mini|hochkant|Siegel des Opus Dei Das Opus Dei ( für „Werk Gottes“), seit 1982 offiziell Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei (lateinisch Praelatura Sanctae Crucis et Operis DeiJohannes Paul II.: Constitutio Apostolica Sanctae Crucis et Operis Dei – Ut sit [Apostolische Konstitution Ut sit vom Heiligen Kreuz und Opus Dei]. In: AAS 75, 1983/1, S. 423–425.), ist eine römisch-katholische Einrichtung (lateinisch Institutio), die am 2. Oktober 1928 von dem spanischen Priester Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás gegründet wurde. Seit 1982 ist sie kirchenrechtlich eine Personalprälatur, also ein klerikaler Zweckverband, dem Laien und Kleriker gleichermaßen angehören können.Kirchenrechtlich ist Opus Dei seit 1982 eine Personalprälatur (vgl. CIC 294–297), die bis dahin einzige Organisation dieser Art. Katholische Personalprälaturen sind „klerikale Zweckverbände“, die „aus Klerikern“ bestehen; „ihnen können auch Laien angehören“ (siehe ) Sie wurden 1966 mit dem Motu proprio Ecclesiae sanctae Pauls VI. eingeführt und sollen u. a. besondere seelsorgliche Werke für bestimmte Gruppen oder Regionen ermöglichen; siehe Apostolische Konstitution Ut sit, Opus Dei Schweiz, 28 November 2007.

Escrivás Ziel waren die „Heiligung der Arbeit“ und die „Verchristlichung der Gesellschaft“. Seiner Initiative schlossen sich ehelos lebende Männer an. 1930 gab er ihr den Namen Opus Dei. Im selben Jahr rief er die Abteilung für ehelos lebende Frauen ins Leben. 1943 gründete er innerhalb der Männerabteilung die Priesterliche Gesellschaft vom Heiligen Kreuz. Ein Jahr lang war er ihr einziges Mitglied, bis drei weitere Opus-Dei-Mitglieder zu Priestern geweiht wurden. Seit etwa 1950 können dem Opus Dei auch verheiratete Laien angehören.

1941 erkannte der Madrider Erzbischof das Opus Dei als Fromme Vereinigung (Pia Unio) kirchlich an. 1950 wurde es von Papst Pius XII. zu einem Säkularinstitut der katholischen Kirche erhoben und 1982 von Papst Johannes Paul II. durch die Apostolische Konstitution Ut sit zu einer Personalprälatur,Codex Iuris Canonici (Römisch-Katholisches Kirchenrecht), CIC 294–297.Peter Hünermann, Bernd Jochen Hilberath: Herders Theologischer Kommentar zum 2. Vatikanischen Konzil. Band 4. Verlag Herder, 2016, ISBN 3-451-28562-2: Apostolicam actuositatem; Dignitatis humanae; Ad gentes; Presbyterorum ordinis; Gaudium et spes.Joseph Listl, Dietrich Pirson: Handbuch des Staatskirchenrechts der Bundesrepublik Deutschland. Band 1. 2. Auflage. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1994, S. 294 ff. die der Kongregation für die Bischöfe unterstand.Handbuch des katholischen Kirchenrechts. 3. Auflage. Verlag Pustet, 2015, ISBN 978-3-7917-2723-3, § 61, S. 901 ff. Es war die bislang einzige Organisation dieser Art. Papst Franziskus entschied im Rahmen der Anfang Juni 2022 in Kraft getretenen Kurienreform Praedicate Evangelium in seinem Motu proprio Ad charisma tuendum vom 14. Juli 2022, dass das Werk nicht mehr der Bischofsbehörde, sondern dem Dikasterium für den Klerus unterstellt ist. Damit verlor der Prälat des Opus Dei das Recht auf die Bischofsweihe qua Amt. Dem zuständigen Dikasterium muss er seither jährlich einen Bericht „über den Zustand der Prälatur und die Durchführung ihrer apostolischen Arbeit“ vorlegen, nicht mehr nur alle fünf Jahre.Nach Aufforderung von Papst Franziskus: Opus Dei erarbeitet neue StatutenPeter Hertel: Vermeintlich dunkle Zeiten fürs Opus Dei. Papst Franziskus stutzt dem mächtigen Opus Dei die Flügel. In: Aufbruch - Zeitung für Religion und Gesellschaft, ZürichBasel/Basel, 2. Februar 2023, Nummer 260, Jahrgang 36, S. 13.

Die Konstitution beginnt mit der Hoffnung, das Opus Dei werde für die katholische Kirche „ein kraftvolles und wirksames Werkzeug ihres Heilsauftrags für das Leben der Welt“ sein. Laut den seit 1982 geltenden Statuten des Opus Dei (Codex Iuris Particularis Operis Dei) sind „Personen aller Berufe und Klassen der bürgerlichen Gesellschaft, insbesondere diejenigen, die man Intellektuelle nennt“, die Zielgruppen der Organisation. 2022 hatte sie 95.625 Mitglieder, darunter 2115 Priester und höhere kirchliche Würdenträger, in 70 Ländern. Ihre Zentrale ist die Villa Tevere in Rom.

Geschichte mini|hochkant|Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, Gründer des Opus Dei Ende der 1920er Jahre bis 1931 lebte Escrivá wie zwölf Priester preisgünstig in einem Madrider Priesterwohnheim der Ordensgemeinschaft „Apostolische Damen vom Heiligsten Herzen Jesu“ (Damas Apostólicas), die sich mit Schulen, Suppenküchen und Pflege um Arme und Kranke kümmerte. Als ihr Hauskaplan kam er mit Menschen in den ärmeren Vierteln Madrids in Kontakt.Robert Hutchison: Die heilige Mafia des Papstes. Der wachsende Einfluß des Opus Dei. Droemer Knaur, München 1996, ISBN 3-426-26738-1, S. 65 f. Die kirchenfeindlichen Einstellungen bei den Unterprivilegierten, aber auch an der Universität, an der er Prüfungen ablegte, bedrückten ihn. Er gründete das Opus Dei. Sein Hauptanliegen war es, der katholischen Kirche wieder eine zentrale Rolle in der Gesellschaft zu sichern.Robert Hutchison: Die heilige Mafia des Papstes. Der wachsende Einfluß des Opus Dei. Droemer Knaur, München 1996, ISBN 3-426-26738-1, S. 70. Er schrieb an einflussreiche Freunde und fragte sie, ob sie geeignete männliche Kandidaten, speziell unter Studenten, für seine neue Organisation kennen. Außerdem wirkte er eindringlich auf die Aristokratie ein.Michael Walsh: Die geheime Welt des Opus Dei. Macht und Einfluß einer Organisation im Schatten der Kirche. Wilhelm Heyne Verlag, München 1992, ISBN 3-453-05227-7, S. 32 f. In seelsorgerischer Hinsicht zielte seine Arbeit darauf ab, den katholischen Glauben junger Menschen zu festigen und den Alltag als einen Weg zu Gott zu begreifen.Peter Berglar: Josemaría Escrivá. Leben und Werk des Gründers des Opus Dei. Adamas Verlag, Köln 2005, S. 145–169.

1934 veröffentlichte Escrivá de Balaguer seine erste Schrift Consideraciones Espirituales. Mit dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges entstand daraus die Aphorismensammlung Camino, die 999 Maximen enthält und als geistlich-lebenspraktischer Leitfaden für Mitglieder, katholische Mitarbeiter und Freunde des Opus Dei betrachtet wird. Das Büchlein ist durch die Zeit des spanischen Faschismus geprägt.Adolf Sawoff: Eine kritische Lektüre des Camino von Josemaría Escrivá de Balaguer. In: Klaus-Dieter Ertler u. a. (Hrsg.): Pensées – Pensieri – Pensamientos: dargestellte Gedankenwelten in den Literaturen der Romania. Festschrift für Werner Helmich (= Austria: Forschung und Wissenschaft, Literatur, Band 4). Lit Verlag, Wien 2006, S. 291. Die deutsche Übersetzung kam 1957 unter dem Titel Der Weg im Adamas-Verlag (Köln) auf den Markt. 1962 folgte die zweite Auflage. Seit der dritten deutschen Ausgabe ist der Text des Wegs gegenüber den wörtlichen Übersetzungen der beiden ersten Ausgaben teilweise stark abgeschwächt, während die weiteren Ausgaben des spanischen Camino unverändert herauskamen.

Als im Spanischen Bürgerkrieg im republikanischen Teil des Landes Kirchen zerstört sowie Priester und Ordensangehörige verfolgt wurden, war Escrivá 1937 in den von General Franco besetzten Teil Spaniens geflohen.Peter Berglar: Opus Dei – Leben und Werk des Gründers Josemaría Escrivá, Otto Müller Verlag, Salzburg 1983, ISBN 3-7013-0652-4, S. 156–172. Die Erfahrungen des Bürgerkrieges hätten ihn und das Opus Dei entscheidend geprägt, berichtete der englische Priester Vladimir Felzmann, der aus Tschechien stammte und 1982 das Opus Dei verlassen hatte, 1984 im Westdeutschen Rundfunk (WDR).Vladimir Felzmann: Notwendige Klarstellungen. In: Ritter wider Rot und Teufel (Transkript des WDR), WDR 3 (Hörfunk), 3. November 1984, Redaktion: Leo Waltermann. Escrivá hatte ihn 1965 gebeten, sein Buch Camino ins Tschechische, die Sprache in einem „kommunistischen Ostblockstaat“, zu übersetzen. In einem Gespräch mit ihm habe er Ende der 1960er Jahre Hitler teilweise entschuldigt und sogar den Holocaust verharmlost, weil Hitler im spanischen Bürgerkrieg zugunsten Francos eingegriffen und so geholfen habe, Spanien vor dem Kommunismus und für das Christentum zu retten. Für ihn habe es nicht „Hitler gegen die Juden, Hitler gegen die Slawen“, sondern „Hitler gegen den Kommunismus“ geheißen.Vladimir Felzmann, zitiert in: Peter Hertel: International Christian Democracy (Opus Dei). In: Gregory Baum, John Coleman (Hrsg.): The church and christian democracy (= Concilium – Religion in the Eighties. Band 193 Special Column). T. & T, Clark Ltd., Edinburgh 1987, , , S. 100 f.; . Sprecher des Opus Dei wiesen Felzmanns Aussagen zurück, da sie es „nicht für plausibel“ halten, dass Escrivá sich so geäußert habe.John L. Allen, jr.: Opus Dei: Mythos und Realität – Ein Blick hinter die Kulissen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-06936-5, S. 92. Bereits „anfangs der vierziger Jahre“ hielt Escrivá „un curso de retiro“ (katholische „Besinnungstage“) für das Ehepaar Franco.Peter Berglar: Opus Dei – Leben und Werk des Gründers Josemaria Escriva, Otto Müller Verlag, Salzburg 1983, ISBN 3-7013-0652-4, S. 296. 1946 gab er ihm erneut „Jahresexerzitien“.John L. Allen, jr.: Opus Dei: Mythos und Realität – Ein Blick hinter die Kulissen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-06936-5, S. 81. Für 1953 und 1962 sind weitere Treffen zwischen Escrivá und Franco belegt. Seit den 1950er Jahren wurde das Opus Dei eine wichtige Stütze des politischen Systems des Franquismus, wobei es die nationalistische Falange verdrängte. 1957 wurden drei Opus-Dei-Mitglieder zu Ministern in Francos Regierung ernannt, 1962 kam ein weiterer hinzu (vgl. auch Liste bekannter Opus-Dei-Mitglieder).Peter Berglar: Opus Dei – Leben und Werk des Gründers Josemaria Escriva, Otto Müller Verlag, Salzburg 1983, ISBN 3-7013-0652-4, S. 208.John L. Allen jr.: Opus Dei: Mythos und Realität – Ein Blick hinter die Kulissen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-06936-5, S. 81.f. In den letzten Regierungsjahren Francos sollen zehn der 19 Kabinettsmitglieder dem Opus Dei angehört haben. Als Mitglieder der Organisation sind für die Franco-Ära jedoch nur die vier genannten sicher nachgewiesen.Klaus von Beyme: Vom Faschismus zur Entwicklungsdiktatur: Machtelite und Opposition in Spanien, München 1971, S. 128 f., nennt für 1969 fünf Minister aus dem Opus Dei.

Escrivá selbst enthielt sich direkter politischer Einflussnahme. Ihm wird jedoch vorgeworfen, ein Bewunderer Francos gewesen zu sein und in seinem Werk Der Weg eine Nähe zum Faschismus zu zeigen.Corrado Augias: Die Geheimnisse des Vatikan, Kap. XVI Das Werk Gottes Opus Dei, S. 416f, ISBN 978-3-406-61363-0 Ähnlich der Situation in anderen Staaten Europas stand der spanische Katholizismus damals autoritären Regierungsformen nicht ablehnend gegenüber. Zwar forderte Escrivá, dass alle Mitglieder nach bestem Wissen und Gewissen im christlichen Sinn frei handeln sollen. Aber andererseits erwartete er von seinen Gefolgsleuten „blinden Gehorsam“; denn „in einem Werke Gottes muß dies der Geist sein: daß man gehorcht oder geht“José M. Escrivá: Der Weg, 2. Auflage. Adamas-Verlag, Köln 1962, Nr. 941, S. 191.. Der Gehorsam erstreckt sich auch auf apostolische Initiativen des Opus Dei, die politische bzw. gesellschaftspolitische Inhalte haben können.

1945 begann das Opus Dei mit der Arbeit in Portugal. Ein Jahr später verlegte Escrivá den Zentralsitz seines Werkes von Madrid nach Rom, in das Zentrum der katholischen Kirche. Dort startete die Organisation ihre weltweite Ausbreitung, zunächst in den spanisch wie katholisch geprägten Ländern Mexiko, Argentinien, Chile, Venezuela, Kolumbien, Peru und Ecuador. 1950 ermöglichte sie als erste Einrichtung der katholischen Kirche auch Angehörigen anderer Konfessionen die Mitarbeit (s. unten). 1952 begann das Opus Dei die Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland.