Padua (, ) ist eine italienische Gemeinde und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Padua. Sie liegt am Rand der Po-Ebene, 30 km westlich von Venedig, am Fluss Bacchiglione und hat Einwohner (Stand ).

Mit dem botanischen Garten und mit mehreren über die Altstadt verteilten Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts besitzt Padua zwei Einträge in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Die Stadt beheimatet zudem mit der Universität Padua (Gründung im Jahr 1222) eine der ältesten europäischen und die nach Bologna (gegründet 1088) und Modena (gegründet 1175) drittälteste Universität Italiens.

Geschichte Antike Padua ist eine der ältesten Städte Italiens. In der Antike führte es den lateinischen Namen Patavium. Der Sage nach wurde es von dem Trojaner Antenor um 1184 v. Chr. gegründet.Vergil, Aeneis 1, 247; Tacitus, Annalen 16, 21 ,1; u. a. Angeblich hatte Antenor in Patavium Spiele gestiftet, die im 1. Jahrhundert n. Chr. alle 30 Jahre mit der Aufführung von Dramen abgehalten wurden.Tacitus, Annalen 16, 21, 1; Cassius Dio, Römische Geschichte 62, 26, 4. Tatsächlich stammen die ältesten archäologischen Siedlungsspuren dieser Region aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. In der Folge sind kleine Siedlungen am Fluss Bacchiglione für das 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. bezeugt.Padova auf Treccani online. Das dort entstandene Patavium entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der Veneter. Es besaß einen Seehafen mit sicherem Ankerplatz an der Mündung der Brenta und des Bacchiglione und unterhielt eine lebhafte Schifffahrt längs der Küste. Durch ihre ständigen Streitigkeiten mit keltischen Nachbarvölkern waren die Pataviner kriegerisch eingestellt. Die erste historische Notiz über die Stadt bezieht sich auf das Jahr 302 v. Chr. Damals schlug die Miliz von Patavium einen Angriff des spartanischen Königssohns Kleonymos zurück. Sie konnte einige feindliche Schiffe erbeuten, die sie verbrannte. Die Schiffsschnäbel und die erbeuteten Spolia wurden im Tempel der Juno aufbewahrt. Zum Andenken an den Sieg wurde in Patavium jährlich mit Schiffen auf dem Fluss ein Scheinkampf aufgeführt.Titus Livius, Ab urbe condita 10, 2.

Aus Abneigung gegen die benachbarten Gallier schlossen sich die Pataviner mit den übrigen Venetern als Bundesgenossen den Römern an, als diese von 225–222 v. Chr. Krieg gegen die Boier und Insubrer führten. Die Veneter und Cenomanen stellten damals zusammen ein Kontingent von 20.000 Soldaten für den Krieg.Polybios, Historien 2, 24. Im Zweiten Punischen Krieg gegen Hannibal leisteten die Pataviner den Römern große Dienste, indem sie durch ihre Beherrschung der Wasserstraßen die Festungen Placentia (heute Piacenza) und Cremona hielten. Später unterstellten sie sich gern der Hegemonie der Römer, die von hier aus die Alpenpässe absicherten.Livius, Ab urbe condita 21, 57; 39, 22 ff.; 41, 27. Patavium erhielt keine römische Besatzung; seine innere Verwaltungsautonomie wurde respektiert. In innere Streitigkeiten von Patavium griff auf Wunsch von dessen Einwohnern 174 v. Chr. der Konsul Marcus Aemilius Lepidus schlichtend ein.Livius, Ab urbe condita 41, 27, 3. Der Ort entwickelte sich zu einer der wichtigsten und reichsten Handelsstädte des Römischen Reiches. Patavium besaß bedeutende Tuch- und andere Manufakturen und exportierte Wolle, aus der kostbare Teppiche und in Italien beliebte Wolldecken gefertigt wurden.Strabon, Geographika 5, 218; Martial, Epigrammata 14, 148. 59 v. Chr. wurde hier der römische Geschichtsschreiber Titus Livius geboren. 49 v. Chr. erlangte die Stadt den Status eines Municipium der Tribus Fabia. Es litt nicht unter den römischen Bürgerkriegen. 43 v. Chr. stellte es sich auf die Seite des Senats gegen Marcus Antonius, dessen Gesandten es nicht empfangen wollte, wofür es von Cicero gelobt wurde.Cicero, Philippische Reden 12, 10. In der Ära des Kaisers Augustus ergab der Zensus von 14 n. Chr., dass die hohe Anzahl von 500 aus Patavium stammenden Männern genügend Vermögen hatten, um die Würde eines Ritters bekleiden zu dürfen.Strabon, Geographika 3, 167; 5, 213.

Der Legende nach soll der Heilige Prosdocimus das Gebiet im 1. Jahrhundert christianisiert haben. In Padua soll er als erster Bischof fungiert haben. 69 n. Chr. wurde Patavium widerstandslos von den Feldherren des Kaisers Vespasian, Primus und Varus, während ihres Vorstoßes nach Italien besetzt.Tacitus, Historien 3, 6.

Es blieb in den nächsten Jahrhunderten weiterhin eine prosperierende Stadt, wird aber in den Quellen kaum noch erwähnt. Unter Diokletian wurde es Ende des 3. Jahrhunderts einem kaiserlichen Corrector und später einem Präfekten unterstellt. Es ist nicht sicher, ob Patavium durch die Einfälle von Alarich (um 400) und des Hunnenheers Attilas (452) betroffen war. 493 wurde die Stadt von den ostgotischen Truppen Theoderichs des Großen in Besitz genommen. Während des Gotenkriegs des Kaisers Justinian I. wurde Patavium von dessen Feldherrn Narses erobert und kam damit für kurze Zeit unter oströmische Herrschaft.

Mittelalter Als der Langobardenkönig Alboin 568 in Norditalien einfiel und die Provinz Venetien überrannte, konnte Patavium zunächst seine Unabhängigkeit behaupten. 601 wurde die Stadt von König Agilulf nach blutiger Belagerung erobert und fast ganz zerstört.Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 2, 14; 4, 23. Die Überreste des Amphitheaters und einige Brückenfundamente sind die einzigen heute noch erhaltenen Teile. Die Bevölkerung mit ihrem Bischof floh nach Metamaucum.

Die Stadt erholte sich davon nur sehr langsam. Karl der Große brachte Padua 779 unter fränkische Herrschaft. Später wurde die Stadt dem Heiligen Römischen Reich zugeordnet. Otto I. errichtete in Padua eine Munizipalverfassung mit zwei vorsitzenden Konsuln und erklärte Padua zur Freien Stadt.

Unter Kaiser Friedrich I. trat sie 1164 dem Lombardischen Städtebund bei, schloss aber 1177 zu Venedig einen Waffenstillstand mit dem Kaiser, nachdem es 1175 einen Podestà an die Spitze der städtischen Regierung gestellt hatte.

Die Podestàs bedrohten bald die Selbständigkeit Paduas, besonders die aus dem Haus Romano, von denen Ezzelino III. von 1237 bis 1256 eine drückende Tyrannei ausübte. 1256 wurde Padua von den Guelfen erobert. Aufgrund der Missgunst zwischen Volk und Adel übertrug man das Podestat wieder einer Familie, den Carraresi. Unter der Signoria der da Carrara erweiterte Padua seinen Herrschaftsbereich auf einen Großteil von Zentral-Venetien und baute die Stadt stetig aus. So entstanden die mittelalterliche Stadtbefestigung und die weltliche und kirchliche Bebauung der Stadt.

mini|Universität Padua, gegründet 1222 1222 wurde – nach Bologna und Modena – die Universität Padua als dritte Universität in Italien gegründet, und einige der wichtigsten italienischen Künstler arbeiteten oder lebten in Padua. Dazu gehörten unter anderem Giotto di Bondone, Guariento di Arpo, Altichiero da Zevio und Giusto de’ Menabuoi. 1364 erbaute Giovanni de Dondi in Padua eine Planetenuhr.

1328 fiel die Stadt an Cangrande I. della Scala. Die Scaligerherrschaft endete aber bereits 1337. Mit dem Niedergang der Familie der Carraresi 1405 verlor auch Padua seine politische Eigenständigkeit und kam unter die Herrschaft der Republik Venedig, was der kulturellen Entwicklung keinen Abbruch tat. Bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts wirkten unter anderem Donatello und Andrea Mantegna in Padua.

Neuzeit Venezianische Herrschaft Die Herrschaft Venedigs über Padua dauerte bis zum Ende dieser Republik (1797). Es gab nur eine kurze Unterbrechung, als Padua 1509 während des Krieges gegen die Liga von Cambrai in die Hände der Liga fiel. Die Kaiserlichen wurden nach einigen Monaten wieder vertrieben. Kurz darauf belagerte Kaiser Maximilian I. Padua vom 15. September bis zum 1. Oktober 1509 vergeblich. Die Stadt wurde von zwei venezianischen Adeligen, einem Podestà für die zivilen und einem Kapitän für die militärischen Angelegenheiten, regiert, die für jeweils 16 Monate gewählt wurden. Unter diesen Gouverneuren besorgten weiterhin der Große und der Kleine Rat die Geschäfte der Stadt und wandten die paduanischen Gesetze an, die in den Statuten von 1276 und 1362 festgelegt waren. Die Finanzen lagen in den Händen von zwei Kämmerern. Ein Gesandter aus den Reihen des paduanischen Adels residierte für jeweils fünf Jahre in Venedig, um dort die Interessen seiner Heimatstadt zu vertreten.

Im 16. Jahrhundert erfuhr Padua einen erneuten Aufschwung. Die Stadt wurde um einige Gebäude erweitert, die Stadtbefestigung weiter ausgebaut, und die Universität baute ihren guten europäischen Ruf aus. In dieser Zeit lehrten an der Universität viele italienische Gelehrte, unter anderem Galileo Galilei, der 1599 zu den Mitbegründern der Accademia dei Ricovrati gehörte. mini|Padua um 1780

Österreichische Herrschaft mini|Padua in den 1850er Jahren Am Ende des 18. Jahrhunderts endete die venezianische Vorherrschaft. Am 28. April 1797 wurde Padua von den Franzosen besetzt und im Frieden von Campo Formio am 17. Oktober 1797 an Österreich abgetreten, kam aber im Pressburger Frieden vom 26. Dezember 1805 an das von Napoleon Bonaparte gegründete Königreich Italien. Der erste Pariser Friede vom 30. Mai 1814 brachte Padua als Teil des Königreiches Lombardo-Venetien indirekt an Österreich zurück (der Kaiser von Österreich war in Personalunion sein König). Am 8. Februar 1848 fand in Padua ein bewaffneter Aufstandsversuch statt, der jedoch von den österreichischen Truppen unterdrückt und danach die Universität am 15. Februar 1848 geschlossen wurde. Im März 1848 brachen neue Unruhen aus, in deren Folge das österreichische Militär die Stadt räumte und erst am 14. Juni 1848 zurückkehrte. 1850 wurde die Universität wieder eröffnet.

Unter der habsburgischen Herrschaft begann die Entwicklung der Industrie in Padua. 1845 wurde als eine der ersten Bahnstrecken Italiens die Strecke Padua–Venedig (heute Teil der Bahnstrecke Venedig–Rovigo–Bologna) errichtet.

Teil Italiens Durch den Wiener Frieden vom 3. Oktober 1866 kam Padua mit Venetien an das Königreich Italien. Zu dieser Zeit war Venetien die ärmste Region Norditaliens, was bis in die 1960er Jahre so bleiben sollte. Die Stadt selbst blühte dennoch in den folgenden Jahrzehnten gesellschaftlich und wirtschaftlich auf. Die Industrialisierung schritt fort und die Stadt war ein wichtiger landwirtschaftlicher Markt. Die Universität bildete ein bedeutendes kulturelles und technologisches Zentrum. Auch ein höheres militärisches Kommando und mehrere Regimenter waren hier stationiert.

Mit dem Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg am 24. Mai 1915 wurde Padua als Sitz des Oberkommandos der italienischen Armee ausgewählt, wo König Viktor Emanuel III. und der Generalstabschef Luigi Cadorna fortan lebten. Nach der italienischen Niederlage in der Schlacht von Karfreit im Herbst 1917 wurde die Front bis an den nur 50 bis 60 km entfernten Piave zurückgenommen, wodurch die Stadt innerhalb der Reichweite der österreichisch-ungarischen Artillerie lag. Dennoch wurde das Oberkommando nicht verlegt. Padua war bereits 1916 erstmals Ziel der k.u.k. Luftstreitkräfte gewesen. Bis 1918 flog die österreichisch-ungarische Luftwaffe insgesamt 19 Luftangriffe auf die Stadt, die insgesamt 129 Todesopfer forderten und bei denen 211 Gebäude beschädigt wurden. Vom nahe gelegenen Flugfeld San Pelagio startete Gabriele D’Annunzio am 9. August 1918 zu seinem denkwürdigen Flug über Wien. Ende Oktober 1918 brach nach dem entscheidenden Sieg der italienischen Armee in der Schlacht von Vittorio Veneto die österreichisch-ungarische Front zusammen. Am 3. November 1918 wurde in der Villa Giusti am Stadtrand von Padua der Waffenstillstand von Villa Giusti unterzeichnet.