mini|hochkant=1.3|Gesamtansicht der Viadrina vom Oderturm aus gesehen (2012)

Die Europa-Universität Viadrina ist eine Universität in Frankfurt (Oder). Das Wort Viadrina kommt aus dem Lateinischen und lässt sich mit die an der Oder gelegene übersetzen. Die Universität ist auf die Geistes- und Sozialwissenschaften konzentriert und bietet Studiengänge in Kulturwissenschaften, Jura und Wirtschaftswissenschaften an.

Im Wintersemester 2024/2025 waren an der Universität 3933 Studenten immatrikuliert, von denen rund 59 % Deutsche und 41 % ausländische Studierende sind. Den größten Anteil der ausländischen Studierenden bilden polnische Studierende mit etwa 6 %. mini|Hauptgebäude Große Scharrnstraße Die Universität sieht sich in der Tradition der Brandenburgischen Universität Frankfurt (1506–1811). Sie wurde 1991 im Zuge des Neuaufbaus und der Neustrukturierung der Universitätslandschaft in den Neuen Ländern neu gegründet und hat ihren Sitz im ehemaligen Regierungspräsidium. 2008 wurde die Änderung der Rechtsform der Viadrina in eine Stiftungsuniversität beschlossen.

Leitbild und Schwerpunkte Die Denkschrift über die Neugründung im Jahr 1991 betont, dass der Universität vier spezifische Aufgaben aufgetragen worden sind: Sie soll als Reformuniversität wirken. Das Neue sollte vornehmlich in ihrer Internationalität und ihrer Interdisziplinarität liegen. Sie soll zur Entwicklung der Region diesseits und jenseits der Oder beitragen. Sie soll die deutsch-polnische Zusammenarbeit, insbesondere auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Kultur fördern. Sie soll der gesamteuropäischen Integration Impulse geben.

Hinsichtlich der Internationalität legt die Viadrina ihren Schwerpunkt auf Europa, insbesondere Polen, Ostmitteleuropa und die Europäische Union (einschließlich der Anrainerregionen bis nach Zentralasien). Allerdings schließt die Konzentration auf Europa den Bezug auf außereuropäische Länder nicht aus – so unterhält die Viadrina weltweit zu ca. 200 Universitäten Kontakte (beispielsweise nach Russland, Nord- und Südamerika, Südafrika oder Australien). Im Lehrangebot äußert sich dieser Schwerpunkt u. a. im Angebot von mehrsprachigen Studiengängen, dem Studierendenaustausch, internationalen Lehrveranstaltungen sowie der Sprachausbildung nach europäischen Standards (UNIcert).

Die Interdisziplinarität schlägt sich in fakultätsübergreifenden Studiengängen wie dem Master of „European Studies“ oder dem Master „Schutz Europäischer Kulturgüter“ sowie interdisziplinär konzipierten Lehrveranstaltungen und Studiengangsordnungen nieder. Im Bereich der Forschung ist die Interdisziplinarität in drei Forschungsinstituten der Viadrina verankert: im Interdisziplinären Zentrum für Ethik (IZE), das vornehmlich Fragen der Gerechtigkeit in der Transformation sowie bioethische und mit medizinethische Fragen bearbeitet; im Frankfurter Institut für Transformationsforschung (FIT), in dem Mitglieder aller drei Fakultäten zusammenarbeiten und das sich gerade auch mit Transformationsphänomenen im grenznahen Bereich befasst; und im Heinrich-von-Kleist-Institut, das Literaturwissenschaft und Politik miteinander verbindet.

Hinsichtlich der deutsch-polnischen Zusammenarbeit ist zuerst die Kooperation mit der Partneruniversität in Posen (der Adam-Mickiewicz-Universität), in der deutsch-polnischen Juristenausbildung (Bachelor sowie Master of German and Polish Law) und vor allem das mit der Posener Universität gemeinsam betriebene Collegium Polonicum in Słubice zu nennen. Darüber hinaus unterhält die Viadrina zu einer Vielzahl anderer polnischer Universitäten Kontakte. Im November 2022 wurde außerdem das Viadrina Center of Polish and Ukrainian Studies als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität gegründet.

Geschichte mini|hochkant=0.8|500 Jahre Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), Deutsche Briefmarke (2006)

Die Universität wurde im Juli 1991 gegründet und startete im Oktober 1992 in ihr erstes akademisches Jahr. Gründungsrektor der Universität war Knut Ipsen (1991–1993). Von 1993 bis 1999 folgte Rektor Hans Weiler, bis im Jahr 1999 Präsidentin Gesine Schwan das Amt übernahm.

Im Jahr 2004 erlangte die Universität zusätzliche Bekanntheit durch die Nominierung ihrer Präsidentin Gesine Schwan zur Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten durch die SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

Im Sommersemester 2006 wurden an der Viadrina die Feierlichkeiten zur 500-Jahr-Feier der Universität begangen, wobei Bezug auf die 1811 geschlossene Universität, die Alma Mater Viadrina, genommen wurde, und gleichzeitig der 15. Geburtstag der 1991 gegründeten Universität gefeiert.

Eine hochschulartige Einrichtung war von 1930 bis 1932 die Pädagogische Akademie Frankfurt (Oder) unter Otto Haase, die nach einer kurzen Schließung aus Spargründen ab 1933 bis zur kriegsbedingten Einstellung als Hochschule für Lehrerbildung durch den NS-Staat unter Albrecht Burchard und darauf Oswald Muris weiter betrieben wurde.

Fakultäten und Studienangebot Kulturwissenschaftliche Fakultät mini|Pädagogische Akademie Frankfurt (Oder) im Bau von 1931

Die Fakultät ist mit rund 2000 Studierenden die größte Fakultät der Viadrina. Ihr Studienangebot umfasst:

Grundständige Studiengänge (Bachelor of Arts): Kulturwissenschaften Cultural and Social Studies Interkulturelle Germanistik Recht und Politik (interdisziplinärer Studiengang mit der Juristischen Fakultät) Die konsekutiven Masterstudiengänge (Master of Arts): European Studies (interdisziplinärer Studiengang aller drei Fakultäten) Europäische Kulturgeschichte Sprache – Medien – Gesellschaft Literaturwissenschaft: Ästhetik – Literatur – Philosophie Soziokulturelle Studien Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas Geschichte der Moderne transkulturell Multimodalität – Diskurs – Medien Weiterbildende Masterstudiengänge (Master of Arts): Schutz europäischer Kulturgüter Kulturmanagement und Kulturtourismus

Juristische Fakultät An der Juristischen Fakultät waren zum Wintersemester 2019/2020 fast 1.800 Studierende eingeschrieben. Die Juristische Fakultät bietet den Studiengang Rechtswissenschaften (Erste Juristische Prüfung/LL.B.) sowie folgende Master-Studiengänge an: Mediation und Konfliktmanagement (LL.M. oder M.A.) Master of International Human Rights and Humanitarian Law (LL.M.) Master’s Program „Human Rights & Genocide Studies“ (M.A.) Magister-legum-Studiengang (LL.M.) Europäisches Wirtschaftsrecht European Studies Recht der Wirtschaft (Aufbaustudiengang) Master of Compliance & Integrity Management

Eine Besonderheit stellt des Weiteren die deutsch-polnische Juristenausbildung, der Bachelor und Master of German and Polish Law, dar, den die Viadrina zusammen mit der Adam-Mickiewicz-Universität anbietet.

Weiterhin sind an der Juristischen Fakultät das Institut für Konfliktmanagement, das Frankfurter Institut für das Recht der Europäischen Union und das Interdisziplinäre Zentrum für Ethik angesiedelt.

Die Alumni des Master-Studiengangs Mediation und Konfliktmanagement erfahren Unterstützung durch den Verein zur Förderung von Wissenschaft und Praxis der Mediation e. V. mit Sitz in Berlin.

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät waren Wintersemester 2025/2026 knapp 1.362 Studierende immatrikuliert. Das Studienangebot der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät umfasst die Studiengänge:

Bachelor Programme: Internationale Betriebswirtschaftslehre (Bachelor of Science, B.Sc.) Wirtschaft und Recht (B.Sc.) Recht und Wirtschaft (Bachelor of Laws (LL.B.)) Wirtschaftsprüfung (duales Studienprogramm, Bachelor of Science, B.Sc) Business Taxation (duales Studienprogramm, Bachelor of Science, B.Sc) International Business Administration (Bachelor of Science, B.Sc.)

Master Programme

International Business Administration (Master of Science, M.Sc.)

European Studies (Doppelmasterprogramm in Kooperation mit der Adam-Mickiewicz-Universität Posen, der Istanbul Bilgi University und der Deutsch-Französischen Hochschule) Digital Entrepreneurship (Master of Arts, M.A.)

Als eine der ersten Universitäten in Deutschland bietet die Europa-Universität Viadrina Kurse im neuen Forschungsfeld E-Sport an.

Internationale Ausrichtung und Partneruniversitäten

Bestandteil des internationalen Studienprofils ist die Möglichkeit zu einem integrierten Auslandsstudium. Studierende der wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorstudiengänge International Business Administration und Internationale Betriebswirtschaftslehre absolvieren im zweiten Studienabschnitt einen integrierten Auslandsaufenthalt; bei weiteren wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen ist ein Auslandssemester teilweise fakultativ.

Die Europa-Universität Viadrina verfügte im Jahr 2025 über 292 aktive internationale Hochschulpartnerschaften. Rund zwei Drittel dieser Partnerschaften entfielen auf 31 europäische Länder; weitere Kooperationen bestanden unter anderem in Amerika, Asien, Afrika und Australien. Innerhalb Europas bestehen viele Hochschul- Partnerschaften in Polen und Frankreich.

Neben klassischen Austauschprogrammen bestehen Doppelabschlussprogramme. Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich waren 2025 Doppelabschlüsse mit neun Universitäten in fünf Ländern in Europa und Südamerika möglich.

Für Bachelorstudierende der Studiengänge International Business Administration und Internationale Betriebswirtschaftslehre bestehen Doppelabschlussmöglichkeiten mit der Universidad Católica de Córdoba, der University of Vaasa, der ICN Business School in Nancy, der Toulouse Business School und der SGH Warsaw School of Economics.

Für Studierende des Masterstudiengangs International Business Administration bestehen Doppelabschlussmöglichkeiten mit der Universidad Católica de Córdoba, der University of Vaasa, der NEOMA Business School, der University of Macerata und der SGH Warsaw School of Economics.

European New School of Digital Studies Seit 2020 wird zudem an der European New School of Digital Studies in Kooperation mit der Adam-Mickiewicz-Universität Posen ein weiterer interdisziplinärer Studiengang angeboten:

Master of Digital Entrepreneurship (M.A.)

Organisation Die Europa-Universität wird mit Wirkung seit dem 1. März 2008 nicht mehr vom Land Brandenburg getragen, sondern durch eine Stiftung des öffentlichen Rechts, errichtet durch das Gesetz über die Errichtung der Stiftung Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (StiftG-EUV). Das Stiftungsvermögen betrug 2012 etwa 6,2 Millionen Euro (6.195.860,35 Euro). Der Wirtschaftsplan der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) für 2012 sah Zuweisungen des Landes Brandenburg (Titel 682 64) in Höhe von etwa 25 Millionen Euro (25.192.600 Euro) vor, dazu Verwaltungseinnahmen der Universität in Höhe von 528.000 Euro, und damit insgesamt ein Budget in Höhe von 25.720.600 Euro.

Universitätspräsidenten mini|Portal des Hauptgebäudes

Knut Ipsen (1991–1993) Hans Weiler (1993–1999) Gesine Schwan (1999–2008) Gunter Pleuger (2008–2014) Alexander Wöll (2014–2017) Stephan Kudert (geschäftsführend; Januar – September 2018) Julia von Blumenthal (2018–2022) Eva Kocher (geschäftsführend; Oktober 2022 – März 2023) Eduard Mühle (seit April 2023)

Standorte Die meisten Gebäude und Studierendenwohnheime der Viadrina liegen im Stadtkern, direkt an der Oder und nahe der Grenzbrücke zu Polen. Es gibt fünf Wohnheime in der Stadt, außerdem können Studierende Wohnheime in der polnischen Nachbarstadt Słubice beziehen. Die Wohnheime in Frankfurt/Oder sind durch das Tramsystem direkt mit der Universität verbunden.

mini|Gräfin-Dönhoff-Gebäude: Hörsaal- und Mensakomplex der Universität

Im über hundert Jahre alten ehemaligen Regierungspräsidium im Stadtzentrum befinden sich die Universitätsbibliothek, Seminarräume sowie die Büros des Präsidenten, vieler Lehrstühle und große Teile der Universitätsverwaltung.