Catweazle ist eine Fernsehserie des britischen Privatsendernetzwerks Independent Television aus dem Jahr 1969. Sie handelt von dem angelsächsischen Magier Catweazle und den Abenteuern, die er nach einer Zeitreise mit seinen jugendlichen Freunden in der Zeit Ende der 1960er Jahre und Anfang der 1970er Jahre erlebt. Die Hauptrolle spielte Geoffrey Bayldon. Aus der Serie entstanden die Romane Catweazle und Catweazle sucht das magische Zeichen von Richard Carpenter, der auch die Drehbücher schrieb. Es wurden zwei Staffeln à dreizehn Folgen produziert.

Die Serie wurde auf 16-mm-Film gedreht. Die Drehorte der ersten Staffel befanden sich auf der Home Farm im Dorf East Clandon (in der Nähe von Guildford) in der Grafschaft Surrey, die der zweiten Staffel in und um Bayford und Brickendon in der Grafschaft Hertfordshire. Innenszenen wurden in den Halliford Studios in Shepperton, Surrey gedreht.

Handlung Erste Staffel Catweazle ist ein schrulliger, ziegenbärtiger, mit einer zerlumpten braunen Kutte bekleideter Hexenmeister, der zunächst im Jahr 1066 lebt und vergeblich versucht, mithilfe eines Zaubertranks aus Bilsenkraut, Schierling, Fingerhut und Butterblumen zu fliegen. Stattdessen wird er auf der Flucht vor den mordlüsternen Normannen, die im Zuge der Schlacht bei Hastings England überfallen, durch seine – auch diesmal unzuverlässige – Zauberei unbeabsichtigt in die 1970er Jahre katapultiert. Dies geschieht dadurch, dass er in einen Fluss springt, während er einen Zauberspruch ruft. Daraufhin taucht er in einem morastigen Tümpel wieder auf. In der ihm noch unbekannten neuen Welt ist Catweazle unter anderem fasziniert von den Erfindungen der modernen Zivilisation (z. B. Streichhölzer, elektrisches Licht u. v. m.), die er für kraftvolle Magie hält. In der ersten Staffel freundet er sich mit dem dreizehnjährigen Bauernsohn Harold Bennet an (im englischen Original Edward „Carrot“ Bennet), der ihm unter anderem hilft, die Tücken einer stark technisierten Lebenswelt zu überstehen. Er bewahrt ihn ständig vor Entdeckung, denn es droht die unerwünschte Aufdeckung von Catweazles Identität. Catweazle erweist sich dabei als außerordentlich talentiert, erst im allerletzten Moment zu verschwinden.

Catweazles Zauberformeln wie „Salmei, Dalmei, Adomei“ oder „Schampampurasch“, mit denen er viel Schlamassel anrichtet, gehören fest zu seiner Zauberei und zu seiner Filmfigur – genauso seine ständige Begleiterin und „Vertraute“, die Kröte Kühlwalda (im Original: Touchwood) und sein Dolch Adamcos. Er erfindet Bezeichnungen für heute alltägliche Dinge wie „Zauberknochen“ (‚Telefonhörer‘, im Originalfilm: telling bone) oder „Elektrik-Trick“ (Elektrizität im Original electrickery). Catweazle erschrickt beim Anblick solch moderner Dinge und hält sie für neuzeitliche Dämonen. Als sich zum Beispiel ein Pastor einen Telefonhörer ans Ohr hält und Catweazle erschrocken fragt: „Was, mit einem magischen Knochen zaubern Sie?“, interpretiert er den Apparat sofort als einen bösen Geist und droht der Telefonanlage: „Ich werde dich vernichten!“ Bereits frühzeitig möchte er aus den für ihn von Dämonen bevölkerten und ebenso unerklärlichen 1970er Jahren in seine angestammte Gegenwart zurück, obwohl er zuvor angstvoll aus dieser geflohen ist.

Zweite Staffel Sie beginnt wie die erste in weit zurückliegender Vergangenheit. Catweazle ist zunächst gefangen auf der Burg eines normannischen Fürsten zur Zeit der Normannenkriege. Es gelingt ihm aber, wie bereits in der Vorstaffel, mittels seiner Magie zu fliehen – allerdings auch diesmal durch eine unbeabsichtigte Zeitreise in die Gegenwart. Dort freundet er sich mit dem jungen – wegen seiner Brille von ihm auch „Eulengesicht“ genannten – Lord Cedric Collingford an, der in den Ferien aus dem Internat zu seinen Eltern zurückgekehrt ist. Er hält Cedrics Brille für so etwas wie ein magisches Mittel, vergleichbar mit dem Gesichtsschleier einer – von ihm mythologisch interpretierten und somit Zauberkraft besitzenden – Eule. Er glaubt daher, einem gleichfalls Zaubermächtigen aus seiner Hexerzunft gegenüberzustehen, da er dessen Brille nicht als eine moderne und simple Sehhilfe erkennt. Hinzu kommt der Umstand, dass Cedric sich beim ersten Zusammentreffen im ehemaligen Alchemie-Labor befindet und sich mit Zauberbüchern aus dem 19. Jahrhundert eines Lords aus der Ahnenreihe der Schlossfamilie beschäftigt. Cedric versorgt ihn mit dem Lebensnotwendigsten und unterstützt ihn bei der Suche nach einem Zauber, durch welchen die Kunst des Fliegens zu erlangen wäre. Mit diesem Zauber befasste sich auch schon der exzentrische Ahne Cedrics. Gleichermaßen hilfreich ist auch Cedrics Kenntnis von dem durch einen Geheimgang zugänglichen Alchemie-Labor, welches nun auch Catweazle kennt. Es ist aber auch Grund von Spannungen, da niemand sonst davon wissen soll. Nicht immer wird nur Freundschaft zwischen den beiden dargestellt, denn teilweise konkurrieren sie auch um Dinge. Manchmal bezeichnet Catweazle Cedric dann eher abfällig als „Eulengesicht“.

Da die Eltern, die einen touristischen Schlossbetrieb leiten, wegen ungenügender Einnahmen kurz vor der Pleite stehen, hilft Catweazle Cedric verstärkt bei der Suche nach einem altertümlichen Schatz, der auf dem Anwesen verborgen sein soll. Somit haben die zwei Hauptfiguren der Handlung nicht nur gemeinsame Geheimnisse, sondern auch jeweils ein Rätsel zu lösen, wobei sie sich gegenseitig dabei unterstützen und einander helfen, auftauchende Probleme zu lösen.

Thematische Übereinstimmungen der beiden Staffeln Immer wieder verknüpfen sich die vielen Zufälle im Handlungsverlauf der jeweiligen Staffeln miteinander. Die beiden vollkommen fremden Welten – die Zeit der Normannenkriege und die „Neuzeit“ – verbinden sich miteinander. Dinge, die im ersten Augenblick gar nicht in Zusammenhang zu stehen scheinen, ergeben für den in der ihm fremden neuen Welt verunsicherten Catweazle zunächst eine reale Bedeutung, welche in ihm Neugier und Forschungsdrang hervorrufen. Catweazle und sein jeweiliger jugendlicher Freund schlittern in ihren zu bestehenden Abenteuern fast immer haarscharf am Desaster vorbei. Mit seinen exzentrischen Ritualen versucht Catweazle immer wieder, vermeintliche böse Geister zunächst Harold wie auch später Cedric vom Hals zu halten. Typisch ist sein aufgeregtes Zischeln, das Pusten über seinen Daumenring und das beschwörerische Wedeln mit seinem magischen Hexermesser Adamcos. Für ihn ist nichts Zufall oder etwa Glückssache, auch nicht Produkt menschlichen Erfindungsgeistes, sondern alles Magie – welche er enträtseln und derer er habhaft werden möchte.

Catweazle hält die moderne, stark technisierte Welt, in die er geraten ist, für genauso rätselhaft wie Harold und Cedric Catweazles magische Welt, die er ihnen offenbart. Dies ruft oft Dialoge zwischen den Protagonisten hervor, bei denen die exzentrischen Anwandlungen des schrulligen Zauberers aus ihm geradezu heraussprudeln. Er kann sich dabei übergangslos von einem unterwürfigen Bewunderer moderner technischer Errungenschaften, welche für ihn Zauberei darstellen, in einen wild Fluchenden verwandeln, der beim Schimpfen über diese neuzeitlichen Erfindungen viel Phantasie versprühen kann. In seiner angestammten Gegenwart hatte er das Lebensnotwendigste gehabt, mit spärlichsten Mitteln konnte er sich dort einrichten. Die Annehmlichkeiten der modernen Alltagswelt waren ihm dort noch fremd. Die Magie auch in der neuen Welt zu ergründen macht ihn rastlos. Er will nicht etwa endlich an einem Ort ankommen und Ruhe finden – nein, er will fliegen können und neue und alte Welten entdecken, ihren Zauber ergründen. Auch wenn Catweazle mit seiner etwas verschlagenen Art teilweise einen ausgeprägten Egoismus an den Tag legt, tritt immer wieder seine gute Seite hervor – zum Beispiel, wenn er mittels seiner Zauberkraft so manches Übel der neuen Gegenwart zu tilgen versucht. Aber der Magier aus der fernen Vergangenheit steht den Errungenschaften der modernen Zivilisation nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Ein neuzeitliches dreirädriges Fahrrad zum Beispiel wird zu einem von ihm hochgeschätzten, intensivst und mit Stolz genutzten Fortbewegungsmittel. Harold und Cedric nehmen ihn oft nicht ernst; auch seine sonstige Umgebung zweifelt oft an seinem Verstand. Sein ungepflegt wirkendes Äußeres und seine häufige Zerstreutheit verstärken dies teilweise. Jedoch erkennen seine Freunde auch, dass seine Weisheiten oftmals tatsächlich zutreffen. Er ist, genau betrachtet, kein seniler Greis und behält stets seine Würde. In seiner Neugier, Schelmenhaftigkeit und bei seiner Zauberei wirkt er stets sehr konzentriert und aufmerksam. Oft ist er ernsthaft, gar nicht so unmodern in seinen Ansichten und einfach ein liebenswerter älterer Herr.

Hintergrund Richard Carpenter und Geoffrey Bayldon kannten sich von der Old Vic Theatre School. Carpenter schrieb das Stück passend für Bayldon, der eigentlich nur klassische Rollen im Theater spielte. In der Rolle Catweazles interpretierte Bayldon das Altenglische anhand seines eigenen rauen Dialekts aus seiner Heimat Yorkshire. Die Schminke war so dick, dass er nach jedem Drehtag zweimal baden musste. Das Team war sehr familiär. Eine dritte Staffel kam schließlich nicht mehr zustande. Regisseur Quentin Lawrence war gestorben, niemand wollte in seine Fußstapfen treten und man wollte auch keinen neuen Stil mehr finden.

Im Begleittext der veröffentlichten DVDs hebt Schauspieler und Autor Uwe Sommerlad hervor, dass es Carpenter gelang, eine ganze Reihe von damals schon bekannten Fernseh- und Kinoschauspielern zu gewinnen. In dem Ensemble brillierte aber vor allem Bayldon, der sich mit dieser skurrilen, aber trotzdem sympathisch geschriebenen Rolle einen bleibenden Namen machte. Dabei gelang ihm – als seiner Herkunft nach klassischem Theaterschauspieler – eine unübertriebene Darstellung zu verwirklichen und seine Figur auf der einen Seite vielschichtig anzulegen, aber auch nicht zu distanziert oder gar zu befremdlich. Obwohl fast neun Jahrhunderte zwischen dem Ausgangsjahr und dem späteren Zeitpunkt der Handlung liegen, gab es daher keine Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Schauspielern, welche zwei weit auseinander liegende Epochen darzustellen hatten.

In einem Interview im August 2000 berichtet Bayldon über seine Person: „Schon mit 22 gab man mir Rollen von 90-Jährigen“.

Als die Fernsehserie gedreht wurde, war Bayldon erst 45 Jahre alt – wirkte sonst aber eher noch jünger. Die etwas verfilzte Haarmähne und spitzbärtige Gesichtsbehaarung im Film, aber vor allem Bayldons Mimik in Zusammenspiel mit der händereibenden Gestik, der immer etwas buckelige, zeitweise wild hüpfende Gang, seine aufgeregte Überforderung mit allem, was ihn umgab, und seine aufgekratzte Stimme machten aus Bayldon einen wichtelartigen und zugleich hochbetagt anmutenden Hexenmeister. Zeitreisen interessierten die Filmfigur im Grunde nicht, denn Catweazle wollte ausschließlich fliegen können. Auf einen eventuellen Sprung Catweazles in die Zeit der Computer, CDs und Mobiltelefone angesprochen, resümiert Geoffrey Bayldon, dass – da auch er deren Funktionsweise überhaupt nicht mehr verstehe – Catweazle wohl ganz froh gewesen wäre, möglichst bald wieder in das 11. Jahrhundert zurückzukehren:

„What I thought was, never mind Catweazle, as Geoffrey Bayldon cannot begin to understand the workings of those things at all, I suppose Catweazle would have found peace fizzing quickly back to the eleventh century.“

Für jemanden, der „Catweazle“ Mitte der 1970er Jahre als Kind etwa im Fernsehen gesehen hatte und sich bereits ein Vierteljahrhundert später – im „Digitalen Zeitalter“ – seinerseits quasi in Catweazles Rolle und sehr technologieunkundig wiederfand, zum Beispiel in Zusammenhang mit der Computertechnik, war diese Frage durchaus naheliegend.

Das Titellied Busy Boy wurde von Edward „Ted“ Dicks komponiert und nicht extra für die Serie geschrieben, sondern stammte aus dem Archiv des Fernsehsenders.