Sébastien Loeb (* 26. Februar 1974 in Haguenau, Elsass) ist ein französischer Rallye- und Automobilrennfahrer.

Loeb debütierte 1999 in der Rallye-Weltmeisterschaft und ist seit 2001 Werksfahrer bei Citroën. Er erzielte bisher neun Weltmeistertitel (2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012), 80 Rallye-WM-Siege sowie über 1600 WM-Punkte. Er hält in der Rallye-Weltmeisterschaft unter anderem den Rekord an gewonnenen Punkten, Wertungsprüfungen, Rallyes, bestimmten Rallyes in Folge, einzelnen Rallye-Lauf-Siegen in Folge und Weltmeisterschaften. Damit ist er nicht nur der erfolgreichste Rallyefahrer, sondern auch einer der erfolgreichsten Motorsportler überhaupt, und einer der erfolgreichsten französischen Sportler der Geschichte.

Der gebürtige Elsässer, dem die Medien den Spitznamen „Super Séb“ gaben, erzielte alle seine Erfolge in der Weltmeisterschaft mit dem monegassischen Beifahrer Daniel Elena. Bei einigen kleineren Rallyeveranstaltungen war seine Frau Séverine Beifahrerin.

Sporadisch nimmt Loeb an Rundstreckenrennen teil. Sein größter Erfolg ist hier der zweite Platz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2006. Zudem gewann er 2003, 2005, 2008, 2022 und 2025 das Race of Champions.

Karriere Kindheit und Jugend Sébastien Loeb wurde am 26. Februar 1974 als einziges Kind von Guy und Ingrid Loeb (gestorben 2005 und 2012)Décès d'Ingrid Loeb, mère de Sébastien Loeb, Dernières Nouvelles d’Alsace, 28. September 2012 (abgerufen am 8. Oktober 2012) (französisch) in Haguenau geboren und wuchs in Oberhofen an der Moder im Elsass auf. Er betrieb in seiner Kindheit Kunstturnen und wurde vierfacher Elsässer Meister, einmal Meister Ostfrankreichs und Fünfter in der französischen Meisterschaft. In seiner Jugend fuhr er Mopedrennen und nahm auch an einigen offiziellen Wettkämpfen teil. Nachdem er zwei Jahre zuvor die Schule abgebrochen hatte, begann er im September 1994 bei Socalec in Haguenau eine Ausbildung zum Elektrotechniker. Im August 1995 erhielt er seinen Abschluss und wurde bei dem Unternehmen angestellt.

Rallyesport 1995–1997: Einstieg in den Rallyesport Mit dem verdienten Geld kaufte Loeb sich einen Renault 5 GT Turbo. Er begann 1995, einige lokale Rallyeveranstaltungen zu fahren. Im gleichen Jahr nahm er im Peugeot 106 an der Rallye Jeunes teil, bei der die Fédération française du sport automobile junge Rallyefahrer sichtete. Er erreichte zwar das Finale, jedoch erhielt ein anderer Fahrer den Vorzug. Bei seiner erneuten Teilnahme 1996 scheiterte er ebenfalls im Finale. Zum Start seiner Karriere fehlte ihm immer noch das Geld. Hilfe bekam er, als das Team Ambition Sport Auto von Dominique Heintz und Rémi Mammosser auf Loeb aufmerksam wurde. Sie stellten ihm 1997 die finanziellen Mittel und einen Peugeot 106 zur Verfügung. Er nahm zunächst an einer regionalen Rallye mit Heintz auf dem Beifahrersitz teil. Anschließend bestritt er mit einem neuen Beifahrer den Markenpokal Volant 106. Dort siegte er bei allen vier gefahrenen Rallyes für 1300-cm³-Fahrzeuge. Daraufhin nahm er noch an zwei Rallyes für Fahrzeuge bis 1600 cm³ Hubraum teil und schnitt auch dort gut ab. In der Gesamtwertung belegte er am Jahresende den achten Platz. Bereits im Laufe des Jahres 1997 begann Loeb seine Zusammenarbeit mit dem Monegassen Daniel Elena als Beifahrer.

1998–2000: Vom Amateur zum Profi mini|links|Loeb und Elena im Citroën Saxo S1600 bei der Rallye Finnland 2001

1998 stieg Loeb auf das Citroën Saxo Kit Car um und startete im Citroën Saxo Kit Car Cup. Alle Rallyes, bei denen er das Ziel erreichte, beendete er als Sieger. Die Saison schloss er auf dem sechsten Gesamtrang ab. Allerdings zerstörte er bei Unfällen auch zwei Fahrzeuge und brachte sein Team Ambition Sport Auto in finanzielle Schwierigkeiten. Im März 1999 verließ Loeb seinen bisherigen Arbeitgeber Socalec nach gegenseitigem Einverständnis, um sich ganz auf den Rallyesport konzentrieren zu können. 1999 gewann er den Citroën Saxo Kit Car Cup und erzielte damit seinen ersten Titel im Rallyesport.Sébastien Loeb im Portrait (Motorsport-Magazin.com am 2. November 2006) Im gleichen Jahr trat er auch der Equipe de France FFSA bei, die ihm seine ersten Schritte in der Rallye-Weltmeisterschaft ermöglichte. Nachdem er bei seinem Debüt, der Rallye Katalonien, ausgefallen war, beendete er die Rallye Korsika und die Rallye San Remo als bestplatzierter Fahrer mit einem Fahrzeug der Klasse A6. Zudem bekam er bei der Rallye Katalonien außerhalb des Wettkampfs die Gelegenheit, seine ersten Runden in einem World Rally Car, einem Seat Cordoba WRC, zu drehen.

Ambition Sport Auto bereitete Loeb zum Saisonbeginn 2000 ein Citroën Saxo Kit Car für einen Lauf der französischen Schotter-Rallye-Meisterschaft vor. Dabei erzielte er den Klassensieg bei den 2WD-Fahrzeugen. Anschließend wurden Citroën und die beiden Sponsoren Jean-Pierre Champeau und Frédéric Schmitt auf Loeb aufmerksam und unterstützten ihn in der restlichen Saison. Loeb fuhr weiterhin Klassensiege ein und gewann die Meisterschaft für 2WD-Fahrzeuge. In der Gesamtwertung der Schotter-Meisterschaft belegte er den dritten Platz. Außerdem pilotierte er 2000 erstmals in der Rallye-Weltmeisterschaft ein World Rally Car, einen Toyota Corolla WRC der Equipe de France FFSA. Damit platzierte er sich bei seinen Einsätzen auf Korsika und in San Remo unter den ersten Zehn, wenn auch außerhalb der Punkteränge. Für den Saisonabschluss der französischen Rallye-Meisterschaft auf Asphalt, die Rallye du Var, stellte Citroën-Sportchef Guy Fréquelin ihm ein Citroën Xsara Kit Car zur Verfügung. Loeb nutzte seine Chance und erzielte bei der Rallye den Gesamtsieg.archive.md/ffsa.org: , abgerufen am 3. November 2024 Daraufhin bot Fréquelin ihm seinen ersten Profivertrag als Werksfahrer bei Citroën an. Die französische Asphalt-Meisterschaft schloss Loeb auf Rang acht ab.

2001–2003: Erste WRC-Erfolge als Citroën-Werksfahrer mini|Sébastien Loeb im Citroën Saxo S1600 bei der Rallye Finnland 2001

Als Fahrer im Citroën-Werksteam bestritt Loeb 2001 den größten Teil der Saison in der Rallye-Weltmeisterschaft für Super-1600-Fahrzeuge im Rahmen der WRC. Im Citroën Saxo S1600 gewann er seine Klasse bei allen fünf gefahrenen Rallyes, darunter die Rallye Katalonien, die Rallye Griechenland, die Rallye Finnland, die Rallye Korsika und die Rallye Großbritannien. Bei der Rallye San Remo ging er hingegen nicht in der Super-1600-Klasse an den Start. Sein Teamchef und Mentor Guy Fréquelin ermöglichte ihm in San Remo stattdessen seinen ersten Einsatz im Citroën Xsara WRC. Loeb erzielte auf Anhieb vier Wertungsprüfungs-Bestzeiten und musste sich am Ende der Rallye nur um wenige Sekunden Gilles Panizzi geschlagen geben. Dennoch erzielte er mit dem zweiten Platz sein bisher bestes Ergebnis in der Weltmeisterschaft sowie seine ersten WRC-Punkte. Am Ende der Saison stand mit deutlichem Punktevorsprung der Titel in der Super-1600-WM sowie der 14. Platz in der Gesamtwertung zu Buche. Nebenbei war er 2001 weiterhin im Citroën Xsara Kit Car in der französischen Rallye-Meisterschaft auf Asphalt aktiv. Dort gewann er alle sechs Rallyes, bei denen er das Ziel erreichte, und wurde mit großem Punktevorsprung französischer Meister.

mini|Sébastien Loeb mit dem Citroën Xsara WRC bei Testfahrten in Finnland 2002

2002 erhielt Loeb einen festen Platz im Citroën Xsara WRC. Die Saison war aber noch eher ein „Lehrjahr“ als ein ernsthafter Angriff auf die Weltmeisterschaft, da er nur bei 9 von 14 WRC-Rallyes teilnahm. Den Saisonauftakt, die Rallye Monte Carlo, absolvierte Loeb zwar als schnellster Pilot, jedoch erhielt er wegen eines verbotenen Reifenwechsels nachträglich eine Zeitstrafe und fiel somit auf den zweiten Platz hinter Tommi Mäkinen zurück. Nachdem er zwischenzeitlich nur durchschnittliche Ergebnisse eingefahren hatte, konnte er im August bei der Rallye Deutschland seinen ersten WRC-Sieg feiern. Die Saison beendete er auf Platz zehn in der Fahrerwertung.

2003 bestritt Loeb und das Citroën Total World Rally Team erstmals eine komplette Saison in der Rallye-Weltmeisterschaft. Dabei gewann er die Rallyes in Monte Carlo, Deutschland und San Remo. Sein Ansehen stieg während dieser Saison weiter an, da Loeb sich gegen seine stark eingeschätzten Teamkollegen Carlos Sainz und Colin McRae behaupten konnte, die beide schwächere Resultate ablieferten. Vor der abschließenden Rallye Großbritannien lag Loeb mit einem Punkt Vorsprung vor Petter Solberg in Führung. Allerdings erhielt er von seinem Team die ausdrückliche Anweisung, defensiv zu fahren, um nicht die Meisterschaft in der Herstellerwertung für Citroën zu gefährden, nachdem Sainz ausgeschieden war. Loeb gehorchte und beendete die Rallye demnach auf Platz zwei hinter Solberg und verpasste den WM-Titel um nur einen Punkt.

2004–2006: WRC-Titel im Citroën Xsara WRC mini|Sébastien Loeb im Citroën Xsara WRC bei der Rallye Zypern 2004

Im Jahr 2004 begann Loebs Dominanz in der Rallye-Weltmeisterschaft, ähnlich der von Michael Schumacher zu dieser Zeit in der Formel 1. Loeb, der zuvor als Asphalt-Spezialist galt, war nun auch auf Schotter zunehmend erfolgreich. So gewann er in diesem Jahr nicht nur die Rallyes in Monte Carlo und Deutschland, sondern auch die auf Schotter ausgetragenen Rallye Zypern, Rallye Türkei und Rallye Australien. Zudem siegte er als erster nicht aus Skandinavien stammender Fahrer bei der Rallye Schweden auf Schnee. Bis zum Saisonende hatte er insgesamt sechs Siege sowie sechs zweite Plätze eingefahren. Damit egalisierte er den Rekord des Franzosen Didier Auriol, der 1992 ebenfalls sechs WRC-Rallyes innerhalb einer Saison gewinnen konnte. Die Fahrerwertung führte Loeb mit 36 Punkten Vorsprung auf seinen dichtesten Verfolger, Petter Solberg, an. Somit errang er 2004 seinen ersten Weltmeistertitel.

2005 baute Loeb seine Dominanz in der WRC weiter aus. In diesem Jahr stellte er mehrere Rekorde auf. Beim neunten Saisonlauf, der Rallye Argentinien, errang er seinen sechsten WRC-Sieg in Folge, was noch keinem Fahrer zuvor gelang. Bereits beim viertletzten Saisonlauf, der Rallye Japan, sicherte er sich vorzeitig den Titel. Loeb gewann insgesamt 10 von 16 gefahrenen Rallyes, darunter die Rallye Monte Carlo, die Rallye Neuseeland, die Rallye Sardinien, die Rallye Zypern, die Rallye Türkei, die Rallye Griechenland, die Rallye Argentinien, die Rallye Deutschland, die Rallye Korsika und die Rallye Katalonien. Mit seinen zehn Siegen im Jahr 2005 war er nun der alleinige Rekordhalter für die größte Anzahl an WRC-Siegen pro Saison. Bei der Rallye Korsika gelang es ihm, als erster Fahrer alle Wertungsprüfungen einer WRC-Rallye für sich zu entscheiden."Grand Slam" für Überflieger Loeb (AutoBild.de am 24. Oktober 2005) Sein Punktevorsprung in der Fahrerwertung auf den Zweitplatzierten, Petter Solberg, betrug am Saisonende 56 Zähler. Noch nie zuvor gewann ein Fahrer mit einem so großen Vorsprung die Rallye-Weltmeisterschaft. Außerdem schaffte Loeb es, 12 Mal hintereinander auf das Podium und 13 Mal hintereinander in die Punkteränge zu fahren, womit er ebenfalls neue Rekorde setzte.

mini|Sébastien Loeb im Citroën Xsara WRC bei der Rallye Japan 2006