Die Enziane (Gentiana) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Die fast weltweit vorkommenden 300 bis 400 Arten gedeihen vorwiegend in den Gebirgen der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden. Einige Arten werden zur Schnapsherstellung und zur Gewinnung von Heilmitteln genutzt. Wenige Arten und Sorten verwendet man als Zierpflanzen.

Namensgebung Der Name Enzian (mittelhochdeutsch noch entzianVgl. etwa Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 371 (Entzian: Enzian, Gentiana lutea L.)) stammt von altlateinisch gentiana, deutsche Namen sind Bitterwurz, Madelger, Kreuzwurz, Baldpreis, Sperenstich usw.

Beschreibung mini|hochkant|Illustration des Ostalpen-Enzian (Gentiana pannonica) aus Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur mini|hochkant|Haltbare Blütenhüllblätter, Frucht und Samen vom Alpen-Enzian (Gentiana alpina) mini|hochkant|Samen von Gentiana triflora var. japonica

Vegetative Merkmale Enziane-Arten wachsen als ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die aufsteigenden bis selbständig aufrechten Stängel sind gerillt oder kantig. Es gibt bei manchen ausdauernden Arten generative und vegetative Sprossachsen.

Die gegenständigen oder selten wirtelig angeordneten Laubblätter stehen in grundständigen Rosetten oder am Stängel verteilt. Die einfachen Blattspreiten besitzen einen glatten Blattrand.

Generative Merkmale Die Blüten stehen seiten- oder endständig, einzeln oder meist zu mehreren in zymösen Blütenständen oder manchmal in kleinen Gruppen oder Wirteln.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünf-, selten vier- oder sechs- bis achtzählig mit doppelter Blütenhülle. Die grünen Kelchblätter sind bis etwa der Hälfte ihrer Länge verwachsen. Die Kelchzähne sind faden- bis eiförmig und besitzen einen erhabenen Mittelnerv. Die meist fünf, selten vier oder sechs bis acht Kronblätter sind oft langröhrig, verkehrt-kegelförmig, glocken-, stielteller-, krug- oder selten radförmig (wohl nur bei Gentiana lutea) verwachsen. Meist sind die Kronröhren viel länger als die Kronzipfel. Zwischen den Kronzipfel befinden sich Faltenlappen (Plicae). Die Kronblätter können ganz unterschiedliche Blautöne aufweisen oder sind gelb bis weißlich. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf, selten vier oder sechs bis acht Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre verwachsen. Die Staubblätter ragen nicht über die Kronblätter hinaus. Die Staubfäden sind an ihrer Basis mehr oder weniger geflügelt. Die Staubbeutel sind meist frei, selten hängen sie zusammen. Es sind fünf bis zehn Drüsen an der Basis des Fruchtknotens vorhanden. Der sitzende oder an einem langen Gynophor befindliche Fruchtknoten ist oberständig und meist mindestens im oberen Bereich einkammerig. Der Griffel ist meist kurz und linealisch, oder seltener lang und fadenförmig oder er fehlt. Die Narbenlappen sind frei oder verwachsen, zurückgebogen, meist länglich bis linealisch, selten ausgebreitet und gerundet.

Die Kapselfrüchte sind zylindrisch bis ellipsoidisch und geflügelt, oder mehr oder weniger schmal verkehrt-eiförmig (schmal ellipsoidisch bei Gentiana winchuanensis), besitzen zwei Fruchtklappen und enthalten viele Samen. Die Samen können geflügelt oder ungeflügelt sein. Die Samenschale ist winzig netzartig, runzelig oder areolate (= gefeldert).

Ökologie

Bei den meisten Enziane schließen sich die Blüten bei bewölktem Himmel und kühler Luft, auch bei Erschütterungen durch Hagel, Regen und starkem Wind.

Systematik und Verbreitung mini|hochkant|Herbarbeleg: Holotypus von Gentiana pumila subsp. delphinensis mini|hochkant|Kochscher Enzian(Gentiana acaulis) mini|hochkant|Clusius-Enzian(Gentiana clusii)

Die Gattung Gentiana wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 227–232. aufgestellt. Als Lektotypus wurde 1913 Gentiana lutea von Nathaniel Lord Britton und Addison Brown in An Illustrated Flora of the Northern United States, Canada, & the British Possessions. 2. Auflage. Band 3, S. 8 festgelegt. Synonyme für Gentiana sind: Calathiana , Chondrophylla , Ciminalis , Dasystephana , Ericala orth. var., Eurythalia orth. var., Favargera , Gentianodes , Holubogentia , Kuepferella , Kurramiana , Mehraea , Pneumonanthe , Qaisera , Tretorhiza , Ulostoma .

Der botanische Gattungsname Gentiana ist der lateinische Name für Arten dieser Gattung, woraus auch althochdeutsch entiān und mittelhochdeutsch enziānFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin/New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 168 f. entstanden, und wurde nachweislich seit 50 bis 100 n. Chr. verwendet. Er leitet sich laut Pedanios Dioskurides und Plinius dem Älteren vom illyrischen König Genthios (180–168 v. Chr.) her, der als Erster die Heilwirkung von Enzian-Arten (vermutlich Gentiana lutea) erkannt haben soll.

Die Gattung Gentiana gehört zur Subtribus Gentianinae aus der Tribus Gentianeae innerhalb der Familie Gentianaceae. Früher wurden auch die Gattungen Kranzenziane (Gentianella), Fransenenziane (Gentianopsis) und Haarschlund (Comastoma) zu einer großen Gattung Enziane (Gentiana s. l.) gezählt.

Die Gattung Gentiana wird in zehn oder elf Sektionen gegliedert:

Sektion Gentiana sect. Asclepiadeae (beispielsweise: Gentiana asclepiadea) Sektion Gentiana sect. Calathianae (beispielsweise: Gentiana bavarica) Sektion Gentiana sect. Chondrophyllae (beispielsweise: Gentiana arisanensis) Sektion Gentiana sect. Ciminalis (beispielsweise: Gentiana acaulis) Sektion Gentiana sect. Cruciata (beispielsweise: Gentiana cruciata) Sektion Gentiana sect. Dolichocarpa (beispielsweise: Gentiana sedifolia) Sektion Gentiana sect. Frigidae (beispielsweise: Gentiana algida) Sektion Gentiana sect. Gentiana (beispielsweise: Gentiana burseri) Sektion Gentiana sect. Isomeria (beispielsweise: Gentiana depressa) Sektion Gentiana sect. Kudoa (beispielsweise: Gentiana arethusae) Sektion Gentiana sect. Pneumonanthe (beispielsweise: Gentiana affinis)

In Europa gedeihen etwa 35 Gentiana-Arten vorwiegend in den Alpen. In Mitteleuropa kommen folgende Arten vor:: Kochscher Enzian oder Silikat-Glocken-Enzian (Gentiana acaulis) Alpen-Enzian (Gentiana alpina) Schmalblättriger Enzian (Gentiana angustifolia) Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) Bayerischer Enzian (Gentiana bavarica) Kurzblatt-Enzian (Gentiana brachyphylla) Villars-Enzian (Gentiana burseri subsp. villarsii) Clusius-Enzian oder Kalk-Glocken-Enzian oder Stängelloser Enzian (Gentiana clusii) Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) Tauern-Enzian (Gentiana frigida) Karawanken-Enzian (Gentiana froelichii) mit der Unterart: Silvia-Zenari-Enzian (Gentiana froelichii subsp. zenarii) Ligurischer Enzian (Gentiana ligustica) Gelber Enzian (Gentiana lutea) Schnee-Enzian (Gentiana nivalis) Rundblättriger Enzian (Gentiana orbicularis) Ostalpen-Enzian oder Pannonischer Enzian oder Ungarischer Enzian (Gentiana pannonica) Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Liegender Enzian (Gentiana prostrata) Niedriger Enzian oder Niedlicher Enzian (Gentiana pumila) Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata) Purpur-Enzian (Gentiana purpurea) Rostans Enzian (Gentiana rostanii) Triglav-Enzian (Gentiana terglouensis subsp. terglouensis) Schleichers Enzian (Gentiana terglouensis subsp. schleicheri) Schlauch-Enzian (Gentiana utriculosa) Frühlings-Enzian oder „Schusternagerl“ (Gentiana verna)

Die Gattung Gentiana umfasst weltweit 300 bis 400 Arten, die vorwiegend in den Gebirgen der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden gedeihen, Gentiana-Arten fehlen in Afrika. In Mexiko gibt es etwa 13 Arten.

In der Gattung Gentiana gibt es weltweit 300 bis 400 Artenmini|hochkant|Gentiana affinis mini|hochkant|Gentiana algida mini|hochkant|Gentiana andrewsii mini|hochkant|Schmalblättriger Enzian (Gentiana angustifolia) mini|hochkant|Gentiana arethusae mini|hochkant|Gentiana arisanensis mini|hochkant|Gentiana boissieri mini|hochkant|Gentiana burseri mini|hochkant|Gentiana calycosa mini|hochkant|Gentiana carinata mini|hochkant|Blütenstand von Gentiana clausa mini|hochkant|Gentiana crassicaulis mini|hochkant|Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) mini|hochkant|Gentiana dahurica mini|hochkant|Schmalblättriger Enzian (Gentiana decumbens) mini|hochkant|Gentiana depressa mini|hochkant|Dinarischer Enzian (Gentiana dinarica) mini|hochkant|Gentiana flavida mini|hochkant|Tauern-Enzian (Gentiana frigida) mini|hochkant|Karawanken-Enzian (Gentiana froelichii) mini|hochkant|Gentiana glauca mini|hochkant|Gentiana hexaphylla mini|hochkant|Gentiana jamesii mini|hochkant|Gelber Enzian (Gentiana lutea) mini|hochkant|Die durch gärtnerische Kreuzung aus Gentiana farreri und Gentiana sino-ornata entstandene Hybride Macauleys Enzian (Gentiana ×macauleyi) mini|hochkant|Blüte im Detail von Gentiana newberryi mini|hochkant|Gentiana nipponica mini|hochkant|Gentiana nipponica mini|hochkant|Schnee-Enzian (Gentiana nivalis) mini|hochkant|Gentiana occidentalis subsp. corbariensis mini|hochkant|Gentiana paradoxa mini|hochkant|Lungen-Enzian(Gentiana pneumonanthe) mini|hochkant|Gentiana puberulenta mini|hochkant|Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata) mini|hochkant|Gentiana saponaria mini|hochkant|Gentiana scabrida var. scabrida mini|hochkant|Gentiana sceptrum mini|hochkant|Gentiana sedifolia mini|hochkant|Gentiana septemfida var. lagodechiana mini|hochkant|Gentiana sierrae mini|hochkant|Gentiana sikokiana mini|hochkant|Gentiana sino-ornata mini|hochkant|Gentiana thunbergii mini|hochkant|Gentiana triflora var. japonica mini|hochkant|Gentiana triflora var. montana mini|hochkant|Gentiana veitchiorum mini|hochkant|Gentiana zollingeri im Habitat Gentiana abaensis : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 3300 Metern im südlichen Gansu sowie nördlichen Sichuan. Kochscher Enzian, Silikat-Glocken-Enzian (Gentiana acaulis ): Er gedeiht in europäischen Gebirgen: in den Alpen, Karpaten, auf der nördlichen Balkanhalbinsel, im Apennin, in den Pyrenäen, im Kantabrischen Gebirge und im Iberische Gebirge. In Deutschland sowie Bulgarien und regional in Frankreich sowie der Schweiz ist Gentiana acaulis geschützt. In Tschechien ist Gentiana acaulis ausgestorben. Es gibt Fundortangaben für Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Montenegro, Albanien, Rumänien und die Ukraine. Gentiana affinis : Sie kommt im westlichen Kanada und in den westlichen und zentralen Vereinigten Staaten vor. Gentiana alata : Sie gedeiht in Waldlichtungen in Höhenlagen von 1200 bis 2000 Metern nur im zentralen Yunnan. Gentiana albicalyx : Sie kommt im nordwestlichen Indien, Nepal, Bhutan, Sikkim und im südlichen Tibet vor. Gentiana albomarginata : Sie gedeiht auf Grasland in Höhenlagen von 1900 bis 3300 Metern nur im nordwestlichen Yunnan. Gentiana algida : Sie kommt in Nordamerika, in Indien, Bhutan und in den gemäßigten Gebieten Asiens vor. Gentiana alii Alpen-Enzian (Gentiana alpina ): Er kommt im südwestlichen und Westlichen Teil der Mittleren Alpen, in den Mittleren Pyrenäen sowie in der Sierra Nevada im südlichen Spanien vor. Gentiana alsinoides : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2700 bis 3400 Metern im westlichen Sichuan und im nordwestlichen Yunnan vor. Gentiana altigena : Sie kommt im nordöstlichen Indien, in Tibet und Yunnan vor. Gentiana altorum : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3700 bis 4200 Metern in Sichuan und Tibet. Gentiana ×ambigua