Coney Island (englisch für Kanincheninsel) ist eine Halbinsel und ein Stadtteil (Neighborhood) im Süden des Stadtbezirks Brooklyn in New York City an der Atlantikküste. Coney Island ist durch die großen Vergnügungsparks, seinen Strand und die angrenzende Hochhaussiedlung russischer Einwanderer bekannt.

Der gleichnamige Stadtteil Coney Island nimmt auf der Halbinsel den Abschnitt zwischen dem östlich gelegenen Ocean Parkway, der die Grenze zu Brighton Beach darstellt, und der West 37th Street als Abgrenzung zu Sea Gate ein. Die nördliche Grenze bildet der Belt Parkway. Im Jahr 2020 hatte das Viertel laut US-Census 44.931 Einwohner.NYC Planning US-Census 2020, 134 Blocks. Der 3,7 km² große Stadtteil ist Teil des Brooklyn Community District 13, hat die Postleitzahl 11224 und gehört zum 60. Bezirk des New Yorker Polizeidepartements.NYC Planning Community District Profiles.New York City Police Department 60th Precinct. Kommunalpolitisch wird Coney Island vom 47. Bezirk des New York City Council (Stadtrat) vertreten.

Weitere Viertel auf der Halbinsel sind Sea Gate, Brighton Beach und Manhattan Beach. Ursprünglich war Coney Island eine Insel, die sich rund acht Kilometer in Ost-West-Richtung erstreckte und einen knappen Kilometer breit war. Sie war von Brooklyn durch die Meerenge Coney Island Creek getrennt, die in den 1940er Jahren gut zur Hälfte zugeschüttet wurde, um an dieser Stelle die Shore-Parkway-Stadtautobahn zu errichten.

Geschichte Herkunft des Namens Die Bezeichnung coney stammt aus dem Niederländischen und taucht erstmals 1639 in einer KarteJoan Vinckeboons (Johannes Vingboon): Manatvs gelegen op de Noot Riuier. 1639. Coney Island heißt „Conyne Eylandt“. Vinckeboons’ Karte in der Library of Congress. von Johannes Vingboon auf. Als New York noch Nieuw Amsterdam hieß und die Gegend zur niederländischen Kolonie Nieuw Nederland gehörte, war sie unter dem Namen Conyne Eylandt bekannt, was nach heutiger Sprachgebung Konijn Eiland, also „Kanincheninsel“ bedeutet. Der Name rührt tatsächlich von großen Kaninchenpopulationen her, die seinerzeit Long Island bevölkerten.

In jener Zeit siedelten sich hier auch die ersten Europäer an. Im Jahre 1643 ließ sich die Engländerin Lady Deborah Moody (1586–1659?) hier nieder und gründete Gravesend. Dies war eine der wenigen Koloniegründungen in Nordamerika durch eine Frau.

Nach der Eroberung der Kolonie durch die Briten 1664 und 1674 wurde der Name ins Englische transkribiert, wobei coney tatsächlich ein veraltetes Wort für „Kaninchen“ ist. 1690 taucht bereits die Bezeichnung Conney Isle auf,Robert Morden: A Map of ye English Empire in the Continent of America. 1690. Coney Island heißt „Conney Isle“. 1733 wird erstmals die noch heute gültige Formulierung Coney Island verwendet.Henry Popple: A Map of the British Empire in America. Blatt 12, 1733. Coney Island heißt „Coney Island“. Popples Karte in David Rumsey Map Collection.John H. Eddy: Map Of The Country Thirty Miles Round the City of New York. 1811. Coney Island heißt „Coney I.“. Eddys Karte in David Rumsey Map Collection. Obwohl die Herkunft des Namens zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, halten sich zahlreiche anders lautende Gerüchte über seinen Ursprung. So sollen englische Siedler der Insel wegen ihrer Hügel den Namen Cone Island („Insel der Kegel“) gegeben haben. Andere behaupten, der Name stamme von einer gleichnamigen Insel vor der Küste Irlands bei der Stadt Sligo ab. Wiederum andere meinen, der Begriff coney leite sich vom Volk der Konoh ab, die dort früher gelebt haben sollen. In Wirklichkeit lebten dort die Nyack. Sie verkauften jene „Sandbank“ 1654 an die europäischen Siedler.

Die einheimischen Lenape nannten die Insel dagegen Narrioch, „Land ohne Schatten“, weil an den Stränden in dieser Gegend den ganzen Tag über die Sonne schien.

Sommerfrische und Amüsierviertel (ab 1829) Im 19. Jahrhundert wurde Coney Island zu einem Bade- und Ferienort für wohlhabende amerikanische Bürger, die es sich leisten konnten, die gut 20 Kilometer von New York in die Sommerfrische zu reisen. Im Jahre 1829 wurde die erste Straßenverbindung mit Brücke über den Coney Island Creek gebaut; gleichzeitig eröffnete mit dem Coney Island House das erste Hotel, weitere kamen in den darauf folgenden Jahrzehnten hinzu.

Doch die Insel zog zunehmend auch Politiker und Geschäftsleute an, die dort ihre teils fragwürdigen Geschäfte abwickelten, allen voran ein gewisser Mike Norton, der während des Sezessionskrieges ein Vermögen mit Armeeausrüstungen verdient hatte.

mini|Das Elephant Hotel So kamen nach und nach weniger feine Etablissements hinzu. Vor allem Neureiche und Geschäftemacher errichteten im Westen der Insel Hotels mit klangvollen Namen wie „Windsor“, „Tivoli“ oder „Sea View“, die jedoch in Wahrheit vor allem dem Glücksspiel und der Prostitution dienten. Dieses Milieu zog Kriminelle aller Art an. Ecke Surf Avenue und 5. Straße West stand das wohl bekannteste derartige Etablissement, das Hotel Elephant von James V. Lafferty aus dem Jahre 1885. Der 100 Fuß (≈ 30 Meter) lange und 72 Fuß (≈ 22 Meter) hohe Bau in Form eines Elefanten wurde schnell zu einem Sinnbild für das „horizontale Gewerbe“, was sich in dem Ausdruck „Seeing the Elephant“ („Den Elefanten besuchen“) niederschlug. Bis heute hat sich im New Yorker Slang auch die Bezeichnung „Coney Island Whitefish“ („Coney Island Weißfisch“) für gebrauchte Kondome gehalten.

Die damals zuständige Gemeinde Gravesend mit ihren 500 Einwohnern sah sich außerstande, etwas dagegen zu unternehmen. Stattdessen kam man dort unter Führung des berüchtigten Bürgermeisters John McKane auf die Idee, selbst solche Etablissements zu errichten und sich durch deren Verpachtung einen Anteil der Einnahmen zu sichern, was die Entwicklung noch forcierte.

mini|links|Peter Tilyous Surf House Voraussetzung für diese Entwicklung war, dass seit 1846 ein Raddampfer mehr oder weniger regelmäßig von Manhattan aus die Insel anfuhr: Da die Überfahrt nur 50 US-Cent kostete, war Coney Island von da an auch für die Mittelschicht erreichbar. Peter Tilyou errichtete 1865 mit dem Surf House („Haus an der Brandung“) das erste Strandbad mit Ausschank für Bayerisches Bier. Bis in die 1880er Jahre folgten weitere Badeanstalten, etwa der Manhattan Beach Bathing Pavilion („Strandbad Manhattan Beach“), der Brighton Beach Bathing Pavilion („Strandbad Brighton Beach“), die West Brighton Baths („Badeanstalten West Brighton“) und die Iron Pier Baths („Strandbad am Eisernen Pier“).

mini|Das Brighton Beach Hotel Als der Westen von Coney Island immer mehr von der Mittelschicht bevölkert wurde und andere Teile als Amüsierviertel in Verruf gerieten, zogen sich die Wohlhabenden in den Ostteil der Insel zurück: 1876 entstanden in Höhe der Coney Island Avenue das Manhattan Beach Hotel und das Oriental Beach Hotel von August Corbin und zwei Jahre später einige Hundert Meter östlich davon das Brighton Beach Hotel von William A. Engeman, die beide damals zu den nobelsten und größten Hotels der Vereinigten Staaten gehörten. Da das Baden im Meer in der Oberschicht inzwischen in Mode gekommen war, waren diese Häuser stark frequentiert.

Weil das Brighton Beach Hotel im Laufe der Jahre zunehmend von Küstenerosion bedroht war, wurde das 150 Meter lange und 6000 Tonnen schwere Bauwerk im Frühjahr 1888 untergraben, am Stück auf 120 Eisenbahnwaggons gehoben und von sechs Dampflokomotiven knapp 200 Meter weit ins Landesinnere verschoben.

Bau der Eisenbahnen (1867–1885) mini|links|Zeitungsartikel über den Eisernen Pier (1879) Neben der Dampfschifffahrtslinie nach Manhattan sorgten vor allem die in den 1860ern und 1870ern vom damaligen südlichen Stadtrand von Brooklyn her errichteten Eisenbahnstrecken für einen stetig wachsenden Besucherstrom. Dieser verstärkte sich mit der Eröffnung der Brooklyn Bridge 1883 und dem Anschluss an die Hochbahnen der Brooklyn Elevated Railroad (BER) sechs Jahre später noch weiter. Die Strecken gehören heute weitgehend zur New Yorker U-Bahn.

1867 erreichte die Brooklyn, Bath and Coney Island Railroad die Insel. Die zunächst als Pferdebahn betriebene Strecke verlief von der Ecke 25. Straße und 5. Avenue, Brooklyn aus über New Utrecht Avenue und 86. Straße bis etwa an die Stelle, an der sich der heutige Bahnhof Coney Island–Stillwell Avenue befindet. Die Strecke entspricht im Wesentlichen der heutigen BMT West End Line und ist die älteste Strecke der New Yorker U-Bahn.

1875 nahm die Prospect Park and Coney Island Railroad von Andrew Culver zwischen dem Prospect Park und der Insel den Betrieb auf; Endbahnhof war das Culver Terminal an der Ecke Surf Avenue und 5. Straße West. Die heutige BMT Culver Line verlief entlang der Gravesend Avenue, der heutigen McDonald Avenue.

1878 eröffnete die Brooklyn, Flatbush and Coney Island Railroad ihre Ausflugsbahn vom Prospect Park zum Brighton Beach Hotel. Sie entspricht der heutigen BMT Brighton Line.

1879 konnte schließlich die Sea Beach and Coney Island Railroad ihren Betrieb aufnehmen. Der Endbahnhof lag etwa in Höhe der 10. Straße West. Die Strecke ist heute als BMT Sea Beach Line bekannt.

1880 eröffnete die New York and Brighton Beach Railway, die bereits eineinhalb Monate nach Betriebsbeginn wieder aufgeben musste. Versuche, die Bahn noch zu retten, scheiterten.

1885 nahm schließlich die New York and Manhattan Beach Railway in Kooperation mit der Long Island Rail Road (LIRR) ihren Betrieb auf. Sie verkehrte von East New York und Battery Bay Ridge aus hinunter zum Manhattan Beach Hotel. Da sie nicht entlang der Hauptverkehrsströme verlief, befand sie sich zunehmend abseits vom Geschehen, so dass sie 1924 stillgelegt wurde.

mini|Andrew Culvers Eisenturm mit Dampfaufzug Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten baute Culver seine Eisenbahn entlang der Ortschaften zwischen Brooklyn und dem Südstrand, so dass sie das ganze Jahr über kostendeckend betrieben werden konnte und der Fahrpreis nur noch 35 US-Cent betrug. 1878 wurde die Strecke schon zweigleisig ausgebaut. Neben dem Endbahnhof entstanden unter Culvers Regie die ersten „gewöhnlichen“ Hotels und der 90 Meter hohe Eisenturm mit Aussichtsplattform und Dampfaufzug, den er 1876 von der Weltausstellung in Philadelphia erworben hatte. Seine Investitionen hatten maßgeblichen Anteil an der Entwicklung hin zum späteren Massentourismus.

Der Anschluss der Eisenbahnstrecken an die Brooklyn Elevated Railroad 1889, die New Yorker U-Bahn 1901 und die Einführung des Einheitstarifs von 5 US-Cent mit den Doppelverträgen (Dual Contracts) im Jahre 1913 machte Coney Island endgültig für die Massen der vor allem armen Leute aus ganz New York verfügbar. Zur Bewältigung dieser Menschenmengen wurden die Bahnstrecken teilweise auf vier Gleise ausgebaut und 1919 schließlich der neue achtgleisige Endbahnhof an der Stillwell Avenue eröffnet.

Die Coney Island and Brooklyn Railroad verband mit ihrer Pferdebahn eine Reihe von Fähranlegern am südlichen Stadtrand von Brooklyn mit Coney Island. Der Endbahnhof befand sich etwas weiter weg vom Strand an der Gravesend Avenue (heute McDonald Avenue). Da die Strecke inmitten der Coney Island Avenue verlief, wurde sie auf Straßenbahnbetrieb umgerüstet. Wie auch alle weiteren Brooklyner Straßenbahnstrecken wurde sie in den 1950er Jahren stillgelegt. Die Route bedient heute die Buslinie B68.

Für die Schifffahrt wurde 1878 in Höhe der 8. Straße West ein Anleger errichtet, der bereits 1880 durch ein größeres Bauwerk ersetzt wurde, so dass Dampfschiffe zur Hochsaison im 20-Minuten-Takt verkehren konnten. Dazu kamen noch neue Straßenverbindungen, wie etwa der 1876 gebaute Ocean Parkway. Die über 20 Meter breite Straße verlief vom Prospect Park aus nahezu schnurgerade bis zur Küste und war dabei von Alleebäumen gesäumt.

Pferderennen und erste Achterbahnen