürnberger Gerstacker Weinkellerei Likörfabrik GmbH, der Weltmarktführer bei der Produktion von Glühwein, eine Produktionsstätte.

Persönlichkeiten Peter Theodoricus (1580–1640), Rechtswissenschaftler Karl von Flemming (1783–1866), Rittergutsbesitzer und Beamter in sächsischen und preußischen Diensten Elisabeth von Heyking (1861–1925), Schriftstellerin und Malerin (lebte ab 1908 auf Schloss Crossen) Martin Frey (1872–1946), Pianist, Klavierpädagoge und Musikherausgeber Felix Günther (1877–1955), Historiker und Museumsdirektor Kurt Gröbe (1893–1967), Arzt, Schriftsteller und Politiker Christine Schlegel (* 1950), Malerin, Grafikerin und Filmkünstlerin Wieland Rose (1959–2007), Bürgermeister von Crossen

Weblinks

Gemeinde Crossen an der Elster bei der Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen Private Homepage über Crossen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Saale-Holzland-Kreis Kategorie:Ort an der Weißen Elster Kategorie:Ersterwähnung 995 Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft